Journal Freitag, 14. August 2026 – Letzter Urlaubstag auf Hitze eingestellt

Samstag, 15. August 2026 um 8:22

Schlechte Nacht, obwohl bald durch die offenen Fenster richtig kühle Luft hereinkam, die mich sogar zu einer Decke greifen ließ. Beim Aufwachen war die Temperatur in meinem Schlafzimmer auf wenig über 23 Grad gesunken.

Langes Ausschlafen hätte mir eh nicht in die Pläne gepasst. Erstmal versorgte ich die Pflanzen, die meine Mutter beim Wohnungshüten gepflegt und gepäppelt hatte. Dann Heimkommschritt mit Balkonkaffee.

So früh wie ohne Hetzen möglich wollte ich die Morgenfrische für einen Lauf nutzen, die wahrscheinlich letzte Gelegenheit für die nächsten beiden Wochen.

Laufen endlich wieder mit Sonnenbrille! (Liebe Tippgeber*innen für Alternativen: Wenn ich das Haus verlasse, habe ich genau drei Dinge IMMER dabei, nämlich Brille – auf der Nase, zählt eigentlich als Kleidung – , Hausschlüssel, Handy. An alles andere muss ich aktiv denken und es einstecken, also auch an Aufsätze oder Überzieher. Da kann ich gradsogut an die Sonnenbrille selbst denken.)

Ich nahm die Strecke Mehr-Netto-vom-Brutto in der Schattenversion: ab Haustür über den Alten Südfriedhof, Westermühlbach entlang unter der Kapuzinerstraße durch, Isarufer über Flaucher nach Thalkirchen. Und weil jedes Bisschen Sonne unangenehm war, lief ich ebenso schattig zurück. Zunächst waren meine Beine schwer, und meine Lungen vermissten die Seeluft. Doch nach einer Weile mit Konzentration auf Füßeheben kam ich doch in den ersehnten Fluss und genoss die Bewegung. Außerdem gab’s reichlich Schatten (im Gegensatz zu der Strecke im nördlichen Englischen Garten entlang der Isar, deren relative Schattenarmut mich an heißen Hochsommertagen schon mehrfach überraschte).

Schatten zwischen Wittelsbacher- und Brudermühlbrücke.

Schatten kurz vorm Flaucher.

Kein Schatten auf dem Flauchersteg.

Niedrigststand der Isar von Maria Einsiedel aus.

Schatten beim Tierpark Hellabrunn.

Dieses Grün! Dieses Blau! Ich merke, dass ich bereits wieder Farben sammle für den fahlen Winter.

Schatten am Westermühlbach.

Unterwegs begegneten mir auffallend viele Läufer*innen mit der Hautfarbe, die ich vor allem an den Nackerten auf den Isarbänken kenne, Tönung überwürztes Branthendl. Habe ich die Hautkrebs-Olympiade verpassst?

(Schnell aus der Hüfte geschossen, ich wollte den Herrn nicht bei der Arbeit stören.)
Auf dem Alten Südfriedhof mal wieder etwas gelernt. Weil es gerade restauriert wurde, fiel mein Blicke auf das Grabmal links mit der Aufschrift “GRABSTAETTE DER CHURPFALZ BAIRISHEN EDELKNABEN” (SIC!).
Die was? Recherche zurück daheim ergab, dass es sich um Edelknaben der königlich bayerischen Pagerie handelte, und dazu finden sich Informationen bei Wikipedia (tl;dl Kadettenanstalt für Adelige).

Im Nußbaumpark wird der erhebliche Polizeidruck fortgeführt, wie schon vor unserer Reise. Auch beim gestrigen Kreuzen sah ich eine Leibes-Durchsuchung. Offensichtlich setzt die Stadtpolitik also tatsächlich auf Verdrängung, wie sie schon am Hauptbahnhof und im Alten Botanischen Garten umgesetzt wurde – mit dem Ergebnis, dass die elenden Gestalten von dort sich zu den bereits vorhandenen im Nußbaumpark gesellten. Weil sie sich bei allem Polizeidruck einfach nicht in Luft auflösten. Jetzt steigt die Spannung, wo sie sich nach erfolgreicher Verdrängung sammeln werden. Am Gollierplatz sehe ich erste Anzeichen.

Kurz nach Mittag hatte ich einen Friseurtermin. Vor zwei Wochen war ich versucht gewesen ihn abzusagen, weil mir die Haare noch kurz genug vorkamen. Doch dann merkte ich, dass mir allein die Menge Fell auf dem Kopf zu viel wurde. Und es war tatsächlich ganz erstaunlich, wie viel Zeug beim Schnitt von kurz auf ganz kurz abfiel.

Ich war ganz besonders zufrieden.

Auf dem Rückweg mit Lebensmitteleinkäufen im Alnatura zeigte das Apothekenthermometer um halb drei 32 Grad im Schatten an.

Frühstück kurz vor drei: Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot, darin zwei Birnen (gibt’s schon aus Italien). Aha, ist also auch weiterhin die Speise, auf die ich gegen Hungerbauchweh bei Appetitlosigkeit am meisten Lust habe.

Danach war ich sehr müde, beschloss also eine Siesta – ausnahmsweise zur korrekten Jahreszeit bei korrektem Wetter zur korrekten Zeit. Und konnte dann nicht schlafen, meia.

Gammeln und Lesen in der gut temperierten Wohnung, Start eines neuen Yoga-Programms: mal wieder “Move” mit Adriene.

Herr Kaltmamsell hatte den Tag mit vielen Einkäufen verbracht. Zum Nachtmahl servierte er Farinata gewürzt mit gebratenen Zwiebeln und Thymian, ich schnitt ein paar Tomaten dazu auf. Wein dazu ein österreichischer Rosé Zorra von den Nittnaus. Und dann hatte er extra mir zuliebe frischen Zuckermais gejagt und im Ofen gegrillt: Mich hatte arg geschmerzt, dass wir den raren (weil im Anbau unerwartet anstrengenden) Zuckermais im Ernteanteil verpasst hatten. Begeistert nagte ich zwei Kolben ab. Und verbrachte dann viel Zeit mit Zahnseide.
Nachtisch Honigmelone, Schokolade.

Abendunterhaltung: Auf Phoenix erwischten wir eine dreiteilige Doku von 2023 über die Neue Deutsche Welle. Mit Herrn Kaltmamsell glich ich Erinnerungen ab, lernte aber auch Neues vor allem über die ostdeutsche Seite der NDW, die ich als Zeitzeugin natürlich nicht selbst mitbekommen hatte.

Beim Zu-Bett-Gehen kurz vor elf hatte es draußen gerade mal genug abgekühlt, dass wir die Fenster öffnen konnten.

die Kaltmamsell

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