Journal Sonntag, 4. Januar 2026 – Berlin-München im tiefen Winter

Montag, 5. Januar 2026 um 8:29

Geweckt von Wecker nach gutem Schlaf und mit angemehm wenig Kater.

Genug Zeit für Fertigmachen und Auschecken, bis wir eine Tram zum Hauptbahnhof nahmen: Die schneeverkrusteten Wege wollten wir dem Rollkoffer nicht antun.

Vollmond (in Echt VIEL größer) über der Oderberger Straße.

Den Hauptbahnhof (Berlin hat wenigstens einen!) erreichten wir so früh, dass wir uns auf einen Cappuccino setzten.

Der uns sogar an den Tisch serviert wurde, von einer freundlichen Servicekraft (seit ich vor zehn Jahren diesen Artikel über McDonalds als Arbeitsplatz las, “What I Learned from Four Years Working at McDonalds”, inklusive Kommentare unter meinem damaligen Blogpost darüber, habe ich einen anderen Blick darauf).

Mangels echten Wartebereichen in diesem Einkaufszentrum mit Gleisanschluss sammelt sich bei McDonalds viel Wartevolk – und andere Menschen, die Sitzmöglichkeit, Wärme, Steckdosen für Handyaufladen nutzen, wir saßen in interessanter Gesellschaft.

Wieder nahezu pünktliche Abfahrt, stabiles WLAN im ICE (es wird nicht ALLES schlechter!), ich verbloggte den Samstag unseres Berlin-Kurztripps.

Kurz vor Halle an der Saale kam aber die Durchsage des Zugchefs: Die Schnellstrecke nach Erfurt war wegen einer Störung nicht befahrbar, der Umweg würde zu reichlich Verspätung führen. Nun, Herr Kaltmamsell und ich hatten gestern eh nichts sonst vor, es war warm, es gab WLAN und Strom. Letzteres auch deshalb erwähnenswert, weil ein Anschlag 45.000 Haushalte im Süden Berlins für Tage vom Stromnetz getrennt hatte – darunter die Berliner Verwandtschaft (die heißt so: “Berliner Verwandtschaft”) von Herrn Kaltmamsell, wie wir über die WhatsApp-Familiengruppe erfuhren: Berichte über Handyaufladen an eigens dafür eingerichteten Stützpunkten, über Polizei, die mit Megaphonen durch die Straßen fuhr (weil kein Handyempfang), Aufwärmen bei Verwandtschaft in anderen Stadtteilen.

Vorm Zugfenster wieder verschiedene Seiten des Winters: Ab Berlin verschneite Flächen, mal mit Sonne, mal mit Schneefall. Hinter Halle eine Weile Schneefreiheit. Die Umleitung führte durch die alte Strecke zwischen Halle und Erfurt, ich hatte gar nichts dagegen, die früheren Ansichten wiederzusehen.

Deutscher Winter in der ICE-Kofferablage (diese Sorte Schlitten fand ich als Kind unpraktisch – kippten zu leicht nach vorne, meiner war ein Hörnerschlitten).

München erreichten wir dann 50 Minuten verspätet, wurden mit Sonne und knackigem Frost empfangen. Also daheim erst wieder Kampf um Wohnungswärme. Frühstückssemmeln hatte ich noch am ehemaligen Hauptbahnhof besorgt, die gab es kurz nach drei mit Butter und Marmelade, außerdem ein Restl Zwetschgenröster.

Wir waren ja gerade mal mehr als 48 Stunden weg gewesen, das reichte nicht für Fremdeln bei Heimkehr. Ich war sehr dennoch froh um zwei weitere freie Tage vor Arbeitsstart am Mittwoch, und an Heilig Drei König sind wir nochmal bei meinen Eltern eingeladen, hurra!

Nachmittag mit Zeitunglesen in der Sonne. Große Yoga-Sehnsucht, ich startete wieder ein 30-Tage-Programm von Adriene: “True” von 2018.

Zum Nachtmahl gab’s Nudeln mit übriger Rouladensauce vom Donnerstag, davor aß ich Kimchi und saures Blaukraut gegen Gemüse-Gieper.

§

Bevor wir durch die Gerichtsinstanzen gehen, ergeben wir uns lieber schnell. Einfach aus Geldgründen. Es sei denn, es ist der Papst.

Herrliches Interview in der Süddeutschen mit Gabriele Rittig, seit 40 Jahren die Anwältin des Satiremagazins Titanic (€):
“‘Wenn du den Witz erklären musst, hast du schon verloren'”.

§

Fotograf Jovan Ritopečki (1923-1989) hat ab den 1960ern über viele Jahre das Leben jugoslawischer Einwanderer in Österreich festgehalten. Ein Projekt der Austrian Academy of Sciences Institute for Habsburg and Balkan Studies erforscht seinen Nachlass zu diesem Thema (etwa 19.000 Negative) und stellt hier viele Bilder digitalisiert zur Verfügung:
“Picturing Migrants’ Lives”.
Zum Einstieg empfehle ich diese Fotos zum Thema Wohnen.

via @sauer_lauwarm

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Sonntag, 4. Januar 2026 – Berlin-München im tiefen Winter“

  1. Sabine meint:

    Interessanter McDonalds-Artikel, danke! Ich bin da gelegentlich, weil McDonalds das mit der Energie- und Verkehrswende offensichtlich (anders als der größere Teil des Landes) als Chance begriffen hat und zuverlässig an den Filialen Ökostrom-Schnellladestationen bereitstellt. Dafür kaufe ich ihnen gerne einen Kaffee oder Pommes ab (mehr nicht mehr, seitdem ich mal einen Cheeseburger auf unangenehme Weise wiedergesehen habe…).

    Menschen an der Front des Servicebetriebs, besonders in stressigen Umfeldern wie an einem Tresen oder in einem dicht besetzten Zug, verdienen eh die höchste Wertschätzung und ausgesuchte Höflichkeit.

  2. Sebastian meint:

    Was Sabine sagt mir der Ergänzung, dass McCafe zuverlässig ordentlichen Kaffee bis hinunter zum Espresso in oft wüsten Einöden (Einkaufsgebieten, Bahnhöfen, Malls) bietet.

Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

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