Journal Sonntag, 7. Juni 2026 – Rückreisetag aus Oldenburg

Montag, 8. Juni 2026 um 6:15

Ganz gut geschlafen, nur wenig übernächtigt und verkatert vom Wecker geweckt worden. Nach Morgenkaffee geordnetes Räumen des Ferienapartments.

Wir nahmen für das erste Stück den früheren Regionalzug, um ganz, ganz sicher in Bremen nicht in Umsteige-Hetzerei zu geraten. Die viele Zeit im Bahnhof Bremen nutzten wir zum Umherstreifen.

Und zum Nutzen eines verspiegelten Ladenleerstands. Außerdem weiß ich jetzt, dass die vor Jahren auf Dienstreisen geschätzte italienische Espressobar genauso verschwunden ist wie der Ableger des Tee Handelskontors Bremen – was ein Glück, dass es besser erreichbar einen unterm Münchner Stachus gibt (ist eh eine Berliner Firma).

Auf der Regionalbahnfahrt nach Hannover den Blogpost über Samstag geschrieben und die Fotos dafür bearbeitet – offline, den das Handynetz auf dieser Strecke ist löchrig wie eine Netzstrumpfhose.

Die reichliche Umstiegszeit in Hannover nutzte ich für einen Mittagscappuccino im MacDonalds (leider keine Tassen) und für Endbearbeitung sowie Veröffentlichen des Blogposts. Blieb noch genug Zeit für Besorgen von Brotzeit.

Der ICE nach München fuhr pünktlich ab und war so überfüllt wie angekündigt. Zu Mittag gab es um halb zwei eine Kürbiskern-Breze und ein Franzbrötchen.

Endlich Louise Erdrich, The Sentence ausgelesen. Eher unbefriedigende Lektüre, denn mir schien, als sei der Roman als etwas anderes gestartet, als dann rauskam. Eigentlich beginnt er als Geschichte der US-Amerikanerin Tookie, die als Ich spricht und sich nach wilden Lebensjahren und langer Gefängnis-Inhaftierung gerade gefangen hat, in Minneapolis in einem Buchladen für indianische Literatur arbeitet.1 Eine Stammkundin stirbt und sucht den Laden als Geist heim; eigentlich sehr geschickt wird an ihr der immer wieder auftretende Fall von Weißen durchgespielt, die sich mit indianischer Kultur überidentifizieren und lästig werden. Doch dann bricht die Covid-Pandemie aus, kurz darauf wird George Floyd von Polizisten umgebracht, was zusätzliche zu Unruhen und Gewalt führt. Das übernimmt die Romanhandlung quasi in Echtzeit mit vielen Alltagsdetails, die ich aus dem Abstand von sechs Jahren fast schon wieder vergessen hatte – und tut ihr nicht gut.

Dieses Jahr habe ich kein rechtes Glück mit meiner Lektürewahl, es war bislang kaum etwas dabei, was mir so richtig gefiel. Und als nächstes ist erstmal das aktuelle Granta-Magazin dran.

Je weiter wir nach Süden fuhren, desto schöner wurde das Wetter.

Dennoch strengte das Sitzen nach den vielen Stunden ziemlich an, ich war schon arg froh, als wir mit nur wenigen Minuten Verpätung um halb sechs in München eintrafen. Schnelle Abendbroteinkäufe im Untergeschoß des ehemaligen Hauptbahnhofs, auch in München gibt es sonntags diese Möglichkeit.

Kurzes Telefonat mit meiner Mutter, weil meine Eltern am heutigen Montag in den Urlaub fliegen – was mich sehr freut.

Abendessen richtete ich an, im Zentrum der niederländische Käse aus Oldenburg.

Nachtisch Eiscreme und Schokolade.

Im Bett also als neue Lektüre das Granta Scandinavia.

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Liebe ist auf so vielen Ebenen seltsam. Zum Beispiel das Gefühl. Dieses ganz starke Ziehen, bei mir tatsächlich in der Herzgegend, bis zum Nicht-mehr-Denken können. In jüngster Zeit fällt mir auf, dass es sich nicht unterscheidet, ob es beim Gedanken an eine Freundin auftritt, an einen Verwandten, an den Partner.

Oder Liebe in der ganz kleinen Dosierung in Form von Wohlwollen, dem Gegenüber wohl wollen – und das durch ein Lächeln ausdrücken, durch ein vorausschauende Öffnen einer Bürotür, durch das eine Extra-Detail beim Erfüllen einer Bitte.

Mira hat beruflich damit ganz besondere Erfahrungen gemacht:
“Love Changes Everything”.

Ich möchte das wirklich nicht so kitschig oder pathetisch formuliert haben, aber es ist wahr, es ist überall beobachtbar, nicht nur in Liebesbeziehungen, sondern auch unter Freund*innen und Kolleg*innen, sogar bis in die kleinsten und unbedeutendsten Alltagskontakte hinein. Jedes Lächeln kann ein Schmetterlingsflügelschlag für eine weitreichende Veränderung der Liebeswetterlage sein. Ich glaube nicht, dass uns das bewusst ist oder dass wir diesem Umstand in unserem Leben immer angemessen Rechnung tragen.

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Fotografin Carola Schulze zeigt Fotos – aber die hat ihr Vater gemacht, vor 40 Jahren in Istanbul:
“Reisefotos Istanbul im Frühling 1986”.

Gleich die ersten Aufnahme vom großen Basar ist mein Liebling: Sie wirkt auf mich wie ein Standfoto aus einem damaligen James-Bond-Film, so ausgedacht.

  1. Sich und die Kultur auch als “Indian” bezeichnet, wenn es nicht gerade um ein konkretes Volk und seine Bräuche geht. []
die Kaltmamsell

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