Journal Donnerstag, 21. Mai 2026 – 33. Rosentag japanisch
Freitag, 22. Mai 2026 um 8:04Gut- und ausgeschlafen, sehr angenehm. Erster Handgriff morgens am Rechner: Ausfüllen des Fahrgastrechteformulars der Deutschen Bahn, ein wenig Rückerstattung des (ohnehin niedrigen Superspar-) Fahrpreises sollte drin sein.
Bloggen an Milchkaffee und Wasser, dann stieg ich in Laufkleidung. Mein erster Weg führte aber zum Nachbarschafts-Blumenladen, denn 21. Mai ist Rosentag (seine Geschichte, meine Geschichte).
Nein, dieses Vase funktioniert nicht mehr.
Später vaste ich um (der Rand der idealen Vase wäre allerdings sieben Zentimeter niedriger).
Keine Lust auf Radeln, zumal das bedingt, dass ich meinen Lauf an derselben Stelle beenden muss, an der ich ihn starte. Also zwei Stationen U-Bahn bis Odeonsplatz. Am Marienplatz stiegen zwei Polizisten zu, über und über mit Ausstattung behängt, die in meinen Augen nach Kampfausstattung aussah. Da half auch das Lächeln des einen nicht: In solcher Gegenwart fühle ich mich nicht sicherer, sondern bedroht. Der gute alte bayerische Polizist in klar erkennbarer grüner Uniform, diese aber als einzige sichtbare Waffe, hatte da ganz andere Wirkung. Selbst wenn er grantelte. Der neue Phänotyp strahlt auf mich nur Gewalt aus.
Auf Mastodon meinte dazu jemand aber:
Daran halte ich mich künftig fest.
Interessanterweise äußerten sich auf Mastodon aber auch viele, die sich durch diese Präsenz tatsächlich beschützt und sicherer fühlen, die die Polizisten in den vorherigen Uniformen als schwach, wenn nicht sogar lächerlich empfanden. Jetzt muss ich nachdenken, worin die Unterschiede, wahrscheinlich in der Selbstdefinition bestehen.
Schöner Lauf durch den touristischsten Teil des Englischen Gartens an die Isar, von dort nach Norden und zurück bis Tivoli. Nachts hatte es genug geregnet, um den Boden ein wenig federnder zu machen – doch der niedrige Wasserstand ist weiterhin besorgniserregend. Der Körper spielte gut mit, signalisierte lediglich jenseits der 90 Minuten Laufdauer (diesmal sah ich auf die Uhr), dass jetzt gut war, vor allem die Waden.
Was ich bei meinen Wochenend-Läufen nie zu sehen bekomme: Im Hofgarten wurde gegeärtnert.
Robinienblüte startklar, aber noch ohne Duft.
Unterwegs hatte ich Spaß mit der Pflanzenbestimmungs-App Flora Incognita und ließ mir Blümchen am Wegesrand bestimmen:
Wiesen-Salbei (hatte ich bislang Rittersporn genannt)
Akeleiblättrige Wiesenraute (fiel mir zum ersten Mal auf)
Pyrenäen-Storchschnabel (vertrauter Anblick, aber was macht ein Pyrenäen-Kraut an der Isar?)
Zottiger Klappertopf (sehr vertraut, auch in Parkanlagen – aber mit dem Namen nehmen die mich auf den Arm, oder?)
Diesmal guckte ich auch Blumen nach, die ich gut kenne. Zum Beispiel die gute alte Butterblume.
Um zu lernen, dass Profis sie Scharfer Hahnenfuß nennen. Kann man wenigstens sagen: “Die Butterblume ist die Blüte des Scharfen Hahnenfußes”?
Eine Tram brachte mich nach Hause, ich stieg aber einen Halt früher aus, um Frühstückssemmeln zu besorgen. Meine Lieblingssorte sah ich schon von fern als noch vorrätig, doch dann wurde meine Bestellung abgewürgt: Keine Kartenzahlung möglich, technische Probleme. Enttäuschend, dann folgte ich halt meinem anderen Frühstücksgelüst Erdbeeren. Die ich im Supermarkt ebenfalls ins Regal zurückstellen musste: Nur Barzahlung möglich, technische Probleme. Beim Laufen habe ich halt nur mein Handy dabei, empfinde es als sehr bequem, dass ich damit auch bezahlen kann. Eigentlich. Nun war ich sehr enttäuscht, fürs Frühstück um halb drei (nach Duschen eh schon spät, deswegen kein neuer Einkaufsversuch mit Bargeld) griff ich auf Kühlschrankvorräte zurück. Gab es halt wieder Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot – schmeckt mir schon, ist aber in erster Linie funktionale Hungerbekämpfung.
Herr Kaltmamsell hatte auf meine Bitte eine Plastikhülle von Hemdenreinigung aufbewahrt: In die hängte ich Wintermantel und -jacke, beides kam in den Keller – jetzt habe ich ausreichend Platz im Schrank für meine (zu vielen) Sommerklamotten.
Beim Ankleiden für den festlichen Abend musste ich mir eine Dummheit gestehen: Der blaue Sommerrock, den ich mir aus Spanien habe schicken lassen, ist einfach zu eng. Die Rumrechnerei mit den Größen (EU/Deutschland) war geraten gewesen, und als der Rock ankam, kniff sein Bund. Doch Zurückschicken/Umtausch war mir zu umständlich, also redete ich mir ein, dass er halt lediglich nicht ganz bequem sein würde und bügelte ihn auf. Gestern erwies sich beim ersten Tragen: Nein, geht nicht. Letzte Chance Änderungsschneiderin, vielleicht hat sie einen Erweiterungstrick auf Lager.
Zur Feier des gestrigen Rosentages hatte ich in einem japanisch(ischen) Restaurant im Westend reserviert: Koji in der Parkstraße. Dorthin geführt hatte mich meine (vergebliche) Suche nach einem japanischen Restaurant in München, dessen Karte nicht um Sushi herum gebaut war: Vor Jahrzehnten hatte es in Augsburg einen edlen Japaner gegeben, dessen Menü an einem Küchen-Karree vor den Augen der Gäste zubereitet wurde, fein abgestimmt von Gang zu Gang in Texturen, Zutaten, Geschmäckern, optischer Komposition – wie es auch seither Japan-Reisende von Menüs im Land selbst berichten. Den gibt es auch in Augsburg nicht mehr, und in München fand ich nichts Derartiges. Also wurde es “Fusion” im Koji, hier wurde zumindest ein Menü des Hauses und aus dem Moment ohne Sushi angeboten.
Besonders freute ich mich über die Begleitung mit Sake, ausführlich erklärt. Hier als Aperitif Sparkling Sake mit Eiswürfeln, gut und überraschend.
Wir aßen Fisch-lastig und sehr gut. Die verschiedenen Sakes waren sehr interessant und schmeckten mir alle, als mein Sake-Liebling erwies sich Takasago Junmai Daiginjo Omachi: Er war uns als ein traditioneller vorgestellt worden, und als ich dem (freundlichen und aufmerksamen) Keller meine Begeisterung kundtat, wies er fein lächelnd darauf hin, dass das auch sein hochwertigster sei – sofort fühlte ich mich als Sake-Obercheckerin.
Nicht zu später Heimweg in letztem Tageslicht und unter Mauersegler-Schrillen, der tapfere und sehr erschöpfte Herr Kaltmamsell hatte sehr gut durchgehalten.
Ich war sogar noch munter genug (Sake macht deutlich weniger betrunken als Wein-Begleitung) für Start einer neuen Lektüre: Louise Erdrich, The Sentence.




























