Journal Freitag, 21. Januar 2022 – Von Risiko-Prioritäten

Samstag, 22. Januar 2022 um 8:36

Zerstückelte Nacht, mal wieder halbwegs durchschlafen wäre schön.

Bereits an den Schritten der Passant*innen vorm Schlafzimmerfenster hörte ich, dass der Schnee draußen gefroren war. Entsprechend eisglatt war der Boden auf meinem Fußweg in die Arbeit: Ich ging mit festem Blick auf den Weg vor meinen Füßen und mit so konsequenter Körperspannung, dass ich fast zu atmen vergaß.

Im Büro Kampf mit neuer Software, Seelsorge wegen neuer Software, und nein: Ich weiß in zügiger Geschwindigkeit immer mehr darüber nicht etwa durch Osmose, sondern weil ich recherchiere, nachschlage und rumprobiere. Ja, das müssen alle. Ja, auch ich habe eigentlich anderes zu tun. Aber auch gestern bemühte ich mich aktiv um Gutfinden, zum Glück bot sich Gelegenheit.

In der Mittagspause gab es Zuckerhut-Salatreste vom Vorabend, Granatapfelkerne mit Joghurt und Mohn.

Vormittags schien hin und wieder die Sonne, nachmittags fielen vereinzelte Schneeflocken. Ich machte recht pünktlich Feierabend, spazierte auf weiterhin glattem Boden über Einkäufe beim Vollcorner heim.

Dort traf ich so früh ein, dass ich trödeln konnte, meine Runde Yoga besonders entspannt absolvierte, mich anschließend für das Feiern des Wochenendbeginns nochmal richtig anzog (sonst schlüpfe ich immer nur noch in Schlumpfklamotten). Für den kommenden Freitag reservierte ich einen Restaurant-Tisch – trotz neuer Rekordzahlen an Corona-Infektionen (Münchens Inzidenz derzeit über 900). Ich merke, dass mir festliche Restaurantbesuche so wichtig sind wie anderen Konzerte, Flugreisen oder Training im Fitness-Studio, dass ich dieses Risiko bereit bin einzugehen. Und so freute ich mich auch ungehend wie bescheuert darauf, las schon mal intensiv Speise- und Getränkekarte.

Das gestrige Festmahl servierte Herr Kaltmamsell.

Erst mal gab es Margaritas mit Salzrand, die hatte ich schon völlig vergessen. Auf den ersten Schluck dachte ich noch “zurecht” – doch dann erinnerte mich der Geschmack an die Cocktail-Zeit der frühen 1990er, auf sehr schöne Art.

Als Abendessen teilten wir uns ein sehr schönes, glückliches Entrecôte, dazu hatte der Herr Ernteanteil-Karotten im Ofen gebacken, ein Petersiliensößchen angerührt und Aligot zubereitet, eine Kartoffel-Knoblauch-Käse-Creme. Ich machte den Ernteanteil-Portulak mit einer Himbeeressig-Vinaigrette an. Das schmeckte alles ausgesprochen köstlich, dazu gab es einen unserer Lieblingsrotweine, nämlich spanischen Dehesa la Granja. Zum Nachtisch Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir Kingsman laufen und ich musste mich wieder ärgern, dass der wundervolle Michael Caine mit der Jodelstimme von Jürgen Thormann synchronisiert wird.

§

Zu San Sebastián assoziieren Menschen dieses Gedicht von Frank O’Hara:
“Having a Coke with You”.

via @fragmente

Eines der wenigen Gedichte, zu dem ich Zugang bekam, sogar sofort. Vielleicht weil es eine Geschichte erzählt? Weil es bei mir ein Assoziationsgewitter auslöste bis zum El Jinete Polaco von Antonio Muñoz Molina?

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Tango am Stiel!

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https://youtu.be/KXIOg3f-7ew

via @Cynx

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Freitag, 21. Januar 2022 – Von Risiko-Prioritäten“

  1. Ilka meint:

    Oh, ich glaube “Osmose” wird meine Standard-Antwort bei komischen Softwarefragen (bin auch Typ Nachlesen und ausprobieren).
    Schönes Wochenende wünsche ich!

  2. Croco meint:

    „Kalter Aufschluss“ nannte man das im Chemiestudium, wenn man anstatt die Analysebrühe selbst zu kochen den Assistenten belagerte und ihn ausquetschte über die Inhaltsstoffe. Man ersparte sich Arbeit.
    Das Prinzip scheint überall verbreitet.
    Und die Tänzerin ist toll! Was hat sie für wunderschöne Beine.

  3. Sibylle meint:

    Lernen durch Osmose ist überhaupt DIE Idee des Jahrhunderts!

  4. Flusskiesel meint:

    Was das Essengehen angeht, bin ich exakt der selben Meinung: War ich zu Beginn der Omikron-Welle überhaupt nicht mehr in der Gastronomie, so sind gelegentliche Restaurantbesuche für mich inzwischen einige der wenigen Lichtblicke.

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