Journal Samstag, 23. Mai 2026 – Sommerwanderung von Starnberg nach Herrsching
Sonntag, 24. Mai 2026 um 7:59Wunderbar lang und gut geschlafen, aufgestanden zu dem angekündigten Sommertag – allerdings noch zu kühl für Balkonkaffee.
Als Tagesprogramm war eine Wanderung mit Herrn Kaltmamsell geplant: Auch wenn er seine Pfingstferien für Arbeit benötigt, bieten sie ihm genug freie Zeit für solch einen Ausflug. Die Routenwahl fiel auf Starnberg nach Herrsching, also vom Starnberger See zum Ammersee über Andechs.
Weder Tageslänge noch Wetter beschränkten uns, wir ließen uns Zeit für den Aufbruch. Meine Vorbereitungen schlossen gründliches Einsprühen mit Insektenspray ein: Nach Regen in der Vorwoche und bei den angekündigten warmen Temperaturen wollte ich kein Mückenrisiko eingehen.
Beim Verlassen des Hauses trafen wir die 91-jährige (sie nennt ihr Alter bei jeder Begegnung) Nachbarin am Rollator, sehr edel zurechtgemacht. Ihre Reaktion auf das Kompliment für ihr Outfit:
„Die Konkurrenz ist groß!“
Und dann erklärte sie, sie trage ihre viele schöne Kleidung und ihren großen Schmuck jetzt einfach im Alltag: Worauf solle sie warten?
Großartige Einstellung – die Geburtstagseinlader*innen dieses Sommers können sich auf was gefasst machen.
Wie ich bereits befürchtet hatte, war die Anfahrt etwas umständlich: Schulferien plus Wochenende bedeuten gewöhnlich verstärkte Bauarbeiten. Also U-Bahn zum Heimeranplatz, umgeleitete (und verspätete) S-Bahn nach Starnberg.
Schon beim Aussteigen sperrte ich Mund und Augen auf: Die HATTEN aber auch ein Panorama aufgehängt!
Erstmal Mittagscappucino an der Promenade.
Dann über die Maisinger Schlucht und den Maisinger See Richtung Westen. Es wurde schnell ziemlich war, wärmer braucht es beim Wandern für mich nicht werden. Angenehmes Gehen, allerdings ist das einstündige Fehlen von Bankerln zwischen Aschering und JVA Rothenfeld ein Mangel – zumal wir hier nach zweieinhalb Stunden gerne Brotzeitpause gemacht hätten. Wir mussten bis fast drei Stunden warten.
Hochwillkommener letzte Trinkwasserstopp an den Starnberger Wasserwerken.
Maisinger See
Nach unserer Pause (Apfel, Nussschnecke) bei Rothenfeld. Wir waren nicht die einzigen mit Bankerl-Sehnsucht: Ein weiteres Wanderpaar fragte, ob es sich für Brotzeit zu uns setzen dürfe, es gebe ja wirklich wenig Gelegenheit.
Sonst hatten wir mit Samstag wieder den besseren Wandertag am Pfingswochenende erwischt: Es war sehr wenig los auf den Wegen, allerdings wurde alles berennradelt, was ging, einzeln bis in großen Gruppen und durchaus aggressiv. Nachdem ein Wortgefecht bis “AUF’S MAUL?!” eskaliert war, musste ich mich damit aufmuntern, dass die Kunststoff-versiegelten Rennradler Kilometerzahlen und Laktatwerte heimbrachten, ich aber Anblicke, Milansichtung, Blümchenfotos und Erinnerungen.
Den Aufstieg nach Kloster Andechs ließen wir aus (genossen aber über eine halbe Stunde lang herbeiwehende Blasmusik – zum ersten Mal fiel mir auf, dass manche bayerischen Märsche durchaus was von Pasodoble hatten), genossen statt dessen ein Stündchen Uferweg am Ammersee.
In Herrsching fanden wir nach gut fünf Stunden und gut 20 Kilometern einen noch geöffneten Supermarkt, große Freude über die Möglichkeit zum Wassernachkauf – und ich entdeckte heimischen Wein, über den ich schon gelesen hatte: Gleich mal ein Fläschchen mitgenommen.
Unterwegs hatte ich wieder Spaß mit Flora incognita: Das Fotografieren und schnelle Bestimmen mit der App fühlte sich an wie Einstecken der Pflanze in einen Tornister – genauer beschäftigen würde ich mich damit daheim.
Von links oben im Uhrzeigersinn: Wolfsmilch kannte ich schon, die App sagte Zypressen-Wolfsmilch / Mausohr-Habichtskräuter – ein Knaller, der mir beim Wandern immer besonders aufgefallen war / Glockenblume (Wiesen-Glockenblume) und Margarite (Wiesen-Margarite) wollte ich lediglich bestätigt sehen.
Wiesen-Bocksbart / Kriechender Günsel (gnihihi) / Schlangen-Knöterich / Kuckucks-Lichtnelke – ich lernte Nelken-Varianten.
Auch der Rückweg von Herrsching war durch die S-Bahn-Bauarbeiten etwas umständlich: Wir kamen erstmal nur nach Pasing, eine völlig überfüllte Regionalbahn brachte uns dann zur Haltestelle Hauptbahnhof.
Beim Ausräumen daheim wurde ich erinnert: Sommerliche Temperaturen bedeuten offene Fenster bedeuten Splatter-Sound aus dem Kreisssaal der Klinik gegenüber frei Haus!
Ich hatte mich sehr auf ein reiningendes Vollbad gefreut (große Seltenheit) und genoss es. Dadurch später als sonst servierte Herr Kaltmamsell das Nachtmahl: Aus Ernteanteil Mangold und Kräutersaitlinge gebraten, dazu Wildreis. Ich hatte wieder Lust auf Alkohol und öffnete einen am Vortag gekauften Pittnauer Rosé by Nature – hefig und mit Rhabarbernoten sehr erfrischend, gefiel mir gut, wird als möglicher Aperitif vermerkt.
Nachtrag: Nachtisch Erdbeeren, Berliner Marzipan, Schokolade.
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Für die taz berichtet Reiner Wandler aus Madrid:
“Jobwunder dank Migration
Spanien feiert zweiundzwanzig Millionen!”
Dazu gehört aber auch die Kehrseite “niedrige Durchschnittslöhne und prekäre Arbeitsverhältnisse in vielen Branchen” – und dass die meisten Einwander*innen aus Südamerika stammen, somit bereits die Landessprache können, ist ein nicht auf andere Länder übertragbarerer Faktor.















