Journal Freitag, 17. Juli 2026 – Im Sturmwichteln gewonnen
Samstag, 18. Juli 2026 um 8:18In der Nacht war aus dem Blitzen ein heftiges Gewitter geworden. Aus dem Einschlafen schreckte mich plötzlicher Krach auf unserem Küchenbalkon: Als ich nachsah, hing die Markise samt Rollgehäuse senkrecht vorm Geländer. Herr Kaltmamsell ging hinaus in den Regensturm und sicherte das Ding wenigstens so, dass es bei Gesamt-Herabfallen hoffentlich in unserem Balkon gelandet wäre.
Morgens sahen wir: Das war die Markise der Nachbarn von oben, mir fiel auch wieder ein, dass ich sie beim Heimkommen von außen ausgerollt vor ihrem Balkon sah. Sie hatten offensichtlich vergessen sie einzuholen. Unsere Markise steckte sicher in ihrer Deckennische, aus der sie ein Sturm schlecht rausholen konnte. Wir hatten also, wie es @dentaku formulierte, im Sturmwichteln gewonnen.
Es war nochmal ein halbwegs Sommertag angekündigt, ich schlüpfte in das letzte Sommerkleidungsstück, das ich in dieser Saison noch nicht getragen hatte.
Im Büro war ordentlich was zu tun, eine Besprechung am Vormittag ergänzte das um einige weitere Jobs. Dennoch raus auf einen Mittagscappuccino im Westend, die Sonne brannte überraschend heiß.
Zu Mittag gab es Aprikosen, Nektarine, Kirschen, außerdem etwas Roggenvollkornbrot und ein Becherchen Ayran.
Während ich weitere Dinge wegarbeitete, erreichte mich die Nachricht des heimgekehrten Herrn Kaltmamsell, die Markise sei nicht mehr da, liege aber auch nicht unten. Sie war wohl über den nicht gerissenen Führungsdraht nach oben gezogen worden – also kein Klingeln bei und Benachrichtigen der Nachbarn erforderlich.
Recht pünktlicher Feierabend, direkter Weg nach Hause: Ich plante Brotbacken, den Sauerteig hatte ich Donnerstag kurz vor dem Schlafengehen angesetzt.
Während der Stockgare Auspacken und Yoga, ab Stückgare im Gärkörbchen war Wochenende, Herr Kaltmamsell rührte uns Gimlets zum Anstoßen darauf an.
Fürs Nachtmahl hatte er beim Hermannsdorfer glückliches Rind besorgt, ein ungewöhnlicher Schnitt:
“Fledermaus-Steak”, auch: “Spider-Steak”, von oberhalb der Schulter. Nun ja. Auf kleineres Nachfragen Geständnis erhalten: Es sei ein eigentlich alter Schnitt, in Österreich “Kachelfleisch” genannt.
Serviert mit gebratenem (Ernteanteil-)Fenchel und restlichem Blattsalat.
Durchaus interessant, erinnerte an Flank Steak, aber nicht unser Favorit. Noch interessanter dazu der Wein.
Schweizer Besuch hatte an Ostern einen Heida vom höchsten Rebberg Europas, Visperterminen, mitgebracht. (Ohne Direktimport kommen wir ja nicht an Schweizer Weine.) Der St. Jodern aus dem Wallis passte gut zu dem kurz gebratenen Rindfleisch und zum Fenchel. Heida ist für mich eh eine sehr erfreuliche Entdeckung.
Zum Nachtisch gab es erst Dessert-Reste von einer Veranstaltung am Donnerstagabend in der Arbeit, die eine Kollegin gerettet und zur freien Verfügung gestellt hatte: Schoko-Muffins, Apfelstrudel. Dann noch Schokolade.
Noch während der Tagesschau hatte ich das Brot aus dem Ofen geholt.
Das rustikale Bauernbrot aus dem Plötzblog (Rezept seinerzeit ausgedruckt, mittlerweile wurde es verändert) sah ok aus, Anschnitt zum Samstagsfrühstück
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Die aus der Türkei eingewanderte Romanautorin Elif Shafak notiert für den Guardian ihre Beobachtung:
“People in Britain used to agree to disagree.
Since Brexit, they no longer dare to talk about difficult things”.
Allerdings frage ich mich bereits seit der Brexit-Kampagne vor mehr als zehn Jahren, ob mein Großbritannien-Bild bis zu dieser Zeit einfach auf Wunschdenken und Selbstbetrug bestanden hatte.
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Interview mit der Altphilologin und Homer-Übersetzerin (ins Englische) Emily Wilson – und ich erinnere mich sehnsuchtsvoll an die Diskussionen in meinem Griechisch-Leistungskurs zurück.
“‘Wäre ich ein Mann, hätten sie weniger Probleme mit meinem Tonfall'”.
via @vicgrinberg
(Die Überschrift ist nur ein kleiner Nebenaspekt des Gesprächs, zefix.)
ZEIT: Sie treffen Entscheidungen und wägen ab, welche Pfade sie beschreiten – und welche nicht. Ist Übersetzung also ihrem Wesen nach politisch?
Wilson: Genau genommen ist »politisch« hier ein anachronistischer Ausdruck, weil diese Epen, diese Gedichte seit dem 8. Jahrhundert vor unserer Zeit entstanden sind, also bevor die Polis des antiken Griechenlands entstand, aus der wir den Begriff »politisch« beziehen.
ZEIT: … das ist ziemlich genau die Anmerkung, die man von einer Altphilologin erwarten würde.
Wilson: Aber auch so bin ich mir nicht sicher, was »politisch« für meine Tätigkeit hieße – es hängt davon ab, was man übersetzt. Die homerischen Epen sind sehr stark auf Gesellschaften und auf Menschen in Gesellschaft ausgerichtet. Sie sind zutiefst sozial. Ist es überhaupt möglich, dass das nicht auf irgendeiner Ebene auch politisch wäre?
Aaaaaah – wie ich diese fachlich fundierte Korinthenkackerei LIEBE!
ZEIT: Sie haben 15 Jahre mit ihren Übersetzungen verbracht. Was hat Sie dazu gebracht, sich so lange in diese Epen zu versenken? Was können uns solche Epen über die Urgeschichten von Krieg und menschlicher Irrfahrt heute geben?
Wilson: Unglaublich viel. Und dennoch zögere ich bei griffigen Lektionen. Wenn eine Quintessenz auf eine Kaffeetasse passt, lohnt es sich nicht, das Epos zu lesen. Stattdessen geht es um die Erfahrung des Lesens selbst.










