Journal Donnerstag, 1. Juli 2021 – Kippen des IMPF

Freitag, 2. Juli 2021 um 6:34

Gut geschlafen, aber halt bloß bis fünf. Draußen war es grau, kalt und regnerisch.

Dann halt früher in die Arbeit gegangen. Ich brauchte einen Regenschirm und knöpfte meine Jacke zu.

Dicht getakteter Arbeitstag mit interessanten neuen Kontakten und Informationen. Eine davon gebe ich hiermit weiter: Wenn Sie Protokoll-Fragen haben, von korrekten Anreden und Anschriften über Beflaggung bis Rangfolgen, stellt das Bundesinnenministerium auf einer Website alle Antworten zur Verfügung. Diese Informationen sind – im Gegensatz zu denen von selbst ernannten Benimm-Expert*innen – zuverlässig.

Mittags Sahnequark mit (selbst) vorgeschnittenen Orangen und Maracuja.

Auf dem Heimweg Einkäufe beim Vollcorner, aufregender wird mein Leben einfach nicht.

Zu Hause Maniküre, dann eine ganz lange, anstrengende Yoga-Einheit. Zum Abendessen gab es Salat aus Ernteanteil mit Joghurt-Dressing (Joghurt, viel gerissener Meerrettich, Himbeeressig, ein wenig Majo) und ein paar zugekauften Tomaten (bis es eigene gibt, dauert es mir noch zu lang). Nachtisch Süßigkeiten.

Kinokarten für Sonntag gebucht, abendliches Freundestreffen nächste Woche am Horizont, es formiert sich langsam wieder ein Sozialleben. Entwicklung im bundesdeutschen Corona-Geschehen: Impfdosen in den Impfzentren gibt es jetzt mehr als Impfwillige, es mehren sich die Aufrufe, einfach vorbeizukommen. Langsam zeichnet sich ab, wie groß der Anteil an “Erst mal abwarten” in der Bevölkerung ist (darunter der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger) – wobei mich (wirklich) interessieren würde, was genau dieser Anteil abwartet, – plus den echten Impfgegnern. Wenn jetzt die Infektionszahlen wieder steigen (Delta-Variante plus mögliches restliches Alphabet, Reiserückkehrende), werden massive Beschränkungen des Alltags kaum mehr durchsetzbar sein, weil damit vor allem Impfverweigerer geschützt werden müssen (während Herdenschutz bedeutet, dass die große Mehrheit diejenigen schützt, die nicht geimpft werden können). Die Fachleute weisen seit Monaten darauf hin: Alle werden bis 2022 durch Corona durchmüssen, entweder per Impfung oder per Infektion.

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Persönlicher Eindruck eines Bundeswehrsoldaten vom Einsatz in Afghanistan 2002 als Twitter-Thread mit vielen Fotos.

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Ach guck, “Terminator 2: Judgment Day” ist auch schon wieder 20 Jahre her.1 Ausführliche Sammlung von Schilderungen der Beteiligten, wie es zu dem enorm erfolgreichen und epochemachenden Film kam:
“The Tin Man Gets His Heart: An Oral History of ‘Terminator 2: Judgment Day’”.

via @DonnerBella

  1. UNTERSTEHEN SIE SICH. []
die Kaltmamsell

17 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 1. Juli 2021 – Kippen des IMPF“

  1. Fragmente meint:

    Ich finde den Gedanken, dass massive Beschränkungen nicht mehr politisch durchsetzbar sein werden, weil nur noch Impfverweigerer zu schützen sind, interessant. Zwei Gegenargumente dazu:
    1. Kinder unter 12 können noch nicht geimpft werden
    2. Geimpfte (einfach mehr, zweifach weniger) können sich weiterhin mit Delta infizieren.

    Es dürfte mittlerweile klar sein, dass Kinder/Schule der Politik egal ist, aber nicht egal sein sollte.

    Frau N. ist das mit den Impfverweigeren ja egal – auf einer ausreichend langen Achse sind sie irgendwann entweder geimpft, genesen, oder tot.

  2. Ellen meint:

    Ist es bei 2. nicht so, dass man sich auch mit allen anderen Varianten trotz Impf weiter infizieren kann – Impf macht das doch “nur” deutlich unwahrscheinlicher? Und dazu kommt, dass Impf sehr gut vor schlimmen Verläufen schützt – und die Kombination hoffentlich dem Mist das Genick bricht?

    1. macht mich traurig und ich nehme es jedem Impfverweigerer persönlich, dass sein Verhalten hier direkten Einfluss hat.
    (Hoffentlich gibt es bald auch Impf für die Kleinen)

  3. Nina meint:

    So ein gerissener Meerrettich aber auch ;) danke für das schöne Kopfkino dazu.

    Thema Impfunwillige: was @Fragmente sagt. Ich könnte vor Wut schreien ob der Aussicht mit ziemlicher Sicherheit w i e d e r eine Saison lang Dreifachbelastung wuppen zu müssen, weil die Kita in Notbetreuung/ Quarantäne geschaltet hat. Aber Hauptsache alle waren im Sommer mal im Stadion und auf Malle. Ungeimpft.

