Journal Freitag, 2. Juli 2021 – Sommerabend mit Balkontanz

Samstag, 3. Juli 2021 um 10:26

Benommenheit beim Weckerklingeln: Die Nacht hatte wieder ein anderthalb-stündiges Loch gehabt, Zusatzfeature Wadenkrämpfe, und zwar nicht nur die klassischen, sondern auch außenseitlich des M. extensor digitorum longus und des Schollenmuskels. Außerdem während des Schlaflochs festgestellt: In die Welt von Nora Bossongs Schutzzone kann ich mich überraschenderweise schwerer einfühlen als in die USA der 1960er bis 1990er von The Vanishing Half.

Draußen war es weiterhin grau und kühl, zumindest kam ich trocken in die Arbeit. Schon am Vormittag wurde es sonnig zu einem herrlich milden und hellen Tag.

Mittags hatte ich einen weiteren Krankengymnastik-Termin ums Büro-Eck. Auf halber Strecke merkte ich, dass ich meine Maske auf dem Schreibtisch vergessen hatte (das erklärte die gedehnten Blicke auf dem Büro-Gang). Jetzt wurde es knapp: Ich rannte zurück, holte die Maske, rannte in die Physio-Praxis. Doch als ich an der Empfangs-Theke außer Atem und schwitzend für meine Verspätung um Entschuldigung bat, stellte sich heraus: Mein Termin war nicht eingetragen, da stand der Name einer anderen Patientin. Hätte natürlich sein können, dass ich mich vertan hatte – aber als ich sicherheitshalber die weiteren Termine abglich, die seit dem Telefonat vor zwei Wochen in meinem Kalender standen, gab es keinen davon im Terminbuch der Praxis. Ich vereinbarte neu (und werde nicht hier nach selbst bezahlten Massagen für meinen weiterin lästig schmerzenden Rücken fragen).

Mittagessen war Pumpernickel mit Butter, eine Tomate. Nachmittags gab’s einen halben Liter Kefir.

Pünktlicher Feierabend, zur Spazierverlängerung meines Heimwegs steuerte ich den Eataly an: Ich hatte im instagram der in Rom angesiedelten Rezept-Autorin Rachel Roddy eine attraktive Pasta namens Mafalde gesehen, und wenn es irgendwo in München abgefahrene Pastasorten geben würde, so dachte ich, dann beim Eatyly. Gab es aber leider nicht. Wissen Sie eine weitere Quelle in München? Nachtrag: Verzeihung, ich habe mich so unpräzise ausgedrückt, dass ich Ideen wie “Supermarkt” verursachte habe. Ums Abklappern beliebiger Supermärkte will ich mich ja genau drücken. Ich formuliere also um: Haben Sie in München schon mal Mafalde zu kaufen gesehen und wo? (Sehen Sie? SO sieht die Bitte um einen Tipp aus. Damit habe ich hier durchaus ausgezeichnete Erfahrungen gemacht. Auf Twitter gehen @novemberregen und @herzbruch1 manchmal so weit, dass sie bei Beschaffungen – z.B. Wäscheständer, Badekleidung – um Tipps bitten in Form von Bestell-Links, keine Begründung nötig, und gut damit fahren.)

Ich hatte erfahren, dass gestern in der Männerfußball-Europameisterschaft Spanien gegen die Schweiz spielen würde. Da ich mir sehr sicher war, dass die Schweiz-Münchner deutlich weniger hupfreudig sein würden als die Spanien-Münchner, hatte ich großes Interesse an einem Sieg der Schweizer Mannschaft. Bei meiner persönlichen Schweizkulturberaterin Frau Brüllen holte ich mir ab, wie der angemessene Schweizer Schlachtruf lautet: “Hopp Schwiiz”. Den murmelte ich also ab Spielbeginn um 18.30 Uhr vor mich hin (einen lauten Ruf vom Balkon hätte die Mannschaft ja genauso wenig gehört). Das war zwar vergeblich, dennoch gab es keinen Hup-Lärm. Da ich in der Innenstadt allerdings Männer in Nationalfahnen gesehen hatte, die weder nach Schweiz noch nach Spanien aussahen, guckte ich nochmal nach: Oh weh, es drohte Hup-Belästigung von Italien-Münchnern. Die prompt eintrat.

