Journal Donnerstag, 16. Juli 2026 – Eurydike und Orpheus an den Kammerspielen

Freitag, 17. Juli 2026 um 6:10

Mit brennenden Augen aufgewacht, die auch leicht gerötet waren: Während des Theaterabends hatte ich den Eindruck, dass Zugluft zwei Stunden lang meine Augäpfel austrocknete – das konnte doch unwahrscheinlich das Dauerfächern der Sitznachbarin gewesen sein? (Es wurde ohnehin um mich herum viel gefächert, vor allem mit dem Programmheft, dabei fand ich den Zuschauerraum wirklich nicht sehr warm.) Allerdings neige ich dazu, mir mit den Fingern in die Augen zu fassen (das lernte ich, als am Anfang der Corona-Pandemie bei noch unbekannten Übertragungswegen auch davor als möglicher Infektionsquelle gewarnt wurde): Ich mag mir irgendwas reingetappt haben, was mit dem Zugluft-Erlebnis im Theater lediglich koinzidierte.

Draußen ein frischer Sommermorgen, nach eigentlich Schauerdrohnung war recht plötzlich Regenfreiheit angekündigt. Ich wählte also ein ärmelloses Sommerkleid, schlüpfte aber für den Arbeitsweg in ein leichtes Jäckchen.

Eine Demonstration, warum der Aufbau des Oktoberfestes so viel länger dauert als der von Ihrem Volksfest: Die “Bierzelte” sind echte, mehrgeschoßige Häuser mit einzementiertem Holzgerüst.

Emsiger Arbeitsvormittag mit dem einen oder anderen Querschuss, aber gemütlich Zeit für einen Mittagscappuccino im Westend – Spaziergang unter wolkenlosem Himmel und in angenehmer Luft ohne Schwüle.

Zu Mittag gab es ein Glas milchsauer eingelegtes Blaukraut und wieder weniger Roggenvollkornbrot als geplant, weil schon satt.

Arbeiten am Nachmittag halt bis Feierabned. Nichts zu besorgen, also direkter Weg nach Hause. Dort turnte ich eine weitere neue Folge Pilates mit Gabi Fastner, ganz schön fortgeschritten (will heißen: ich machte nicht alle “und wer’s ein bisschen fordernder haben will”-Varianten mit). Auf Wiedervorlage.

Donnerstag ist Ernteanteil-Hol-Tag ist Salattag, und für den bin ich zuständig. Es gab Lollo bianco und Minigurken aus Ernteanteil mit Joghurt-Dressing sowie zugekauften Tomätchen und Eiern. Dann noch Käse mit Trauben und Nektarine, Nachtisch Schokolade.

Der Himmel wurde immer bedrohlicher düster. Lesen im Bett zu erstem Blitzeleuchten.

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Zurück zum Theaterabend am Mittwoch, zurück zum Spiel mit dem Orpheus-und-Eurydike-Mythos. Die Variante der Münchner Kammerspiele heißt Eurydike und Orpheus mit dem Untertitel “Musiktheater über die Hoffnung auf unsterbliche Liebe”. Und so wurde praktisch der gesamte Text von den Darstellenden gesungen – unmelodiös und mit wenigen Instrumenten (vom Band) untermalt, eher wie Rezitativ-Passagen in Opern.

Orpheus ist hier die Leiterin einer Klinik, die Menschen einfriert, um sie zu einem Zeitpunkt wieder aufzutauen, an dem sie geheilt werden können. Ihre Ehefrau Eurydike erfährt nach der ersten (Liebes-)Szene bei der morgendlichen Routineuntersuchung (durch den Haus-Androiden Amor), dass sie nur noch sechzig Minuten zu leben hat. Es beginnt ein Ringen um die Nutzung dieser Zeit – und um die Möglichkeiten, die Kryokonservierung einer Verlängerung der Liebe in die Unendlichkeit bietet.

Neben den Protagonistinnen treten auf:
Hades (eine dunkel geschminkte Frau mit beeindruckendem Wagenrad-Hut), die Herren Charon und Kora als Kryo-Chirurgen sowie Cerberus (eine Dame in Soldatenuniform, die – wie auch sonst die Kostüme – die Mode in der Zeit um den 1. Weltkrieg evozierte). Mit zwei Hand voll Humor dazu wäre das eigentlich eine recht typische Aufstellung von Terry Pratchett, unter anderem in dem Changieren zwischen der emotionalen Ebene der großen Liebe und den gesellschaftlichen Implikationen technischer Errungenschaften.

Mir gefiel das gut, auch wenn die Handlung am Ende für meinen Geschmack eine Schleife zu viel hatte und der Singsang stellenweise an meinen Nerven zupfte. Doch Annika Neugart sowie Elisabeth Nittka machten ihre Sache in den Hauptrollen mehr als gut, und die Video-Einspielungen am Bühnenhintergrund waren eine sinnvolle weitere Erzählebene.

Auf dem Heimweg kaman mir auf der Maximiliansstraße beeindruckend festlich-elegant gekleidete Menschen entgegen (aus einer Veranstaltung der Opernfestspiele? es ist erstaunlich schwierig, online bereits vergangene Veranstaltungen zu finden), vor allem die Damen hätte ich gerne viel genauer angesehen. Die Outfits inklusive Styling (Haare! Schuhe! Taschen!) kamen allerdings sichtlich aus einer Preis-Liga, die mir ein “Tolles Kleid!”-Kompliment im Vorbeigehen wegschüchterten.

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Kathrin Passig entdeckt auf Feldwegen
“Die Rückkehr der dritten Spur”.

Vor dem Auto und dem Traktor waren Wege durch die Landschaft gleichmäßiger abgenutzt. (…) Wenn man Wege mit einem einspännigen Pferdefuhrwerk befährt, sorgt das Pferd dafür, dass auf dem Mittelstreifen kein Gras wächst. Und auch zu Fuß gehende Menschen beschränken sich nicht auf zwei Spuren rechts und links.

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Große Liebe für David Steinitzens Einstieg in die Besprechung von Christopher Nolans neuem Die Odyssee (€):
“Beim Zeus, was für ein Film”.

Durch den ausführlichen Artikel weiß ich jetzt, um welche Sorte Film es sich handelt, vielen Dank. Sehen will ich ihn weiterhin nicht. (Herr Kaltmamsell hat erst kürzlich die vielbeachtete englische Odyssee-Übersetzung von Emily Wilson gekauft. Deutlich interessanter.)

die Kaltmamsell

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