Journal Mittwoch, 22. September 2021 – Segen und Risiken des fehlenden Fortpflanzungstriebs

Donnerstag, 23. September 2021 um 6:42

Wieder gut geschlafen! Dafür musste ich am Vorabend allerdings mein Schlafzimmerfenster schließen: Eine Männergruppe hatte um die nächstgelegenen Bank im Park so lauten Spaß, dass auch keine Ohrstöpsel halfen. Beim Klogang um Mitternacht waren sie immer noch laut fröhlich.

Für den Weg in die Arbeit schlüpfte ich in meinen alten Ledermantel, nächster Herbstschritt.

Mittagessen: Apfel, Stück selbstgebackenes Brot, Rest der dienstagabendlichen Peperonata.

Rechtzeitiger Feierabend, um den Crosstrainer im Verein zu nutzen. Die Theresienwiese war beim Queren sonnig und sehr kühl. Crosstrainerstrampeln zu Musik auf den Ohren, damit verging die Stunde schnell. Terminvereinbarung für ein neues Maschinen-Trainingsprogramm verschoben, weil ich schnell heim wollte.

Zu Hause duschte ich rasch, ohne anschließendes Cremen und Pflegen (außer Deo) geht das erstaunlich schnell. Denn es war mit Herrn Kaltmamsell vereinbart, dass ich uns das Abendessen beim verlässlichen Vietnamesen holen würde. Es gab also zweimal Reisnudelschale mit Gemüse und Kräutern und Frühlingsrollen, fleischlos für mich, mit Fleisch für Herrn Kaltmamsell (nicht wirklich geplant, beim Chi Thu war mords Betrieb und ich nahm’s einfach). Danach Schokolade.

Mal wieder darüber nachgedacht, wie stark es mein Leben und meine Weltsicht prägt, dass mir nicht nur jeglicher Fortpflanzungstrieb fehlt, sondern Schwangerschaft und Kinderhaben immer schon zu meinen ultimativen Albträumen gehören (ich schrieb erst letzthin einem Freund, dass bei mir die Formulierung „hat sich gegen Kinder entschieden“ nur Sinn macht, wenn ich mich durch meine Polio-Impfung „gegen Kinderlähmung entschieden“ habe). Dass ich deshalb erst sehr spät begriffen habe, dass alle Menschen Kinder haben wollen, alle – zumindest grundsätzlich oder ein bisschen, die meisten deutlich. Auch wenn sie unter schweren Depressionen leiden, die sie regelmäßig an den Rand des Suizids bringen. Auch wenn sie sich nicht für Kinder interessieren oder Kinder eigentlich nicht mögen und vor allem genervt von ihnen sind. Auch wenn sie nicht vorhaben, sich mit ihnen zu beschäftigen, weil sie ganz in ihrem 24/7-Arbeitsleben aufgehen. Immer und immer wieder muss ich mich daran erinnern, dass dieses Kinderwollen bei fast allen Menschen stärker ist als das vielfältige Leiden unter Elternschaft (wo es doch verlässliche Verhütung gäbe!). Dass sich ganz wenige aktiv gegen Kinder entscheiden, und diese fast alle, weil sie anderes in ihrem Leben priorisieren. Dass die allermeisten Kinderlosen das nicht freiwillig sind, sondern keine Kinder bekommen können oder ihnen im relevanten Alter Partner*in fehlte. Aber das kostet mich immer aktives Bewusstmachen.

Ich glaube schon, dass Fortpflanzungstrieb zum Beispiel zu einer anderen Haltung gegenüber Besitz (weil für die Nachkommen) führt. Oder dazu, dass mir immer wieder auffällt, wie in der Diskussion um die Zukunft des Planeten der Faktor Überbevölkerung praktisch nie auftaucht, und wenn, nie in Verbindung mit dem eigenen Verhalten, sondern nur auf anderen Kontinenten. Doch immer wenn ich mich nicht rechtzeitig an dieses grundlegende Kinderwollen aller Menschen erinnere und mal wieder bestürzt bin über von Schwangerschaft zerstörte Lebensträume, muss ich mich auch daran erinnern, dass ich selbst den Segen des fehlenden Fortpflanzungstrieb ja zu nichts genutzt habe. Sondern lediglich der modernen Medizin innig danke, dass ich Sex haben konnte, ohne nahezu zwangsläufig Kinder haben zu müssen.

§

Von wegen „Linksrutsch“ (yes please): Der britische Guardian berichtet von einer Studie des Institute for Economic Affairs (IEA), nach der junge Britten entschieden nach links gewandert sind.

