Journal Samstag, 19. Juni 2021 – Familien- und Freundes-Geselligkeit in großer Hitze

Sonntag, 20. Juni 2021 um 7:55

Ich hatte mir wegen einer Frühstückseinladung den Wecker gestellt, wachte aber leider eh schon um fünf auf. Bloggen und Morgenkaffee auf dem Balkon, es war bereits warm.

Der morgentliche Gang zum Hauptbahnhof in diesiger Sonne kurz vor acht war noch ok, doch es wurde minütlich schwüler und heißer.

In Ingolstadt gab es wie schon bei den letzten Malen eine passgenaue Busverbindung vom Bahnhof Audi zum Zielort. Die existiert jetzt schon seit über einem Jahr und steht in so großem Kontrast zum sonstigen erbärmlichen Ingolstädter Öffentlichen Nahverkehr, dass da ein Haufen Leute offensichtlich nicht aufgepasst hat.

Zur Begrüßung bei auch kleinen Geselligkeiten gehört in der derzeitigen Phase der Pandemie (Inzidenzwerte in Deutschland weiter sinkend, doch die noch ansteckendere Delta-Variante hat in Großbritannien bereits zum Stopp von weiteren Lockerungen geführt, gestern in Portugal zu Abriegelung Lissabons), dass man einander Impf- und Teststatus erzählt.

Wir saßen im Garten in immer neu justiertem Schatten, es gab Sekt (Geburtstage waren zu feiern), Würscht mit Breze, Frühstücksbuffet. Ich genoss es sehr, mit sympathischen und geliebten Menschen beisammen zu sein (es saßen auch zwei Mitglieder des eben gewählten neuen Ingolstädter Jugendparlaments am Tisch), in launigen Gesprächen erfuhr ich viel Neues und Interessantes.

Am frühen Nachmittag ließen wir uns vom Bus zurück zum Bahnhof Audi fahren (ich hatte eigentlich einen Spaziergang dorthin geplant, doch es war wirklich zu heiß).

Sommeridyll.

Daheim (Wohnung angenehm temperiert) hatte ich Lust auf geeisten Milchkaffee: Wie gut, dass ich noch koffeinfreies Esperssopulver hatte. Erschöpft – auch durch einige Nächte mit schlechtem Schlaf – hielt ich eine späte Siesta. Danach war ich munterer und machte mich an die Abschlussfolge von Adrienes Yoga-Programm Breath – wie alle ihre Abschlussfolgen ohne Ansage. Ich absolvierte die 50 Minuten also größtenteils mit verdrehtem Kopf, um die Bewegungen vom Fernsehbildschirm abzugucken. Und schwitzte dabei so, dass ich die Yogamatte anschließend erst mal trocknen lassen musste.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell Glasnudelsalat mit Kräutern, Krabben und Soja-Hack gemacht, war genau das Richtige. Zum Nachtisch servierte er selbst gemachten Waldmeister-Wackelpudding, der sehr nett zu kauen war (ich mag Wackelpudding), aber dann doch nur nach dem Apfelsaft der Grundlage schmeckte. Zweiter Nachtisch: Schokolade.

§

Fachjournalistin Cristina Nord beschreibt im Filmmagazin Cargo, dass sie alte Lieblingsfilme inzwischen ganz anders erlebt. (Genau das war eines der Gesprächsthemen am gestrigen Frühstückstisch, mir geht es ähnlich. Eine Mitrednerin erzählte sogar, ihr sei dadurch die Pandemieflucht in alte Filme abgeschnitten worden: Es habe sie so oft geschüttelt, dass sie ganz aufhörte.)

„Beide Augen schließen sich
Nach #metoo: Wie sich mein Blick aufs Kino verschoben hat“.

Es ist zu viel passiert, als dass ich die Misogynie abspalten und das ästhetische Raffinement feiern oder mich mit der These von der hochgradigen Fiktionalität des Genre-Kinos trösten wollte. #metoo hat eine Desillusionierung besiegelt, die daraus resultiert, dass es die meisten Ausprägungen des Kinos mit Frauen nicht besonders gut meinen und feministische Cinephile oder cinephile Feministinnen dadurch in eine Zwickmühle geraten.

(…)

Die Ernüchterung speist sich aus der anhaltenden Marginalisierung von Filmemacherinnen ebenso wie aus dem Fortdauern stereotyper Plotkonstellationen, aus der Abwesenheit komplexer und widersprüchlicher weiblicher Figuren und aus der kaum veränderten Organisation des ästhetischen Genusses. Laura Mulveys Theorie vom male gaze, dem sich das Kino darbietet, ist Jahrzehnte alt; sie wurde in der Zwischenzeit von anderen Theorien aufgegriffen, transformiert, erweitert, verfeinert, in Frage gestellt und de-essenzialisiert. Aus dem akademischen Diskurs über Filme ist sie nicht wegzudenken, aus dem Œu­v­re Céline Sciammas, Constanze Ruhms oder Tatjana Turanskyjs auch nicht. Aber wurde sie wirklich breit rezipiert, auf eine Weise, die Folgen gehabt hätte?

