Journal Samstag, 4. Juli 2026 – Perfekt temperierter Sommersamstag
Sonntag, 5. Juli 2026 um 8:05Meh, wieder eine zerhackte Nacht, am erholsamsten fühlten sich die knapp drei durchgehenden Stunden Schlaf nach fünf an. Aufgestanden mit bösem Kopfweh, das hatte ich nun von einem ausnahmsweise alkoholfreien Freitagabend. Eine Ibu half schnell.
Auf dem Balkon war es trotz wolkenlosem Sonnenschein kühl, ich brauchte eine Strickjacke für meinen Balkonkaffee.
Endlich wieder Schwimmen, ich freute mich sehr auf eine sonnige Runde im Dantebad. Die Rippen schmerzten zwar immer noch ein wenig vom Lerchenlauf-Sturz vor zehn Tagen, doch bei diesem traumhaften nicht heißen Sommerwetter riskierte ich das. Zudem riskierte ich Anfahrt per Rad: Nur einmal musste ich abspringen für Ohrenzuhalten und Gegensummen wegen LALÜ.
Kurz vor elf war der Radlparkplatz vorm Dantebad so leer, dass ich schon Hindernisse befürchtete – wenn ich EIN! MAL! nicht vor Abfahrt checkte, ob auch alles wie gewohnt geöffnet hatte. Doch nein: Es war einfach extrem wenig los, auch auf den Schwimmbahnen. Na gut, richtiges Freibadwetter hatte es bei 24 Grad auf der Anzeige über der Sprudelschnecke eigentlich nicht, doch nach meiner Erinnerung reichte sonst reichlich Sonne.
Das Schwimmen über David-Hockney-Poolboden war herrlich. Die Rippen spürte ich durchaus, fühlte mich aber nicht behindert davon, sondern zog 3.200 Meter vergnügt durch. Anschließend erneutes Sonnencremen, ein Stündchen auf der (völlig vertrockneten und nahezu Grün-freien) Liegewiese mit Musik auf den Ohren und guten Gedanken inklusive Ideen.
Die eine Wolke am Himmel.
Auf dem windigen Rückweg hielt ich am Edeka am Stiglmaierplatz, besorgte Frühstückssemmeln und Teile des Abendessens. Frühstück um drei: Körnersemmeln mit Butter und Tomaten, Schwarzkirschen.
Nachmittag mit Internetlesen auf dem Balkon, Zeitunglesen im Wohnzimmer, weil auf dem Balkon zu viel Wind. Am Ende des Nachmittags turnte ich eine Runde Yoga – bei Kreislaufkapriolen inklusive Schweißausbruch, die nass getropfte Yogamatte musste ich zum Trocknen erstmal liegen lassen.
Nachgeholtes Wochenend-Anstoßen mit Aperol Spritz.
Fürs Abendessen war ich zuständig: Es gab den Ernteanteil-Salat vom Donnerstag, einen Friseesalat, der mit seinen kräftigen Freilandblättern etwas von Koralle hatte. Ich mischte eine Ernteanteil-Minigurke und zugekaufte (sehr gute) Tomaten unter, drauf kamen harte Eier. Zweiter Gang Käse, Nachtisch Schokolade.
Im Bett las ich Helle Helle, Flora Fink (Übers.), Hafni sagt aus – ein angenehm seltsamer Roman aus der Perspektive einer Frau Mitte 40 mit zwei erwachsenen Kindern, die nach der Trennung von ihrem Mann über Land fährt. Er beginnt sehr eigenartig:
Um sicher zu gehen, dass das auch wirklich der Anfang ist, checkte ich die Leseprobe bei Amazon: Doch, das sollte so. Ähnlich bleibt die Erzählweise, allerdings mit sehr vielen sehr konkreten Ortsangaben in Dänemark – die mir alle nichts sagten. Ich begleitete Hafni dennoch gern.
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Weiterführung des Themas gesellschaftliches Vertrauen. Auf Mastodon berichtet @katzentratschen von ihrer Familie.
Das individuelle Wertesystem ist zu ganz erstaunlichen Kapriolen fähig (mich immer eingeschlossen, hier sogar ganz besonders). Ich erinnere mich an einen bestimmten Angeklagten in einer Gerichtsverhandlung, die ich als Schöffin erlebte (alles öffentlich, ich berichte hier keine Indiskretionen). Dem Mann jenseits der 60 wurde vorgeworfen, Kontokarten aus Autos auf Friedhofsparkplätzen gestohlen und damit Geld abgehoben zu haben (bei der Gelegenheit lernte ich, dass dieses Vergehen unter Computerbetrug läuft). In der Verhandlung kamen wie immer auch die persönlichen Umstände und die Vergangenheit des Angeklagten zur Sprache. Er hatte beträchtliche Vorstrafen: Betrug, Diebstahl, solche Sachen. Erwerbstätig war er in seinem Leben nur sporadisch gewesen, mit Hilfsarbeiten. Doch er betonte stolz nach Verlesung dieser Fakten, er habe NIE! vom Staat Geld bekommen! Offensichtlich war für ihn gestohlenes Geld von anderen Menschen ehrlicher erlangt als Arbeitslosenhilfe – weil von eigener Hände Arbeit?
Sehr schön zu diesem Herrn auch die Szene, als in der Verhandlung als Beweismaterial die Aufnahmen der Überwachungskamera gezeigt wurden, die zur fraglichen Zeit von der Verwendung der Bankkarte im Bankautomatenraum aufgenommen worden waren. Der Angeklagte trug in der Verhandlung exakt denselben auffallend gemusterten Strickpullover, der an der Person auf den Bildern der Überwachungskamera zu sehen war. Und krähte sofort ungefragt: “DES BIN I NET!” Spätestens in diesem Moment erinnerte mich die Situation schon sehr ans Königlich Bayerische Amtsgericht.
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Das Techniktagebuch fragt: “Wann sind eigentlich Internet-Cafés und öffentliche Internet-Terminals ausgestorben?”
Das ist tatsächlich eine interessante Frage, denn auch ich erinnere mich an Urlaube, in denen ich Internet-Cafés fürs Posten von Blogtexten suchte, erinnere mich ans abschließende Bezahlen an Theken, an unangenehm riechende Hinterzimmer. Oder an den besonderen Service mancher Hotels, die im Lobby-Bereich Computer-Schreibtische mit Internetzugang anboten, an mindestens einen mit Münzeinwurf. Doch ich erinnere mich nicht, wann ich zuletzt derartiges sah.







