Journal Sonntag, 27. September 2026 – Prachtseptemberwetter
Montag, 28. September 2026 um 6:18Gut und neun Stunden lang geschlafen, möglicherweise nur einmal von Klogang unterbrochen (allein schon dass ich das nicht so genau weiß, belegt die Tiefe des Schlafs). Aufgestanden zu strahlendem Sonnenschein.
Waschmaschine mit Bettwäsche gefüllt, Geschirrspüler ausgeräumt, Wasserfilter gewechselt, erst dann gab es Morgenmilchkaffee. Fürs Bloggen brauchte ich über zwei Stunden, weil ich am Vorabend nur die Fotos des Tages runtergeladen hatte – und den Tag sehr gerne festhalten und bebildern wollte. Doch an Sport plante ich eh eine Laufrunde an der Isar, für die wünschte ich mir etwas wärmere Luft als die neun Grad am Morgen und gab der Sonne noch ein wenig Zeit zum Heizen. Das frisch gefilterte Wasser nutzte ich für eine daheim seltene Kanne Tee: Milky Oolong.
Dann aber U-Bahn zum Odeonsplatz (vom Radeln hielt mich die Aussicht auf reichlich LALÜ! zum Oktoberfest ab).
Wundertätiger Isarlauf, an dessen Ende ich weniger Schmerzen spürte als am Anfang. Ich hatte eine U-Bahn zum Odeonsplatz genommen. Beim Loslaufen im Hofgarten schoss mir gleich mal ein Florett vom Kreuz bis ins rechte Knie. Oh nein! Ich blieb stehen, mobilisierte die Wirbelsäule, schüttelte mich kräftig aus und lief vorsichtig weiter. Langsam legten sich die Schmerzen, mein Gemüt hellte sich auf und ich genoss das Licht, die Farben, die Bewegung. Nach gut anderthalb Stunden war nur ein Pieksen über der rechten Pobacke geblieben, als ich dran rumknetete, war auch das weg. So kam ich sehr fröhlich auf 110 Minuten (laut iphone-App 16,5 Kilometer).
Hofgarten. Das schöne Wetter hatte viele Fans.
Hartnäckige Natur (schwer zu fotografieren: Auf dem längst abgebrochenen Weidenbaum sprießen nicht nur Weidenzweige, sondern rechts auch indisches Springkraut).
Schon wieder ist meine Freude übers aktuelle Wetter eingetrübt von Klimakatastrophe: Der Isarpegel war weiter gesunken, alle Wege waren so trocken, dass nach Passieren selbst noch so langsamer Radeln minutenlang eine Staubwolke bleibt. Und bei vielen Bäumen war auf den zweiten Blick klar, dass das nicht beginnende Herbstverfärbung war, sondern schon längere Trockenheitsverfärbung.
Zurück nahm ich Bus und U-Bahn, nachdem mir die Tram gerade davongefahren war. In der U-Bahn mir gegenüber ein blutjunges Pärchen kuschelnd, zur Musik aus geteiltem Kopfhörerpaar lautlose synchrone Tanzbewegungen. ❤️ ❤️ ❤️
Im Rischart im U-Bahnhof holte ich mir noch Frühstück.
Daheim knetete ich mich nach dem Schmerzschrecken vorsichtshalber mit der Faszienrolle durch, dann große Selbstreinigung.
Frühstück kurz nach zwei: Ernteanteiltomaten und ein ganzes Brot. Letzteres zumindest dem Geldwert nach: Die Riesenbreze vom Rischart (wir suchen doch nach den schönen Seiten des Oktoberfests) kostete 4,95 Euro.
Den Nachmittag über nahm ich wieder den trink- und badewilligen Vögelchen unseren Balkon weg. Internet- und Zeitunglesen. Zum ersten Mal im Jahr nahm ich fallende Kastanien von den beiden riesigen Bäumen vorm Balkon wahr, selbst dann allerdings wenige.
Es war mal wieder Bügeln nötig, dabei folgte ich einem Tipp zu einem SWR1-Interview mit der abgefahrenen Kunstexpertin und Anwältin Sasa Hanten:
“Die Kunst des Erbens”.
Sehr hörenswert auf vielerlei Ebenen, die Frau ist der Knaller. Unter anderem hörte ich zum ersten Mal jemanden darüber sprechen, wie großen Einfluss auf ihr Auswachsen hatte, dass ihre Familie über Generationen eben keine Flucht und Zerstörung oder andere tiefe Traumen durchmachen musste.
Und ich beobachtete, wie weit nach links der Sonnenuntergang bereits gerutscht war.
Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die Ernteanteil-Rote-Bete als köstliches Risotto. Nachtisch restlicher Apple Crumble, außerdem Schokolade.
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Die vergangenen zwei Wochen waren fantastisch: Ich habe das Leben eines westdeutschen Mannes in den 80ern geführt. Als ich von meinen Geschäftsreisen nach Hause kam, hatte der Reiseleiter geputzt, gesaugt, eingekauft, meine Wäsche gewaschen und gebügelt. Essen stand bereit. Auf der Reise hat ein Assistent mir lästige Dinge abgenommen und Teile des Gepäcks getragen.
Wäre das nicht mal ein schönes LARP? Die westdeutschen 70er/80er, nur andersrum?
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Dinah Riese schreibt als linke Jüdin in der taz:
“Antisemitismus in der Linkspartei
Wollen wir nicht besser sein?”
via @ronensteinke
Darf ich als linke Jüdin von einer politischen Linken nicht erwarten, dass ihr Kampf gegen Menschenfeindlichkeit auch für mich ist?
(…)
Wollen wir nicht besser sein? Ich kann mich nicht von ganzem Herzen über dieses Wahlergebnis freuen. Und doch hoffe ich, dass Grüne und SPD sich dem Druck nicht beugen. Dass die Linke sich zusammenreißt und klarmacht, dass für Antisemit*innen in ihren Reihen kein Platz ist. Und dass sie das auch durchsetzt. Dass Berlins nächste Regierende Bürgermeisterin Elif Eralp heißt. Ich hoffe es für diese Stadt, die nicht noch fünf Jahre unter einem CDU-Regierungschef verdient hat. Und ich hoffe es für mich und meine Familie, die wir in dieser Stadt nun mal leben.
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Wenn Ballett-Rivalen einander in freier Wildbahn begegnen.