„Eat the rich! Why millennials and generation Z have turned their backs on capitalism“.

Nearly 80% blame capitalism for the housing crisis, while 75% believe the climate emergency is “specifically a capitalist problem” and 72% back sweeping nationalisation. All in all, 67% want to live under a socialist economic system.

Das sei nicht nur in methodisch sauberen Umfragen sichtbar, sondern auch in Dating Apps.

Dating apps are another, less formal way of seeing where the wind blows. The apps have increasingly become no-go zones for Tory supporters. Given Labour had a 43-point lead among the under-25s in the last election – unlike in 1983, when the Tories had a nine-point lead among our youngest voters – the dating pools of the youthful true blue have shrunk. “No Tories – it’s a deal breaker”, “Absolutely no Tories (the left are sexier anyway, facts)”, “Swipe right if you vote left” and “Just looking for someone to hold hands with at the revolution” adorn profiles on Tinder, Hinge and Bumble.

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Jetzt auch mit Infos zu Corona-Regeln: Alle Antworten der Stadt München zum Bundestagswählen in München am 26.9.

Unter anderem: Wenn Sie Ihre Briefwahlunterlagen erst am Sonntag abgeben möchten, können Sie das hier tun.

Standorte der Behördenbriefkästen:

  • Kreisverwaltungsreferat, Ruppertstraße 11 und Ruppertstraße 19
  • Rathaus, Marienplatz 8
  • Bezirksinspektion Ost, Trausnitzstraße 33
  • Bezirksinspektion West, Landsberger Straße 486
  • Bezirksinspektion Nord, Hanauer Straße 56

Außerdem gibt es am Wahlwochenende Sonderabgabestellen für Wahlbriefe an U-Bahnhöfen. An diesen Standorten stehen gelbe Wahlurnen, die von Sicherheitspersonal beaufsichtigt werden. Dort können am Samstag, 25. September, und am Wahlsonntag, 26. September, jeweils von 8 bis 18 Uhr Wahlbriefe eingeworfen werden. Auch hier ist die letzte Leerung am Wahlsonntag, 26. September, 18 Uhr.

Standorte der Sonderabgabestellen:

  • U-Bahnhof Hohenzollernplatz, Zwischengeschoss, auf der Seite Hohenzollernplatz
  • U-Bahnhof Rotkreuzplatz, Zwischengeschoss, auf der Seite Rotkreuzplatz
  • U-Bahnhof Münchner Freiheit, Zwischengeschoss, vor der Apotheke „Zur Münchner Freiheit“
  • U-Bahnhof Messestadt West, Zwischengeschoss, auf der Seite zur Messe
  • U-Bahnhof Giesing, Zwischengeschoss, zwischen Aufgang Bahnhofsplatz und Schlierseestraße
  • U-Bahnhof Feldmoching, Zwischengeschoss, beim Aufgang zur S-Bahn
  • U-Bahnhof Forstenrieder Allee, Forstenrieder Allee 61a

die Kaltmamsell

20 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 22. September 2021 – Segen und Risiken des fehlenden Fortpflanzungstriebs“

  1. Karin meint:

    Auch ich habe mich ganz bewusst gegen Kinder entschieden. Wäre ich ein Mann, bzw. wäre es mir möglich, „nur“ eine Vaterrolle einzunehmen bei der Brutpflege, hätte ich das evtl. anders gesehen. Als Frau habe ich mich in meiner Selbstverwirklichung zu sehr eingeschränkt gefühlt. Die Mutterrolle wollte ich schon im Kindergarten bei den Vater–Mutter–Kind Spielen nicht einnehmen. Später kam die Überlegung dazu, dass es nicht fair dem Kind gegenüber wäre, es in die Welt, so wie sie ist, hineinzuschubsen. Letzte Erwägung bestätigt sich immer mehr. Unter Klimaschutzgesichtspunkten allerdings habe ich das Thema bisher nicht betrachtet.

  2. Beate meint:

    Ich selbst, wie viele Freundinnen auch, habe keine Kinder … aber aus anderen Gründen.

    Mittlerweile (ich bin 57) wird das auch nicht mehr hinterfragt – wäre ja eh „zu spät“, um es zu ändern!

    Dafür habe ich zwei Nichten!

  3. Polly Oliver meint:

    Liebe Frau Kaltmamsell,

    bezüglich des fehlenden Fortpflanzungstriebes bin ich sehr bei Ihnen. Hier sind auch keine Kinder in der Lebensplanung enthalten (halt, nicht ganz. Kinder mit Fell, also Tiere, schon) und manchmal muss ich doch mit dem Kopf schütteln, wie sehr das Menschen beschäftigt. Neulich sinnierte der Nachbar darüber, wie das denn mal werden soll, mit Haus und Grundstück, wenn der Freund und ich nicht mehr sind und keine Kinder da sind, die das erben können. Es schien ein Problem zu sein.

