Journal Dienstag, 1. September 2026 – Ich weiß ja nicht

Mittwoch, 2. September 2026 um 6:15

September, ich weiß ja nicht. Ist ein bisschen Wundertüte: Es kann noch Sommer drinstecken, aber auch scheißkalter, nasser, windiger Herbst. Über mir Münchnerin hängt als Damoklesschwert der Beginn von Armageddon aka des Oktoberfests Ende September.

Als Bayerin wiederum verbinde ich mit dem Monat aber auch den Beginn eines neuen Schuljahrs (diesen Rhythmus mag ich mir lebendig gehalten haben, weil ich mein Leben seit Jahrzehnten mit einem Lehrer teile), fühle in mir noch die damalige Gymnasiastin zwar mit spanischer Urlaubsbräune von Sommerferien, aber in warmer Kleidung. Die Tage werden zügig kürzer, daran mag ich überhaupt nichts. Uneingeschränkt gut heiße ich allerdings dieses (meine Füße und Hüften wollen sofort in ChaCha ausbrechen):

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https://youtu.be/Gs069dndIYk?si=9U2vmx4krTysyWZ4

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Recht gute Nacht, auch wenn mich ein Arbeitsproblem beschäftigte. In einer Halbwachphase fiel mir dafür zumindest eine temporäre Lösung ein, Erleichterung.

Wieder ein sonniger Tag, es waren Temperaturen weit unter Hitze angekündigt. Entsprechend genussvoller Marsch in die Arbeit.

Die Bedrückung durch das Arbeitsproblem wurde mir nach Hochfahren des Rechners durch eine Krankmeldung erstmal genommen. Schlagartige Entspannung.

Einiges weggeschafft, raus auf einen Mittagscappuccino im Westend – überrascht von der immer noch frischen Luft.

Spätes Mittagessen, weil Termin auf meinem eigentlichen Slot: Karotte, Banane, Feigen, Skyjolei. Diesmal meldete sich die rohe Karotte ab Nachmittag dann doch wieder mit Bauchweh, Mist. Passte zu meiner Gesamtlaune, Exitistieren ist derzeit wieder besonders lästig.

Nach Feierabend marschierte ich in angenehmen Temperaturen zu den Fotoautomaten unterm Stachus für eine Fortsetzung meines Fotoprojekts. Und wurde jäh ausgebremst: Beide Automaten out of order, davon einer ganz stumm und dunkel, der andere scheiterte an der Bezahlfunktion. Ach meia. Ja, ich schickte eine E-Mail mit dieser Information an den Aufsteller. (Ich war ja schon als Studentin diejenige, die bei Dysfunktion des Fotokopierers in der Bibliothek nicht nur Kommiliton*innen Bescheid gab, sondern auch der Haustechnik.)

Daheim knurrend eine Einheit Yoga geturnt, besänftigender wirkte dann das gute Abendessen: Herr Kaltmamsell servierte die Ernteanteil-Zucchini gebraten auf Ricotta mit gerösteten Haselnüssen und die restlichen Ernteanteil-Karotten als Ofen-Fritten. Nachtisch viel Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, die aktuelle Lektüre, Sanditz, auch nicht gerade ein Sonnenstrahl, sondern eine weitere Variante DDR- und Post-DDR-Tristesse.

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Lilly Schröder macht sich Gedanken, warum der Vergewaltigungsprozess um Frank S., der “größte Vergewaltigungsprozess, der je vor einem Berliner Gericht verhandelt wurde”, so wenig öffentliche Aufmerksamkeit bekommt:
“Keine Heldin, keine Empörung”.

Dass im Fall von Frank S. keines der Opfer öffentlich in Erscheinung tritt, hat vermutlich auch mit Scham und Stigmatisierung zu tun. Denn der 68-jährige Elektriker S., der sich mal als Polizist, mal als Hubschrauberpilot ausgab, lernte die Frauen auf Onlinedatingplattformen kennen, mit einigen führte er eine Beziehung. Während Gisèle Pelicot und Collien Fernandes die „perfekten Opfer“ für einen Massenaufschrei darstellten, weil ihnen zweifellos keine Mitschuld zugeschoben werden konnte, greift bei den Opfern von Frank S. leichter das misogyne Victim-Blaming-Narrativ: Warum waren die Frauen überhaupt auf diesen Plattformen? Warum haben sie sich auf solch eine gefährliche Situation eingelassen?

(…)

Frank S. erfüllt das Täterklischee geradezu perfekt: ein fremder Mann aus dem Internet, der sich als Serienvergewaltiger entpuppt. Das Problem: Die Täter sind meist keine Monster. In der Regel sind es die eigenen Partner, Ex-Partner, Brüder, Väter.

(…)

Es fühlt sich an, als hätten wir als Gesellschaft hingenommen: Männer vergewaltigen halt Frauen. Boys will be boys. Nur ist das nicht zu akzeptieren, denn „die Vergewaltigung ist Bürgerkrieg“, wie Virginie Despentes schreibt. „Sie ist die politische Organisation, durch die ein Geschlecht dem anderen erklärt: Ich habe alle Rechte über dich, ich zwinge dich, dich unterlegen, schuldig und entwürdigt zu fühlen.“ Das ist eine Realität, die wir niemals hinnehmen dürfen.

die Kaltmamsell

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