Journal Montag, 26. Januar 2026 – Wintermatsch

Dienstag, 27. Januar 2026 um 6:24

Steigende Temperaturen hatten über Nacht aus der Schneedecke Matsch gemacht. Ich marschierte unwillig in leichtem Regen in die Arbeit, die pampige Scheußlichkeit des Wetters konnte nicht durch den Umstand ausgeglichen werden, dass es um diese Zeit nicht mehr finster war.

Auch dieses Jahr fühlt sich der Januar endlos an, einen ganzen Winter lang. Interessanterweise bleibt das auch dann so, wenn ich mir das bereits am Anfang des Monats vor Augen halte und mich nicht mehr davon überraschen lasse.

Im Büro stellte ich fest, dass die Schneestiefel, mit denen ich noch nie richtig glücklich war, auch noch Wasser reinlassen: Meine Strumpfhosenspitzen waren nass. Obwohl sie noch tiptop aussehen, nehme ich das vier Jahre nach Kauf als Erlaubnis für Wegwerfen und Ersetzen.

Geordneter Arbeitsbeginn, nichts Schlimmes unter den E-Mails im Postfach.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, in dieses greisliche, dunkelgraue Gematsche wollte ich nicht raus.

Zu Mittag gab es Rote-Bete-Salat und eine doppelt dicke Scheibe selbstgebackenes Brot (für Weizenmischbrot auch am dritten Tag überraschend saftig).

Mühsamer Nachmittag, meine Laune wollte sich einfach nicht aufhellen.

Nach Feierabend nahm ich eine U-Bahn zum Odeonsplatz, die wärmeren Temperaturen hatten den Schneematsch weitgehend weggeschmolzen. Erster Programmpunkt: Mehlkauf im Hofbräuhausmühlenladen, Weizenmehl 00 und 405, Roggenmehl 1370. Zweiter Programmpunkt: Eine durch Erstwäsche untragbar gewordene Jeans zu COS zurückbringen. Ich erwartete nicht etwa Entschädigung (Kauf am 14.1.2025 und eh keinen Kassenzettel aufgehoben), sondern wollte in erster Linie den Hersteller informieren sowie die Hose entsorgen. Mir wurde aber gleich Erstattung angeboten – allerdings gab das System nur den Sonderangebotspreis her, zu dem die Jeans im Moment verkauft wird. Betrug immer noch mehr als die Hälfte des Kaufpreises, ich war sehr einverstanden und sehe den nicht erstatteten Teil als Miete fürs Tragen bis zur ersten, verheerenden Wäsche.

Auf dem Heimweg kaufte ich im Kaufhaus noch Strumpfhose und bunte Sonderangebotssocken.

Daheim eine längere Yoga-Folge, anstrengend und in großen Teilen für mich nicht mal ansatzweise machbar: Zum Beispiel werden beim Z-Sitz meine Sitzbeinhöcker in diesem Leben nie beide den Boden berühren. Oder werde ich dabei aufrecht sitzen können. Vielleicht kamen diese Haltungen absichtlich gerade in der Folge “self love” vor – weil Leute wie ich dabei so schön mit dem Kampf gegen self hate beschäftigt sind.

Als Nachtmahl gab’s gesammelte Reste: Kopytka mit Sauce vom Sonntag, Quiche vom Samstag, außerdem Käse, Oliven, Essiggurken. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

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Warum es wichtig bleibt, Nachrichten aus unterschiedlichen Medien zu holen: Dass ein Zyklon Harry vor einer Woche an der italienischen Mittelmeerküste gewütet und zerstört hat, “schlimmster Wintersturm seit Beginn dieses Jahrhunderts”, war mir über all dem Davos-Geschrei komplett durchgerutscht. Erst in der taz las ich:
“Ein zweitrangiges Klimadesaster”.

Der Zyklon zog eine 100 Kilometer lange Spur der Verwüstung an der Ostküste Siziliens von Messina über Catania bis nach Syrakus, und er schlug auch an der Küste des Ionischen Meers in Kalabrien ebenso wie in Sardinien zu.

Die am Meer entlanglaufenden Eisenbahnlinien sowohl Kalabriens als auch Siziliens sind unterbrochen, an diversen Orten schweben die Gleise in der Luft, da das Meer den tragenden Damm unter ihnen weggerissen hatte. Weggerissen fanden sich auch Straßen ebenso wie jene Häuser, die zum Meer hin in der ersten Reihe standen.

§

Die Verfilmung von Helen Macdonalds besonders wundervollem Buch H is for Hawk kommt gerade in die Kinos. Im New Statesman schreibt sie über:
“What it’s like to be played by Claire Foy”.

Ich habe keinerlei Interesse den Film zu sehen, dazu lebt Helen Macdonalds Buch für mich zu sehr von Buchstaben, und ich möchte meine Version in Kopf und Herz behalten. Aber mich interessiert mich sehr der Prozess, ein Buch in einen Film zu transformieren.

§

Bislang kalkulierte ich die Möglichkeit ein, dass das Lustigmachen in der englischsprachigen Welt über unser1 Durchlüften im Grunde ein Scherz ist, weil: Hin und wieder frische Luft in Zimmer zu lassen, ist ja wohl ein no brainer? Stellt sich heraus: Die meinen das Lustigmachen ernst.
“House burping: should we all adopt this German habit?”

  1. Ich bin nicht sicher, wen das alles einschließt – hat jemand eine schöne geografische Darstellung der Lüft-Regionen weltweit? []
die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Montag, 26. Januar 2026 – Wintermatsch“

  1. Berit meint:

    Das Stöhnen und Ächzen um den grauen Januar…ich fühle es zutiefst!

  2. Neeva meint:

    Ich werde nie das britische Reihenhaus vergessen, in dem wir mal Urlaub gemacht haben… Das Fenster im Erdgeschoss war eine fest im Mauerwerk eingelassene Scheibe. Im Schlafzimmer gab es immerhin oben an den Fenstern kleine Klappen, die man schräg stellen konnte…
    Vor dem einen Fenster, das man tatsächlich aufmachen konnte (Fluchtfenster bei Feuer), wurden wir explizit gewarnt.

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