Das Wochenende läuteten wir mit Drinks ein, ich hatte große Lust auf Alkohol.

Der vorhandene Aperol hatte nur für eine Portion gereicht (Zustände in diesem Haushalt, die geradezu der Verlotterung gleichkommen!), Herr Kaltmamsell bekam einen Campari Spritz. Dann probierten wir Campari Milano aus (der Ernteanteil hatte Minze gebracht), allerdings ebenfalls gespritzt, außerdem einen Spritz mit etwas Kirschlikör statt Aperol (schmeckte mir). Dann war der Prosecco alle.

Zu Essen hatte Herr Kaltmamsell Schälrippchen zubereitet, langsam im Ofen gebacken. Er servierte sie mit dem Ergebnis seiner ausführlichen Recherche zu den Konzepten Spareribs, Kotelettstrang, Leiterchen unter Berücksichtigung verschiedener Nationalküchen. Ich hatte dazu Tomaten mit Basilikum und Olivenöl angerichtet.

Es schmeckte sehr gut. Nachtisch Schokolade.

Beim Räumen in der Küche hörte ich die Musik aus dem Popup-Biergarten im Nußbaumpark, gestern war offensichtlich 1980er-Abend. Und so tanzte ich auf dem Küchenbalkon zu Phil Collins, Michael Jackson, Foreigner, Depeche Mode, Eurythmics, bis zum Schluss um Viertel nach zehn.

§

Es ist ja größtenteils Zufall, aus welchem Kochbuch man so richtig kochen lernt. Bei mir war es Delia Smiths Complete Cookery Course: Ich kaufte es während meines Auslandsstudienjahrs in Wales, weil mir die einheimischen Freundinnen versicherten, so werde echt ehrlich in England gekocht (Delia war dort die prägendste Fernsehköchin weit vor einem Jamie Oliver). Und so arbeitete ich mich, zunächst mit dem Wörterbuch, von vorne bis hinten durch.
Die Irish Times listet zu Delia Smiths 80. Geburtstag Bekanntes und Überraschendes zu einer Ikone auf, zu der mir im deutschsprachigen Raum kein Pendant einfällt (also jemand, die Generationen das grundlegende Kochen beibrachte und Lieferengpässe bei den Küchengeräten herbeiführte, die sie empfahl – zum Beispiel einer Zitronenreibe).
“Happy 80th birthday, Delia Smith! 10 lessons she has taught us”.

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Den Bedarf für ein Digitalministerium sehen in Deutschland viele, unter anderem schlägt Nicole Diekmann es in ihrem Buch zu Hass im Internet vor. Politik-Journalist Falk Steiner hat sich zu Struktur und Aufgaben intensive und detaillierte Gedanken gemacht, die er in einem Blogpost ausarbeitet:
“Digitalministerium? Discuss!”

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Nachtrag zu meiner Verwunderung, dass Frösche im Deutschen “Quak” machen:
Eine Landkarte der Frosch-Laute in europäischen Sprachen.

die Kaltmamsell

15 Kommentare zu „Journal Freitag, 2. Juli 2021 – Sommerabend mit Balkontanz“

  1. iv meint:

    Mafalde: Würde ich bei Farnetani nachsehen.

  2. Croco meint:

    Hihiiii. Lustig, wie unterschiedlich das Gequake an den europäischen Trommelfellen ankommt. Noch interessanter sind die Kommentare, die kurz mal klären, was falsch ist. Wenn aber im Großen Britannien Rebbit gehört wird, ist das sehr verwunderlich, und erklärt so manch anderes.
    Als Anfangskochbuch hatte und habe ich Luise Haarers „Kochen und Backen nach Grundrezepten“. Es ist das Schulkochbuch der Schwägerin, die in der Schule noch Kochen hatte. Die Rezepte funktionieren und es gibt Sparversionen bei manchen Rezepten mit weniger Eier und weniger Fett.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Danke, iv, die Umgebung Gewerbegebiet erweckt schon mal Vertrauen.
    Das “Rebbit” kannte ich – zumindest das englische R kann ich beim realen Laut hören.

