Journal Samstag, 27. Juni 2026 – Hitzebedingter Drinnen-Samstag mit Musik-Tipps
Sonntag, 28. Juni 2026 um 5:39Eine sehr schlechte Nacht: Wach hielten mich Rippenschmerzen (bei Bewegung, irgendwann aber auch beim einfachen Daliegen auf dem Rücken), Geschrei im Park, in den frühesten Morgenstunden klingelte jemand bei uns (ich lauschte kurz: war unten am Tor, nicht an der Wohnungstür, also wohl keine Nachbarin – ich sah keinen Anlass aufzustehen, auch nicht Herr Kaltmamsell). Am erholsamsten fühlten sich die anderhalb Stunden Schlaf nach fünf an, und ich träumte auch noch von Kindheitsspanien, schön.
Was mir durch diese Nacht klar wurde: Schwimmengehen ließ ich besser bleiben. Vielleicht würden sich die blöden Rippen durch dieses “Schonen” und “Ruhe” wieder einkriegen, von denen man in alten Romanen hin und wieder liest. Also gemütliche Häuslichkeiten, Kruschen, Bloggen auf dem Balkon an Milchkaffee.
Noch vor neun fühlte sich die Luft von draußen warm statt kühlend an, ich sperrte sie und das Sonnenlicht aus.
Zu einer Einkaufsrunde wollte ich mich aber doch aufraffen, schon im Vorgriff auf Montag: Dienstagabend nehmen Herr Kaltmamsell und ich an der Generalversammlung unseres Kartoffelkombinats teil (verlegt vom bisherigen Sonntag in der Hoffnung auf mehr Interesse der Genossenschaftler*innen), wenn wir uns am Buffet beteiligen wollten, musste die Vorbereitung bei zwei Vollzeit-Arbeitstätigen langfristig durchgeplant werden. (Wir wollen vegetarische Empanada mitbringen, den Teig setze Montagmorgen ich an, die Fertigstellung übernimmt Montag nach der Schule Herr Kaltmamsell.)
Wie angekündigt und erwartet war es bereits vormittags brüllend heiß, besorgt sah ich auf meiner Einkaufsrunde die vielen Vorbereitungen des gestrigen CSD. Eine Folge der aktuellen Extremhitze: auffallend viele Menschen mit Regenschirmen als Sonnenschutz.
Wieder fühlten sich das Aufschließen der Haustür und das Betreten des kühlen Treppenhauses beim Heimkommen wie Rettung an. Das war’s definitiv mit draußen für den Tag. Ich verdunkelte die Wohnung gründlich.
Ab Mittagszeit unablässiger Hubschrauberlärm über Münchens Zentrum. Ich hoffe, die filmten den CSD nicht nur, sondern sprühten Wasser auf die armen Mäuse.
Zu Mittag gab’s Apfel, Orange, Aprikosen, Flachpfirsich mit Joghurt – obwohl mein Hunger-Bauchweh fast von Müdigkeit übertrumpft wurde, aber ich wusste, dass ich hungrig nicht schlafen kann. Zu einer ausgiebigen Siesta legte ich mich danach hin.
Im immer noch komplett abgedunkelten Wohnzimmer die Wochenendzeitung gelesen, halt mit Deckenlicht. Dann probierte ich Bügeln – ging überraschend gut, ich schwitzte nur wenig mehr als untätig sitzend.
Zum Nachtmahl wieder vor allem Gemüslichkeiten:
Frische Salzgürkchen sowie Kimchi aus Herrn Kaltmamsells Produktion, restlicher Fenchelsalat, außerdem Sardinen-Aufstrich mit Brot. Dazu den spritzigen Rosé by nature von Pittnauer aus Gols.
Nachtisch Eiscreme und Schokolade.
Die ARD sendete einen Brennpunkt (ja: haha) nach der Tagesschau zur Brutalhitze mit neuen deutschen Höchstwerten in der Allzeit-Temperaturmessung: Wissenschaftliche Experten (Mobilität, Gesundheit) gaben ihre Einschätzung, was dringend getan werden muss zum Schutz der Bevölkerung. Ich konnte schier die Tausenden Klimaaktivist*innen seit vielen Jahren fuchteln und “HABEN WIR DOCH GESAGT!” fluchen hören. Selbst amüsierte ich mich ehrlich darüber, dass platzende Autobahnbeläge ein Tempolimit erreichten, mit dem vernünftige Stimmen bislang nie durchkamen.
Später als sonst, aber an diesen langen Tagen immer noch bei mittelhellem Himmel ins Bett zum Lesenn, ich sah den sich füllenden Mond aus den Baumwipfeln des Parks vorm Schlafzimmerfenster steigen.
Für Sonntag hatte ich eine Unternehmungs-Idee, Herr Kaltmamsell war bereits darauf angesprungen. Freuen Sie sich schon auf den Bericht über: Kocherl-Wandern.
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Eva Wolfsangel ist eine respektierte und erfolgreiche Journalistin mit Fachgebiet IT. Sie belegt leider mit Beispielen aus eigener Erfahrung, wenn Sie schreibt:
“KI und das Ende des Journalismus”.
Manche Medien und Journalist:innen nutzen KI, um Informationen aus dem Netz zu scrapen, maschinell daraus Beiträge zu verfassen und als eigene auszugeben. Damit schaufelt sich die Branche ihr eigenes Grab.
(Ich würde wirklich echt ehrlich viel lieber schöne Geschichten über “KI”-Anwendungen verlinken – zum Beispiel diese über einen “Anrufmanager”. Schon wieder für mich nicht relevant, Telefonieren ist eine sehr seltene Anwendung meines Handys.)
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Beim Bügeln hörte ich wieder die Playlist mit akzueller deutschsprachiger Musik, die eine sehr bewanderte Freundin unter dem schönen Titel “Grundsolide Schlager” zusammengestellt hatte (schon ihre Mixtape-Titel vor 30 Jahren waren so schön). Besonders gefallen haben mir und seien deshalb weitergegeben:
1. Mine: Unfall
https://youtu.be/68YHpI1-mN0?si=VLwVkjlG7jC7IS5j
Vor allem wegen des besonderen Schlagzeugs (die Texte von Mine mochte ich aber eh durchwegs).
2. Sorry3000: Hinterm Kreisel
https://youtu.be/WFWNBcbplnA?si=xv8zxLJRKFanOmVk
Mich faszinieren am Text und seiner Erzählhaltung die scheinbare Naivität der Beschreibung, die Betonung von Respekt für Unterschiede (“Ich find’s schön, dass ihr euch damit wohlfühlt”), aber dann halt doch das Stehen zu nicht verhandelbaren Werten (“aber ihr wisst schon”).
3. Anna Buchegger: Wos i nit bin
https://youtu.be/PwhBZfUH-EE?si=ChGkJvi8w6smcTbg
Wieder ein fasnizierender Text (an eine Schwester gerichtet?) – und wie schön, auf welchem Niveau es Musik in Dialekt gibt.





