Journal Montag, 27. November 2023 – Neue Erkältungsattacke

Dienstag, 28. November 2023 um 6:29

Gut und tief geschlafen – bis vier, als ich davon aufwachte, dass die Erkältung letztlich doch die Keule auspackte: Verrotzte Nebenhöhlen, zugeschwollene Schleimhäute (Nasenspray FTW), Gehüstel.

Doch nach dem Aufstehen war alles halb so schlimm, ich fühlte mich fit und munter. In meinem Büro würde ich an diesem Montag sowieso allein sitzen, konnte also niemanden anstecken (von dem ich mir den Infekt eh mutmaßlich eingefangen hatte). Obwohl die Symptome dagegen sprachen, testete ich mal wieder auf Corona, die Tests werden ja nicht besser vom Rumliegen.

Der Spaziergang in die Arbeit bei Temperatur knapp über Null bereitete mir Freude, hell wurde es später vorm Bürofenster sogar zu Sonnenschein.

Emsiger Vormittag mit vielen Wochenbesprechungen, die Erkältung störte mittel, Ibu half gegen die Nebenhöhlenschmerzen.

Mittagscappuccino bei Nachbars, Mittagessen Apfel, Orangen, außerdem Granatapfelkerne mit Sojaquark (es gibt derzeit einen gewissen Obst-Stau in unserem Haushalt).

Ruhigerer Nachmittag, nach Feierabend hatte ich einen Wachsenthaar-Termin. Dort musste ich allerdings 20 Minuten warten, genug Zeit zu überlegen, ob ich deshalb auf Yoga oder auf ausführliche Brotzeitvorbereitung verzichten würde.

Die Entscheidung fiel zugunsten der Brotzeitvorbereitung, denn das Crowdfarming-Obst musste weg. Also daheim zwei Grantäpfel entkernt (besonders zeitaufwändig, da sie bereits faule Stellen hatten), Orangen geschält und gestückelt, alles in Schraubgläser gefüllt.

Herr Kaltmamsell servierte das Nachtmahl: Grünkohl, Kartoffeln, Lauch aus Ernteanteil ergaben mit Dosentomaten sowie Restkräutern und Crème fraîche vom Wochenende einen köstlichen Eintopf.

Früh ins Bett, um viel Zeit für die Lektüre von Menschen im Hotel zu haben. Vicki Baum nimmt sprachlich keine Gefangenen und haut gleich auf Seite 2 hemmungslos raus. Portier Senf geht nach einem Telefonat zurück in seine Loge durch die Halle:

Hier traf die Jazzmusik des Tea-Rooms mit dem Geigenschmachten des Wintergartens zusammen, dazwischen rieselte dünn der illuminierte Springbrunnen in ein unechtes venezianisches Becken, dazwischen klirrten Gläser auf Tischchen, knisterten Korbstühle, und als dünnstes Geräusch schmolz das zarte Sausen, mit dem Frauen in Pelzen und Seidenkleidern sich bewegen, in den Zusammenklang. Bei der Drehtür schraubte sich Märzkühle in kleinen Stößen herein, sooft der Page Gäste ein- und ausließ.

KNISTERN! Genau das ist es, wie Korbstühle klingen, wieso musste erst eine seit über 60 Jahren tote Autorin mir das klarmachen?

Gestern las ich weiter und bekam unter anderem eine scheiternde Firmenfusion in erstaunlich vielen fachlichen Details erzählt.

§

Im Zusammenhang mit dem russischen Angriff auf die Ukraine und jetzt mit der Explosion des Nahost-Konflikts wurde wieder häufiger über die Macht und Gefahr von Fotoberichterstattung geschrieben und geredet. Ich halte es für wichtig, den gesamten Fotojournalismus im kritischen Auge zu behalten. Die österreichische Pressefotografen-Legende Matthias Cremer im Standard:
“Matthias Cremer: ‘Der Pressefotografie geht es furchtbar'”.

via @sauer_lauwarm

Sehr viel Hintergrund über Perspektiven- und Motivwahl beim journalistischen Fotografieren, schöne Beispiele zur Verdeutlichung. (Mit Gnihihi wie: “Das Adlern war dann schon ein eigener Terminus” und dem nützlichen Begriff “Meuchelfoto”.)

Was mich wahnsinnig wurmt: Die APA ist zwar eine Super-Agentur, sie vermischt diese Bilder aber. So kommen auch jene Fotos, die von politischen Stellen angeboten werden, in den Newsfeed. Die PR-Bilder werden reingewaschen. Und Medienhäuser kommen leichter in die Gefahr, dass sie sich bedienen, auch wenn sie das nicht möchten. Leute sitzen hier unter Zeitdruck und rechnen nicht damit, dass über die APA nicht nur journalistische Bilder kommen, sondern beispielsweise auch aus dem Bundeskanzleramt.

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Journal Montag, 27. November 2023 – Neue Erkältungsattacke“

  1. Mareike meint:

    Ja! Als ich den Ausschnitt gerade gelesen hab, konnte ich das Knistern geradezu hören. Perfekt beschrieben!

  2. Sigrid meint:

    “Menschen im Hotel” habe ich auch sehr gern gelesen. Vicki Baum ist eine wunderbare Beschreiberin.

  3. Susanne meint:

    Menschen im Hotel steht als Buchclub-Ausgabe mit Leineneinband (Büchergilde Gutenberg von vor vielen Jahren) bei meinen Eltern im Regal – das wird meine Weihnachtslektüre, danke.

  4. Kitty Koma meint:

    Ich bin als Teenager über Vicky Baum gestolpert und habe danach alles gelesen, was ich bekommen habe. Jenseits der Mauer war das nicht viel. Übrigens ist ihre Autobiografie auch sehr empfehlenswert. Es gibt viel Text über Immigranten, da Vicky Baum sehr früh gegangen ist, ist sie in der Hinsicht selten im Fokus.
    Aber sie hat die richtige Entscheidung gefällt, alles hinter sich zu lassen, das Leben in Berlin, dass ich so modern anfühlt wie nach der Jahrtausendwende, den Beruf als Autorin in deutscher Sprache, nicht zuletzt ihr Vermögen und in Amerika neu anzufangen. Sie war Jüdin, das wäre nicht mehr lange gut gegangen.
    Zudem sind ihre Memoiren ein wunderbarer Blick auf die moderne Kunstszene bis zu den späten 20er Jahren.
    Dazu sind sie kurzweilig, amüsant und sehr uneitel. Das ist bei Memoiren selten.

  5. N. Aunyn meint:

    Sehr empfehlenswert auch:

    Pariser Platz 13
    Eine Komödie aus dem Schönheitssalon und andere Texte über Kosmetik, Alter und Mode

    erschienen im kleinen, sehr engagierten Berliner Aviva Verlag – spezialisiert auf Frauenliteratur und -sachbücher.

    Vicki Baum war übrigens auch Harfenistin

  6. Andrea meint:

    „Menschen im Hotel“ und „Vor Rehen wird gewarnt“ habe ich gern gelesen und – durch die Kommentare neugierig geworden – ist die Autobiografie sowie „Zwischenfall in Lohwinckel“ bestellt. Die Weihnachtstage können kommen…….

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