  4. Nina meint:

    In meinem äußerst kinderreichen Umfeld würden keine einzigen Eltern, alle selbst geimpft, ihre kleinen Kinder impfen lassen. Zu wenige Langzeitstudien über mögliche Nebenwirkungen, zu groß die Angst vor diesen, zu gering die Risiken eines schweren Verlaufs bei kleinen Kindern. Und wenn selbst Kinderärzt*innen (auch in den Medien) davon abraten…

  5. kecks meint:

    Kinder bekommen Longcovid, ca. 8% laut aktuellem Forschungsstand. Oft sind die Symptome Folge einer asymptomatischen Infektion und werden dann dem Lockdown/Schulschließungen statt LC zugeschrieben oder als psychosomatisch abgetan, sagen die Leute in den LC-Zentren. Die Kinder zu durchseuchen – und das wird passieren, weil Delta steigt und die Schulen in Präsenz bleiben werden, die Kinder aberr größtenteils ungeimpft sind – ist demnach eine wirklich ungute Idee. Von den hospitalisierten Kindern mal ganz abgesehen. Bayern impft gerade Risikokinder Ü12 in Reihe. Die werden schon wissen, weshalb.

    Erwachsene doppelt Geimpfte, die sich infizieren, sind dagegen kaum gefährdet, und wenn, dann eher wieder bei viel Risiko durch Vorerkrankung und hohem Alter. Großes Fragezeichen ist hier noch die Wahrscheinlichkeit von LC nach milder Breakthrough-Infektion, da fehlen noch Zahlen.

    Asymptomatische doppelt Geimpfte geben das Virus kaum weiter (Daten aus Asien aus der Kontaktnachverfolgung zu Delta-Clustern, die Genannten waren meistens Endpunkt von Infektionsketten und so gut wie nie Superspreader), symptomatisch Erkrankte doppelt Geimpfte dagegen haben eine ähnliche Virenlast wie nicht geimpfte Infizierte.
    Also: Eher keine großen Maßnahmen nötig, stattdessen Leute mit jedem Minisymptom sofort Selbstisolation daheim, mit Husten, Nase zu, Halsweh, ungewöhnlichem Kopfweh, Durchfall usw. nicht unter Leute. Zusammen mit Masken im Innenraum und einer möglichst hohen Durchimpfung inklusive Kinder dürfte das ganz viel lösen.

  6. Jan Skrobotz meint:

    Sehr, sehr breites Grinsen. Ich brauchte erst den verlinkten Text, um die Fußnote zu verstehen. Aber dann!

  7. Ina meint:

    Die mit der Impfung “noch” warten wollen möchten einfach nur sehen ob uns Geimpften nicht doch noch ein zweiter Kopf oder anderes wächst.

    Selbst mein Ex Freund, Faktenmensch durch und durch, wartet ab. Da wußte ich, die Sache ist ernst.

  8. poupou meint:

    im deutschlandfunk höre ich gerade, dass erstmalig möglich ist, dass die apotheken den hausärzten tatsächlich die bestellten impfstoffmengen liefern können, weil endlich genug impfstoff da ist. die hausärzte säßen alle auf langen wartelisten. klingt für mich jetzt noch nicht nach ungutem kippen, eher nach: endlich können alle, die wollen?

  9. Arthurs Tochter meint:

    Weil so Protokoll- und Benimmregeln ein kleines Steckenpferd von mir sind (ich halte es tatsächlich für unglaublich wichtig, jederzeit zu wissen, wie ich mich zu benehmen und anderen gegenüber zu verhalten habe, um niemanden zu brüskieren), hier ein kleiner, sehr informativer Podcast dazu von “Radio Wissen”
    https://podcasts.google.com/feed/aHR0cDovL3d3dy5ici1vbmxpbmUuZGUvcG9kY2FzdC9yYWRpb3dpc3Nlbi9jYXN0LnhtbA/episode/ZjIzYjM0ZjItZjIzOS00NmEwLTk4YzYtZjMxMzFjMDM0ZTZm?ep=14

  10. Eva meint:

    Hallo Nina, interessante Gedanken zur Impfung von Kindern. In meinem kinderreichen Umfeld in einer politisch sehr liberalen Stadt im Mittleren Westen der USA kann es kaum jemand erwarten, bis endlich auch die Kinder unter 12 geimpft werden können. Sowas wie die Stiko gibt es hier meines Wissens nicht, unser allgemein durchaus kritischer Kinderarzt rät aber für Kinder im Grundschulalter auch dazu, sobald die Impfung erhältlich ist, voraussichtlich im frühen Herbst. Ich denke, der Leidensdruck durch Corona war hier so groß, dass man eventuell eher dazu bereit ist? Mit Leidensdruck meine ich, dass so gut wie jeder Coronatote und long covid im Bekanntenkreis hat (nein, niemand der “ohnehin” gestorben wäre) und die Schulen 14 Monate komplett geschlossen waren, und zwar ohne Notbetreuungsangebote. Im Alter 12-16 wird Impf hier bislang ebenfalls sehr gut angenommen, allerdings ist das ganze Thema leider sehr politisiert und wird regional ganz unterschiedlich gehandhabt. Herdennimmunität wird hier höchstens regional zu erreichen sein.

