Journal Sonntag, 25. Oktober 2026 – Right now 2026

Montag, 26. Oktober 2026 um 6:13

Kleine Serie, hier begonnen, vom Erfinder ganz anders gemeint, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014 fortgesetzt. 2015 musste ich offline nehmen, 2016 hatte ich keine Lust. 2017 zum ersten Mal abends erfasst, dann wieder 2018 und 2022, 2023, 2024.

Ich lese… die Wochenend-Süddeutsche – erst am Sonntag statt am Samstag, wie auch dieses “Right now” wegen der Bloglesung inklusive Übernachtungsbesuch einen Tag hinterher hinkt. Dann die Mastodon-Timeline von zwei Tagen nach.

Ich trage… meine 501-Jeans und ein über 30 Jahre altes, aber nur wenig abgeschubbertes bretonisches Fischer-Shirt – pragmatische Wochenendkleidung.

Ich habe… derart nichts vor an einem Sonntag wie schon sehr lange nicht mehr.

Ich höre… draußen Regen und Wind, aus der Küche den Dunstabzug, mit dem Herr Kaltmamsell den Geruch des garenden Schwarzkohls fürs Abendessen abtransportiert.

Ich trinke… Leitungswasser.

Ich esse… heute möglicherweise bereits vor dem Abendessen eine Kleinigkeit. Da ich heute schon vor zwölf echten Frühstückshunger hatte und mit Apfel, Semmeln und Käse stillte, rechne ich mit vorzeitigem Bedarf. Ungewöhnlich, weil ich seit einigen Jahren nur zweimal am Tag esse und dazwischen fast nie Lust auf Snacks habe.

Ich stehe… heute endlich wieder etwas leichter auf nach Liegen oder Sitzen als an den Tagen davor, das Aufrichten ist nur noch mit wenigen LWS-Schmerzen verbunden.

Ich gehe… heute ganz sicher nicht mehr raus. Die Sehnsucht nach Luft und Bewegung wird durch Müdigkeit und windigen Regen erstickt.

Ich lache… heute deutlich weniger als gestern – aber da bekam ich ja einen Abend lang viel zu lachen.

Ich sehe… durch zwei großen Fenstern hinaus in bunt herbstbelaubte Bäume, von Wind und Regen geschüttelt. Nach der Zeitumstellung sehe ich sie heute sehr wahrscheinlich nicht mehr lang, bevor die Dunkelheit sie verschluckt.

Ich mag…, wie die vergangenen beiden Tage in mir nachklingen, vor allem die viele Gespräche mit dem Übernachtungsgast.

Ich schreibe… weiterhin sehr viel sehr oft. Jüngst las ich in einem Interview mit Helga Schubert, dass sie zu den Schriftstellerinnen gehört, die ebenfalls unaufhörlich schreiben, schreiben, schreiben. Heutzutage weiß ich, dass das keineswegs in Umkehrung bedeutet, dass solche Dauerschreibenden Schriftstellerinnen sind: Manche schreiben halt einfach so.

Ich weiß… gleichzeitig immer mehr und bekomme dadurch eine immer klarere Vorstellung davon, wie viel es noch zu wissen gäbe. (Dann wieder: Kürzlich wurde ein neuer Kollege durch die Büros geführt. Mich stellte man vor mit: “Die weiß alles.” Der Einfachheit halber und um eines möglichen Lachers willen reagierte ich mit einem schlichten: “Ja.”)

Ich möchte… immer noch nicht, und immer noch belastet mich das manchmal mehr, manchmal weniger. Derzeit ist es erträglich.

Einen Tag hatte ich schon auch. Er begann mit eher unausgeschlafenem (weil vor Aufgekratztheit schwer eingeschlafen) Aufwachen, der Blick aus dem Fenster überraschte mich mit Helligkeit. Es war dann erst eine Bemerkung des Herrn Kaltmamsell neben mir, der mich an die Umstellung auf Winterzeit erinnerte; ich hatte also eine Stunde mehr geschlafen als beim Blick auf die Uhr angenommen. Erste Erledigung des Morgens: Uhren stellen.

Das Draußen war ausgesprochen unwirtlich mit Regen. Nach Morgenkaffee zog ich mich an und ging Semmelholen unterm Schirm. Ich hatte gerade mal den Tisch gedeckt, als die Besucherin aufstand. Zu dritt setzten wir uns an den Frühstückstisch, hatten über Signal ein wenig Kontakt zu den anderen Aktiven des Vorabends, die Besucherin stimmte ihre Rückreise ab. Vermutlich weil ich am Vortag nicht recht viel gegessen hatte, bekam ich noch bei gedecktem Tisch richtig Hunger und frühstückte.

Vor dem Zwölf-Uhr-Läuten verabschiedeten wir uns vom Besuch.

Nachmittag bei prasselndem Regen mit verspätetem Bloggen, dann Räumen, Zeitunglesen, einer guten Stunde Siesta, keinem Bügeln, Internetlesen, einer besonders wohltuenden halben Stunde Pilates.

Zum Nachtmahl (ich brauchte dann doch keinen Snack zuvor) verarbeitete Herr Kaltmamsell den Schwarzkohl aus Ernteanteil auf norddeutsche Art, er hatte dazu beim Vollcorner Kohlwurst gekauft. Schmeckte ganz hervorragend, die Kohlwurst erinnerte an Ingolstädter Bauernwürscht. Nachtisch Schokolade…

… und Leserinnen-Kekse, sehr fein und köstlich.

Früh ins Bett zum Lesen, weiterhin gerne in der nüchtern erzählten magischen Welt von Naomi Mitchison, Travel Light. Wenn es den ganzen Tag nicht richtig hell wird wie gestern, ist es für mich noch einfacher als ohnehin, den Rat zu befolgen: Nach Wechsel zu Winter- oder Sommerzeit überhaupt nicht erst mit Nachrechnen anfangen, sondern sofort in der umgestellten Zeit leben.

die Kaltmamsell

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