Journal Mittwoch, 17. März 2021 – Waschmaschinen- und Pflanzensorgen

Donnerstag, 18. März 2021 um 6:33

Aufgeweckt vom Lärm eines Schneeräumfahrzeugs, weitergeschlafen. Bei Weckerklingeln zeigte das erste Licht der Dämmerung nassen Schnee auf den Bäumen.

Unangehme Entdeckung: Die am Vorabend für morgens programmierte Waschmaschine hatte nicht gewaschen, trotz aufgedrehtem Zulauf war kein Wasser geflossen. Ein paar Versuche mit Aus- und Einschalten, Auf- und Zudrehen brachten nichts, wir verschoben Weiteres auf den Abend.

Arbeitsweg mit tropfend nassem Schnee.

Ich hatte zu einem meiner dicksten Wollpullis gegriffen, da ich am Dienstag im Büro gefroren hatte. Nur dass mein Temperaturempfinden wohl derzeit wieder vom Kasperl am Regler abhängt: Ich schwanke lustig zwischen zu warm und Frieren (nein, nicht so wie bei Fieber oder Migräne). (Apropos Migräne: Ich bin kurz vor der Halb-Jahres-Marke ohne. Überlegen Sie sich das als Migränikerin nochmal mit dem Hüft-Implantat aus Titanium: Es hilft wirklich.)

Mittagessen war Hering in Currysoße aus dem Supermarkt-Kühlregal und ein Laugenzöpferl plus Orange.

Angebot der Schreinerei für den Einbauschrank angenommen. Wofür habe ich Ersparnisse, wenn nicht für etwas, womit ich die nächsten 30 Jahre zu leben gedenke?

Nach Feierabend ging ich mit kleinem Umweg heim, ich hatte das Bedürfnis nach Spaziergang. Zu Hause befassten wir uns gleich mit der Waschmaschine. Es lief einfach kein Wasser zu (einmal war die Waschmaschine vor einer Woche problemlos durchgelaufen). Alle möglichen Untersuchungen ergaben: Aus diesem Wasserhahn, an dem der Zulauf angeschraubt wird, kommt derzeit wirklich kein Wasser.

Herr Kaltmamsell bat Twitter um Rat (und erntete einen ganzen Strauß möglicher Fehlerquellen), ich telefonierte mit meinem Vater – ohne Lösung. Um wenigstens eine Maschine waschen zu können, wechselten wir den Waschmaschinenzulauf auf den Hahn der Geschirrspülmaschine – die Schnittstelle genauso aus, aber wenn man aufdreht, fließt Wasser. Es wird wohl ein Handwerker kommen müssen.

Das Abendessen holte ich wieder beim Vietnamesen und freute mich an gebratenem Zitronengras-Tofu, viel frischem Gemüse und Kräutern. Die Reisnudeln stellte ich zur Seite als Brotzeit für Donnerstag.

Dann sah ich meiner Lieblingszimmerpflanze wieder beim Beleidigtsein zu.

Sie ist mein Liebling, weil ich sie schön finde – und weil sie meine älteste ist: Die Urform hatte ich beim Auszug aus dem Elternhaus vor 35 Jahren mitgenommen. Doch sie hasst Veränderungen. Das stellte ich zum ersten Mal schmerzlich fest, als ich die damals noch kleinere Pflanze zu Studienzeiten für eine längere Abwesenheit bei einer Freundin unterstellte: Obwohl die Freundin mir versicherte, dass sie die Pflanze umsorgt und umhegt habe, Gießvolumen immer mit vorherigem Daumentest abgestimmt, warf sie alle Blätter bis auf drei von sich. Diesmal quittiert sie den Umzug mit Blattabwurf, erst werden die Blätter gelb, dann fallen sie ab.

Nach Schulbuch (und Meinung meiner gründaumigen Mutter) müsste sie umgetopft werden, doch auch auf Umtopfen hat sie bislang noch jedesmal mit Blätterabwurf reagiert. Mehr als eine grundlegende Veränderung wollte ich ihr nicht gleichzeitig zumuten. (Ja mei, andere haben Hunde und sorgen sich um jede deren Regungen.)

