Journal Montag, 2. November – #Uralub Tag 2 mit Abwandern am Tegernsee

Dienstag, 3. November 2026 um 9:12

Noch vor Weckerklingeln nach guter Nacht von Krähen-Geplärr aufgeweckt worden. Wecker weil Wanderpläne: Ich wollte herausfinden, wie sich der Tegernseer Höhenweg, beide Teile, in die Gegenrichtung der bisherigen anfühlte, also vom Ort Tegernsee aus am See entlang und dann das doofe Stück an der vielbefahrenen Straße am Anfang der Wanderung, ab Rottach-Egern hoch zum Höhenweg und über Galaun zum Tegernseer Bahnhof, von dort den nördlichen Teil des Höhenwegs nach Galaun.

Fast hätte ich mich in der Zeit bis Aufbruch vor neun verrechnet; zum Glück bemerkte ich meinen Irrtum beim Aufgießen einer großen Tasse Grüntee – ich goss ihn um in meine Thermoskanne und steckte ihn in den Wanderrucksack. Erwies sich bei der gestrigen Kälte als willkommene Wärmequelle.

Wander-Funktionskleidung unterwegs sendet vielleicht das gegenteilige Signal von “Tracht” auf Volksfesten. Statt gewünschter Zugehörigkeit zu Ortsansässigen sagt sie: “Ich bin hier fremd und nur zu Besuch, gehöre nicht dazu und will einfach nur hier wandern.”

Draußen war es novemberlich und kalt, das Tegernseer Land liegt noch höher und würde noch das eine oder andere Grad kälter sein, nur wenig über null. Also wärmere Mütze und Halstuch, Handschuhe und warme Fleecejacke überm Shirt und unter der Wanderjacke eh.

Der Zug nach Tegernsee war wie erhofft trotz Schulferien nur locker genutzt, höchstens ein Viertel erkennbare Wandersleut.

Bei Ankunft bekam ich sogar noch ein wenig blauen Himmel und kalte Sonne, ab dann verdüsterte sich der Himmel immer mehr.

Es wurde eine schöne Wanderung, diese Richtung möchte ich auf jeden Fall nochmal bei schönem und wärmerem Wetter machen. Bei aller Freude an der Wanderung war mir (!) nämlich zu kalt: Ich genoss jede Steigung, die mich wärmte, wenn sie mich zu sehr wärmte und ich ins Schwitzen kam, fröstelte ich beim nächsten Abstieg und sorgte mich gleich. Außerdem schränkt Kälte für mich (!) die Ausruh- und Brotzeitbequemlichkeit ein: Hinsetzen ist eigentlich nicht möglich.

Doch ich habe möglicherweise endlich die ideale Nutzung meiner neuen Wanderschuhe gefunden: Dünne (!) Einlagen zu dicken Wandersocken, jetzt fühlte sich das Wandern darin superbequem ohne jedes Drücken an. Bevor ich das als echte Erkenntnis akzeptiere, ist aber noch Wiederholung nötig.

Das größte Vergnügen breitete mir schlicht meine Körpertüchtigkeit: Dass ich mal wieder einfach so lange wie ich wollte hoch und runter wandern konnte. Nur zu gut sind mir die Zeiten in Erinnerung, als ich das wegen kaputter Hüfte nicht konnte – und aktuell dachte ich an Herrn Kaltmamsell, dem das körperlich verwehrt ist. Oder an meine wander-begeisterten Eltern, denen das Alter irgendwann dieses Vergnügen genommen hat. Wird mir nie selbstverständlich sein.

Der Schnee war schon da, man sieht ihn hier auf dem Wallberg hinter Rottach-Egern.

Jetzt aber rauf. Die nächsten beiden Stunden hatte ich den Weg so gut wie ganz für mich, nur zweimal kamen mir andere Wandersleute entgegen.

Damit ich nach einer Weile runter auf Rottach-Egern schauen konnte.

Schnee am Galaun.

Hinunter nach Tegernsee über die Sonnleiten – zufällig erwischte ich unter den unerwartet zahlreichen ausgeschilderten Wegen von Galaun hinunter den, auf dem ich die vergangenen beiden Male hochgewandert war.

Brotzeit machte ich um zwei in der Wartehalle des Tegernseer Bahnhofs – die nicht nur beheizt ist, sondern ebenso wie die am Bahnhof Gmund über ein öffentliches, kostenlose Klo verfügt (Tipp!). Es gab zwei Äpfel, die mir die liebe Schwägerin mit meinen Eltern mitgeschickt hatte (herrlich sauer-aromatisch – kann es sein, dass richtig absichtlich saure Äpfel immer weniger werden?), Trockenfeigen und Mischnüsse. Weniger als geplant, weil ich mich nach den beiden Äpfeln unerwartet schnell voll fühlte.

Weiter Richtung Norden, jetzt begegneten mir immer wieder Spaziergänger*innen, viele mit Hund.

Schon um drei wurde es Dämmerungs-düster.

Zu meiner Überraschung war der Käse-Verkaufautomat über Gmund (Ortsteil Gasse) noch in Betrieb, ich hatte mit Winterpause gerechnet. Also kaufte ich dort Almkäse, Camembert, Butter – und suchte nicht nach dem Rewe in Gmund, den mir die Betreiberin des Automaten bei einer Begegnung vergangenes Jahr als weitere Verkaufsstelle der Käserei Tegernseer Land genannt hatte.

Ankunft am Bahnhof Gmund kurz nach Abfahrt eines Zugs nach München, ich sah noch die Rücklichter. Machte nichts, auch in diesem Bahnhof konnte ich mich in einen beheizten Wartesaal setzen, und schon eine halbe Stunde später kam der nächste Zug nach München.

Gut 5 Stunden war ich unterwegs gewesen, hatte dabei 19 Kilometer und 170 Stockwerke (mein Schrittzähler kann keine Höhenmeter) zurückgelegt, gähnte auf der Heimfahrt immer wieder recht herzhaft. Ich rechnete damit, dass sich beim Aussteigen am Münchner Gleisende meine Beine schwer anfühlen würden und ich den letzten Kilometer nach Hause eher humpeln müsste. Aber nein: Ich marschierte zu meiner Überraschung federleichten Schrittes, tätigte unterwegs noch ein paar Lebensmitteleinkäufe, fühlte mich weiterhin fit.

Daheim hatte bereits Herr Kaltmamsell die Wohnungh beheizt: Er war vom Rollenspielen zurück, hatte den Tag über seine Eltern bei der Zubereitung von Quittengelee unterstützt.

Nach einer Runde Rückengymnastik gab es Alkohol. Leider erwies sich auch die dritte Flasche des 6er-Kistls Ziereisen Grauburgunder als oxidiert und verdorben, ich werden den Händler anschreiben müssen. Doch es gab eine Alternative.

Griechischer Malagousia Vourvoukeli 2024, der genau richtig eigen und komplex schmeckte.

Zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell Ernteanteil zu Sellerie-Schnitzeln, ich machte den restlichen Zuckerhut nochmal mit Orangen-Haselnussmus-Dressing an.

Nachtisch Schokolade. Merke: Es sind nicht zu viele Süßigkeiten im Haus, wenn man sie in einem Gang von der Küche auf den Esstisch tragen kann.

Früh ins Bett zum Lesen – vor lauter Müdigkeit dann aber gleich Lichtaus ohne Lesen.

die Kaltmamsell

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