Journal Donnerstag, 17. Juni 2021 – Straßenkampf für Korinthenkackerinnen

Freitag, 18. Juni 2021 um 6:26

Morgens galt mein erster Blick den Buchungsportalen von Schyrenbad und Dantebad: Beide für Sonntag ausgebucht, anscheinend werden die Slots tatsächlich gleich nach Mitternacht reserviert. (Neuigkeit im Lauf des Tages: Die Stadtwerke München werden das Reservierungssystem tatsächlich überarbeiten!)

Ich war eh benommen, die Nacht hatte ein Loch gehabt: Nach drei lag ich wach, doch als ich endlich aufgab, das Licht anschaltete und mich zum Lesen aufsetzte, konnte ich mich vor Müdigkeit nur schwer auf die Buchstaben konzentrieren. Ich schlief dann endlich wieder ein, hätte nach Weckerklingeln gerne weitergeschlafen. Es war warm genug für Morgenkaffee auf dem Balkon.

Auf dem Weg in Arbeit sendete ich Lynne Truss stille Grüße und beseitigte ein Ärgernis, das mich seit vielen Wochen sticht.

Das ist ein Werbeplakat auf einer Litfaßsäule, und seit Wochen (in diesen pandemischen Zeiten gibt es wenig Wechsel auf Plakatflächen) denke ich jeden Tag beim Vorbeigehen: „AAARRGHHH!“ Gestern nahm ich einen Edding mit.

Ich bitte Sie: Die Litfaßsäule steht neben einer Schule! Denkt denn keiner an die Kinder!
(Wer die Kommasetzung in diesem Fall vertiefen will: Vor „als“ nur Komma, wenn es einen Nebensatz einleitet.) Der Edding bleibt jetzt erst mal in meinem Arbeitsrucksack.

Ein heißer Tag; ich hatte im Büro erstmals keine Lust mehr auf meine vormittägliche Kanne Kräutertee und trank statt dessen den ganzen Tag Rhabarbersaft-Schorle.

Vormittagstermine brachten mich um meinen Halb-elf-Cappucchino.

Kurz vor Mittag Termin beim Orthopäden. Zu meinem Rückenproblem: Das seien die Faszien, ein verhärteter Strang. Er zog den Muskelstrang von Schmerzpunkt lang bis in den Nacken (mein Verdacht: da liegt die Ursache des Problems), dirigierte mich dann in den Vierfüßlerstand und drückte am Schmerzpunkt herum. Dann verordnete er konkrete Rückenübungen zur Kräftigung und ließ sie mich vorturnen (alles Übungen, die ich so oder so ähnlich mit meinen Routinen eh abdecke, ich musst dann schon mal – ausgezogen und bäuchlings auf der Untersuchungsliege liegend – prusten: „Sie finden also meine Rückenmuskulatur zu schwach?!“). Von Massagen halte er da nichts, ich solle die Übungen machen, das reiche.

Fast hätte ich danach aus Frustration und Bockigkeit gar nichts mehr über meine Hüfte gesagt, zum Glück erwischte mich ein Funken Vernunft. Habe dafür jetzt ein Physio-Rezept und Überweisung zu Blutuntersuchung, um eine Entzündung auszuschließen.

Mittags aß ich Mango, Erdbeeren, frischen Basilikum mit Ricotta salata. Die Portion war zu groß, ich aß trotzden auf. Dafür hatte ich dann bis zum Abendessen wirklich gar keinen Hunger.

Heimweg in unangenehmer Hitze. Doch wie schon am Vortag sah ich so viele schöne Sommerkleider in freier Wildbahn! Und erkannte auch dieses Jahr, wie praktisch flächendeckend tätowierte Arme und Beine sind: Man sieht damit immer angezogen aus.

Daheim erst mal die kühle Wohnung genossen. Zum Nachtmahl gab es Kopfsalat aus Ernteanteil mit gekochten Eiern, eine Runde Käse, Schokolade.

Abends konnte ich noch nicht beurteilen, ob die Rückenschmerzen besser geworden waren; das musste die Nacht zeigen.

§

Juni ist Pride-Monat, in dem auf Belange von LGBTQI-Menschen aufmerksam gemacht wird. Vielleicht interessiert Sie eine Unterhaltung auf Twitter, in der Menschen erzählen, wie sie ihr Coming out ihren Eltern gegenüber hatten und die Reaktion unerwartet positiv war (auf Englisch).

die Kaltmamsell

26 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 17. Juni 2021 – Straßenkampf für Korinthenkackerinnen“

  1. Beate meint:

    Bravo für die Korrektur!

