Journal Samstag, 14. März 2026 – Endlich wieder gut geschwommen
Sonntag, 15. März 2026 um 7:45Mittelgute Nacht, die zu früh endete, mittendrinn nach Langem mal wieder von einem Krampf im Bein geweckt worden: Aufstehen und Yoga-Vorbeuge halfen.
Aufgestanden mit der schönen Aussicht, den ganzen Samstag nichts zu müssen (außer Nusszopfbacken und Schwimmen, weil mein Hirn das geplant hatte) – das brauchte ich so dringend, dass ich dafür sogar die Geburtstagsfeier eines lieben Menschen drangegeben hatte. Das Wetter sah gemischt aus, morgens Tendenz zu Sonne.
Erstmal kümmerte ich mich um den Nusszopf. Da ich eine faule Einkäuferin bin, hatte ich statt gemahlenen Haselnüssen gehackte verwendet – es hatte am einen Einkaufsort weder ganze, noch gemahlene Haselnüsse gegeben, selbst die eine Packung gehackter fand ich nur durch Zufall. Stellte sich als keine ideale Wahl heraus: Die Flüssigkeit der Füllung trat beim Backen aus.
Ansonsten gelang er aber gut.
Nach dem frühen Aufstehen war ich besonders früh startklar für meine Schwimmrunde. Mein Fahrrad ist immer noch platt, also nahm ich trotz attraktivem Wetter die U-Bahn zum Olympiabad.
Nach der vorherigen Schwimmschwäche und dem nächtlichen Krampf war ich etwas angespannt, wie es diesmal laufen würde. Doch ich wurde beschenkt: Der Körper machte problemlos mit, schon nach einigen Bahnen war klar, dass ich eine Freude haben würde. Meine gut 3.000 Meter waren schön und besänftigten mich, zumal ich immer wieder begleitet von Sonnenschein schwamm. Die innere Schwärze lichtete sich deutlich.
Zurück daheim gab es kurz nach eins nach einem Äpfelchen zum Frühstück reichlich Nusszopf.
Wenn man vernünftig rechtzeitig mit Essen aufhören könnte, wäre er ja nicht gelungen.
Ich spazierte nochmal raus: In der Innenstadt wollte ich nach einer Bürobluse suchen – in diesen Übergangswochen ohne Kälte oder Hitze mag ich in der Arbeit Baumwoll- oder Seidenblusen. Wichtiges Kriterium, das ein Anprobieren erforderte: Sie sollte Abnäher haben, um gut zu sitzen. Gerade geschnittene Hemden mag ich an mir nicht besonders, sie sehen leider nicht lässig, sondern unförmig aus, ich habe vorne unlässige Anatomie.
Nach einigem Umsehen in Einzelhersteller-Läden ohne Erfolg landete ich im Kaufhaus, im Kaufhof am Marienplatz. Hier konnte ich mir das Angebot zahlreicher Hersteller an einem Ort ansehen (Kaufhaus-Liebe), und tatsächlich fand ich eine Bluse, die mir gefiel und die passte. Auf dem Heimweg Lebensmittel-Einkäufe fürs Wochenende. Der Himmel war immer dunkler geworden, bei ersten Regentropfen kam ich nach Hause.
Nachmittag mit Zeitung- und Internetlesen, Blogger-Bücher-Übergabe an Besuch, eine letzte Folge Pilates.
Zum Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell nach einigem Hin- und Herplanen aus Ernteanteil-Karotten und -Kartoffeln eine Gemüsepfanne plus Zwiebel und Champignons, dazu gab es Dinkelkörner. Vorher gab es Jamón vom ganzen Bein, und ich holte das Glas Weißwein vom Freitagabend nach, einen verlässlichen Verdejo.
Nachtisch Schokolade, Herr Kaltmamsell taufte die Schachtel mit Süßigkeiten unsere “E-Kiste” – nach dem dort vorherrschenden Nutri-Score.
Im frühen Bett Start der Manuskript-Lektüre.
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Mal wieder ein Selfie-Rückblick.
Vor zehn Jahren:
Ich vermisse diese Brille.
Vor 20 Jahren:
Hier ging es mir vor allem um den lustigen Pony, den ich mir vom Friseur genau so gewünscht hatte.
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Der Wiener Oberarzt Wolfgang Hagen erinnert sich:
“Am 13. März 2020 wurde der erste COVID-Kranke auf meiner Station aufgenommen.
Drei Tage später ging Österreich in den Lockdown.”
Gefragt wurde niemand von uns, ob wir überhaupt bereit wären, in einer Zeit, als das öffentliche Leben durch Panik und Lockdowns zum Stillstand kam, uns dem Virus beruflich auszusetzen. Trotzdem erschienen alle weiterhin zum Dienst. Vom medizinischen Personal und der Pflege bis zur Reinigungsbrigade machten alle einfach weiter, nur eben unter völlig anderen Bedingungen als zuvor. Der Weg ins Spital führte durch menschenleere Straßen, den Nachweis der „systemerhaltenden Tätigkeit“ in der Tasche.
Und vor allem, was mir am meisten bei der so genannten “Aufarbeitung” der Pandemie fehlt: Er gedenkt einiger der Tausende Toten.
Erst vergangenen Sonntag erfuhr ich, dass eine Mitwahlhelferin der Kommunalwahl 2020 am 15. März 2020 und damit am Anfang der Pandemie in den Tagen darauf an Corona erkrankte, Wahrscheinlichkeit der Ansteckung beim Wahlhelfen sehr hoch. Wir erinnern uns, dass es keine Masken gab? Dass noch nicht mal der Nutzen von Masken entdeckt war? Zum Glück kam diese Kollegin ohne schwere Symptome durch die Erkrankung und leidet unter keinen Folgen.
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Ein wunderschönes Interview mit Siri Hustvedt über den Tod ihres Manns Paul Auster und ihre Trauer (€):
“Das Paradoxe an Trauer ist, dass man weiterhin liebt”.
Sie sagt darin so viele kluge Dinge, dass ich jetzt mehr von ihr lesen möchte (bislang nur einen ihrer Romane), eher sogar ihre Sachbücher.
2 Kommentare zu „Journal Samstag, 14. März 2026 – Endlich wieder gut geschwommen“
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15. März 2026 um 9:56
E-Kiste – was für eine wunderbare Wortschöpfung! Wird in unseren Sprachschatz aufgenommen :-)
Danke dafür und die vielen anderen Anregungen, die ich jeden Tag von Ihnen bekomme!
15. März 2026 um 10:18
Danke für den Link zu dem Interview mit Siri Hustvedt.
Ich habe dabei gerade gemerkt, dass ich mein Lieblingsbuch von ihr „What I loved“ gern mal wieder lesen möchte. Von ihren Non-fiction Büchern mochte ich sehr „The shaking woman“ und „Mothers, fathers and others“ (auch das würde ich gern mal wieder in die Hand nehmen). Ausserdem habe ich die neue Doku „Dance around the self“ über sie auf dem Zettel, die war leider bei der Berlinale in Sekundenschnelle ausverkauft, keine Chance, dort dafür Tickets zu kriegen.