Journal Dienstag, 21. September 2021 – „Erhöhtes Risiko“

Mittwoch, 22. September 2021 um 6:30

Der Tag begann damit, dass mir in der Küche zwei schwere Schneidebretter hochkant auf den linken Fuß fielen. Denn: Jemand in diesem Haushalt, der mich allabendlich mit köstlichem Nachtmahl bekocht und dann auch noch selbst die Küche aufräumt, stapelt handgewaschenes Geschirr gerne aufs Abtropfgitter – bis zu einer Höhe, in der es die Tür eines der Oberschränke blockiert. Als ich morgens beim Ausräumen des Geschirrspülers noch etwas schlaftrunken diese Tür öffnete, schob sie die beiden hochgestellten Schneidebretter vom Abtropfgitter und auf meinen Fuß. Danach war ich wach und hatte noch viele Stunden etwas von den Schmerzen. Abends kündigte sich ein beeindruckender blauer Fleck an.

Diesmal trug ich auf dem Weg in die Arbeit eine dicke Jacke gegen die Herbstkühle, es wurde den ganzen Tag nicht warm. Das machte meine Körpertemperatur auch abseits hormoneller Sonderzustände schwierig: Das Büro ist noch nicht winterlich geheizt, Bluse reichte also nicht, ich griff zum Bürojäckchen. (Gilt noch, dass Frauen in Büros standardmäßig eher Wollstolen in Teppich-Design vorhalten und sich bei Bedarf um die Schultern legen? Oder hat sich dieser Brauch wegpandemisiert? Wegen mangelnder Präsenz der Kolleginnen kann ich das nicht anhand von Stola-Stapeln in Büros verifizieren.)

Ich hatte mir Dienstag und Mittwoch eigentlich für eine Schulung geblockt, kurz vor Beginn aber festgestellt, dass sie für mich gar nicht relevant ist. Die schlagartig freiwerdende Zeit konnte ich gut gebrauchen.

Mittags gab es ein Brot mit Frischkäse und einen Apfel.

Auf dem Heimweg durch den kalten, grauen Tag, brachte ich nach Langem mal wieder Münzen zur Bank – in Zeiten hauptsächlicher Kartenzahlung hatte es lange gedauert, bis unser Topf mit Urlaubsgeld, in den wir allabendlich das Kleingeld unserer Geldbeutel leeren, voll geworden war.

Zu Hause ein kurzer, knackiger Yoga-Flow, den ich zum Begreifen sicher nochmal machen werde.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell ein weiteres Gericht aus Rachel Roddys A to Z of Pasta: Casarecce con peperonata, schmeckte mir sehr gut. Zum Nachtisch Süßigkeiten, diesmal bremste ich mich halbwegs rechtzeitig.

Letzten Freitag zeigte meine Corona-Warn-App „Erhöhtes Risiko“ an – zum ersten Mal seit der Umstellung der Risikoberechnung vor einem Jahr. Die letzte Risikobegegnung war demnach am 14.9. gewesen. Zum Glück bin ich doppelt geimpft, also ist keine Quarantäne notwendig. Zudem trage ich unter Menschen weiterhin FFP2-Maske (auch wenn in Bayern seit 2. September die leichten medizinischen akzeptiert werden), habe keine Symptome und schnellteste mich seit der Meldung fast täglich, werde das auch die empfohlenen 14 Tage so beibehalten.

Im Bett las ich weiter in Christoph Hackelsberger, München und seine Isar-Brücken von 1981. Ich hatte es antiquarisch besorgt, weil es wohl nichts Neueres zum Thema gibt, und lese viel bereits historisch gewordenes: Die Großhesseloher Brücke wurde seither komplett neu gebaut, die Thalkirchner Brücke zum größten Teil. Und die Fotos sind schlecht, da hilft keine Großformatigkeit (während meines Zeitungsvolontariats wurde noch über schlechte Bilder gescherzt: „Mach es vierspaltig 210 mm groß – dann ist es Kunst.“). Für ein aktuelles Buch über die Münchner Isarbrücken müsste es doch eigentlich einen Markt geben?

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Für den ORF haben Nadja Igler (Text), Christian Öser (Bild, Video) Stimmen zum Ost-West-Verhältnis in Deutschland gesammelt – und dazu auch Menschen interviewt, die ich aus dem Internet kenne.
„Deutschland-Wahl
Der Osten trotzt den Klischees“.

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Florian Aigner auf Twitter über „Selbstverstrohmannung“ (wenn sich jemand ständig mitangegriffen fühlt – und damit von der eigentlichen Diskussion ablenkt).

