Journal Mittwoch, 10. November 2021 – Online-Konferenz und Ziegenlieferung

Donnerstag, 11. November 2021 um 6:57

Sehr gut geschlafen, noch vor Weckerklingeln aufgewacht; erst im Büro erinnerte mich Kopfdumpfheit an weniger Schlaf und den rauschenden Vorabend.

Der Morgen daheim war ein wenig angestrengt, da ich mit mehr Druck als sonst bloggte, üblicherweise habe ich den Post ja bereits am Vorabend fast fertiggeschrieben.

Aber: Morgenrot hinter St. Matthäus in der Note Cassis (mit meinen Mitteln leider nicht fotografierbar).

Marsch in die Arbeit durch frostige Luft; im Büro empfing mich Raumduft Quitte: Es hatte eine liebe Lieferung aus dem Team gegeben.

Den weitaus größten Teil des Arbeitstags verbrachte ich in einer Online-Tagung. Eigentlich, denn Konzentration auf Bildschirm-Vorträge ist eh schwierig, und wenn links und rechts Anliegen reinkommen, praktisch unmöglich. Unter anderem musste ich mal schnell zu einer beruflichen Besorgung raus.

Mittagessen: eine sehr dicke Scheibe selbst gebackenes Roggenbrot (das letzte Viertel des Riesenlaibs aus der Gefriere), griechischer Joghurt mit einer Maracuja.

Nachmittags mehr Online-Tagung mit Nebentätigkeiten. Die doppelte Aufmerksamkeit (jajaja ich weiß, amerikanische Wissenschaflerinnen haben herausgefunden, dass Multitasking nicht geht, deswegen argwöhne ich ja bei mir eine leichte, aber hochfunktionale Form von ADHS) kostete mich aber dann doch Kraft. Zudem muss ich mir wohl eingestehen, dass die brutale vierte Welle der Pandemie mir dann doch an die Substanz geht und aufs Gemüt schlägt: Nachdem ich über den Sommer lockerer lassen konnte und Vorsichtsmaßnahmen wie Maske und Abstand einfach Routine waren, muss ich mich jetzt wieder zu aktiver Vorsicht und zu ständigem Abwägen zwingen. Eigentlich habe ich wirklich, wirklich keine Lust mehr und neige echt ehrlich nicht zu doom scrolling, doch ich muss mich überwinden, mir einen faktischen Überblick in Expertenquellen zu verschaffen – denn leider kann ich mich nicht einfach darauf verlassen, dass die zuständigen Behörden mich durch offizielle Regeln schützen. Wieder sehne ich mich nach Winterschlaf, weckt mich im März nach der Welle.

Bei Arbeitsende packte ich nicht nur den Laptop für den Homeoffice-Donnerstag ein, sondern auch genügen Peripherie, um daheim mit einem übrigen Bildschirm von Herrn Kaltmamsell arbeiten zu können.

Ich wusste, dass eine Lieferung von Crowdfarming daheim eingetroffen war, doch ich habe für November vier Bestellungen laufen und konnte nicht ersehen, welche es war.

Ziegenkäsen von Aubagueta aus der katalonischen Provinz Lleida! Optimale Lagerung laut Beipackzettel „eine Höhle mit hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 12 oC und 14 o“, „aber wir verstehen, dass es etwas schwierig werden könnte, heutzutage passende Höhlen zu finden“ – als Alternative wird ein luftdichtes Gefäß im Kühlschrank empfohlen. Die verschiedenen Sorten halten sich bis zu fünf Monate, es sollte wirklich einfach sein, die Lieferung nach und nach aufzuessen.

(Sehr niedlich auch die handschriftliche Botschaft, die @FrauBruellen auf ihrer Crowdfunding-Kiste mit Kakis fand. Und wenn das bloß Folge einer Marketing-Anweisung der Crowdfarming-Betreibenden ist, dann ist es zumindest genau das richtige Marketing für die Zielgruppe.)

Eine Runde Yoga, dann servierte Herr Kaltmamsell zum Abendessen den Grünkohl aus Ernteanteil als Chips aus dem Ofen, die restlichen Kartoffeln als Salbei-Bratkartoffeln (Entenfett!) mit Spiegelei.

