Journal Dienstag, 11. August 2026 – Brighton 11 mit ersten Abschieden
Mittwoch, 12. August 2026 um 9:15Letzter Lauf entlang dem Undercliff Walk, jetzt begann das Abschiednehmen. Da ich lang geschlafen hatte und fast Hitze angekündigt war, trank ich nur Morgenkaffee und lief dann gleich los.
MIT NEUER HANDWASSERFLASCHE. (Foto: Herr Kaltmamsell vom Fenster der Ferienwohnung aus)
Der Lauf wurde ein Geschenk, ein Genuss: Leichte Beine (auch wenn ich weiterhin daran denken muss, sie deutlich zu heben, um nicht zu stolpern), ein herrlich frischer Wind – der mich sogar nach dem Umkehren kühlte, nämlich in Form von Rückenwind. Die 350 ml Wasser in der mitgenommenen Flasche waren hoch willkommen, mehr brauche ich bei anderthalb Stunden mit Vor- und Nachtrinken aber nicht.
Endlich kam mir das Meer mal angemessen entgegen.
Gestern wurde auffallend viel unter Läufer*innen gegrüßt. Einmal signalisierte eine entgegenkommende mit Hund an der Leine mir lächelnd Daumen hoch, gegen Ende meines Laufs rief mir eine Läuferin sogar “Well done!” entgegen – beide Male war ich verunsichert, was der Auslöser gewesen sein mochte. Beim zweiten Mal vielleicht meine deutlich verschwitzte Kappe? Aber ich nehme ja alles.
Wie ich schon geahnt hatte, fehlte mir auch gestern die Lust auf ein Bad im Meer. Baden scheint leider seine Attraktion für mich verloren zu haben: Wenn Wasser, dann Schwimmen; einfach nur Nässe um mich herum reicht wohl nicht mehr. Und wenn mir heiß ist, suche ich nach kühlen, schattigen Innenräumen.
Zurück in der Ferienwohnung geduscht und gebloggt. Gestern hatte ich so richtig Appetit auf ein Full English Breakfast. Herr Kaltmamsell hatte bereits recherchiert, wo es das in Brighton (außerhalb von B&B/Hotel) noch gibt und war in auf das besonders bezaubernde Kitchen Café gestoßen: Es hat deutlich die Vibes der Cafés, wie sowohl Herr Kaltmamsell als auch ich sie in den frühen 1990ern in Großbritannien kennenlernten – ohne zu ahnen, dass es sich (anders zum Beispiel als bei bayerischen Biergärten) nicht um eine Konstante der hiesigen Kultur handelte, sondern um eine damals schon verschwindende Form. Und während ich den sogenannten Oma-Cafés bei uns nicht wirklich nachtrauere (Kännchen-Filterkaffee – ernsthaft?), mochte ich diese englischen Cafés mit Resopaltischen und abwaschbaren Wänden, mit Alu-Teekannen (plus nachgeschenktem heißen Wasser für einen zweiten Aufguss) und ausschließlich gebratenen Speisen.
Besonders gute Bratwurst mit Kräutern, gebratene Blutwurst, als Neuerung “Burger”, also ein sehr flaches Rinder-Fleischpflanzerl. Dazu gesüßten Tee mit Milch, die Welt war in Ordnung. Um uns herum aßen (sehr wahrscheinlich einheimische) ältere Männer zu Mittag: Braten mit Gemüse- und Kartoffelbeilage.
Wir plauderten mit der Dame, die unser Essen zubereitet hatte und servierte – und erfuhren unter anderem, dass sie viele Jahre auf der QE2 gearbeitet hat, also auf dem Ocean Liner der Reederei Cunard, mit dem Herr Kaltmamsell und ich 2003 von Southampton nach New York gefahren sind.
Abschied von North Laine, Stöbern in Läden. Dann zeigte ich Herrn Kaltmamsell den Teil von Kemptown, den ich vergangenes Jahr allein erkundet hatte – damit unsere Brighton-Kenntnisse wieder gleichauf waren.
Das Cabaret Theatre ist leider mittlerweile geschlossen, wie schade.
Wir waren durstig, nach einigem Spazieren kehrten wir ins Café des Sportzentrums am Strand ein, zu dem auch das Schwimmbad Sea Lanes gehört.
Ich probierte einen fancy sparkling Wasserkefir-Drink, schmeckte zumindest besser als Limo. Lesen und Ausruhen im Schatten, dann schafften wir auch die Sonnenstrecke zurück in die Stadt.
Waterstones steht immer noch auf unserer Brighton-Liste, die Filiale mit vier Stockwerken und ausgesuchten Werken gibt es auch immer noch. Ich sah mich vor allem bei den Regalen mit Science Fiction um – und fand tatsächlich zwei Romane, die sehr interessante ausssahen. Ganz früher hätte ich sie gleich gekauft, jetzt machte ich Fotos und setzte sie zurück in der Ferienwohnung auf meine Leseliste.
Heimisches Abendessen: Herr Kaltmamsell machte mit restlichen Paprika, Tomaten und mit Knoblauch sowie ein wenig übrigem Blauschimmelkäse ein Pasta-Gericht, dazu restliche Gurke – alles sehr schmackhaft. Nachtisch Feigen mit Joghurt, Süßigkeiten.
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Maximilian Buddenbohm, der sonst täglich bloggt, meist ausführlich, hat das mit dem Nichtbloggen einige Wochen lang probiert. Und ich fürchte, seine Erfahrungen werden kein Buch mit dem Lob des digitalen Detox ergeben. Lesen Sie selbst:
“Von Vögeln und Pferden”.











