Journal Sonntag, 1. November 2026 – Monatseinstieg düster und kalt

Montag, 2. November 2026 um 7:23

Gut und lang geschlafen, diesmal ohne Anstrengung. Draußen Düsternis, dazwischen aber immer wieder so heftiger Sonnenschein, dass ich munter Rollladen runter – Rollladen hoch spielte.

Für meine Laufrunde an der Isar zog ich mich zweimal an. Einmal nur gegen die Kälte.

Aber als ich so hinaustrat auf die Straße, regnete es gerade ernsthaft, und der Himmel sah in alle Richtungen dunkelgrau aus.

Also zurück und für Regenschutz umgezogen.

Eine U-Bahn brachte mich zum Odeonsplatz, von dort lief ich in leichtem Regen los – der nach wenigen Minuten versiegte und trotz immer wieder dunkelstgrauen Wolken nicht wieder begann. Besser so als umgekehrt.

Ich lief recht fröhlich, genoss das krachend leuchtende Herbstlaub, und der Körper machte recht gut mit – sogar ohne eine prophylaktische Ibu, die ich schlicht vergessen hatte.

Lausbuben im Anmarsch.

Lausbuben am Ziel.

Unter der Kennedybrücke.

Erste Begegnung des Jahres mit der Schafherde des Nördlichen Englischen Gartens.

Die Laufrunde war mit 1 Stunde 53 unbeabsichtigt länger geworden als geplant, doch der Körper signalisierte keinerlei Schäden.

Mit Bus und U-Bahn zurück, kurz vor daheim Semmelkauf. Frühstück kurz nach eins: Apfel, Körnersemmeln mit den restlichen beiden Avocados (eine immer noch im Gummi-Stadium).

Bald danach klingelte es: Meine Eltern waren eigens aus Ingolstadt angefahren, um die Feigenbäumchen, die sie mir geschenkt hatten, auf dem Balkon mit Schutzumhüllung einzuwintern. Ich nutzte die Gelegenheit, Balkon- und andere Pflanzen neu zu verteilen, jetzt müssen nur noch die Hakenlilien reingetragen werden. Außerdem brachte meine Mutter Tischwäsche aus Familienbestand für unseren Tisch. Testauflegen ergab: Passt perfekt, wir können jetzt mit zwei edlen weißen italienischen Tischdecken gastgeben, beide bestickt und eine mit Klöppel-Einsätzen.

Wieder allein setzte ich meinen nächsten Sonntagsplan um: Bügeln – geht nur gut bei Tageslicht durch die großen Wohnzimmerfenster, das es in der dunklen Jahrezeit recht begrenzt gibt. Dabei hörte ich erstmal ein Deutschlandfunk-Feature über das Ende der Zeitschrift Emma, unter anderem weil Antje Schrupp darin zu Wort kommt – mit einer sehr klugen Einordnung (u.a.: Alice Schwarzer war nie repräsentativ für den deutschsprachigen Feminismus, sie war lediglich die lauteste und sichtbarste), Empfehlung:
“Der Feminismus hatte viele Stimmen – ‘Emma’ war eine davon”.

Zeitunglesen, ein Viertelstündchen Rückengymnastik, dann gab es zum Abendessen Zuckerhut aus Ernteanteil: Als Salat mit Orangen-Haselnussmus-Dressing und für etwas Substanz zwei harten Eiern. Doch es ist immer ein großer Teil Zuckerhut übrig. Nachtisch Lebkuchen und Schokolade.

Neue Lektüre: Andreu Martín, Marion Lütke (Übers.), Don Jesús in der Hölle. Bei einem seltenen Blick in die Bücherregale, spanischsprachige Abteilung, war ich darüber gestolpert: Recht sicher von mir Mitte der 1990er aus einem Remittendenstapel gefischt, keinerlei Erinnerung daran. Mein erster Impuls war Aussortieren, doch der Klappentext machte mir Geschmack auf eine Lektüre vor Aussortieren: Ein Krimi, der in Barcelona zur Zeit der Olympischen Spiele 1992 spielte. Und tatsächlich nahm mich der Roman gleich mal in die Dorfwelt der Provinz Lérida mit, in der es auch Anfang der 1990er nur ein Telefon im ganzen Ort gab, der Protagonist, ein schlecht gelaunter Landwirt mittleren Alters, gerade erst seinen ersten Traktor gekauft hat und bis dahin noch Ochsen vor den Pflug spannte. So war das in Spanien tatsächlich.

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November also. Pläne:
– Eine Woche Urlaub mit endlich mal Besuch des Restaurants Wielandshöhe in Stuttgart
– Abendessen-Treffen mit Freundin und ihrer Schwester
– Weine von Judith Beck aus Gols bei feinem Essen im Münchner Mokum (schon länger auf meiner Liste)
– Zahn-OP für Implantat mit einer angekündigten Woche Krankschreibung (darin eine zweitägige Fortbildung online, vor vielen Monaten gebucht – die werde ich ja wohl schaffen)
– Klassentreffen – unter Vorbehalt, weil nach meiner Zusage ein Lokal gebucht wurde, das außerhalb der zivilisierten Welt mit Anbindung an öffentlichen Nachverkehr liegt. Meine Eltern haben bereits Fahrdienste angeboten – doch dass sie für eine 59-jährige Tochter noch Party-Shuttle spielen müssen, widerstrebt mir arg.

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Ich habe ein großes Herz für architektonisches Danebengreifen (solange es nicht mich trifft): Gelegentliche Hässlichkeit hält meiner Überzeugung nach durch Stolpern die Wahrnehmung wach und frisch, während eine Umgebung aus ausschließlich gelungener Architektur die Gefahr des Einlullens in sich trägt.

Deshalb freute ich mich über die Überraschung eines Features im edlen AD-Magazin direkt aus dem München von Kir Royal:
“Zwischen James Bond und Achtziger-Glamour: Münchens wohl extravaganteste Villa steht kurz vor dem Abriss”.

via @sauerlauwarm

Gefühlt wurde ein kompletter italienischer Steinbruch verbaut; gewaltige Marmor­platten paaren sich mit ebensolchen Glasflächen, mit goldglänzendem Messing, verspiegelten Wänden und einem Parabolspiegelsystem als natürlicher Beleuchtung.

(…)

In der Garage gab es eine Drehscheibe zum Autoeinparken. „Bloß war“, erzählt Weiss, „der gepanzerte Rolls-Royce des Bauherrn viel zu schwer für die Mechanik, die daher versagte.“ Im Technikkeller, der mit seinen zwei gewaltigen Kühlräumen (einer davon nur für Wein und Champagner) und einer massiven Abluftanlage aussieht wie die Kommandozentrale für eine Marsmission, wohnt eine Steuerung, die heute selbst gestandene Elektriker vor fast unlösbare Rätsel stellt.

die Kaltmamsell

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