Journal Samstag, 26. September 2026 – Bayrischzeller Höhenweg mit Regionalbahn-Benimm und ein wenig Slapstick
Sonntag, 27. September 2026 um 9:57Sehr unruhige Nacht: Alkohol, Draußenlärm, Kreuz- und Hüftschmerzen, Diesdas. Mal wieder fühlte sich die letzte Stunde des Ausschlafens am erholsamsten an.
Angekündigt war nochmal perfektes Wanderwetter mit Sonne, Windstille, milder Luft, das wollte ich nutzen. Nachdem mir vor einer Woche das etwas deutlichere Auf und Ab des Tegernseer Höhenwegs gefallen hatte, erinnerte ich mich an den Bayrischzeller Höhenweg, den ich vor Jahren zweimal mit Herrn Kaltmamsell gegangen war und dessen Profil ich ähnlich im Kopf hatte. Da
– ich mir das vorherige Bloggen ein wenig zu gemütlich gemacht hatte,
– die Fahrt nach Bayrischzell dann doch mit anderthalb Stunden etwas weiter war und
– sich herausstellte, dass diese Verbindung nur stündlich bedient wurde (ländlich Wohnende rollen Augen: das kennen sie von JEDER öffentlichen Verbindung),
– ich zudem bei zu erwartendem Wandervolk-Andrang frühzeitig für einen Sitzplatz am Zug sein wollte,
machte ich mich sehr zackig fertig dafür.
Wieder mit den festen Wanderstiefeln für einfacheres Steigen in unwegsamem Gelände – in meiner normalen Wanderbesockung (zwei Paar alte Baumwollsocken) statt dicken als solche verkauften Wandersocken fühlten sich meine Füße nicht eingesperrt an.
Der dreiteilige Zug nach Tegernsee, Lengries, Bayrischzell war bereits ziemlich voll – und die leeren Plätze wollte man mir nicht überlassen. Auf mein “Ist da noch frei?” hörte ich:
1. “Nein, der/die ist/sind grad auf dem Klo.” Nach dem dritten solchen wunderte ich mich über die ungeahnten Kapazitäten bayerischer Regionalbahn-Klos.
2. „Da kommen noch welche!“
Dieses Sitzplatzbelegen in Regionalbahnen finde ich hiermit eine Unsitte: Dass nur eine*r aus einer verabredeten Gruppe früh am Start-Bahnhof sein muss, der Rest trödelt herbei oder steigt an den späteren Halten zu? Ich lege mich fest: Das ist unfair. Anständig ist es, sich am Start-Gleis frühzeitig zu verabreden und gemeinsam nach Plätzen zu suchen. Oder man sitzt halt nicht als Gruppe zusammen, sondern gruppiert sich erst am Ziel.
Diesmal lohnte sich mein Stehenbleiben: Von vier „reservierten“ Sitzen zweier Vierer-Buchten wurde nur einer (!) bis Abfahrt tatsächlich besetzt – und zwar von einer „ach ich hatte ganz hinten Plätze für uns belegt“.
Der Zug wurde sogar noch sehr voll mit wenigen verbleibenden Stehplätzen, unter den Fahrgästen viele mit Fahrrad oder Hunden, Geräuschkulisse reichhaltig. Ich hatte eine interessante Fahrt, unter anderem durch die Gespräche einiger sehr alter Frauen neben mir.
Kurz vor Ankunft am Endbahnhof Bayrischzell war der Zug leer genug geworden, dass ich bequem zum Klo kam (und diese Zugklo-Variante dokumentierte – Regionalbahnen haben meist Rollstuhl-taugliche Klos als Allgemein-Klos).
In Bayrischzell packte ich gleichmal meine Jacke weg, es war mild genug für kurze Ärmel. Slapstick-Einlage, als ich mich neben einem Bruckerl über den Legerwaldgraben herunterbeugte, um meine Wanderstiefel neu zu binden (fühlten sich zu locker an): Die Wasserflasche rutschte aus der Rucksack-Halterung und purzelte ins Bachbett. Seufzen, erstmal band ich meine Stiefel zu Ende. Blick auf die Gesamtsituation ergab, dass ich von der gegenüberliegenden Seite des schmalen Grabens gut ans Bacherl kam, auf Steinen übers eh sehr niedrige Wasser an meine Flasche. Andere Wanderer hatten mein Malheur gesehen und boten ihre Stöcke als Hilfsmittel ab, doch die brauchte ich gar nicht.
Jetzt aber endlich WANDERN. Es wurde ein angenehme Runde mit den erinnerten schönen schmalen Aufstiegen über Steine und Wurzeln hauptsächlich im Wald, über bequeme Abstiege auf breiten Wirtschaftswegen (so mag ich es, unwegsame Abstiege nicht so sehr), über weite Blicke. Auch andere waren hier unterwegs, allgemeines “Servus!”, auch wenn ich die sonstigen Unterhaltungen in ganz anderen Sprachen hörte, freundliches Aneinander-Vorbeilassen.
