Journal Sonntag, 15. März 2020 – Meine erste Kommunalwahlhilfe (erster Tag)

Montag, 16. März 2020 um 6:37

Schlechte Nacht – vor allem wegen Schmerzen.

Beim Wahlhelfen war erst mal sehr schnelle und große Flexibilität gefragt. Ich hatte das Glück, auf großartige Menschen zu treffen, mit denen das möglich war. Im Lauf des Wahlhilfetags hatte ich noch mehr Gelegenheit herausfinden, wer mir in grundsätzlicher Einstellung zu Aufgabenerledigung glich – und wer überhaupt nicht. (Und wie wenige sonstige Gemeinsankeiten dafür nötig sind.) Die Ähnlichen erkannte ich unter anderem an den mitgeführten Schulungsunterlagen, aus denen Haftzettel ragten.

Unter Wahlhelfenden der für unsere Zeit typische Bewegungsablauf zur Begrüßung: Lächelnd Hand hinhalten, erschrocken sofort zurückziehen.

Meine Vormittagsschicht endete um eins, ich spazierte nach Hause durch einen strahlend sonnigen Tag voller Frühlingsgerüchen. Daheim hatte Herr Kaltmamsell vereinbarungsgemäß Mittagessen gekocht, es gab Brathänhnchen.

Anruf eines unserer lieben Putzmänner. Wir hatten ihm bereits am Freitag telefonisch angeboten, dass er am Montag nicht kommen muss, wenn er welche Bedenken auch immer hat, und dass er selbstverständlich dennoch bezahlt wird. Da war er noch ein wenig irritiert gewesen und hatte angenommen, wir könnten ihn in diesen Pandemie-Zeiten nicht in der Wohnung haben wollen – ich setzte alles darein, diesen Eindruck zu wiederlegen. Er versicherte Arbeitseinsatz wie gewohnt. Jetzt berichtete er am Telefon, dass er es mit einigem Aufwand gerade noch zu seiner Familie in einem anderen EU-Land geschafft habe und die nächsten beiden Wochen nicht kommen werde, auch nicht sein Gegenpart, mit dem er sich beim Putzen abwechselt.

Das Durcharbeiten der Schulungsunterlagen auf den Aspekt Auszählen (das Wahlamt hatte die Auswertung der drei Wahlen Oberbügermeisteramt, Stadtrat, Bezirksrat in Einzelschritte zerlegt und einen Prozess vorgegeben) hatte ich mir für den Nachtmittag aufgehoben. Nach einer Siesta (eine Stunde ließ mich der Schmerz sogar schlafen) beschäftigte ich mich damit.

Ein Stück Marmorkuchen und Twitterlesen, um halb sechs war ich wieder im Wahllokal. Auch wenn es immer wieder Schlangen gegeben hatte, war die Zahl der Zettel überschaubar, die wir auszuzählen hatten. Außerdem handelte es sich um eine wirklich gut organisierbare Truppe: Mit dem Auszählteil, den das Wahlamt für Sonntag vorgesehen hatte, waren wir bereits um halb neun durch (in der Wahhilfeschulung war 22 Uhr veranschlagt worden). Zu meiner Erleichterung bestand niemand darauf weiterzumachen. Dennoch spürte ich deutlich die angenehme Ablenkung, mich für einige Stunden auf etwas anderes als die Folgen der Pandemie konzentrieren zu können.

Daheim mehr Brathuhn und Marmorkuchen.

Über den Tag im Vorbeigehen gesehen: Spielplätze und Restaurants gut besucht. Nach ersten Meldungen lag die Wahlbeteiligung deutlich über der vor sechs Jahren.

die Kaltmamsell

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