Journal Freitag, 5. März 2021 – Umzugstag, es gibt Überlebende – #WMDEDGT

Samstag, 6. März 2021 um 7:33

Zwar kein Alltag, aber trotzdem ein Beitrag zu Frau Brüllens Initiative #WMDEDGT – Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, mit der sie an jedem 5. des Monats Tagebuch-Blogposts sammelt.

Gemein schlechte Nacht, das Sorgen- und Angstkarussell war mit tausend Unwägbarkeiten und Problemen des Umzugs gut besetzt. Um fünf erklärte ich die Nacht für beendet, duschte, zog mich wieder in Sportkleidung an, veröffentlichte den Blogeintrag, sah, dass es draußen tatsächlich zum ersten Mal seit Wochen regnete.

Räumen und Tragen, bis die Umzugsfirma pünktlich kurz vor sieben eintraf, fünfköpfig. Herr Kaltmamsell übernahm oben in der neuen Wohnung die Richtungsweisung, ich war unten in der alten ansprechbar und erklärte dem Chef Grundsätzliches (was muss hoch, was ins Lager, was bleibt erstmal und wird selbst umgezogen), das er gleich an seine Truppe weitergab.

In den folgenden Stunden war wenig für mich zu tun, ich machte vor allem sauber, wo Möbel und Kisten gestanden hatten. Gerne hätte ich mit Herrn Kaltmamsell Kontakt per Walkie Talkie gehalten, doch er reagierte auf mein Ansinnen mit: „Sind wir 12?“ (JA! Meine innere Zwölfjährige ist sehr lebendig, und „over!“ habe ich schon seit viel zu vielen Jahren nicht mehr gesagt!) (Für die App hätten wir Internet gebraucht, waren aber genau gestern zwischen Internetzugängen, weil auch die umzogen.) Ging natürlich auch so.

Eine schnelle Scheibe Brot, damit ich nicht schon um zehn umfiel. (Ich hatte morgens völlig benebelt nach der schlimmen Nacht Herrn Kaltmamsell gefragt: „Du sagst mir, wann ich zusammenbrechen darf?“ Er antwortete bedauernd: „Auf jeden Fall nicht vor Mittag.“)

Den meisten Aufwand erzeugte wie erwartet das Zerlegen der Küche. Der Profi, der sich hauptsächlich darum kümmerte, machte immer wieder Zwischenmeldung („Den Spritzschutz werden Sie wahrscheinlich nicht mehr verwenden können.“ „Die alten Küchen waren einfacher abzubauen, aber so eine neue, teure macht Arbeit.“) Ich las hin und wieder Twitter und war komplett überfordert mit Markus Söders Wortgeburt „atmende Öffnungsmatrix“.

Gegen halb zwölf war das meiste, das nach oben kam, hochgetragen, und die erste Ladung Küche war im Transporter verstaut. Der Regen hatte sich vor einer Weile in Schnee verwandelt, für meine 3/4-Laufhose war es eigentlich zu kalt. Ich traf mich mit den Umziehern bei den Freunden, die die Küche im Keller einlagern. Während die Herren arbeiteten, plauderte ich im Warmen mit den Freunden.

Und so war es gerade mal zwei, als wir uns am Lager von der emsigen und freundlichen Truppe verabschiedeten. Auf dem Heimweg stoppte ich mit Herrn Kaltmamsell beim Bäcker, daheim gab es nachgeholten Milchkaffee und Kuchen.

Gerne ging ich auf dem Vorschlag von Herrn Kaltmamsell ein, mich ein Stündchen hinzulegen (für Bettbeziehen war Zeit gewesen).

Mein altes Schlafzimmer, ausgeräumt.

Neues Schlafzimmer, erst mal alles irgendwie reingestellt, weil der Wandschrank noch gebaut werden muss.

Danach war ich munter genug für Einräumen, zumindest ein Geschirrschrank war nun wieder bestückt. Ich fühle mich ein wenig lächerlich, dass ich um einen einfachen Umzug, noch dazu im selben Haus, so viel Gewese mache, andere ziehen ständig um, zwischen Städten, und das auch noch mit Kind und Kegel. Aber seit den Studienjahren, in denen ich darauf achtete, immer nur so viel Zeugs zu besitzen, dass ich es jederzeit im Keller meiner Eltern hätte unterstellen können, um ganz weit weg zu gehen, sind offensichtlich ein paar Leben vergangen.

Man hört die Kirchglocken lauter (ich mag Kirchenglocken, das konnten selbst die 9 Monate mit Schlafzimmerfenster 30 Meter von den Glocken der Augsburger Barfüßerkirche nicht ändern), dafür die klavierspielende Nachbarin leiser. Und jetzt gucken wir aus der richtigen Höhe aus dem Wohnzimmerfenster, um die Distelfinken nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen.