    Viele Grüße Polly Oliver

  4. Alexandra meint:

    Meine Einstellung als dreifache Mutter hat sich jüngst so geändert, dass ich es den Nachkommen erspare, Container bestellen zu müssen – was wir wegen (Nachkriegsgeneration?) lebenslangem Sammeln und Jagen bei den Schwiegereltern mussten. Und die Kinder werden auch nicht durch Immobilien emotional in der Region festgeschraubt. Wie es in meiner Generation häufiger vorkommt, jedenfalls in meinem Umfeld.

  5. Susann meint:

    Ich wollte als junge Frau entschieden keine Kinder, später schon – und muss sagen, meine zweite späte Mutterschaft ist für mich bis jetzt sehr, sehr erfüllend. Dass das auch mit den Vorteilen zu tun hat, die ein finanziell abgesichertes Leben, in dem man sich bewiesen hat, was man sich beweisen wollte, mit sich bringt, ist für mich klar. Meine erste, frühe, ungeplante Schwangerschaft, die ich eisern durchgezogen habe, hat mich noch mal stärker zur Befürworterin einer sehr großzügigen Fristenregelung gemacht: für ein Kind muss man zwangsläufig so viel Zeit, Energie, Zukunft opfern, dass man das doch bitte gerne tun sollte und nicht, weil einen die Biologie in Kombination mit der Gesetzeslage dazu zwingt.
    Und dann ist das Ganze natürlich eine große, heilsame Übung im Loslassen: die Kinder müssen als Erwachsene frei sein, ihr Leben ohne einen selbst zu leben.

  6. Neeva meint:

    Hm, ich fühle mich erinnert an meinen einfach fehlenden Wunsch nach Wohneigentum. (Gut, Münchner Umland, es wäre sowieso nicht möglich.)

    Ansonsten kann ich nur sagen, dass beim Thema Fortpflanzung ein paar (bei den meisten) sehr mächtige biologische Programmierungen in wundervoller Eintracht mit starken gesellschaftlichen Erwartungen auf die einzelnen Personen wirken. Der Effekt ist frappierend.
    Blue Milk hat zu dem Thema recht interessant geschrieben:
    https://bluemilk.wordpress.com/2011/10/22/re-post-how-to-explain-desire/

  7. S. meint:

    Ich habe mich auch bewusst gegen Kinder entschieden, sehr früh schon. Weil mein damaliger Freund Kinder wollte, habe ich noch einmal sehr intensiv darüber nachgedacht, als ich 35 war. Und unabhängig von meinem nicht vorhandenen Kinderwunsch durchgespielt, was wäre wenn: Wie würde das ganz praktisch funktionieren, wer würde was machen, könnten wir hier wohnen bleiben und wie. Ich kam zu dem Schluss, dass ich diejenige wäre, die ihre Stunden reduziert, die trotz fester Zusage losgaloppiert zur Kita, die weiß, wann Arzttermine und Freundesgeburtstage sind, die abends müde und alleine auf dem Sofa sitzt, weil er noch einen Auftrag angenommen hat. Dass mein Leben gegen meinen Willen und seinetwegen so entfernt von meinen Bedürfnissen wäre, wie ich es auf keinen Fall will. All das habe ich ihm vorgetragen, es war wenig Einsicht.
    Danach haben wir nicht mehr darüber gesprochen bis er mich wegen einer Frau mit vier Kindern verlassen hat, das fünfte war dann sehr bald unterwegs. Ich bereue nichts.

  8. Hauptschulblues meint:

    Vorneweg: H. mag Kinder. Er wollte nie eigene.
    Er hat zwei Mädchen ins Leben entlassen- wie und warum spielt hier keine Rolle. Neffen und Nichten waren heilfroh, entspannte/n Tante und Onkel genießen zu können, die sich um Ausbildung, Weiterkommen und materielle Unterstützung kümmerten.
    Es war reines Glück, zwischen zwei Kriegen aufzuwachsen und zu leben, der nächste in Europa wird irgendwann kommen, der letzte war auf dem Balkan.
    1972 schon veröffentlichte der Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“. Jeder politisch und sozial denkende Mensch wusste nach der Lektüre, was auf die Menschheit zukommt. Und es kam so.
    Es ist sehr verantwortungslos, nur wegen des Fortpflanzungstriebes Kinder und zukünftige Menschen in diese Welt hinaus zu schubsen. Es wird noch was geben: Fehlende Ressourcen, Wasserknappheit, Zuwanderung, Rechtsradikale, die sich formieren.
    Und die Kinder wurden nicht gefragt, ob sie auf diese Welt kommen wollen.

