Journal Freitag, 16. Januar 2026 – Das Schreiben über nichts zu schreiben

Samstag, 17. Januar 2026 um 7:32

Ein weiterer Tag, der fürs Blog einfach so gar nichts hergibt. Am liebsten würde ich alle Vorbeilesenden mit einem “Gehen Sie einfach weiter” fortschicken, um niemandem die Zeit zu stehlen. Für mich selbst haben die Posts als Teil dieser öffentlichen Langzeitchronik eines durchschnittlichen Lebens ja wenigstens wissenschaftlichen Wert.
Vielleicht arbeite ich künftig mit verschiedenen Schriftfarben und formatiere die “Hier gibt’s nichts zu sehen”-Posts in Grau.
Wenn schon so wenig los ist, dass ich darüber schreibe, wie wenig los ist. (Siehe Schriftsteller, denen nichts mehr einfällt, und die dann Romane über Schriftsteller schreiben, denen nichts mehr einfällt, siehe aktuelle Glattauer-Lektüre. Das Lesen meiner Texte kostet wenigsten kein Geld.)

Noch war der Frost nur mit einem Fuß in der Tür zurück, ich marschierte durch einen herrlich klaren, aber nicht zu kalten Morgen in die Arbeit.

Mein elektronisches Postfach war seit Feierabend am Donnerstag gut gefüllt worden, ich arbeitete nach Dringlichkeit ab. Und haderte wie so oft in den jüngsten Jahren mit der IT-Verkrempelung der Welt: Es werden immer aberwitziger mächtige und disruptive neue Systeme eingeführt, während Alltags-IT, also normales Handwerkszeug, immer unzuverlässiger wird und immer mehr Work-arounds erfordert. Ich kann mir gut vorstellen, wie viel mehr Spaß Ersteres macht, aber es wird doch auch in der IT ein paar Hausmeisternaturen geben, die berufliche Befriedigung im Ermöglichen flüssiger Abläufe finden?

Das Wetter blieb sonnig, ich freute mich an meinem Marsch zu Mittagscappuccino.

Eine Runde später freute ich mich an meinem Mittagessen: Orange (ich bin schon wieder sauer-empfindlich), süße Clementine, Quark mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Der Nachmittag brachte einige berufliche Planung durcheinander. Ich möchte mich hiermit beschweren, dass man mich einen Workshop nicht “wegen verzögerter Bereitstellung” absagen ließ (was exakt gestimmt hätte).

Bei pünktlichem Feierabend war es es noch hell, in weiterhin sonnigem Wetter brach die Abenddämmerung gerade erst an. Wunderbarer Heimweg mit kurzem Einkaufsabstecher im Vollcorner. Seit dem Vorabend hatte meine Schnupfennase kein Nasenspray mehr benötigt, auch das hob meine Laune.

Zu Hause machte ich mich erstmal ans Kuchenbacken und stellte die Crostata nach Rachel Roddy fertig, die es am Samstag zu KaffeeundKuchen bei den lieben Schwiegers geben soll.

Der Teig ließ sich gut verarbeiten, jetzt muss der Kuchen nur noch schmecken.

Eine sportliche Runde Yoga, dann mixte ich auf Herrn Kaltmamsells Wunsch Cocktails fürs Wochenendfeiern: Green Monkey, zum Ausprobieren mit Clementinensaft.

Freitagabend-Stillleben. Mandolinen und Fasane waren aus, als memento mori muss der leere Sahnebecher herhalten.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell nach sehr langem mal wieder Pulpo besorgt und servierte ihn a la gallega mit Kartoffeln, Spitzpaprika, blättrigem Knoblauch, pimentón de la vera.

Der Tintenfisch hatte die perfekte Konsistenz zwischen zart und Biss, sehr gutes Abendessen. Dazu hatte ich einen Verdejo aus Rueda aufgemacht, passte sehr gut. Nachtisch Panettone und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, ich brachte Daniel Glattauer, In einem Zug zu Ende. Überflüssig wie eine deutsche TV-Vorabendserie und etwa so Klischee-beladen (und für dieselbe Zielgruppe?), u.a. mit einem Ich-Erzähler und Protagonisten, der sich als “glücklich verheiratet” bezeichnet – sagt man das wirklich noch? Um zu betonen, dass die bekanntlich schlimme und unausweichliche Fessel der Ehe auch gute Seiten haben kann? Einem handwerklichen Aspekt zolle ich Respekt: Glattauer versucht die Einheit von Ort und Zeit, die Lektüredauer des Buchs entspricht etwa der Dauer der Handlung.

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Wikipedia wird 25 Jahre alt, und als Internet-Greisin habe ich natürlich auch dazu einen persönlichen Bezug: Damals fühlte sich das Web ja noch an, als gehörte es uns User*innen (ganz werde ich dieses Gefühl nie verlieren), und Wikipedia war eine von vielen großartigen Ideen, diese neue weltweite Verbindung mit ALLEN (die damals tatsächlich nur eine winzige Gruppe waren) zu nutzen. So beteiligte auch ich mich gleich mal mit kleinen Verbesserungen, Korrekturen, Ergänzungen, wenn mir etwas auffiel oder ich halt was wusste. Allerdings reichte meine Energie (im Gegensatz zu der von Herrn Kaltmamsell) nicht für echte Autorinnenschaft, also neue Artikel oder auch nur Absätze zu meinen Fachgebieten.

§

Eine bemerkenswerte Fotografin auf instagram bei @womeninstreet, @sawadicat: Sie schreibt, dass sie zwar in Farbe fotografiert, aber ihre Bilder in Schwarz/Weiß bearbeitet, das Ergebnis finde ich sehr interessant. Auch diese Serie Schaufensterpuppen.

Ich gestehe, dass ich einiger, wie ich es empfinde, Topoi der Street Photography müde geworden bin: bestimmte Perspektiven, bestimmte harte Licht-Schatten-Kontraste. Die oben verlinkten Bilder empfinde ich als erfrischende Alternative, aber das mag mein persönlicher Geschmack sein: Mich interessiert vor allem die Geschichte, die ein Foto erzählt.

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Freitag, 16. Januar 2026 – Das Schreiben über nichts zu schreiben“

  1. Frau Bruellen meint:

    Danke für den Ausdruck “überflüssig wie eine deutsche Vorabendserie”, mir fallen auf Anhieb mehrere (gehypte) Bücher ein, die ich furchtbar fand, aber die griffige Beschreibung fehlte. DAS ist es!

  2. Anne meint:

    So, so zutreffend, die Beschreibung der IT-Verkrempelung der Welt. Made my morning!

Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

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