(…)

Seit die Verbrechen Harvey Weinsteins publik wurden, führt kein Weg daran vorbei, den Status Quo zur Kenntnis zu nehmen. Und der ist ja nicht nur in den Filmen ein Problem, er ist es auch in ihrer Produktion. Es lässt sich nicht länger leugnen, wie verbreitet sexualisierte Gewalt in der Filmindustrie ist und wie riskant Frauen und Männer leben, wenn sie es als Schauspieler*innen oder Set Designer, als Location Scouts oder Regieassistent*innen mit Leuten zu tun bekommen, die ihre Macht ausnutzen.

§

Die erste deutschsprachige Blog-Plattform Antville startete vor 20 Jahren (als ich mich 2003 nach Blog-Möglichkeiten umsah, hatte sie bereits die Pforten für Neuanmeldungen geschlossen). Das waren (neben nur wenigen anderen) die Blogs, die ich als erste las – und sie habe ich bis heute vor Augen, wenn ich mir die Online-Kultur vorstelle, die ich gerne hätte. Katatonik gehörte von Anfang an dazu und erinnert sich:
„20 Jahre Antville.org: Ameisenhaufen oder doch eher Ameisenstraßen“.

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu „Journal Samstag, 19. Juni 2021 – Familien- und Freundes-Geselligkeit in großer Hitze“

  1. Gaga Nielsen meint:

    Es ist seit einiger Zeit wieder möglich, neue Antville-Blogs anzulegen! Also wenn jemand bei einem Traditionshoster andocken möchte, es geht! Da antville 2018 netterweise die dem Tod geweihten twoday-Blogs gerettet hat und seither hostet, bin ich nun mit meinem alten twoday-Blog auch ein bißchen Teil der Familie, die Architektur war ja schon immer an Antville angelehnt. Lang lebe die Stadt der Ameisen!

  2. Joe meint:

    20 Jahre…. ?????

    Boah ist das lange her. Habe gerade mein blog mal sein langem wieder aufgerufen.

    „Online for 6949 days“

  3. Bobbie meint:

    Lese hier sehr gern mit und erhalte Inspiration. Vielen Dank. Mich würde ja interessieren, wie Waldmeisterwackelpudding selbst gemacht geht? Übrigens kleine Korrektur: Es heißt morgendlich. Sorry für mein Klugscheissen..

  4. Gaga Nielsen meint:

    @Joe

    die Anzeige „online for 6949 days“ könnte dazu verführen, in 51 Tagen den runden Blog-Geburtstag groß zu begehen. Ich persönlich finde das allerdings nur statthaft, wenn kontinuierlich durchgebloggt wurde. Mehrmonatige oder gar mehrjährige Pausen sollten rechnerisch abgezogen werden, ansonsten Etikettenschwindel und Schmücken mit fremden Federn allererster Güte! Nur so als Warnschuss :-)

  5. die Kaltmamsell meint:

    Oh je, Bobbie, das ist meine größte Schwachstelle – diesmal dachte ich, dass ich’s ABER JETZT auswendig weiß, morgentlich. Und jetzt war’s doch wieder nicht richtig.

  6. Christine meint:

    Eselsbrücke: abendlich, morgendlich

  7. Joe meint:

    @Gaga Nielsen
    Das blog liegt da und ruht seit Jahren, das merkt den Geburtstag gar nicht. Trotzdem habe ich nun ueber 20 Jahre gebloggt… Auf Blogspot, antville, blogger.de, und seit vielen Jahren mit wordpress auf eigener domain.

  8. Gaga Nielsen meint:

    ah…! Verstehe… ich finde es immer schade, wenn das Konvolut der Einträge eines (Blogger-)Lebens so zerfasert und fragmentiert verortet ist… Als 2018 das Ende von twoday beschlossen wurde und antville noch nicht die Rettung beschlossen hatte, switchten viele auf andere Hoster um, ich auch. Panisch fabrizierten wir neue Blogs mit Transfer (einschließlich der Kommentare) des alten Contents, tauschten uns aus. So hab ich seither eine eigene WordPress Domain und mache doppelte Buchführung bei Twoday. Bedeutet Copypasten zur zweiten Plattform.

    Interessanterweise schreibe ich den originären Eintrag immer noch auf der twoday-Eingabemaske, weil mir das Layout und die Farbwelt, die ich auch da selbst bestimmen konnte und kann, mehr zusagt, als die kaltweiße Eingabemaske auf wordpress. Ich schreibe also auf twoday, veröffentliche da immer noch zuerst und copypaste dann auf das WordPress-Blog. Aber so habe ich immer eines präsent (bzw. ein backup), wenn einer der beiden Hoster mal downtime hat.

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