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Mittlerweile gibt es natürlich auch Wettbewerbe für Dronen-Fotografie – mit spektakulären Einreichungen.
„Spectacular Winners of the 2021 Drone Photography Contest Capture a Bird’s-Eye View of the World“.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Dienstag, 21. September 2021 – „Erhöhtes Risiko““

  1. Ilka meint:

    Guten Morgen,
    hier Bürojacke und Stola (falls nötig) und ein Notfallshirt im Schubfach im Falle von bekleckert oder zum drunterziehen wenn sehr kalt. Andere stehen eher auf riesige Strickjacken, in denen ich mir vorkomme, als wäre ich mit Zelt unterwegs.
    Im Homeoffice sind es eher kalte Füße, darum dicke Warmschuhe mit Körnern.
    Viele Grüße Ilka

    PS: gute Besserung für den blauen Fleck.

  2. Susann meint:

    Leider hat Herr Aigner nicht recht. Ich verfolge die Diskussion um Coronamaßnahmen recht genau, und „Coronaleugner“ wird in den (sozialen) Medien recht wahllos verwendet für alles, was nicht untertänigt nickt, wenn der Herr Söder o.Ä. eine Maßnahme verkündet. Mich entsetzt diese sprachliche Ungenauigkeit sehr, muss ich sagen, auch, weil ich glaube, dass der Begriff von manchen durchaus planvoll verwendet wird, um zu diskreditieren.

  3. Ein Bayer in Zürich meint:

    Ich habe lange überlegt, direkt auf Susann zu reagieren, habe aber, wie immer, lieber nicht auf diese sprachsensible Meinung geantwortet. Ich will lieber erzählen, was ich hier in der Schweiz in den letzten 20 Jahren beobachten konnte.
    Kurz vor der Jahrtausendwende hatte sich das Phänomen SVP unter Christoph Blocher unübersehbar materialisiert und einen schwankenden Anteil von Schweizern knapp unter 30% aufgesogen. Zusammen mit der FDP bildet sie seitdem einen verlässlichen Block gegen jegliche Änderung, ausser dem Verhältnis zur EU und generell Ausländern. Dass die SP dabei alles andere als links ist und die Grünen sich ihren Wähleranteil mit Grünliberalen (FDP mit grünem Feigenblatt) teilen müssen, hat dem nicht geschadet. Nun habe ich im Bekanntenkreis einige, meist verkappte (ein Schweizer geht nicht gerne mit seiner Meinung hausieren) SVP-Sympathisanten, die ich über die Jahre beobachten konnte. Nebst dem von der SVP zelebrierten Exzeptionalismus, der weltweit um sich greift, haben alle Angst, die durch Geburt und Erbschaft erworbenen Privilegien an Unberechtigte zu verlieren. Leider ist dabei die gerühmte Liberalität der Schweizer direkten Demokratie in den Köpfen verblasst. Die Mehrheit entscheidet für sich und die besteht aus jenen, die etwas zu verlieren haben und jenen, die etwas gewinnen wollen. 26% SVP + 15% FDP + 14% CVP/BDP (neue Mitte, Christliche, Evangelikale und ex-SVP) bilden eine satte 115:85 Mandatsmehrheit, die erfolgreich den Stillstand zelebriert. Dass die Schweiz keine Insel ist, sehen die Schweizer nicht so. CoVid, Klima, Ungleichheit, alles ist hier anders und um das soll sich der Rest der Welt kümmern. (Ausser, man hätte feinen Impfstoff oder Technologie zu verkaufen)
    Man ist es sich gewohnt, die Situation des kalten und teilweise warmen Kriegs ins Endlose zu verlängern. Neutral sein heisst auf Schweizerisch, im Konflikt vermitteln, beide Seiten mit Waffen beliefern, den Ausgang moderieren und an allem ordentlich profitieren. Ohne sich schmutzig zu machen, weder durch Taten, noch durch Worte. Nun beherbergt man Rohstofflieferanten und beschützt sie vor Rechenschaft, internationale Konzerne mit Dumpingsteuern, Multimilliardäre mit Almosensteuern, milliardenträchtige Sportorganisationen als gemeinnützige Vereine und alles nur, solange das Ansehen der Schweiz dabei nicht beschmutzt wird. Frischs „Andorra“ und das Weisseln grüssen.
    Warum die lange Einleitung? Weil ich glaube, dass die Schweiz, wie die USA, 10 bis 20 Jahre vorwegnehmen, was den Rest der Welt erwartet. Der privilegierte Anteil besetzt die Schaltstellen der Macht in Politik und Wirtschaft und hält den Rest im Hamsterrad, damit der nicht einmal über seine Lage nachdenken kann und sie vielleicht begreift. Schwupps sind zwei, drei Jahrzehnte Stillstand um und die Beute ist verteilt. Der Rest, oder die Insekten, wie ich sie nenne, dürfen sich an immer neuen Problemen abarbeiten und werden aufeinander gehetzt. Die Susanns dieser Welt halten das Hamsterrad in Schwung und werden Konflikt um Konflikt beackern, um sich ihrer billigen Individualität zu versichern und mit Scheingefechten die Ursachen zu verdecken. Die wahre Individualität sitzt derweil in unfassbar aufwendigen, klimatisierten Bunkern in Neuseeland, Alaska oder bald auf hoher See, wo sie, fernab der Sterblichkeit, verantwortungs- und steuerbefreit, selbstversorgt und von Söldnern rumdumbedient und geschützt, auf den Transfer in die interplanetarische Ewigkeit warten. Solange die Susanns dieser Welt diese mit Scheinproblemen in Atem halten, werden Lösungen für die Menschheit als solche unerreichbar.
    Und irgendwie haben auch die deutschen Parteien keine grosse Lust, die wahren Probleme anzugehen. Wieder vergehen tatenlose 4 Jahre mit irgendeiner grossen Koalition, dann heftiges Wattebällchengewerfe und besänftigen der Insekten und das Ganze von vorne. Die Schweiz kann das schon ganz gut. 2% Verlust bei SVP/FDP/Mitte sind ein Linksrutsch, der die Schweiz erzittern lässt. Das Beben war auf den Seychellen zu spüren. Das muss 4 tatenlose Jahre später sofort korrigiert werden. Die an den Schalthebeln der Macht wissen, dass es bald keine Lösungen mehr gibt und, wenn überhaupt, nur solche, die einen eigenen Verzicht bedeuten. Also weiter so, bis alles geraubt und unerreichbar verstaut, jede virtuelle Einheit in realen Besitz umgewandelt ist. „Wir haben ja nichts gewusst“ hängt an konservativen Fahnen bereits als Band, aus dem Ehrenbestand der Nachkriegs-BRD und den Blockflöten. Wenn es nichts mehr zu holen gibt, sind diese Leute weg wie nichts und erwarten die Almosen von den Profiteuren.
    Aber ich übertreibe. Hier geht es nur um eine sprachliche Ungenauigkeit. Dass dieses Verhalten eine Reduzierung der nebensächlichen Bevölkerung als Kollateralschaden bedeutet, sehe ich wahrscheinlich nur durch meine Brille. Hier in der Schweiz ist dieser Aspekt eben schon stärker spürbar (7-Tage-Inzidenz Kanton Zürich 12.9.: 567(!); Kanton Appenzell-Innerrhoden 8.9.: 833(!); dass die Werte zurückgehen, liegt vielleicht an der Messung; der Schweizer Bundesrat ist verschwiegen wie die Nationalbank, aber der Oktober kommt so sicher wie der starke Franken)
    Ich bitte bereits vorab für meine ausufernde Meinung um Entschuldigung. Mehr habe ich leider nach 65 Jahren zwischen Adenauer, Brandt, Kohl, Schröder, Merkel, Reagan, Thatcher, Thiel, Zuckerberg, Musk, Bezos und Blocher leider nicht zu bieten. Ich weiss, es ist armselig. Wäre ich doch niemals älter als 20 geworden.

