Journal Sonntag, 11. Februar 2024 – Vietnamesisches mit Schwiegers, Teil des Lichtermeers für Demokratie

Montag, 12. Februar 2024 um 8:18

Eine sehr unruhige Nacht, zum Glück schlief ich nach jedem Aufwachen schnell wieder ein. Und ich bekam am Schluss anderthalb Bonusstunden bis sieben.

Was nichts daran änderte, dass es draußen ordentlich regnete. Die vagen Pläne einer kleinen Laufrunde vor der Mittagessensreise zu Schwiegers nach Augsburg strich ich also gleich mal – die Schmerzen meiner Lendenwirbelsäule machten sie eh weder attraktiv noch ratsam: Nach jedem Aufrichten aus Sitzen, Liegen, Vorbeugen sehr langsam und mit bombig angespannten Bauchmuskeln einjuckeln, in welcher Haltung Entspannung und tiefes Atmen möglich waren. Die letzten Grad vor dem Endaufrichten immer besonders schmerzhaft. Im Sitzen hörte und spürte ich die Wirbel selbst bei tiefen Atemzügen knacken.

Zum Glück wurde das alles über den Tag besser; was von allein kommt, geht auch wieder von allein.

Nach problemloser Bahnfahrt trafen sich Herr Kaltmamsell und ich mit Schwiegers und einer lieben Freundin der Familie im vietnamesischen Restaurant Pho 3. Ich ließ mir vom Wirt eine Suppe empfehlen, die nicht auf der Karte stand (auf sowas springe ich zu 99 Prozent an): süßsauer-scharf mit gegrilltem Schwein (Bauchspeck und Hack).

Es gab dazu eine Spielanleitung vom Wirt: Mit den Stäbchen eine Portion Nudeln oder Salat in die Suppe tauchen und essen. Das Gericht schmeckte hervorragen, die Brühe vielleicht ein Tick zu süß. Und weil es noch Mittag war, konnte ich auch endlich vietnamesischen Kaffee probieren, bei abendlichen Restaurantbesuchen würde ich damit meinen Nachtschlaf riskieren.

Der Alu-Aufbau ist ein Filter mit dem grob gemahlenen Kaffeepulver zwischen zwei Sieben, durch die heißes Wasser langsam tröpfelt. Schon ohne alles schmeckte dieser Kaffee besonders, leicht karamellig, und mit der süßen Kondensmilch noch mehr.

Wir fuhren noch zu Schwiegers und bekamen wundervolle Torte aus der Königsbrunner Konditorei Müller, dann ließen wir uns am Bahnhof Ausburg Haunstetter Straße absetzen, um rechtzeitig zum Abendtermin in München zu sein: Auf der Theresienwiese trafen sich die örtlichen Demokratiefreund*innen zu einem Lichtermeer für Demokratie. Ich packte mich warm ein, denn mit Sonne konnte ich anders als zur Demo vor ein paar Wochen nicht rechnen. In einem Menschenstrom gingen ich mit Herrn Kaltmamsell die Nußbaumstraße und Beethovenstraße zur Theresienwiese. Wir mussten uns erstmal orientieren, wo auf dem riesigen Gelände die eigentliche Kundgebung stattfand: Am Südende (da wo zum Oktoberfest die Oide Wiesn steht).

Es waren sehr, sehr viele Menschen da (abschließende Zählung der Polizei ergab 100.000), ich sah wieder alle Altersgruppen. Als Leuchtmittel hatte ich eine LED-Stirnlampe dabei, Herr Kaltmamsell leuchtete mit seinem Handy. Es gab Musik, zum Teil selbstgesungen, vor meinen Füßen sammelte ein Kind Steine ein und hatte eigenen Spaß.

Die Süddeutsche hat bessere Bilder, der BR zeigt auch Luftaufnahmen. Nachtrag: Hier eine weitere Luftaufnahme.

Die Moderatorin, Journalistin und Aktivistin Düzen Tekkal, hielt eine mahnende, versöhnliche, kritische und doch optimistische Ansprache (wir brauchen alle demokratischen Kräfte im Kampf gegen den Faschismus, müssen aber auch darauf hinweisen, wenn andere Parteien als die AfD Demokratie-schädlich handeln), mit der ich sehr einverstanden war.

Nach einer guten Stunde Programm löste sich die Kundgebung auf, wieder in einem Menschenstrom spazierte ich mit Herrn Kaltmamsell nach Hause. Dort gab es als Abendessen die restlichen Rote Beete und Linsen vom Vorabend, Schokolade.

Trotz zwei weiterer freier Tage vor mir ging ich früh ins Bett zum Lesen, Jeff Noons Vurt, das ich mir nach der Erstlektüre 2007 nochmal vorgenommen habe (und dass ich es nicht aussortiert habe, spricht ja für das Buch), fesselt und überrascht mich.

§

Durch das Lesen über Brotback-Leuchtturm Lutz Geißler stieß ich auf ein interessantes Spiegel-Feature von 2017 über den Stand der internationalen Brotback-Rennaisance:
“Großmeister des Geschmacks”.

Für mich überraschend darin: Was wir für traditionelles Brot halten, ist eine recht neue Erfindung, tatsächlich war unser Brot “früher” nicht so, wie wir denken (mit fielen sofort die Brote meiner Kindheitsurlaube in Italien und Spanien ein, die man heute wohl nicht mehr losbekäme).

die Kaltmamsell

1 Kommentar zu „Journal Sonntag, 11. Februar 2024 – Vietnamesisches mit Schwiegers, Teil des Lichtermeers für Demokratie“

  1. Sandra meint:

    „was von allein kommt, geht auch wieder von allein.“
    Ja, das denken leider viele Menschen. Seitdem jemand aus dem weitläufigen Bekanntenkreis so ganz relaxed eine schwere Krebserkrankung hat fortschreiten lassen, stehe ich dieser Weisheit sehr skeptisch gegenüber.
    Nicht alles, was von allein kommt, geht von allein. Ich freue mich, wenn es bei Ihnen anders ist. Gute Besserung!

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