Aber: Herr Kaltmamsell hatte Tulpen gekauft! In zwei Vasen signalisierten sie den Frühling, den der wiederholte Schneefall vorm Fenster bestritt.

§

Wie war es wohl, als Teenager den Zusammenbruch der Sowjetunion zu erleben? Auf Twitter beantwortet @SlavaMalamud diese Frage in einem sehr aufschlussreichen Thread für sich als Beispiel.

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 17. März 2021 – Waschmaschinen- und Pflanzensorgen“

  1. Anne meint:

    Naive Frage: Kann Migräne wirklich mit einem Hüftproblem zusammenhängen? In welcher Weise?

  2. arboretum meint:

    Vielleicht braucht Ihre Pflanze etwas beruhigenden Zuspruch. Sprechen Sie mal mit ihr, erläutern Sie die Situation. Und loben Sie sie auch und erzählen Sie, wie schön Sie sie finden und gern Sie sie haben. ;-)

    Da sie momentan eh beleidigt ist, würde ich sie jetzt auch umtopfen.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Mit ihr geredet und mich entschuldigt habe ich mehrfach, arboretum. Und Sie haben Recht mit dem Umtopfen: Jetzt ist’s auch schon egal.

    Den Zusammenhang, Anne, sollte besser jemand herstellen, der auch einen mit “basischer Ernährung”, rhythmisch geschütteltem Zucker oder Wasseradern erkennt.

  4. arboretum meint:

    Danke für den Hinweis auf den Thread von @SlavaMalamud. Ich hatte seit 1988 enge Kontakte zu russischen Freunden in Moskau und war 1990 auch zweimal dort. Ich kann mich ebenfalls noch gut an die lange Schlange vor McDonald’s erinnern – aber auch, wie es in den Geschäften immer weniger Lebensmittel zu kaufen gab (wir tranken Tee und rauchten viel). Vor allem erinnere ich mich aber auch noch an das Gefühl neuer Freiheiten und die großen Hoffnungen. Ganz anders als bei meinem ersten Besuch 1984 mit der Schule.

    Die Musik von Kino mag ich heute noch gern.

  5. iris meint:

    vielen dank für den twitter-thread von @SlavaMalamud! ich bin auf dem weg dorthin über diesen gestolpert, über das leben seiner großmutter, auch sehr interessant. am ende gibt es dann einen link zur geschichte seiner großväter, aber die großmutter finde ich am interessantesten:

    https://twitter.com/SlavaMalamud/status/1331673250556899330

    zur pflanze kann ich beisteuern, dass meine mutter zwei solche pflanzen hatte. sie hat die langen ausleger immer wieder zurückgedreht, über den topf. sie muss sie sehr geliebt haben, es waren die einzigen, die mitdurften bei ihrem auszug aus ihrem haus.

  6. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Bei der Pflanze: Mit dem Umtopfen würde ich noch warten, aber einkürzen hilft vielleicht. Also beherzt um die Hälfte reduzieren, gut zureden und – wichtig – hell sollte sie stehen. Die panschierten (zweifarbigen) Blätter deuten darauf hin, das sie viel Licht mag.

  7. Annegret Mäscher meint:

    Ihre Efeutute braucht wahrscheinlich wegen Alter einen radikalen Rückschnitt.
    Nur einige Blätter über der Erde stehen lassen, sie treibt buschig wieder aus.
    An den Spitzen ebenfalls kappen ca. 6-7 Blätter. Von der Schnittfäche aus 2-3
    Blätter entfernen und in Wasser stellen. Wo die Bätter saßen sprießen bald Wurzeln.
    Die langen Zwischenteile müssen leider sterben.aber es werden schöne, neue
    Buschige Pfanzen. Sozusagen verjüngte Efeututen. Grüße Annegret.

  8. con y meint:

    Ich habe auch so eine Pflanze, vor einem Jahr musste sie aus dem Büro ins Wohnzimmer ziehen. Mochte sie wirklich nicht. Hat Blätter geworfen, aber nach einem Jahr hat sie sich daran gewöhnt.

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