  4. Sandra meint:

    Ärgerlich, dass der Physiotermin nicht eingetragen war. Arbeiten die auch noch mit Terminzetteln und Terminbuch, also ohne PC? Ich hatte solcherlei Erfahrung nämlich auch mit meinem damals 5 Monate alten Baby gemacht. Den Kleinen angezogen, 45 Minuten mit dem Kinderwagen zur Praxis und dann Termin doppelt vergeben. Mir wurde erst heiß und kalt, weil ich ja meinen Zettel zum Beweis hatte (Durchdruck in der Praxis) und dann kamen wir immerhin dran, weil das andere Kind noch nicht da war. Trotzdem war ich erstaunt, besonders, nachdem ich so etwas nochmal mitbekommen hatte, warum man nicht einfach mit einem Terminvergabesystem per PC arbeitet. Dann trägt man 1x dort ein und druckt den Terminzettel zum Mitgeben aus. Sonst wird immer wieder passieren, dass unterbrochen vom Telefon etc. vergessen wird, den Termin ins Buch zu übertragen.

    Wenn Mafalde gleich Mafaldine sind, gibts die im sehr gut sortierten Supermarkt. Z.B. von De Cec*o…

  5. Sandra meint:

    Genau, wir machen auch immer Rebbit bzw. Ribitt für den Frosch, denn sonst kommt man mit der Ente durcheinander. Die macht hier nämlich schon Quak :)

  6. Ilka meint:

    Mein Highlight in den Essensberichten ist “Nachtisch Schokolade”.
    Unser “Fußballnachbar mit Geräusch” scheint verreist, es war himmlisch ruhig.
    Schönes Wochenende!
    Ilka

  7. Daniela Schneider meint:

    Vielleicht gibt es Mafalde bei Feinkost Spina im Euroindustriepark?

  8. Nina meint:

    Ich habe mit Hedwig Maria Stubers „Ich helfe Dir kochen“ Kochen gelernt.

    Mafalde: Versuchen Sie es mal bei Spina.

  9. Nina meint:

    Haha, selber Gedanke zur selben Zeit.

  10. marthe meint:

    Ich habe kochen noch in der Schule gelernt, in einer Realschule – lange her; auch mit Luise Haarer, die croco schon beschrieb. Dieses Kochbuch habe ich noch heute griffbereit in der Küche, näher als viele andere, die abwanderten. Das Buch ist äusserst schlicht ohne jegliches Foto, aber praktischerweise mit einem waschbaren Umschlag. Es gibt farbig unterlegte Grundrezepte, denen dann Variationen folgen, meist Standardgerichte und Gebäck (ca. 70erJahre) Dieser Aufbau ist hilfreich, weil klar wird, was wie funktioniert.
    Es in die Hand zu nehmen ist immer auch Erinnerung an diesen Unterricht der Hauswirtschaftslehre hieß und den wir in weiten Teilen völlig überholt fanden. Das Kochen hat jedoch Spass gemacht. In 4er Gruppen war dann die Aufgabe zu planen, einzukaufen, zuzubereiten, den Tisch einzudecken und zu speisen.

    Mafaldine gibt es von Ba…la

  11. Iso meint:

    @Nina: Den Namen Stuber wollte ich auch gerade einwerfen. ;)

  12. Die M. meint:

    Haarer gibt es auch mit Bildern, habe ich! Tolles Buch.

  13. Anne meint:

    Mafaldine von Dececco habe ich in München bisher bei Hit gekauft, zuletzt in der Elsenheimer Straße. Hoffe Sie werden fündig!

  14. hafensonne meint:

    Liebe Frau Kaltmamsell, ich soll ausrichten, Mafalde haben wir sogar hier. Ich mag die nicht so, für mich ist Pasta eher was schlichtes, da passt mir das Schnörkelige nicht so ins Konzept. Aber die Frau rückt sie nicht raus, sonst hätte ich per Mail eine Versandanschrift erfragt. Ach so, es ist die blau-gelbe, hier bereits erwähnte und auch sonst empfehlenswerte Marke.

    Ach so: Die Frau fragt, was Sie (bzw. vermutlich Herr Kaltmamsell) denn dazu kochen würden?

  15. Milla meint:

    Hallo, die Pasta kenne ich unter dem Namen “Reginette” von Barilla oder De Cecco. Liebe Grüße, Milla

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