    Hier in Frankfurt gibt es ein Bonuskartensystem, mit dieser Karte muss ich mich in keinem Schwimmbad anmelden, sondern kann ganz normal ins Schwimmbad gehen. Habe schon gehört, dass hier die Slots auch ganz schnell ausgebucht sind.

  2. Herr_G meint:

    Ich buche meine Freibad-Slots gleich früh morgens um 5. Bei uns geht das maximal 3 Tage im voraus. Klappt eigentlich immer.
    Ich musste über Ihre Korrektur herzlich lachen! Viele Grüße von einem ehemaligen Verlagslektor.

  3. Jan Skrobotz meint:

    Danke! (Mal wieder. Für jeden Beitrag, jeden Tag, seit vielen, vielen Jahren.) Aber heißt das nicht eigentlich Kori_n_then…? Oder ist genau das der Witz?

  4. Rainer meint:

    Tolle Aktion mit dem Komma. Da kräuseln sich mir auch immer die Zehennägel…
    Jetzt noch nen Pflasterstein in den Arbeitsrucksack, um die falschen Apostrophe in den Leuchtreklamen – gerne und immer wieder bei Frisörläden gesehen – auszulöschen.

  5. Die M. meint:

    Auch viele Bücher aus renommierten Verlagshäusern sind mittlerweile schlecht lektoriert. Zuletzt in einem Buch gesehen: Tippfehler, uneinheitliche Schreibweise eines Wortes, Stellungsfehler im Satz, potenzieller Continuity-Fehler. Da wird am falschen Ende gespart und offenbar auch in Folgeauflagen nicht korrigiert.

  6. Die M. meint:

    P.S. Beim Hörbuch hört man ja glücklicherweise keine Kommata :-D

  7. Ilka meint:

    Ich sitze hier kichernd ob der Kommakorrektur. Ich hätte mich das nicht getraut (glaub ich).

  8. Kuchenschwarte meint:

    An mein Lektorinnenherz!

  9. die Kaltmamsell meint:

    Zefix. Man sieht, Jan Skrobotz, ALLES sollte Korrektur gelesen werden. Für meine Blogposts ist mir die externe Runde zu viel Aufwand.

  10. die Kaltmamsell meint:

    Bei den Apostrophen, Rainer, ist der Kampf bereits verloren: Sie sind mittlerweile so weit verbreitet, dass ihr Einsatz zur Genitiv-Markierung nicht mehr als falsch, sondern als neu eingeordnet wird.

  11. Roland B. meint:

    Mir kräuseln sich auch immer die Zehennägel bei den sogenannten Deppen-Apostrophen für den Genitiv (gerne mittlerweile auch mal bei Plural oder einfach so), aber ich bilde mir, Genitiv-Apostrophen bereits in der Schulzeit gesehen zu haben, in einem dicken Buch namens „Die Buddenbrooks“.

    Die Menschen lernen halt von dem, was sie sehen. Und da wir von englisch/amerikanischen Texten und Filmen überflutet werden … siehe auch das schreckliche „in“ vor Jahreszahlen. Oder die profunden, wenn auch völlig falschen Kentnnisse vom Rechtssystem.

  12. Sabine Kerschbaumer meint:

    Liebe „Die M.“ – bei Skripten werden Kommas eingefügt, wo eigentlich keine hinmüssten, zwecks Luftholen und so. Ich schreibe aktuell viele Texte zu Skripten um, mit kontinuierlich unter dem Schreibtisch hochgerollten Zehennägeln. Aber gelesen hört es sich tatsächlich gut an.

  13. kecks meint:

    Die Kinder verstehen das deleatur nicht und halten das vermutlich für einen lustigen oder verfehlten Tag. Besser: „Z“ oder so für Zeichensetzung. :D

  14. die Kaltmamsell meint:

    Meine Zielgruppe, kecks, ist die EINE Lehrerin, die Lektoratszeichen kennt, mit ihrer Deutschklasse rauskommt (in Zweierreihen natürlich) und es ihnen feierlich erklärt. (Ich muss die Azubis, die ich betreue, auch immer erst umlernen auf meine Korrekturen ihrer Berichtshefte: „Nein, das sieht nicht aus wie in der Schule.“)

  15. Christine meint:

    Ich erinnere mich mit Grausen an eine Plakatwand (= riesig groß), die vor ca. 25 Jahren auf meinem Nachhauseweg (gut lesbar vom Ampelstau aus) Werbung für ein OpernAir machte, und zwar für Guiseppe Verdi.

    Wochenlang musste ich das anschauen, es tat richtig weh.