  9. Sarah meint:

    Sehr stark ist der Fortpflanzungstrieb auch hier nicht ausgeprägt. Ich selber hätte mir auch sehr gut ein Leben ohne Kinder vorstellen können, aber die Männer in meinem Leben wollten so dringend welche, da habe ich mich nicht in den Weg gestellt. Ich wäre wahrscheinlich auch ein guter Feierabend-Papa geworden. Das hat nicht ganz geklappt, führte aber immerhin dazu, dass meine Verhandlungsposition recht fest war und eine 50:50-Arbeitsteilung dann tatsächlich, auf verschiedensten Wegen, Realität wurde.

    @Neeva: ha, großartiger Vergleich mit dem Wohneigentum! Da scheint es auch eine innere Uhr zu geben, die mir nicht eingepflanzt worden ist.

  10. Karin meint:

    @PollyOliver: die Kinder mit Fell gibt es hier auch – und bereits an denen habe ich gemerkt, wie sehr die „Kümmer-Arbeit“ an der Frau hängen bleibt. Naja, kann auch ein Fehler bei der Partnerwahl gewesen sein…. im Freundeskreis geht das auch anders. Trotzdem: ich sehe unendlich viel mehr Frauen, die beruflich und privat der Kinder wegen zurückstecken und sich einschränken, als Männer. Leider. Immer noch. Und ich sehe deutlich mehr Männer, die sich um ihren Nachwuchs wenig bis gar nicht kümmern.
    @neeva: den Immobilienvergleich finde ich durchaus treffend. „Man“ „muss“ doch – sagt wer gleich nochmal?

  11. berit meint:

    Hm interessant, ich hab es oftmals eher so erlebt, dass man Kinder bekommt weil „das macht man halt so“.

    Es macht sicher auch noch einen riesigen Unterschied wo man in Deutschland lebt und wie die Betreuungssituation gerade im Kleinkindalter ist. Hier hat man bezahlbare Kitaplätze mit super Öffnungszeiten, die einem eine gute Balance zwischen Arbeit und Kindern ermöglichen.

    Deshalb könnte ich jetzt trotzdem keine Arbeitsstelle antreten, die zB häufiges Reisen verlangt, weil es organisatorisch bei uns nicht machbar ist, aber das kann ich auch noch nachholen wenn das Kind größer ist und die Nächte allein verbringen kann.

  12. Susanne meint:

    Ich hatte einfach nie einen Kinderwunsch. Als junge Frau dachte ich, das kommt sicher noch. Als ich Mitte 30 war, kam der Gedanke: „Wenn, dann müsste man jetzt allmählich.“ Aber der Wunsch war immer noch nicht da, und die Vorstellung, mein glückliches und für mich erfülltes Leben für etwas zu riskieren, von dem ich nicht wusste, ob ich es wirklich wollen würde, von dem es dann aber für 18 Jahre kein Zurück gäbe, erschien mir abwegig.

    Mein Mann hatte von Anfang an gesagt: „Wir machen es, wie du willst.“ Ich habe keinen Zweifel, dass er ein guter Vater gewesen wäre, aber auch das Argument „du hast doch einen tollen Mann dafür“ (von einigen Freundinnen vorgebracht) schien mir nicht ausreichend.

    Jetzt bin ich Mitte Vierzig. Es ginge vermutlich noch, wenn man es darauf anlegte, aber da ist keine Leerstelle, die ich füllen müsste.

  13. Gaga Nielsen meint:

    @Alexandra:

    „Und die Kinder werden auch nicht durch Immobilien emotional in der Region festgeschraubt. Wie es in meiner Generation häufiger vorkommt (…)“

    Das ist sehr, sehr gut formuliert. Das ganze Thema rührt an den Begriff „Lebenswerk“, welche Spur man hinterlässt. Für Menschen, die nicht in einem künstlerischen oder handwerklichen Sinn schöpferisch tätig sind, ist ein eigenes Haus ein Lebenswerk, das man sich dann selbst zugute hält. Man geht nicht mit leeren Händen aus dem Leben. Oder eben auch: Nachkommen zu erschaffen. Das eigen Fleisch und Blut als tiefer Lebenssinn und Nachlass und Vermächtnis an die Welt. Wir sind ja an Lebensbilanzen gewöhnt, die möglichst erfolgreich dastehen sollten, das ist auch eine gesellschaftliche Messlatte. Wer nichts als Schulden hinterlässt, ist gescheitert, wird nicht (in den Himmel) versetzt. Ich finde es auch sehr schwierig und mit Belastungspotenzial für Nachkommen befrachtet, wenn jemand zu Lebzeiten Dinge, Häuser, etc. anschafft, und noch nicht zu Lebzeiten regelt, an wen was im Todesfall geht und ob die Wunsch-Nachlassverwalter oder -Empfänger, das überhaupt haben wollen, bzw. in der Form. Sehr sehr heikles Thema. Ich plädiere für Nachlassschenkung und -Regelung zu Lebzeiten, und zwar bis ins letzte Detail.