  11. Tine meint:

    und zu den Kindern, die noch nicht geimpft werden können nicht zu vergessen diejenigen, die sich zwar impfen wollen und auch geimpft sind, aber keine ausreichende Immunität aufbauen können (zb. durch Transplantationen) oder die wenigen Fällen, bei denen auch die Ärzte von einer Impfung abraten.

    Diese Menschen müssen die Geimpften mitschützen. Schon deswegen ist mir persönlich unverständlich, wie man öffentlich sagen kann, ich warte halt mal ab.

  12. Petra meint:

    Wenn man in einem Gebiet mit Inzidenz nahe 0 lebt, nicht weit verreisen möchte, einen Garten hat und keine unnötigen Kontakte sucht, ist es sicher nicht unklug, sich nicht jetzt, sondern evtl. später gleich mit einem nicht RNA-basierten bzw. variantengerechten Impfstoff oder je nach Infektionslage auch gar nicht impfen zu lassen. Man weiß ja nicht, wie lange der Impfschutz anhält und muss sich dann, wenn es evtl. wirklich wieder anfängt, nochmals impfen lassen.
    Die Menschen, die bereits 2x mit AZ geimpft sind, haben gegen die Delta-Variante wohl jetzt schon keinen ausreichenden Impfschutz.
    Bei aller Euphorie sollte man Nebenwirkungen, die unerwarteter Weise auftreten, wie z.B. beobachtete Veränderungen innerhalb des Immunsystems, einen Boost von Entzündungsreaktionen, Aktivierung von Gürtelroseviren usw. gerade in Hinblick auf Kinder und Menschen mit Autoimmunerkrankungen nicht unbeachtet lassen.
    Organisatorische Versäumnisse sollten m.E. nicht durch das Impfen von Kindern ausgeglichen werden.

  13. Katja meint:

    Ich finde es sehr interessant wie unterschiedlich die Länder hier vorgehen. In Österreich können alle ab 12 seit letzter Woche geimpft werden. Auch unsere Kinderärztin hat die Impfung empfohlen und auch ihre 13jährige impfen lassrn. Soweit ich weiss handhabt die Schweiz das ähnlich. In meinem Umfeld haben auch alle ihre >12jährigen sofort impfen lassen.
    Sollte es auch eine Impfung für jüngere geben, würde ich auch nicht zögern die 3jährige impfen zu lassen. Ich weiss allerdings, wir sind alle gesund, ohne Allergien und hatten bei keiner Impfung jemals Probleme.

  14. Ina meint:

    “keine unnötigen Kontakte sucht”.. Es reicht ja unter Umständen der einmalige Kontakt beim Lebensmitteleinkauf. Oder kauft man auf der von Ihnen beschriebenen Insel der Glückseligen keine Lebensmittel ein?
    Dass man sich eventuell erneut impfen lassen muss ist für mich auch kein Argument. Ist ja bei Grippe bereits jetzt der Fall. Mit die einzige Impfung die ich jahrelang nie in Anspruch genommen habe, aber nachdem ich die sehr direkte Erfahrung gemacht habe was die Grippe innerhalb weniger Stunden und für drei Wochen für ein Wrack aus meiner damals sechsjährigen und topfitten Tochter gemacht hat sehe ich das etwas anders.

  15. die Kaltmamsell meint:

    Wenn Sie Quarantäne als Ersatz für eine Impfung einhalten können, Petra, akzeptiere ich das als die Gemeinschaft schützenden Ersatz für Impfung (deren Risiken aus jeder Perspektive und auf der Basis aller Daten deutlich geringer ist als die einer Erkrankung). Nur ist das für einen verschwindenden Bruchteil der Gesellschaft eine Option.

  16. Simone meint:

    @Ina:
    Ich habe eine ganz ähnliche Erfahrung gemacht: meine Tochter war neun als sie wegen der Grippe ins Krankenhaus musste, sie war vier Wochen krank. Vorher topfit gewesen. Die Ärztin meinte damals, es kann Monate dauern, bis man sich von einer schweren Grippe erholt hat. Da mag ich mir LongCovid lieber nicht vorstellen.
    Hier wird geimpft.

  17. Ina meint:

    @Simone

    Oh je, das tut mir sehr leid dass sogar ein Krankenhausaufenthalt nötig wurde! Ich dachte die ersten Tage auch dass wir wohl besser ins Krankenhaus gehen. Sie fieberte sehr hoch und hat eigentlich nur geschlafen, ich hatte Mühe überhaupt Wasser und Nahrung zu verabreichen. Das noch erschreckendere war allerdings ihr Zustand hinterher. Schon einfaches Treppen steigen wurde zum Problem und das bei einem Kind dass vorher keine zwei Minuten still sitzen konnte und nur in Bewegung war. Von daher ganz sicher vergleichbar mit long covid. Hier auch absolut pro Impfen. Eine Erfahrung die ich nicht mehr vergessen werde.

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