Journal Freitag, 5. Juli 2024 – #WMDEDGT

Samstag, 6. Juli 2024 um 9:46

Frau Brüllen fragt, “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” und schart für den 5. des Monats wieder Tagebuchblogger*innen um sich unter dem Hashtag #WMDEDGT: Hier die Ausbeute für Juli 2024.

Wie erwartet schwer eingeschlafen, unruhig geschlafen, zudem aber auch viel zu früh aufgewacht – das Wochenende wird das rausreißen müssen. Ich fühlte mich nur leicht dumpf, wusste aber, dass mich der Schlafmangel am Vormittag einholen würde.

Das Wetter hatte die Vorhersagen nicht gelesen, war statt sommerlich deutlich düster und kühl, ich griff wieder zu langen Hosen, zu geschlossenen Schuhen und zu Jacke. Auf dem Weg in die Arbeit wurde ich sogar feuchtgeregnet.

Handy-Screenshot mit Anzeige "16 Grad" und Sonnensymbol

Was die App behauptete.

Blick auf hohes modernes Bürogebäude vor dunkelgrauem Himmel

Wie’s vorm Bürofenster aussah.

Auf den Gängen und Fluren freitägliche Homeoffice-Ruhe, so ließ sich gut arbeiten. Morgen-Routine: Rechner starten, Tasche auspacken (Brotzeit, Zeitung), Wasser für Tee aufsetzen, in Rechner einloggen, Tee kochen.

Beim Arbeiten merke ich immer deutlicher die Nachteile der kaputten Suchmaschinen. Bis vor kurzem dienten mir Google-Suchen auch bei der Einschätzung, wie gebräuchlich ein Fachbegriff ist und in welchem Kontext er verwendet wird. Wenn ich jetzt für einen Begriff sehr wenige Treffer bekomme, kann das auch bedeuten, dass Websites, auf denen er vorkommt, vom aktuellen Such-Algorithmus schlicht als irrelevant eingestuft werden. Es ist verheerend. Jetzt erst wird mir bewusst, für wie viele Zwecke ich Google genutzt habe, die gar nicht vorgesehen waren.

Normal emsige Arbeit, ließ sich auch mit Schlafmangel gut bewerkstelligen.

In der Challenge “Wie skurril kann ein Beschaffungsprozess werden?” wurde eine neue Benchmark erreicht: Ein Formular, mit dem ich durch Unterschrift versichern muss, dass ich die Regeln für das Ausfüllen eines älteren, weiterhin verpflichtenden Formulars kenne.

Mittagscappuccino im Westend, jetzt ließ sich endlich die Sonne sehen, wenn auch nur phasenweise und mit frischem Wind.
Zu Mittag gab es ein großes Stück Empanada vom Vorabend.

Nachmittags Routineaufgaben, ich konnte pünktlich Feierabend machen. Allerdings kämpfte ich jetzt mit Schwindel, die Einkäufe beim Vollcorner waren mühsam. Aber ich freute mich an Wärme und Sonne.

Gymnastik war daheim bei anhaltender Wackeligkeit wenig attraktiv, statt dessen kümmerte ich mich ausführlich um Finger- und Zehennägel, es war höchste Zeit. Das dauerte so lang, dass fast schon Zeit für Abendessenszubereitung war, ich setzte mich nur kurz zum Ausruhen hin.

Zum dritten Mal in Folge und innerhalb weniger Wochen teilte mir ein Online-Anbieter nach Kauf mit, dass die bestellte Ware doch nicht verfügbar war. Hmpf. Diesmal war es ein Sonderangebots-Bikini mit Neckholder, wie ich sie beim Draußenschwimmen bevorzuge – ich hatte gezielt nach einem Back-up für meinen derzeitigen einzigen gesucht.

Fürs Nachtmahl, freitäglich eigentlich traditionelle Kuh auf Wiese (gebratenes Rindfleisch mit Salat), machte ich eine Weinentdeckung der jüngsten Verkostung auf:

Stilglas mit dunklem, leicht trüben Weißwein, dahinter eine Weinflasche, dahinter Geschirrschrank

Gsellmann aus Gols hat einen Traminer, spontanvergoren und im Eichenfass sowie in Amphore ausgebaut, der echt abgefahren, aber wirklich fein schmeckt: Teerose in der Nase, dann trocken und aromatisch im Mund.

Eine große, dicke Scheibe rohes Rindfleisch mit Fettrand auf weißem Einwickelpapier

Ich hatte mir Côte de Boeuf gewünscht, Herr Kaltmamsell hatte beim Eisenreich am Viktualienmarkt ein sehr schönes gefunden.

