Journal Samstag, 28. März 2026 – Angewandert im Ampertal

Sonntag, 29. März 2026 um 9:30

Richtig gut und lang geschlafen, das war sehr schön.

Schön war beim Aufstehen auch das Wetter, wie vorhergesagt: Das traf sich gut, denn schon seit Langem war der gestrige Tag fürs Anwandern gebucht, auf Initiative von Herrn Kaltmamsell. Dass der Sonnenschein auf niedrige Temperaturen traf, konnten wir ja durch Kleidung ausgleichen. Wir hatten uns auf eine Strecke entlang der Amper hinter Fürstenfeldbruck geeinigt, die wir bereits kannten, aber schon viele Jahre nicht mehr gegangen waren. Gut 14 Kilometer einen Fluss entlang sollten ein guter Einstieg sein.

Interessant übrigens: Wenn ich oder Herr Kaltmamsell gegenüber Kolleg*innen unser Wandern erwähnen, wird nahezu immer von Bergwandern ausgegangen. So erstaunte ich im Wochenendplan-Smalltalk eine Kollegin: Es liege doch überall noch Schnee? Ist das vielleicht eine speziell Münchner (und Autobesitz-)Erscheinung?

Die Entscheidung für diese eher kurze Strecke ließ uns reichlich Zeit für den Aufbruch. Erstmal kochte ich aus Ernteanteil für den Abend Karottensalat mit Koriander, dann ging ich eine Runde Einkaufen, vor allem Schokolade.

Erst gegen elf machten wir uns wanderfertig, unter die superduper, aber ungefütterten Wanderjacken mehrere Schichten Langärmliges. Ich trug die im Vorjahr erworbenen neuen Wanderschuhe, obwohl die für komplizierteres Gelände gebaut sind, um sie weiter einzulaufen. Irritierenderweise verlor ich beim Gehen diesmal zunächst das Gefühl in den Zehen des linkes Fußes, hatte insgesamt ein Engegefühl bei den Zehen – obwohl ich schon mehrfach sehr bequem in den Stiefeln gelaufen war.

Wir spazierten zur S-Bahn am Stachus, ich holte mir unterwegs einen Mittagscappuccino. Durch sonnige, aber winterkahle Lanndschaft ließen wir uns nach Schöngeising fahren. Dieser S-Bahn-Halt liegt recht weit außerhalb des Orts, den wir erstmal durchquerten, um dann die Amper entlang rechtsseitig nach Fürstenfeldbruck zu gehen. Die Temperaturen waren gnädig mit uns, wir brauchten weder Mütze noch Handschuhe.

Wir sahen Frühlingsblümelein von Traubenhyazinthen über Veilchen und Buschwindröschen bis Schlüsselblumen, waren uns letztendlich aber einig, dass diese Route als Wanderung uns nicht reizvoll genug war, sich eher als Jogging-Strecke eignete.

Altes Forsthaus Schöngeising.

Auf einem Bankerl beim Kloster Fürstenfeld gab es kurz nach zwei Brotzeit: Birne und selbstgebackenes Brot aus der Gefriere.

Zurück wanderten wir auf der anderen Seite der Amper.

Beide waren wir nicht wirklich auf der Fitness-Höhe: Nicht mal vier Stunden Wanderung einen Fluss entlang machten uns so fertig wie sonst nur Ganztagestouren mit viel Auf und Ab. Wir erreichten den Bahnhalt Schöngeising ordentlich erledigt und mit schweren Füßen.

Zurück in München entschieden wir uns auf dem Heimweg dennoch für ein kleines Abenteuer: Wir gingen endlich mal in der Sonnenstraße in einen Mix Markt. Die Supermärkte dieser Kette fallen mir seit einigen Jahren auf, scheinen auf den ersten Blick osteuropäischen Lebensmittelvorlieben entgegen zu kommen. Aber richtig umgesehen hatte ich mich in noch keinem. Das holten wir gestern nach.

Ergebnis: Ja, sehr interessant, ja, osteurpäische Produkte, vor allem russische und polnische. Hier bekommen wir unter anderem künftig Kwas für Okroschka (mindestens zehn verschiedene im Angebot), außerdem wird Herr Kaltmamsell mindestens ein Abendessen aus dem reichhaltigen Sortiment gefrorener Teigtaschen zusammenstellen, von georgischen Chinkali bis russischen Pelmeni. Auch die Metzgertheke wirkte attraktiv, bereits überwältigend das meterlange Angebot an geräuchertem Fisch. Zudem werde ich dringend die offen und einzelnen bunt eingewickelten Süßigkeiten probieren wollen, gestern nahm ich nur eine Packung gefülltes Kleingebäck mit.