Sie haben eine Unterführung zum Kreuzen der vielbefahrenen Bundesstraße zum Wanderanfang gebaut: Herzlichen Dank für die zusätzliche Sicherheit – außerdem hätte die hiesige Jugend ja sonst gar keine Möglichkeit für Streetart, die ihnen nicht ein Donnerwetter der gesamten Nachbarschaft einbrockt.
So ging’s schonmal los, die Ausblicks-Malerizität des Tages war gesetzt.
Als “einfach”, wie in fast allen Wegbeschreibungen, würde ich die Strecke nun nicht bezeichnen: An dieser Stelle hangelte man sich mit einem Seil in der rechten Wand entlang – ich kenne einige geübte Wandersleut, die hier wegen Höhenangst gescheitert wären. Vielleicht gilt das Bewertungssystem aber Bergwanderungen, bei denen alles ohne Klettern “einfach” ist?
Dazwischen eine besonders hübsche Raupe als Filmchen bei instagram.
Von den passierten Almen war eine sogar noch in Betrieb:
Die Niederhofer-Alm war gut platziert für eine Pause und Brotzeit: Danach gab es auf dem Weg über anderthalb Stunden keine Gelegenheit mehr. Als für mich um halb zwei Pausenzeit war, nahm ich in Ermangelung eines Bankerls mit einem bequemen Stein in der Sonne Vorlieb.
Brotzeitstein rechts. Es gab Apfel, Feigen, eine dicke Scheibe französisches Landbrot.
Kurz darauf war der Weg energisch gesperrt, das sperrende Plakat warnte vor Forstarbeiten. Da ich nichts davon hörte und ja Wochenende war, nahm ich es nicht akut ernst und ging trotzdem weiter – ich hätte auch keine Umgehungsstrecke gewusst. Stellte sich heraus: Oh doch, da wurde mit riesigem, schweren Gerät forstgearbeitet, mehr als Wanderweg-breit. Verdutzt sah ich auf meinem Handy nach Ausweichmöglichkeiten (GPS ging, sonst mehrere Stunden kein Mobilfunkempfang), da hupte mich der Mann in der Führerkabine des Riesen-Geräts kurz an. Ich trat heran, grüßte, wurde nach meinem Ziel gefragt: “Bloß der Höhenweg…” Und bekam ein freundliches: “Na geh durch.” Dankeschön – mir ist völlig klar, dass bei solchen Waldarbeiten keine großen Kommunikationskampagnen einberechnet werden, die uns paar Wochenend-Ausflügler*innen berücksichtigen.
Erst nach einer halben Stunde Weg endete die Sperrung – noch energischer als die Gegenseite.
Jetzt ging es konsequent bergab, die letzte gute Stunde im engen Tal nach Bayrischzell.
Schon ein schöner Weg, aber halt auch eine gute Stunde parallel zur lauten Straße.
Insgesamt eine nette Wanderung, ganz hervorragend ausgeschildert – aber ich nahm mir vor, mich in der Gegend Schliersee-Bayrischzell nach Alternativen umzusehen.
Auf diesem letzten Stück hatte ich Lust, das Tempo nochmal anzuziehen, auch um mich im kühlen Tal warm zu gehen (Körper spielte gestern hervorragend mit) – was zufällig dazu führte, dass ich nach knapp fünf Stunden Wanderung genau beim Einfahren des Zugs zurück am Bahnhof eintraf: Ich hatte extra nicht auf den Fahrplan geschaut, sondern mich gezwungen, die Abfahrt halt zu nehmen, wie sie kam, aber mein Wandertempo NICHT davon ablenken zu lassen – dann hätte ich halt bis zu einer Stunde warten müssen.
Pflanzenlernen mit der App Flora Incognita:
Gewöhnlicher Fransenenzian
Deutscher Kranzenzian
Locker besetzte Rückfahrt.
Schliersee.
Ich war sehr müde, nickerte auch ein bisschen ein. Ausstieg wieder am Harras, U-Bahn zum Sendlinger Tor mit Oktoberfest-Cosplayer-Begleitung.
Daheim machte ich mich nach Auspacken an die Zubereitung des Nachtischs: Apple Crumble aus Elstar-Äpfeln vom Markt. Die Backzeit nutzte ich für eine Einheit Yoga: Die Rücken-Folge von Maddy Morrison.
Als Nachtmahl erfüllte mir Herr Kaltmamsell wieder einen Wunsch:
Chinesische Auberginen süß-sauer – köstlich. Nachtisch reichlich Apple Crumble mit flüssiger Sahne.
























