Journal Donnerstag, 23. April 2026 – Kapitulationen

Freitag, 24. April 2026 um 6:15

Funktioniert auch nach unwilligem Gewecktwerden als aufgeregte Freude beim Schließen des Schlafzimmerfensters:

Falke!

Wetter weiterhin strahlend sonnig, Luft weiterhin saukalt, auf dem Marsch in die Arbeit wären Handschuhe angebracht gewesen. (Die Kollegin, deren Hippie-Frühlingsbluse ich später bewunderte, verwies auch gleich auf ihre Fehleinschätzung der Temperaturen und schlotterte dramatisch.) Vorfreude auf endlich Friseurtermin und endlich weg mit der Wolle auf dem Kopf.

Arbeitsvormittag überraschend dicht, daran waren aber auch mehrere sehr störende Computer-Updates und -Neustarts schuld. (Der Triumph, als ich einem weiteren Zwangs-Neustart durch feierabendliches Runterfahren des Rechners zuvorkommen konnte!)

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, damit ich für Einkäufe zum Markt kam.

Erneuter Anruf vom schicken Friseurladen mit erneuter Bitte um Verschiebung meines Termins, diesmal nach früher. Ich ergab mich trotz deutlich anderer Pläne, wollte einfach endlich einen Haarschnitt und strich diesen Laden, in den ich in den vergangenen Jahren immer wieder ausgewichen war, endgültig von meiner Liste – diese Art von Lässigkeit habe ich einfach nicht im Programm, damit musste ich mich schon vor Längerem abfinden.

Und so wurde es bereits vor zwölf wieder Zeit für ein Ibu gegen Zahn-Kopf-Weh. Markteinkauf kriegte ich hin, trotz gereizter Alles-Idioten-Stimmung, trotz langem Anstehen am Käsestand (MUSSTEN alle Leute vor mir bitte unbedingt am Ende des Standes anstehen, so dass niemand in der Schlange schonmal die Auslage sondieren konnte?!).

Mittagessen zwischen zwei Emisgkeiten eingeschoben, schließlich musste ich mich wegen Friseur sputen (auf den ich ursprünglich so lange gewartet hatte, um ihn auf einen optimal arbeitskompatiblen Termin legen zu können, *knurr*): ein paar Nüsse, außerdem Mango mit bulgarischem Joghurt.

Der Arbeitstag kapriolte lustig weiter, die Realität weigerte sich an zahlreichen Ecken und Enden, meinen Vorstellungen und Erwartungen zu entsprechen.

Überfrüher Feierabend, jetzt war ich gespannt, ob der Friseur besser Haareschneiden konnte als Termine zu verwalten.

Fast hätte ich das nicht herausgefunden: Als sich meine Wartezeit vor Ort 30 Minuten näherte, machte ich mich bereit zu gehen. Der Friseur war genau jetzt mit der Vor-Kundin fertig und fing mich gerade noch ein. Doch ich war total wütend, konnte auf Frage nach meinen Wünschen nur “Ist mir inzwischen egal, Hauptsache kurz” antworten und musste jetzt eine Stunde schweigend rumbringen, in der ich gleichzeitig innerlich schäumte und mir selbst deshalb total peinlich war, mir nur wünschte, mich irgendwie in Nicht-Existenz aufzulösen. Tja, hätte ich halt irgendwann einen Umgang mit meinen starken Affekten gelernt, statt nur eine Gefühlspolizei zu unterhalten, die ihre Berechtigung überwacht.

Abgekürzt: Ich bekam einen Haarschnitt und will diese Episode bittegerne so schnell wie möglich vergessen. Verdrängen. Whatever works.

Anschließend zwang ich mich appetitlos zumindest zu Brotkauf in der Balkan-Bäckerei fürs Abendessen, denn irgendwann würde ich ja wohl essen wollen, Herr Kaltmamsell war aushäusig, also Brot mit der Butter und dem Käse aus dem mittäglichen Markteinkauf. Nicht mal das herrliche Wetter und all die lächelnden Menschen, die es genossen, kamen an mich ran.

Herr Kaltmamsell war noch daheim und ließ mich bis zu seinem Aufbruch in Ruhe. Ich turnte Yoga, glückliche Umstände hatten mir eine Einheit mit Atemübungen und sonstigem Runterkommen zugespielt. Jetzt war ich zumindest für Essfähigkeit wiederhergestellt: Zu Abend gab es Rührei aus Eiern, die weg mussten, und dann eben gutes Fladenbrot mit Butter und Käse. Nachtisch Schokolade, aber mal nicht zu viel.

Endlich daran gedacht, in letzter Abenddämmerung auf den Balkon zu gehen und nach oben zu schauen (herrliche Abendluft): FLEDERMAUS!

Früh ins Bett, damit wenigstens dieser Tag ein Ende bekam – zu erledigt, um die Buchstaben in einem Buch scharf zu stellen. Wie viel Kraft diese ScHeISs gEfÜhLlE kosten!

§

Maximilian Buddenbohm schrieb gestern:

Wenn Sie sich im öffentlichen Raum streiten, so dass es andere hören können oder müssen, bemühen Sie sich doch bitte jederzeit um eine deutliche Aussprache

Nicht nur schließe ich mich dem als co-betroffene Innenstadtbewohnerin an: Ich bitte zusätzlich darum, bei lautem telefonischen Streit hin und wieder für die gezwungen mithörenden die Aussagen des Gegenübers zusammenzufassen – kürzlich wurde ich auf dem Heinweg unfreiwillig Zeugin eines telefonischen Beziehungsstreits im Gehen, der immer näher an Beziehungsende geriet, da hatte ich ja wohl geradezu ein Recht auf die Perspektive der Gegenseite, audiatur et altera pars! (Wobei in diesem Fall nicht gebrüllt wurde, sondern nur laut gestritten – zumindest auf dieser Seite.)

§

Seit vielen Tagen keine Tiere am namibischen Wasserloch, weil es dort gerade so ausieht:

Es hat geregnet, alles grünt, derzeit braucht niemand dieses Wasserloch, um an Wasser zu kommen.

§

Toon-Blogger Beetlebum lernt bayrische Marterl kennen – und macht umgehend selbst eines:
“Bavarian Heritage”.

§

Sollte sich jemand von meiner extremen und aggressiven Unlust zu leben, seit ich mich erinnern kann, persönlich getroffen fühlen: Zeigen Sie mir gerne jederzeit einen Weg, mit dem ich mein Leben einer anderen, todkranken Person spende, die es liebt (Ihres? das eines lieben Menschen?), und wir kommen zusammen.

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 23. April 2026 – Kapitulationen“

  1. Frau Bruellen meint:

    .

  2. Sigrid meint:

    Ich finde, zumindest schneiden konnte der Friseur. Alles andere…

Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

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