Journal Samstag, 25. April 2026 – Regenwasserrückhaltebeckenfolienverlegung

Sonntag, 26. April 2026 um 10:01

Das war gestern ein wundervoll eindrucksreicher Tag in herrlichem Sonnenschein. Aufgestanden war ich sehr früh und noch vor frühem Weckerklingeln, eine Angstflut spülte mich aus dem Bett.

Stadtei verkleidet für Arbeitseinsatz im Dreck, unter der gammligen Fleecejacke noch ein gammliges Sportshirt, darunter ein Trägershirt für verschiedene Wärmen, es waren bis zu 23 Grad vorhergesagt (unter all dem Sonnencreme LSF 50). Im Rucksack hatte ich Turnschuhe für einen eventuellen Fußweg zurück zum Bahnhof, Zeitung für die S-Bahnhfahrt hin, außerdem Brotzeit. Ich hatte mich letztendlich gegen Fahrradmitnahme entschieden, als mir einfiel, dass ich zwar bei der Hinfahrt in der S-Bahn reichlich Platz dafür haben würde, aus vorherigen Erfahrungen aber wusste, dass an einem sonnigen Samstagnachmittag die Züge und S-Bahnen rein nach München sehr voll sein würden, auch durch mitgenommene Fahrräder.

Ausblick vor meiner Haustür, es war zapfig frisch.

Alles war wie von Kartoffelkombinat-Veranstaltungen gewohnt hervorragend organisiert, Vorständin Jana hatte die Hilfstruppe des Tages mit der idealen Öffi-Verbindung raus in unsere Gärtnerei in Spielfeld nördlich von Mammendorf im Landkreis Fürstenfeldbruck versorgt. Also stieg ich am Stachus in die S3, ließ mich Zeitung lesend bis zum Endbahnhof Mammendorf fahren, stieg dort mit jetzt erkennbaren anderen Kartoffelkombinatler*innen aus und wartete auf den Linienbus, der uns praktisch vor den Gartenzaun fahren würde.

Im Bus saß dann bereits Vorstand Daniel, der schon auf der Fahrt Fragen beantwortete und Hintergründe zur Arbeitsaktion des Tages lieferte – wie immer bereitwillig, fundiert und verständlich. Zu den Arbeitsschritten und deren Dauer konnte er allerdings kaum Informationen liefern: Der Projektleiter würde von der zuständigen Firma kommen, der uns mit Routine (macht sowas zwei- bis dreimal die Woche) durch alles führen würde. Mir war durchaus feierlich, dieser Tag hatte etwas Historisches: Ein Regenwasserrückhaltebecken wurde nur einmal in unserer Gärtnerei gebaut.

Schon jetzt flogen die Schwimmbad-/Pool-Scherze über das Regenwasserrückhaltebecken, sehr wahrscheinlich hatten wir bis zum Arbeitsabschluss am Abend nahezu alle Varianten durchgespielt.

Spätestens ab jetzt könnte das hier für Sie eher uninteressant werden, aber damit werden wir alle leben müssen, denn ich möchte unbedingt viele Details festhalten. Daniel berichtete unter anderem, dass die Ab- und Zuflussrohre zu unserem Regenwasserrückhaltebecken zum allergrößten Teil bereits verlegt und betoniert worden sind, einiges aber noch im Bau.1

Morgensonne über unserem Kartoffelacker.

Das umgebaute Wohnhaus der Gärtnerei wird richtig, richtig schön (so sah es aus, als wir die Gärtnerei, damals eine Baumschule, 2017 kauften). Die anderen helfenden Hände trudelten langsam per Radl und Autos ein, Arbeitsstart war für 8:30 Uhr ausgegeben worden. Dazu gehörten auch einige Angestellte der Gärtnerei, die ich seit vielen Jahren kenne und über deren Wiedersehen ich mich freute. Nächste Schritte: Grundsätzliche Einweisung, Eintrag in Liste mit Unterschrift für Versicherung über die Berufsgenossenschaft.

Spaziergang ins Gärtnerei-Eck mit dem Regenwasserrückhaltebecken.