Herr Kaltmamsell stürzte sich trotz der Anstrengungen des Tages ins Kochen und servierte Wirsinggemüse mit Manouri, ich steuerte als Nachtisch Grapefruitjoghurt bei.

Früh und erschöpft zu Bett. Für die erste Übernachtung in neuer Wohnung ließ ich den Rollladen oben, um den Ausblick vom Bett aus genießen zu können. Und ich wollte ohnehin so früh aufstehen, dass mich das erste Morgenlicht nicht stören würde.

§

Schnellstartenden Brummfolk suche ich manchmal, in bluesiger, aber eben nicht in hysterischer Stimmung, also gerne tendenziell traurig, aber robust. Ich will mich ja nicht aufgeben, ich will nur einen gewissen Unfrohsinn passend untermalen und mich dabei grob verstanden fühlen. Aber kann man danach vielleicht bei Spotify suchen, nach diesen ganz schlichten, sicher nachvollziehbaren und auch leicht zu fassenden Kriterien? Natürlich kann man das nicht.

Ich weiß verlässlich, dass sich unter meinen Leser*innen musikhörendes Volk befindet, vielleicht kann jemand Herrn Buddenbohm mit Folk-Tipps unter die Ohren greifen?

die Kaltmamsell

13 Kommentare zu „Journal Freitag, 5. März 2021 – Umzugstag, es gibt Überlebende – #WMDEDGT“

  1. Katrin meint:

    Ich persönlich finde die Idee mit den Walkie Talkies entzückend. Guten Start in der neuen Wohnung!

  2. Ilka meint:

    Na das lief doch super, keine Verletzten, keine Scherben und keine verlorenen Dinge. Bei Walkie Talkie hätte ich mitgemacht und ich ganz fröhlich über Herrn Kaltmamsells Vorschlag für Schlafpäuschen.
    Alles gute!
    Ilka

  3. Berit meint:

    *Brot und Salz reich*

    Herzlichen Glückwunsch zum geglückten Umzug!

  4. Nina meint:

    Guten Einstand Ihnen, das sieht schon toll aus (auch wenn ich innerlich heftig zusammenzucke beim Gedanken, so mit dem Kopf zur Tür zu schlafen, wuaha).

  5. Milla meint:

    Herzlichen Glückwunsch, das hat doch alles sehr gut geklappt! Ich liebe die Idee, das Bett so hinzustellen, dass man beim Aufwachen aus dem Fenster schauen kann. Ich wünsche gutes Einwohnen. Lieben Gruß, Milla

  6. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Walkie Talkies? Neumodisches Zeug! Dosentelefon! Dafür hätt´es auch kein Internet gebraucht! Aber wahrscheinlich wären Sie und Herr Kaltmamsell dann in die `Geschlossene` umgezogen.
    Glückwunsch zur neuen Wohnung!

  7. engl meint:

    glocken sind große klangschalen. toll!

    (aber im schlafzimmer möchte ich sie dann doch nicht. ; )

  8. Thea meint:

    Nein, Sie haben kein Gewese um den Umzug gemacht. Bewundernswert fand ich Ihre Fast-Gelassenheit. Wohlorganisiert war das Ganze auch.
    Auch von mir gibt’s Brot und Salz. Alles Gute für das neue „Heim“…

  9. FrauC meint:

    Dass Sie sich vorstellen, die Umzüge anderer Leute, auch mit Kindern, seien irgendwie einfach, problemlos und „mal schnell“ über die Bühne gegangen, liegt nur daran, dass diese Leute nicht bloggen. (Also ich zum Beispiel.)
    Ich wünsche eine gute erste Nacht in der neuen Wohnung gehabt zu haben!

  10. die Kaltmamsell meint:

    Oh, Missverständnis, FrauC: Eben diese anderen Umzüge stelle ich mir apokalyptisch vor, meiner dagegen Kinderspiel!

  11. iv meint:

    *stellt gedanklich Schreibtisch in das leere Zimmer*

  12. die Kaltmamsell meint:

    Ich könnte soufflieren, was du von welcher Ecke aus siehst, iv.

  13. obadoba meint:

    Oh, Walkie-Talkies! Tolle Dinger :-)
    Haben wir uns für’s Pilze suchen im Wald zugelegt, weil man sich da so leicht aus den Augen verliert. Klappt prima, aber es ist erstaunlich wieviele andere Leute auch so Dinger haben. Manchmal muss man suchen, bis man einen Kanal findet, auf dem sich grad nicht andere Leute unterhalten.

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