Journal Montag, 8. Juni 2026 – Post-Trauer
Dienstag, 9. Juni 2026 um 6:35Start in die erste von acht elenden 5-Tage-Arbeitswochen bis endlich Sommerurlaub. Ich werde mich wieder darauf verlegen müssen, für jede Woche mindestens ein Feierabend-Highlight zu finden.
Schön war schonmal das Sommerwetter, laut Vorhersage wird es ab Dienstag kalt.
Im Büro überfiel mich wie erwartet aus dem Postfach die Arbeit der Leute, die nicht vier Tage frei hatten. Nahmen. Entsprechend wirbelte ich die Arbeit von ca. drei Tagen in einem Vormittag. Bis eine Hälfte gelöst war, der Ball eines Viertels auf der andere Seite lag, ein Viertel zumindest begriffen und geplant war.
Mittagscappuccino aus der Cafeteria, später ein Marsch um die Blöcke – in wunderbarer Sommerluft und umgeben von Lindenblütenduft.
Zu Mittag gab es Banane, ein Kartönchen voll Physalis (ausgezeichnet), Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.
Auch am Nachmittag schaffte ich einiges weg.
Heimweg über Besorgungen, darunter Abholung eines nicht zugestellten Päckchens bei der Post am Hauptbahnhof. Beim Warten in der Schlange (nicht lange, alle Schalter waren besetzt) sah ich die Ankündigung, dass auch diese Filiale bald schließt.
Wenn’s in der Millionenstadt München nicht mal am Bahnhof mehr eine Post gibt! Ich war wirklich bestürzt. Eine erste Filialsuche führte mich später daheim nur zu “Post Shops”, also Post als Nebendienstleistung in einem eigentlich anderen Geschäft, und mit denen haben wir wohl alle sehr gemischte Erfahrungen gemacht. Mir verweigerte zuletzt einer die Annahme einer Sendung ins Ausland. Die Deutsche Post schließt also ernsthaft alle eigenen Standorte. Die immer so gefragt waren, dass die Schlangen sprichwörtlich wurden? Jajaja, statt dessen Automaten – so fehleranfällig, dass sie definitiv Teil der Enshittification sind, und so kompliziert zu bedienen, dass sie geschätzt 70 Prozent der Kundschaft überfordern. Gestern beobachtete ich wie so oft eine völlig hilflose Kundin, die sehr auf menschliche Beratung angewiesen war: Diese konkrete hatte Päckchen-Inhalt und Verpackung einzeln dabei, ein Postler half ihr (wenn auch unwillig) durch die Schritte Zoll-Unterlagen, Verpacken, wahrscheinlich auch Ausfüllen des Paketscheins und Portoberechnung, aber da war ich bereits draußen.
Entsprechend bedrückt vom Schlechterwerden der Welt fühlte ich mich bei meiner Heimkehr.
Fürs Abendessen bereitete ich die letzten beiden Crowdfarming-Artischocken zu, Herr Kaltmamsell reichte eine Vinaigrette und eine auf meine Bitte Knoblauch-freie (Rücksicht auf Kolleginnen) Joghurt-Majo zum Dippen an. Zum Sattwerden gab’s noch Käse. Nachtisch Schokolade.
Früh ins Bett zum Lesen, im Granta Scandinavia lernte ich über sechs sehr gute Kurzgeschichten die Autorin Helle Helle kennen, setzte gleich mal einen ihrer Romane auf meine Wunschliste. (Und lernte aus dem deutschen Wikupedia-Eintrag über sie, dass es in Dänemark ein “lebenslanges Künstlereinkommen des Dänischen Kunstfonds” gibt.)
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Wenn schon Pride Month ist, schaun wir doch mal extrig in die queere Richtung. Und nehmen den Hinweis auf Florencio Pla Meseguer auf, antifaschistischer und intersex Kämpfer im spanischen Bürgerkrieg – hier der (englischsprachige) Wikipedia-Eintrag. Ich stimme der Fundstelle auf Mastodon zu: “Meinetwegen schlachte jemand das aus für historischen Roman, wär auch ok. Besseres Material gibts kaum.”