Zu Hause ruhten wir uns ein wenig aus, bevor ich eine Folge Yoga turnte: Gestern war eine halbe Stunde ruhiges Dehnen dran, das passte perfekt. Wir hatten beide sehr große Lust auf Alkohol, ich öffnete eine Flasche roten Côtes du Rhône, sehr entspannend.

Zu Abend gab es neben dem Karottensalat Ingolstädter Bauernwürscht aus der Gefriere mit selbstgebackenem Brot. Nachtisch Schokolade – eventuell ein bisschen zu viel.

Sehr früh ins Bett zum Lesen, frühes Lichtaus wegen Erledigtsein.

§

Die ganz alte Blogwelt trauert um einen weiteren der ihren: Chris Kurbjuhn ist gestorben, die angekündigte Blogpause und raren Posts ließen bereits befürchten, dass seine Krebserkrankung zurückgekehrt war. Ich profitierte immer wieder von seinen Kulinarik-Tipps, und einmal ganz handfest von einem Päckchen Ahle Wurst, das er mir nach Rücksprache zu Demonstrationszwecken schickte, um mich die Bandbreite dieser Spezialität schmecken zu lassen.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Samstag, 28. März 2026 – Angewandert im Ampertal“

  1. Lempel meint:

    Im Mixmarket gibt es aus guten Gründen praktisch keine “russischen” Produkte, sondern das, was Sie als russisch identifiziert haben, stammt entweder aus Litauen, Georgien oder aus der Ukraine. Zumindest ist das in dem Markt in meiner Nähe so. Ich kaufe da ab und zu bewusst Produkte aus der Ukraine ein, sehe ich auch als Unterstützung des Landes an.

  2. Thea meint:

    Hier in Berlin gibt es viele Supermärkte verschiedener Provenienz, mal Familienbetrieb, mal kleine “Kette”. Seit geraumer Zeit gibt es mehrere Geschäfte, in denen es den bislang eher raren “Twarog/Tworog” gibt. Diesen fand ich vor längerer Zeit einmal bei Katharina Seiser erwähnt gefunden.
    Meine Schnellsuche ergab: “Tworog ist ein traditionelles russisches Milchprodukt, das zwischen Quark, Käsebruch und Hüttenkäse liegt.”

  3. Christine meint:

    MixMarkt gibt es hier zuhauf. Die Angebotspalette ordne ich weiter östlich in Russland ein.

    Dann gibt es noch die rein polnische Kette https://www.lukullus-laden.eu, die hier in NRW sehr stark vertreten ist.

    Während der MixMarkt eher ein bißchen unaufgeräumt und improvisiert wirkt, so hat Lukullus ein besonderes Design in den Läden und wirkt wohlsortiert.

    Daneben gibt es noch eine Reihe osteuropäischer Einzelhändler, die nicht an Ketten gebunden sind.

    Ich finde es total toll, dass ich mich in meiner Stadt einmal um den Planeten schlemmen kann.

    ~

    Die Nachricht über Chris Kurbjuhn macht mich betroffen. Ich hatte ähnliches schon befürchtet, weil er sich so lange nicht geäußert hatte.

  4. Croco meint:

    Schön, dass ihr diesen Laden entdeckt habt.
    Wir haben hier ja nix, außer einem syrischen Laden und eben dem Mix-Geschäft.
    Hier kaufen die Russlanddeutschen ein. Man spricht Russisch, aber man darf nur arbeiten dort, wenn man Deutsch kann.
    Unser Mix-Laden hat die ganz dicken japanischen Nudeln und Butterkekse, die man prima als unterste Schicht bei Tiramisu einsetzen kann. Die werden nie labberig.
    Die eingelegten Tomaten will ich noch probieren. Die Süßigkeiten mag ich nicht so.

  5. die Kaltmamsell meint:

    „Bei uns finden Sie eine bunte Auswahl an russischen Spezialitäten wie Pelmeni, Wareniki, Plombir-Eis, Kwas und vielem mehr. Wir führen aber auch polnische Spezialitäten wie polnische Wurst und polnische Milchprodukte, sowie original rumänische Spezialitäten wie rumänische Fleisch- und Wurstwaren.“ las ich auf deren Website, Lempel, Christine:
    https://www.mixmarkt.eu/

Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

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