Journal Samstag, 28. Februar 2026 – Familie in Schön
Sonntag, 1. März 2026 um 8:42Gutes Bett im Gästezimmer meiner Eltern, trotz ein paar Mal Aufwachen schlief ich darin gut und lang.
Na also: Echt Ingolstädter Nebel – der sich allerdings schon bald auflöste und Platz machte für einen sonnigen und milden Tag.
Meine Eltern waren bereits emsig mit Vorbereitungen beschäftigt: Um zehn sollte die Bruderfamilie eintreffen für ein Gesamtfamilienfrühstück, wobei Frühstück als Einladung in den Kreisen meiner Eltern schon seit vielen Jahren immer “Brunch” genannt wird.
Selfie im schönen Gästezimmer meiner Eltern, das einst das Zimmer meines Bruders war (aus meinem wurde Mutters Näh- und Bügelzimmer, bietet aber eine weitere Schlafgelegenheit).
Ich nutzte die Zeit vor dem großen Frühstück für einen Abstecher zur nahe gelegenen Metzgerei, um fürs Sonntagessen Rinderbeinscheiben einzukaufen, an den Ingolstädter Ausfallstraßen gibt es noch mehr Metzgereien als in der Münchner Innenstadt (dort aber geballt am Viktualienmarkt).
Kurz nach zehn klingelte die Bruderfamilie, und jetzt gab es reichlich Gelegenheit für Austausch über Wurst, Semmeln und Brezen, Blätterteigsternen, Lachs, Fleischsalat, weichen und harten Eiern, Hummus, frischem Obst und Gemüse (ich bedauerte sehr, dass es meinem Appetit ein paar Stunden zu früh für all das war). Die liebe Schwägerin testete eine neue Hörgerättechnik mit Extra-Aufnahmekästchen auf dem von ihr entfernten Teil des Tisches (funktionierte nur mittel), von den Nifften weiß ich jetzt unter anderem Details von Umzugsplänen nach Würzburg, Auszugsplänen in Ingolstadt, mittelfristigen Berufsplänen in Berlin, langfristigen Ausbildungsplänen in Berlin, aktueller Berufstätigkeit. Außerdem leidenschaftliche Diskussion, ob die aktuelle Tyopgrafie-Verwendung des Stadttheaters Ingolstadt besonders geschickt oder besonders furchtbar ist, es gab MEINUNGEN.
Mein Vater wiederum erzählte aufgehängt am vorhergehenden Theaterabend ein weiteres Bisschen aus seiner ersten Zeit als Gastarbeiter in Nürnberg und Ingolstadt, nahm auch das Fotoalbum mit Bildern davon in die Hand.
Der fast skulpturale Treppenturm des elterlichen Reihenhauses.
Um halb zwei nahm ich mit Herrn Kaltmamsell eine Regionalbahn zurück nach München, aus dem Frühstücksangebot hatte ich mir eine Semmel mit Schinken belegt und einen Apfel eingesteckt, denn jetzt hatte ich Hunger und Appetit: Brotzeit auf der Zugfahrt. Nach Ankunft erledigt ich noch ein paar Lebebensmittel-Einkäufe.
Erst um vier schloss ich den Blogpost über Freitag ab und veröffentlichte ihn: Bitte nicht verpassen, denn ich empfehle darin ein sehr superes Theaterstück. Beim Schreiben und später beim Zusammenstellen der Lieblings-Microblogging-Posts vom Februar ließ ich die Musik von Sezen Aksu dazu laufen und freute mich sehr daran.
Familienmysterien: Die Nichte hielt mir gestern ein goldenes Armkettchen hin und fragte, ob ich es wiederhaben wolle. Meine Mutter, also ihre Großmutter, habe es ihr gegeben mit der Erklärung, mein italienischer Onkel habe es mir geschenkt, ich hätte es aber nicht gewollt.
Ich htte das Kettchen noch nie im Leben gesehen, der italienische Onkel ist vor mindestens 15 Jahren gestorben. Es gefällt mir, nur macht mich Handgelenksschmuck eigentlich wahnsinnig. Der gestrige Test über mehrere Stunden funktionierte allerdings ganz gut.
Schließlich rief ich meine Mutter doch an und fragte sie nach dem Hintergrund: Den Schmuck hatte mir mein italienischer Onkel (die Schwester meiner Mutter hatte sehr jung nach Italien geheiratet) über meine Eltern geschenkt, als ich im Grundschulalter war. Meine Mutter fand ihn unpassend für ein kleines Mädchen und hielt den Schmuck ohnehin nicht für echt (ist aber gestempelt), hatte ihn dann wohl gut 50 Jahre vergessen und erst kürzlich wiederentdeckt. Ich merkte, wie ich mir umgehend eine Erinnerung dazu baute – die unwahrscheinlich ist: Meine Mutter erwähnte ein zweites Goldkettchen von diesem Onkel, zart und aus Gold und Süßwasserperlen, das ich in sehr wohl in meiner Schmuckschatulle habe. Allerdings hätte ich nicht sagen können, woher es stammt, nur dass ich es als Kind bekommen hatte.
Vor dem Abendessen eine halbe Stunde Pilates, tat sehr gut.
Herr Kaltmamsell bereitete zum Nachtmahl aus Ernteanteil-Kartoffeln spanische Tortilla und schnitt den ganzen edlen Jamón Pata negra an, den er von meinen Eltern zu Weihnachten bekommen hatte, ich schüttelte als Aperitif Cosmopolitans und öffnete zur Tortilla eine Flasche unseres Lieblings-Tempranillos Dehesa La Granja aus Castilla y León. Nachtisch Schokolade.
Im Fernsehen ließen wir den Klassiker Das Wirtshaus im Spessart laufen.
Und jetzt leben wir wieder mit einem Tier in der Küche.
6 Kommentare zu „Journal Samstag, 28. Februar 2026 – Familie in Schön“
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1. März 2026 um 12:19
Was für eine schöne Elterntreppe.
1. März 2026 um 22:18
Meinung zur Typografie: schön mal was anderes, aber ich finde es etwas anstrengend zu lesen.
Die Geschichte um das Armband finde ich sehr toll, immerhin wurde es doch so gewertschätzt, dass es so lange im Familienbesitz blieb, so ein kleines Kettchen kann ja auch mal untergehen. Ich mag mittlerweile auch keine Armgebamsel mehr, aber finde das Kettchen schön, ist klassisch, zeitlos, dezent.
2. März 2026 um 6:54
Die Treppe sieht sehr mediterran aus – ist das Zufall oder wurde das von Deinem Vater so initiiert?
2. März 2026 um 8:31
Das ist kein Zufall, loosy, aber mein Vater hatte damit nichts zu tun: Diese Siedlung wurde in den 1980ern vom Architekten Clemens Häusler konzipiert und geplant, der damals großer Toskana-Freund war.
https://haeusler-wohnbau.de/objekte/wohnhoefe/brentanostrasse/
(Ich musste auf die Frage losprusten, aber dafür kannst du nichts: Die Gestalterin der Familie ist definitiv meine Mutter – in der verlinkten Fotoserie auch zu sehen -, und mein Vater stammt aus Kastilien, wo die Architektur entschieden nicht mediterran ist.)
2. März 2026 um 12:40
Diese Kursive ist ein Verbrechen.
2. März 2026 um 13:14
Die Wand im Treppen”auge” hat den Vorteil, dass man ein Auflager für den Innenrand der Treppe hat und dadurch Betondicke und Bewehrungsstahl einspart. Zudem entfällt ein teures Geländer. Nachteil ist der erschwerte Transport unförmiger Gegenstände nach oben.