Journal Samstag, 31. November 2026 – Oktoberabschied mit letztem Gold und Kälte
Sonntag, 1. November 2026 um 8:12Das Ausschlafen brauchte ein wenig Nachdruck: Als ich mich nach Aufwachen kurz nach fünf nochmal hinlegte, überschwemmte mich Unruhe, die ich durch Wiederholen der Wanderung in Gedanken nur mit Mühe in den Griff bekam. Richtig tief schlief ich nicht nochmal ein.
Aufgestanden mit Abknickung in Körpermitte: Diesmal hatte der Zauber von Herrn Kaltmamsells Bett, in dem ich geschlafen hatte, nicht gewirkt. Auch als Vorbereitung auf die Schwimmrunde griff ich zu Ibu.
Die Sonne kam nochmal raus, ich entschied mich fürs Dantebad als Schwimmort.
Allerdings war es weiterhin knackig kalt mit niedrigen einstelligen Temperaturen: Ich schützte meine Öhrchen, die auf Kälte schnell mit Schmerzen reagieren, und nahm eine U-Bahn zum Westfriedhof.
Die Bahnen im Dantebad waren weniger voll als bei dem schönen Wetter befürchtet. Auf den ersten 1000 Metern bekam ich tatsächlich Sonnenschein, dann bedeckte sich der Himmel aber. Gestern zur üblichen Samstagszeit erkannte ich vertraute Co-Schwimmer*innen wieder, darunter im Stil Wassersitz-Rücken mit Flossen sowie Brust-Zucken (Arme und Beine gleichzeitig halbherzig von sich werfen) – Hauptsache Spaß am Schwimmen!
Den Rückweg spazierte ich zum Teil: Zwischen Dantebad und Rotkreuzplatz mäanderte ich durch Gern.
Der Nymphenburg-Biederstein-Kanal hinterm Dantebad.
Es war immer noch einstellig kalt, ich brauchte Stirnband und Handschuhe. Am Rotkreuzplatz ein wenig Schaufensterbummeln.
Schon auf der Heimfahrt per U-Bahn merkte ich, dass ich mir diesmal einen heftigen Chlorschnupfen eingefangen hatte.
Frühstück um halb zwei: Äpfelchen, restliche Orangen-Linsen vom Vorabend (wirklich sehr köstlich – ich habe das Rezept festgehalten), und zwei kleine Avocados – drei Wochen nach Lieferung wurden sie dann doch cremig.
Nachmittag mit Siesta, Zeitunglesen, Internetlesen, Gymnastik.
Weil ich sehr große Lust auf Fleisch hatte, machte ich mir als Abendessen Kuh auf Wiese: Es gab restliche Endivie aus Ernteanteil und zwei Riesenblätter Zuckerhut, außerdem briet ich mir nach vielen Jahren SELBST ein Entrecôte! Schließlich hatte ich den Meister des Kurzgebratenen, Herrn Kaltmamsell, oft genug dabei beobachtet – ich tat es ihm einfach gleich (eiserne Pfanne SEHR heiß). Das Ergebnis wurde ganz wunderbar.
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Ich las abends Trude Teige, Günther Frauenlob (Übers.), Als Großmutter im Regen tanzte aus und blieb verärgert.
Der Erzähl-Fauxpas “Hans, der, wie du weißt, dein Bruder ist” auf der ersten Seite war dann doch verräterisch: Viel weiter drüber kam die Erzählkunst des Romans nicht, Informationen für die Leserschaft werden gern in unglaubwürdige wörtliche Rede gepackt.
Es geht um eine Frau im Norwegen der Gegenwart (eben vor ihrem gewalttätigen Ehemann geflohen), die der verheimlichten Vergangenheit ihrer norwegischen Großmutter als Frau eines deutschen Wehrmachtsoffizier im Zweiten Weltkrieg auf die Spur kommt. Das Natürlich-eine-alte-Handschrift ist hier die gerne verwendete Handlungsmotivation eines unerwarteten Fotos, das nach Todesfall gefunden wird.
Wie praktisch, dass ein Ferienhaus-Nachbar auftaucht (attraktiv, freundlich, mit dem Ort vertraut, gleichaltrig und frisch geschieden – ZWINKERZWONKER), der Historiker ist und über genau dieses Thema promoviert: Er erklärt der Erzählerin und damit uns, wie das alles damals war und welche Mechanismen hinter Gewalt von Soldaten an Zivilbevölkerung stehen. Da verwendet selbst die Sendung mit der Maus originellere Vermittlungstechniken.
Die zweite Handlungsebene spielt in der Vergangenheit nach dem Zweiten Weltkrieg und wird personal (sowie mit anderer Schriftart, damit wir’s auch wirklich kapieren) aus Sicht der Großmutter erzählt: Zerstörung, Vergewaltigung, Hunger, Elend, Willkür.
Damit auch das untergebracht und in wörtlicher Rede erzählt werden kann, weiß der einstige Wehrmachtsoffizier bereits 1946 alles über KZs, von selbst und obwohl er seit Kriegsende auf seinem ehemaligen Gutshof sitzt, findet das natürlich ganz furchtbar und schimpft auf den bösen Hitler, auf den sie alle reingefallen sind.
Fazit: Wer die Gräuel der letzten Kriegstage des zweiten Weltkriegs und der Zeit direkt danach als unterhaltsame Urlaubslektüre schmökern möchte – das ist was für Sie.
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Mizgîn Bilmen nimmt das “…es kamen Menschen” wörtlich und fordert eine andere Erinnerungskultur an Gastarbeiter*innen:
“65. Jahrestg des Anwerbeabkommens
Hört ihnen zu!”
Eine Erinnerungskultur, die ausschließlich die Arbeitsleistung anerkennt, übernimmt ungewollt Perspektiven aus der Zeit, in der die Anwerbung einst organisiert wurde: Menschen werden nur als Arbeiter, in ihrer Funktion in dem Land, in dem sie arbeiten, wahrgenommen.
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Schönheit zum Sonntag:
Die atemberaubende Steptänzerin Ariel Hyatt stept zu “Tubular Bells” – und zu DER Filmmusik von Bernard Herrmann.
(So sehen übrigens ihre Choreo-Aufzeichnungen aus.)