  14. Nina meint:

    Diese Perspektive, auch in den Kommentaren, des Kinder-kriegen-macht-man-ebenso ist eine ausgesprochene Hetero-Perspektive auf (weibliche) Biographien. Queere Menschen, u. a. ich, entscheiden sich ganz bewusst für Kinder. Für uns ist dieser Lebensentwurf sowohl von der Hetero-Mehrheitsgesellschaft als auch in den queere Narrativen selbst nicht vorgesehen bzw. marginalisiert. Insofern sehe ich queere Familiengründung/ Kinderkriegen als widerständig und gesellschaftlich irritierend. Ich wollte ganz lange keine Kinder, es gab für mich schlicht keine Lesben mit Kindern als Vorbild. Und irgendwann spät mit Ende 30 dann doch, nachdem ich mich beruflich ausreichend verwirklicht und alle essentiellen Lebensträume erfüllt hatte (Studium, die Welt sehen, toller, anspruchsvoller Job). und jetzt bin ich so glücklich mit meinem Kind und bin eine so entspannte Mutter wie ich es früher nie hätte werden können. Und wer weiß, vielleicht trägt das Kind irgendwann sogar dazu bei, die Klimakrise zu lösen ;)

  15. Croco meint:

    Ich mag Kinder, sehr sogar.
    Es müssen aber keine eigenen sein. Wenn ich welche gehabt hätte, hätte ich weiter gearbeitet. So dieses Kümmerbedürfniss für was Eigenes habe ich nicht.
    Ich mag die Kinder anderer Leute und bin froh, frei nach Jürgen von der Lippe, sie mitbenutzen zu dürfen.
    Und das mit der Erberei ist so ne Sache. Man überlegt sich halt, was nach der Zeit noch Wert hat und das geht dann an nette Verwandtschaft, falls vorhanden, oder an Ärzte ohne Grenzen.

  16. Hauptschulblues meint:

    @Croco:
    Ja! Das mit der Erberei wird so gehandhabt. Eher an Ärzte ohne Grenzen.

  17. Susann meint:

    Ist ja interessant, die Statements zu lesen. Zusammenfassend lässt sich sagen: wer den dringenden Wunsch nach Kindern verspürte, hat welche, wer nicht, der nicht. Das passt doch so. :-) Tragisch sind nur die ungewollt Kinderlosen, bei denen es einfach „nicht geklappt“ hat. Meine Schwester und ihr Mann sind solche ungewollt Kinderlosen, und der Schmerz darüber hat sie Jahre beschäftigt.

  18. Frau Irgendwas ist immer meint:

    Ja, das mit der Verhütung ist ein großes Glück! Ich bin stolze Stiefmutter, das hat mir als Mutter Rolle immer ausgereicht.

  19. Sandra meint:

    mir geht es genauso wie susanne weiter oben. ich dachte auch immer, ich warte halt ab, ob sich bis mitte 30 ein kinderwunsch einstellt – es kam keiner und ist bis heute nicht eingetreten (jetzt bin ich 41). wenn eine freundin/bekannte sagt, sie ist schwanger, muss ich mich immer geistig „anschubsen“, um sozial angemessen freudig zu reagieren, weil es für mich ganz schrecklich wäre.
    mein partner hätte sich kinder vorstellen können und wäre sicher auch ein guter vater. wir haben auch darüber gesprochen, ob ihn die kinderlosigkeit belastet, aber er meinte, er hat sich jetzt daran gewöhnt. manchmal mache ich mir aber schon sorgen, dass er es mir mal vorwerfen könnte.

  20. Regina meint:

    Zu was sollte frau „den Segen des fehlenden Fortpflanzungstrieb“ nutzen müssen / wollen / sollen?
    Ansonsten ebenso wie Sie ‚bevölkerungspolitische Blindgängerin‘ ohne wenn und aber. (Leider zu spät erkannt, das unfruchtbar, hätte manches erspart)

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