Journal Dienstag, 5. März 2024 – Filmguck-Anstrengung vs. Lese-Anstrengung

Mittwoch, 6. März 2024 um 6:29

Ereignislose Nacht, besonders genoss ich, nach Aufwachen um fünf nochmal einzuschlafen.

Das Wetter verlegte sich wieder auf grau, feuchtkalt und neblig.

Nach emsigem Vormittag marschierte ich auf einen Mittagscappuccino raus ins Westend, trotz verschiedener Schattierungen von Grau am Himmel war mir nach Bewegung. Taten dann auch gut, sowohl Cappuccino als auch Bewegung.

Blühende Bäume helfen auch gegen Grau.

Zu Mittag gab es Pumpernickel mit Butter, Äpfelchen, die letzte Orange der Crowdfarming-Kiste, nach zwei Wochen war sie geschafft. (Eine Kiste kommt noch, aber erst im April.)

Vormittags hatte ich selbst im Winterpulli mit Drunter-Shirt kalte Hände, nachmittags wurde das Büro endlich warm.

Heimweg über einen größeren Umweg, weil ich einen bestimmten Wein kaufte. Ich brauchte bald meinen Notschirm, denn es begann zu regnen.

Zu Hause die abschließende Folge des diesjährigen 30-Tage-Yoga-Programms von Adriene, wie jede Abschlussfolge ohne Ansage, dafür mit der Aufforderung, sich selbst Bewegungen auszusuchen. Diesmal kam ich zu einer Mischung aus 50 Prozent Nachmachen, was ich auf dem Fernseh-Bildschirm sah, und 50 Prozent Bewegungen, die ich mir selbst wünschte.

Als Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell aus dem restlichen Ernteanteil (Lauch, Kartoffeln, Karotten, Kohlrabi) mit dicken Bohnen und Räuchertofu einen Eintopf, ich steuerte die Einbrenn bei.

Wohlschmeckend und wärmend. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, Naomi Aldermans Science-Fiction-Roman The Future freute mich sehr.

Darüber nachgedacht, warum ich keine Aufmerksamkeit mehr für Filme/Serien im Fernsehen aufbringe (vor allem abends, aber inzwischen eigentlich immer), aber auch noch so müde zum Lesen. Eine Möglichkeit: Filmgucken bedeutet für mich vor allem Wahrnehmung, was sich andere ausgedacht haben. Also die Verarbeitung von ganz vielen visuellen und auditiven Sinneswahrnehmungen: Menschen, Kleidung, Bewegung, Dialoge, sonstige Interaktion, Musik, bedeutungstragende Ausstattung, Kameraperspektive.
Lesen hingegen bedeutet, Buchstaben in meinem eigenen Kopf in Bilder umzusetzen, in Menschen, Kleidung, Bewegung, Dialoge, Musik, Ausstattung, Landschaft, Licht – das ist gleichzeitig reicher und wenig mühsamer für mich.

Wahrnehmungsverarbeitung kostet mich wohl mehr Energie als selbst Bilder zu erzeugen.

§

Eine Stunde Gespräch mit Josef Hader in Sternstunde Philosophie des SFR: “Was bewirkt Satire?”

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https://youtu.be/W1QcSJF_GDs?si=JnO4-Z3nDl4g2xhR

Hader wirkt wie ein sehr kluger, reflekterter Mensch. Mich freute besonders, dass Platon-Lektüre im jugendlichen Alter auf ihn ähnliche Auswirkungen hatte wie damals auf mich.

Auch bedenkenswert: Seine Erklärung für den Erfolg von Populismus. Und seine Beobachtungen über die heutigen Alten, die einst als junge antraten, das Althergebrachte wegzuwischen – und heute die Deutungshohenheit nicht mehr hergeben wollen: “Jetzt sitzt dieselbe Generation wehleidig in ihrem Ohrsessel und sagt: ‘Das darf man nicht mehr sagen, und ich bin so arm, weil ich mit 75 jetzt bei der großen Fernseh-Show abtreten muss.’ Das ist eine Generation, die hat nie Regeln beachtet – und möchte Deutungshoheit bis ins Grab.”

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Dienstag, 5. März 2024 – Filmguck-Anstrengung vs. Lese-Anstrengung“

  1. Norman meint:

    Josef Hader ist ein sehr kluger, reflekterter Mensch.

  2. southpark meint:

    Danke für den Impuls. Nachdem schon mehrere Josef-Hader-Livebesuche an Trägheit beim Ticketkauf scheiterten, ist nun gebucht.

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