Im Bett neue Lektüre: William Kotzwinkle, The Fan Man, auf das ich durch die Suche einer Freundin nach einem möglichst skurrilen Buch über Chorgesang hingewiesen wurde. Ist wohl ein Kultbuch aus den 1970ern, interessierte mich sofort.

Im Hinterkopf verarbeitete ich den ganzen Tag über den Abend mit Pigor & Eichhorn. Ich dachte u.a. an das Nörgeln über den Gender-Stern (eine Tonlage, bei der sich meine Aufmerksamkeit inzwischen reflexhaft verabschiedet, vor allem wenn wie am Dienstagabend behauptet wird, jemand wolle ihn vorschreiben – das Strohmann-Argument tauchte bezeichnenderweise in dem roten Faden durch manipulative Argumentationsformen nicht auf) – doch dann mit dem interessanten Aspekt, dass die *innen-Endungen eine verheerende Arbeitsbehinderung beim Reimen darstellt. Das konnte ich nachvollziehen. Außerdem schlugen die beiden eine Alternative vor (und machten damit klar, dass sie das Problem fehlender Repräsentation im generischen Maskulinum sehen): Im Plural das norddeutsche S, also Renters, Zuschauers, Kellners – im Singular Nutzung des neutralen “das”, also das Renter, das Zuschauer, das Kellner. Diesen Vorschlag zogen sie dann auch recht konsequent in den Überleitungen durch (siehste? alle können was ausprobieren! und was die meisten mögen, setzt sich dann durch, so geht Sprache).

Sehr treffend fand ich die Überlegungen zu wirkungsvollen Maßnahmen gegen die Klimakrise: Verhaltensänderung des oder der Einzelnen (Mülltrennen, Energiesparen, Fleischverzicht etc.) bringt im Vergleich zu Wahlentscheidung gar nichts. So strom-, plastik-, heizungslos und vegan kann kein Mensch leben, dass das eine Wahlentscheidung für eine Partei mit der Verkehrs-, Klima-, Energie- und Landwirtschaftspolitik der vergangenen Jahrzehnte wettmacht. Bumm.

Ich dachte amüsiert zurück an Pigors Tanzeinlagen (nicht schlecht gesteppt der Herr). Und mir fiel auf, dass die meisten Lieder nicht aus distanzierter Haltung über beobachtete Umstände gesungen werden, sondern mit der Stimme oder aus der Perspektive der Beteiligten. Das machte es bei neuen Nummer immer erst mal spannend, wer da gerade spricht. Und es kann auch sehr gemeinen Texten die Schärfe nehmen, weil sich in die Kritisierten hineinversetzt wird.

Auf YouTubue guckte ich einige von Ihnen in den Kommenateren empfohlene ältere Stücke (danke!). Das hier gefiel mir sehr gut.

Maulende Rentner

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https://youtu.be/2IZ3NkveLlA

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 10. November 2021 – Online-Konferenz und Ziegenlieferung“

  1. Flusskiesel meint:

    Das Entgendern nach Hermes Phettberg gefällt mir auch irgendwie gut:

    https://www.deutschlandfunkkultur.de/entgendern-nach-hermes-phettberg-bis-das-arzty-kommt.1013.de.html?dram:article_id=492876

    Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Diskussion um den Asterisk so langsam aber sicher Phantasie und Kreativität beflügeln und das finde (ehrlich) sehr schön!

  2. Christine Othmer meint:

    Ich liebe Pigor und Eichhorn schon seit Urzeiten.

    Für Münchner lohnt sich eventuell auch diese gut gemachte Show:
    https://www.gaertnerplatztheater.de/de/produktionen/drei-maenner-im-schnee.html

  3. Nene meint:

    Oh, Fan Man! That takes me back. Super Buch.

  4. Croco meint:

    Falls diese Höhle auftaucht, ich hätte Interesse. So ungefähr bis März.
    Danke für die maulenden Rentner. Erinnern sie mich doch an die wenigen Gruppenreisen, bei denen man ihnen nicht entkommen konnte.

  5. Lempel meint:

    Ich hätte hier sogar so eine Höhle, ein Sandsteinkeller aus dem 18. Jahrhundert. Aber Ziegenkäse schmeckt mir gar nicht so gut.

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