Erster Blick ins Becken. Die erste Schicht darin, ein Vlies, hatte das Gärtnerei-Team bereits ausgebracht, hier auf instagram Bilder und Filmchen davon. Der Mann in blauer kurzer Hose und blauem Shirt, den man darin sieht, ist Projektleiter Detlef, der uns gestern am Becken empfing und fröhlich begrüßte. Erstmal gab es auch von ihm grundsätzliche Anweisungen (am lautesten, dass beim Ausbringen NIEMAND! an der Folie ziehe, der keine ausdrückliche Anweisung von ihm dafür bekomme), außerdem Erklärung der nächsten Schritte. Dafür wurde mir eine Sorge genommen: Ich besitze keine Arbeitshandschuhe, war mir aber sehr bewusst, dass es für das Zupacken welche brauchen würde – ich konnte mich an einer Kiste bereitgestellter Leih-Arbeitshandschuhe bedienen (und möchte künftig eigentlich alles Manuelle mit dieser herrlichen zusätzlichen Griffigkeit tun).

Das Becken war aus Erde nach unten und mit einem umgebenden Wall nach oben geformt. Auf einem Eck des Walls stand ein 1,5 Tonnen schweres Paket: die zusammengerollte Teichfolie. Mithilfe von vier mitgerollten Seilen, an denen wir uns verteilten, rollten wir das Paket an einer Schmalseite des Beckens aus. Nächster Schritt: Nach genauer Choreografie zogen wir nacheinander, jeweils ein Stück Rand packend, die Folie über das Becken.

Das Ergebnis. Bis dahin war alles recht zügig gegangen, doch jetzt hatte Projektleiter Detlef angekündigt, kam das Zurechtzuppeln der Folie, dessen Dauer mit “scho anderthalb Stunden” angekündigt war.

Meist in Gruppen folgten wir der Anweisung “Und jetzt ZIEHN!”. Nachdem zwei Seiten soweit passten (Lehre des Tages: “Falten müssen sein.” – auf keinen Fall durfte Zug auf der Folie sein, damit sie genug Spiel für Verformungen hatte), schlug Detlev die Ecke ein.

Mit Ganzkörpereinsatz, ganz oben in der Falte wurde Detlef von ihr fast verschlungen. Auf dem letzten Foto sieht man auch gut den Graben im Wall, der relevant für die Fixierung wurde; in dieser Phase hatten wir die Folie im Graben mit Sandsäcken beschwert.

Wenn Detlef unten im Becken etwas richten musste, rutsche er einfach in einem Eck runter; Helfer dafür taten es ihm gleich – es sah nach einem Mordspaß aus. Als also mal wieder Handgriffe auf dem Beckenboden erforderlich waren, meldete ich mich dafür – und durfte rutschen! (Der Aufstieg mit Festhalten in Falten in der Ecke war hingegen etwas anstrengender, als er ausgesehen hatte, auch hier war ich sehr, sehr froh über meine griffigen Arbeitshandschuhe.)

Auf instagram gibt es ein Filmchen vom Ziehen und Ruckeln.

Nächste Schicht: Ein Gewebe, das wir über zwei Drittel der Wandtiefe schoben und das zum einen die Folie schützt, zum anderen ins Wasser gefallenen Tieren die Möglichkeit zum Ausstieg bietet.

Wir entrollten den Stoff im Graben. In die Unterkante waren Taschen genäht, einige davon wurden wir geheißen mit Sandsäcken zu füllen. So ließen wir den Stoff vorsichtig über die Wand gleiten.

Oberkante wieder im Graben mit Sandsäcken fixiert. Als wir mit allen vier Seiten durch waren, gab es eine halbe Stunde Mittagspause. Sonst wird bei Mitmach-Aktionen gekocht, doch die Bauarbeiten belegten gerade die Kochmöglichkeiten: Wir waren gebeten worden, eigene Brotzeit mitzubringen (eine gute Seele hatte sogar ein Blech Kuchen dabei). Ich setzte mich bei den Wirtschaftsgebäuden auf einen Stuhl in die Sonne (immer noch nicht unangenehm warm) und aß Apfel sowie Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot. Zu trinken versorgte ich mich den Tag über mit Leitungswasser in mitgebrachter Sportflasche (deren Deckel über dem Mundstück sich bei der gestrigen Staubigkeit als sehr nützlich erwies), es standen aber auch Kästen mit Sprudelwasser und Schorle an der Baustelle.

Die Folien waren verlegt, jetzt mussten sie dauerhaft fixiert werden: Nächster Arbeitsschritt war die Verfüllung des Grabens mit Kies. An zwei Traktoren der Gärtnerei waren Schaufeln montiert, sie befüllten Schubkarren auf dem Wall mit Kies – und der musste dann in die Gräben.