  16. lihabiboun meint:

    Ich danke Ihnen sehr verehrte Kaltmamsell: nun weiß ich endlich, dass ich nicht abartig bin, wenn mich das schon ewig aufregt … Lynne Truss sollte Pflichtlektüre werden!
    Schönstes Apostroph-Beispiel ever war: Zwiebel’n ….

  17. Christine meint:

    Wenn’s denn auch wirklich Apostrophe wären … Ich finde, die Verwendung des Akut auf einem Leerzeichen sollte softwareseitig einfach gesperrt werden!

    Hier weitere Fehlersuchbilder: https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Deppenmagnet

  18. kn meint:

    Spannend ja auch, dass man in der Bäderbranche nicht miteinander redet. In Hamburg und Hannover klappt das wunderbar mit 3 Schichten und manchmal mehr pro Tag. Da muss dann halt das ganze Bad einmal leer sein. Verstehe die Argumentation mit der Überprüfbarkeit in dem SZ-Artikel nicht ganz. Freigeschaltet wird in Hamburg um 12 Uhr Mittags. Bei einigen Bädern ist da schnell alles weg, bei anderen gibt es immer auch kurzfristig noch was. Ist halt ein blöder Sport in der Pandemie, ich habe da Jogger schon beneidet. Auf der anderen Seite hatten die halt auch jetzt natürlich das tolle Gefühl nicht nach einem halben Jahr wieder ins Wasser zu können.

  19. kn meint:

    Oh ja… das ist in Texten mein größter Pet Peeve!

  20. die Kaltmamsell meint:

    Kommunen untereinander absprechen, kn? HAHAHAHAHAHAHHA! (Ich habe mir in einem früheren Berufsleben mal erzählen lassen, warum Busse für den Öffentlichen Nahverkehr alles Einzelanfertigungen sind, obwohl man mit einer Serienproduktion viel niedrigere Preise erzielen könnte.)

  21. kn meint:

    Ich weiß… aber es wäre ja nicht mal ein absprechen. Mehr so ein schauen, wie andere das so machen? Ich finde es ja immer toll, wenn andere sich schon einen Kopf gemacht haben und ich das Rad nicht neu erfinden muss.

  22. Die M. meint:

    Danke für die Aufklärung. Das heißt demnach, dass die Kann-Kommata dafür nicht ausreichen, Sabine?
    Herzliche Grüße, die M.

  23. Eva meint:

    Liebe Frau Kaktmamsell, Sie ahnen gar nicht um wie viel symphatischer Sie mir durch Ihre Edding-Aktion geworden sind. Toll! Mutig!

  24. Sabine Kerschbaumer meint:

    Liebe M.,

    noch nicht einmal die Könnten-eventuell-Kommata reichen aus. Denn es lesen häufig gar keine Menschen mehr, sondern Maschinen, denen meine Soll-Kommas dann frei nach dem Motto: „Komma kommt von Kommando!“sagen, wie sie die Stimme heben oder senken sollen. Die schöne neue Internetwelt x.0, in der selbstständig lesen völlig out ist. Aber auch was Vorgelesen wird, muss halt erst einmal irgendjemand schreiben.

    Ich bin recht dankbar, dass Deutsch eine so komplizierte Sprache ist. Meine Texte dürften Maschinen so schnell nicht hinbekommen – ich hoffe diesbezüglich bis zum Rentenalter nicht ersetzbar zu sein. Denn ich mag meinen Beruf im Grunde genommen sehr.

  25. arboretum meint:

    Der Doc meint also, man bekommt verhärtete, verklebte Faszien mit bloßen Übungen wieder elastisch. Na, da bin ich ja mal gespannt. Sie machen doch eh schon jeden Tag Yoga-Übungen.

    Echt blöd, dass Sie für Ihren Rücken und Nacken keine Verordnung für Manuelle Therapie oder Faszientherapie (ist eine Zusatzqualifikaton) bekommen haben.

    Falls es Sie interessiert: Es gibt außer Faszienrollen auch diese doppelten, miteinander verbundenen Faszienbälle (Doppelball oder Doppelkugel), die für den Rücken angenehmer sind als eine Rolle, weil sie die Wirbelsäule aussparen. Und das Massagegerät von Naip* ist auch gut und hilfreich.

  26. Die M. meint:

    Liebe Sabine,
    danke für die weiteren Erläuterungen. Sie ahnen vielleicht gar nicht, wie sehr ich Ihre Hoffnung nachempfinden kann — ich bin Übersetzerin.
    Ich drücke Ihnen die Daumen, sehr.
    Die M.

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