Dieselbe Scheibe Fleisch dunkel und kross gebraten auf einem weißen Schneidebrett, im Hintergrund eine tiefe, schwarze Eisenpfanne

Gedeckter Tisch mit Stroh-Sets, zwei Glastellern mit Tranchen Rindfleisch, dazwischen eine weiße Schüssel mit grünem Salat

Dazu gab’s Ernteanteil-Salat mit Zitronensaft-Vinaigrette und süßer Zwiebel. Schmeckte alles hervorragend, der Wein passte auch zum Salat, vom Trumm Fleisch blieb nur wenig übrig (ich durfte den Knochen abnagen – wir sind eine Knochennag-Familie im Gegensatz zu der von Herrn Kaltmamsell).

Die Platz-Sets sind neu: Ich hatte sie über eine instagram-Werbung für Kleidung bei einem spanischen Shop entdeckt, der in Spanien produzierte Produkte anbietet – und sie erinnerten mich sehr an spanische Bast-Sets meiner Kindheit, die meine Mutter schön gefunden hatte. Hier ging die Bestellung dann doch gut, nachdem die erste Rückmeldung gelautet hatte, es gebe die Sets nur noch in Blau (indiskutabel, diese Farbe war die einzig korrekte). Doch nachdem ich meine Bestellung storniert hatte, wurden sie mir dann doch wie gewünscht bestätigt, ich bestellte erneut (und für günstiger). Erwähnenswert: Die runden Untersetzer sind eigentlich Brotteller, in besagtem spanischen Shop gibt es eine große Auswahl Brotteller – für spanische Privathaushalte offensichtlich sinnvoll, weil es wohl bis heute zu allem Brot gibt.

Nachtisch Schokolade. Ich war sehr, sehr müde, versuchte mich aber bis nach neun wach zu halten – eigentlich nur, weil mir Schlafengehen am hellichten Tag komisch vorkam.

Von draußen drang seit Stunden Baustellen-Lärm herein; er klang, als würde eine Straße weiter gleichzeitig ein Haus abgerissen und eine aufgerissene Straße aufgefüllt und festgerüttelt. Als würde jemand gleichzeitig mit Spundwänden Mikado spielen. Und das in der Freitagnacht. Ich griff wieder zu Ohrstöpseln, musste dennoch das Fenster schließen, denn ich wollte wirklich, wirklich schlafen.

§

Gestern las ich Dana von Suffrin, Otto aus.

Mir gefiel der Roman gut, in dem eine junge Frau als Ich versucht, das Leben ihres sterbenden Vaters Otto aufzuschreiben, die Geschichte ihrer wirren und seltsamen Familie – in der sich die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, auch die Europas spiegelt (der Vater ist ein Jude aus Siebenbürgen). Sie beginnt in der Gegenwart in einem Münchner Krankenhaus, von dort geht es in Erinnerungen und in wirren Dialogen mit ihrem Vater hin und her – irgendwie schafft sie es ganz ungeordnet dann doch.

Es gibt keine eigentliche Handlung nach diesem Anfang im Krankenhaus, wo sie ihren Partner kennenlernt – der Roman liest sich ein wenig wie ein Werkstattbericht über das Schreiben dieses Buchs. Doch das machte nichts, denn es gibt einige interessante Figuren, denen man nahe kommt, und mir gefiel, wie viel München drin ist (Olympiastadt, Isar, Trudering). Immer wieder schreibt die Erzählerin schöne Beobachtungen auf:

Ganz am Schluss ein Hadern mit dem Festhalten von vielleicht doch nur Oberflächlichem (passt gut zum heutigen #WMDEDGT):

Mittransportiert werden Informationen, wie jüdischer Alltag heute in Deutschland aussehen kann, säkular, zwischen allen Stühlen.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Freitag, 5. Juli 2024 – #WMDEDGT“

  1. Britta meint:

    Guten Morgen,

    Mich verwirrt der Absatz mit den “kaputten Suchmaschinen” und habe noch nichts zu dem Hintergrund dazu gehört. Können Sie mir das näher erklären? Ich meine nicht Ihre Off-Label-Verwendung, sondern wirklich Ihre Beobachtung, heute andere Ergebnisse als früher zu erhalten.

    Vielen Dank

  2. die Kaltmamsell meint:

    Bitte recherchieren Sie zu den Verlautbarungen von Google/Alphabet in den vergangenen Monaten, Britta – da ist viel geschehen und geschrieben, ich bin ganz ehrlich schlicht zu faul dazu.

  3. allegra meint:

    Ich mag das blau weiß gestreifte Hemd, das Herr Kaltmamsell trägt, ganz besonders.

  4. Sandra meint:

    So praktisch, einen Nichtnager geheiratet zu haben! Alle Knochenreste sind meine!

  5. Neeva meint:

    Das wäre doch mal ein Kompatibilitätsfragebogen für Parship und Co:
    Knochen absagen?
    Rohen Plätzchenteig essen?
    Gemüse knurpsig oder weich?
    Milch oder Zitrone im Tee?

    Gelegentlich bekommen zwei Knochennager allerdings nichtnagenden Nachwuchs. Muss rezessiv sein, das Nichtnagen. :-)

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