    P. S.: Nachträglich noch etwas, weil ich gerade vom Seehofer-Spiegelgefecht lesen muss: so agieren scheinheilige Heuchler. Vordergründig den dicken Maxen markieren und dabei alles tun, damit sich nichts ändert. Und dann das auch noch brandmarken. Die Journalisten kauen das Ganze wieder brav durch und die Leute können solcher oder auch anderer Meinung sein. Es werden dann immer nur Einzelfälle bleiben und schon sind wieder einige Tage rum. Die Trump-Johnson-Kurz-Beschäftigungstherapie.
    So, das war’s. Ich geh‘ jetzt in Mindestrente trotz 35 Jahren Maximalabzug und hoffe, dass ich vieles nicht mehr erleben muss und sterbe, bevor diese Gnadenrente zu wenig wird. Es fehlen halt 7 Jahre wegen unversicherter Erwerbsunfähigkeit. But-Her-Coronamassnahmen

  4. die Kaltmamsell meint:

    Hm, Susann, ich habe hier immer wieder die Corona-Maßnahmen in Bund und Land kritisiert – aber niemand hat mich als Corona-Leugnerin bezeichnet.

  5. Susann meint:

    Liebe Kaltmamsell, ich glaube nicht, dass man Ihren Salon voller Ihnen wohlgesonnenen, lieben, haltungsmäßig überwiegend ähnlich gelagerten Leser/innen hier im Blog mit anderen Räumen der Social Media vergleichen kann. Hier ist in 95% der Fälle kultivierter, freundlicher Austausch angesagt; insofern finde ich es ein bisschen merkwürdig, dass Sie den als Vergleich heranziehen.

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