Journal Montag, 9. März 2026 – Wahlhilfe als Vorsteherin bei der Kommunalwahl, Teil 2
Dienstag, 10. März 2026 um 6:27Gut geschlafen, die Panik setzte erst wieder überm Morgenmilchkaffee ein, als ich mich mit dem bevorstehenden Auszählen anhand der Zähllisten beschäftigte.
Viel wichtiger als der Münchner Stadtrat: Baden-Württemberg hat am Sonntag einen Ministerpräsidenten Cem Özdemir gewählt, das freut mich sehr (hatte ich ihnen ehrlich gesagt nicht zugetraut).
Meine Anspannung schlug um in ein Zefix, als ich noch vor Verlassen des Hauses die nächste Krankmeldung bekam, diesmal auch noch vom Schriftführer. Auch ihn bat ich, sich damit bei der Bezirksdirektion zu melden, doch ich hatte keine Hoffnung, dass für ihn Ersatz geschickt würde: Der Wahlvorstand war ja mit stellvertretender Schriftführerin vollständig. (Im ursprünglichen zehnköpfigen Team vier Ausfälle finde ich schon besonders unglücklich.)
Es wurde dann ein (für mich) angespanntes Stimmenzählen, durch die Erkrankung waren wir halt ein Zweier-Team weniger beim Einzelstimmen-Auszählen, denn dazu kamen technische Probleme mit dem Wahlkoffer, die ein Teammitglied voll beschäftigten.
Dazwischen kam die Lehrerin, die unseren Raum sonst als Klassenzimmer nutzt, und fragte, ob sie schon zurückräumen könne – ich lernte also, dass in dem reichlichen Staub und Sand am Boden (der mich beim Bewegen durch den Raum immer wieder zu Schliddern verführte) und auf den dreckigen Tischen, die wir am Vortag fürs Wählen alle erstmal säubern mussten, tatsächlich unterrichtet wird.
Kurz vor zwölf radelte ich mit der Wahltasche voller Unterlagen zur Stadtratswahl in die Bezirksinspektion im Tal – vorsichtig und langsam, den hier im zentralesten Zentrum von München war der Verkehr durch Lieferfahrzeuge, Oberklasse-Pkw und Touristen wirklich gefährlich. Die Luft war mild, ich brauchte keine Handschuhe. Aber dieses Radl von Herrn Kaltmamsell fuhr sich wirklich so unbequem wie erinnert: Es hat einen besonders tiefen Einstieg, dadurch ist der Abstand zwischen Lenker und Sattel für mich viel zu kurz, immer wieder drückte ich mich nach hinten, um keinen Buckel zu machen. Und der breite Sattel schmerzte meinen Po bereits auf diesen kurzen Strecken – der beste Beweis, wie unterschiedlich Radformen für gutes Radeln sein müssen.
Als ich meine grünen (= Stadtratswahl) Umschläge im 2. Stock der Bezirksinspektion Mitte abgab, sah ich, dass andere Wahllokale schon mit allem durch waren: Es wurden auch schon weiße Bezirksratswahl-Umschläge übergeben.
Jetzt sah ich die Nachricht vom Wahlamt mit der Empfehlung, nach Ausfall des Schriftführers jemanden von den Beisitzern dazu zu befördern – aber das hätte mir ja auch nicht mit einer zusätzlichen Person geholfen.
Mein Team war noch am Auszählen dieser Bezirksausschusswahl, auch das mit einem Zählteam weniger, ich hängte mich mit rein. Aber es wurde halb drei, bis wir nicht nur gezählt und eingegeben hatten, Niederschrift ausgedruckt und unterschrieben, sondern auch aufgeräumt und den Klassenraum rückgebaut sowie die Urnen zum Hausmeister geschafft. Herzlicher Abschied des Wahlhilfeteams untereinander, die meisten werde ich in zwei Wochen zur Stichwahl wiedersehen.
Kurz vor drei war auch ich nach einer weiteren Radelfahrt zur Bezirksinspektion fertig. Doch jetzt ein weiterer Tiefschlag: Seit Wochen rettete ich mich über meine Wahlvorsitzenden-Panik mit dem Bild, wie ich am Montag danach im Café Nash am Jakobsplatz sitzen und endlich etwas essen würde. Um vor verschlossenen Türen zu stehen (die vor Wochen gecheckten Öffnungszeiten stimmten wohl nicht mehr). Ich kann delayed gratification wirklich sehr gut – aber dann muss ich sie auch bekommen. JETZT war ich nicht nur Hunger-schwächlich, sondern richtig sauer. Zumal daheim noch der Putzmann werkelte und ich keine Aussicht auf Ruhe sah. Vor lauter Enttäuschung fiel mir auch kein anderes Lokal ein, in dem ich sitzen wollte, dann radelte ich halt heim.
Es war dann halb vier, als ich Herrn Putz verabschiedete und endlich etwas aß: Birne und Hüttenkäse. Das besänftigte mich genug, dass ich wieder Lust auf meine Abendkochpläne hatte: Es sollte Dampfnudeln geben.
Also ging ich dafür Einkaufen, bei Rückkehr und dann zwischen den Koch-Schritten las ich die Mastodon-Timeline der vorhergehenden 24 Stunden nach, unter anderem die Entwicklung der Wahlergebnisse. Ich war allerdings extrem müde, wollte aber unbedingt Dampfnudeln, also musste ich halt wach bleiben.
Es wurden gute Dampfnudeln, nur die Vanillesauce dazu schmeckte schonmal besser, lag vielleicht an dem Bio-Puddingpulver, das ich dafür verwendete. Und bloß weil das Abendessen eine süße Mehlspeis war, muss man noch lange nicht auf Schokolade danach verzichten.
Ich ging absurd früh ins Bett, las dort aber noch ein wenig.
2 Kommentare zu „Journal Montag, 9. März 2026 – Wahlhilfe als Vorsteherin bei der Kommunalwahl, Teil 2“
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10. März 2026 um 7:24
Ich bin selbst Wahlhelferin (Schriftführerin) und es ist sehr faszinierend wie unterschiedlich das Auszählen der Kommunalwahlen in den Kommunen gehandhabt wird.
In Fürth wird, soweit ich weiß, alles direkt am Wahlabend erfasst mit entsprechenden digitalen Geräten in den Wahllokalen.
In Nürnberg (mein Einsatzgebiet) wiederum werden am Wahlabend nur die Stimmzettel mit unveränderter Liste gezählt. Die kumulierten werden nach Partei sortiert und wie bei den panaschierten nur die Anzahl ermittelt. Der Rest passiert am Montag mit einem verkleinerten Wahlvorstand (Vorsteherin, Schriftführerin und Beisitzerin) an einem Arbeitsplatz in der Verwaltung. Entsprechend wird der Wahlvorstand so eingeteilt, dass mind. eine dieser drei Personen bei der Verwaltung arbeitet und einen Computerarbeitsplatz hat. Deswegen musste ich nicht ran, meine Stellvertreterin ist bei der Stadt angestellt und ich nicht.
10. März 2026 um 9:34
Ich hätte gerne Sie als Wahlvorsteherin gehabt – erfahren, eingelesen und engagiert.
Mein Wahlvorsteher war selbst das erste mal dabei, hatte sich 0,0 eingelesen und hat erfahrenden Wahlhelfern über den Mund gefahren. Seine Leistung beschränkte sich hauptsächlich auf essen, am Handy daddeln und gelegentlich den Wählerzähler hochklicken – für mich war es daher eine nicht allzu schöne Erst-Wahlhelfererfahrung.