Das traute ich mir mangels Übung und mit kaputtem Kreuz nicht zu, obwohl ich es sehr cool gefunden hätte. Statt dessen gesellte ich mich zu den Leuten, die am Graben saßen, Sandsäcke rausholten und bis zur Verfüllung Vlies, Folie, Textil mit ihren Füßen sicherten.

Unten im Becken kümmerte sich Detlef derweil um Zu- und Abfluss – unter anderem mit der größten Dichtung, die ich je gesehen hatte.

Das Verfüllen nahm viel Mühe und Zeit in Anspruch – allerdings nicht alle Menschen. Vorständin Jane fragte rum, ob jemand Lust hatte, sich anders nützlich zu machen: In der Packhalle waren für den nächsten Ernteanteil schwarze Trockenbohnen zu portionieren, die angestellten Packerinnen würden sich sehr über diese Vorarbeit freuen. Ich griff zu.

Die nächste Stunde verbrachte ich also im Kühlen und wog als eines von drei Zweier-Teams Bohnen in Papiertütchen ab, die eine andere Helferin verschloss, etikettierte und in Transportkisten schichtete. Ich freute mich über die Gelegenheit, die neue Packhalle zu nutzen, schaute mich anschließend auch sonst in der Gärtnerei um.

Gärtnerei-Humor auf dem Frauen(“und alles dazwischen”)-Klo.

Wachset, ihr Tomatenpflanzen, wachset und gedeihet, auf dass es wieder köstliche Tomaten gebe!

Ausblick von der Gärtnerei nach Nordosten.

Ich reihte mich wieder in die Arbeiten am Becken ein: Nach dem Verfüllen schnitten wir die überstehenden Folien ab – weniger sauber, als es der Tochter meines akkuraten Handwerker-Vaters lieb gewesen wäre, doch gerade in den Ecken stand sehr viel Zeugs über, und wir hatten nur Rasiermesser-Halte-Messerchen.

Letzter Schritt, den ich gestern noch miterlebte: In zwei Ecken wurden Leitern aus alten Autoreifen gehängt, damit große Tiere, zum Beispiel Menschen, das gefüllte Becken verlassen konnten. (Das sicher geglaubte Foto davon habe ich anscheinend doch nicht gemacht.)

Jetzt gegen halb fünf zerstreute sich der Helfertrupp langsam. Ich hatte mir eine Rückfahrgelegenheit ab Mammendorf per Regionalbahn rausgesucht, die konnte ich locker zu Fuß erreichen. Also räumte ich nur noch ein wenig auf, wechselte Gummistiefel gegen Turnschuhe und spazierte dorthin, das allergrößte Stück auf einem eigenen Fahrrad- und Fußweg neben der Landstraße.

Rechts anderer Leute Kartoffeln.

Zugverpätung nur zehn Minuten, in München auf dem Weg von Bahnhalt nach Hause überholte mich Herr Kaltmamsell, der den Tag bei seinen Eltern und bei einem Freund zum Musizieren verbracht hatte.

Mit ihm eröffnete ich nach einer ausgiebigen und genussvollen Dusche die Aperol-Spritz-Saison. Die Kastanien tragen bereits ihr Mai-Kleid mit Blüten.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell aus Teilen des Ernteanteil-Lauchs Pfannen-Börek zubereitet.

Sehr gut! Nachtisch Schokolade, Fledermaussichtung, wohlig erschöpftes Versinken im Bett, dort neue Lektüre: Maggie O’Farrell, Hamnet.

  1. Für die Typo-Afficionades: Hinter dem Link sieht man unter anderem die Überschriftentypo des Kartoffelkombinats, die seit Gründung verwendet wird und die ich von Herzen liebe. []
die Kaltmamsell

3 Kommentare zu „Journal Samstag, 25. April 2026 – Regenwasserrückhaltebeckenfolienverlegung“

  1. FrauZimt meint:

    Wow, mit Menschen drin erkennt man auch, dass das Becken etwa dreimal so tief ist wie mich die Bilder ohne Menschen annehmen ließen.

  2. Nina meint:

    Zu Fußnote 1: Es sei hier mal wieder erwähnt, dass die Typo sowie das gesamte Design des Kartoffelkombinats von Miro Poferl stammt. Eine tolle Grafik-Designerin und Kinderbuchautorin und -Illustratorin. http://www.heymiro.de

  3. engl meint:

    wie großartig!

Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

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