Journal Mittwoch, 4. September 2024 – Gemischte Schwimmgefühle, Reisepanik

Donnerstag, 5. September 2024 um 6:37

Guter Nachtschlaf, ich wurde wieder ins Dunkle geweckt.

Balkon im Dunklen, es leuchtet nur der aufgeklappte Laptop

(Fotografiert durchs Balkonfenster, daher die Flecken.)
Aufbruch in die Arbeit mit Schwimmzeug im Rucksack.

Straße mit modernen Gebäuden, dahinter blauer Himmel mit weißen Schäfchenwolken

Schöner Himmel, ein weiterer Sommertag.

Im Büro ruhiges Abarbeiten, verlangsamt allerdings durch Stubenfliegenhirn: meine Gedanken änderten ständig unkontrolliert die Richtung.

Mittagscappuccino bei Nachbars, ich wärmte mich in der Sonne auf. Zu Mittag gab es Hüttenkäse und ein Laugenzöpferl. Später sollte sich das als gute Wahl vor dem Schwimmen erweisen, nichts davon belastete meinen Bauch.

Früher Feierabend noch vor vier, damit ich zum Schwimmen kam. Angekündigt war eigentlich Wetterverschlechterung; darauf hatte ich gehofft und auf die Folgen für die Freibadnutzung. Doch das Wetter blieb sommerlich sonnig und mild.

Am Dantebad stellte sich heraus, dass wohl auch andere die Wetterverschlechterung einkalkuliert hatten: Deutlich weniger Freibadbetrieb als vor einer Woche.

Meine ersten 1.500 Meter schwamm ich recht vergnügt unter wenigen anderen auf der Bahn. Dann kamen zügig viele weitere Schwimmer*innen dazu, leider von der unfreundlichen Sorte: Eine deutlich langsamere als ich überholte ich zügig, doch als ich wieder einscheren wollte, raste sie überraschend los und erwischte mich mit ihrem Fuß, dass mir fast die Schwimmbrille vom Gesicht flog – ich war völlig verdutzt. Ich versuchte sie beim Wenden zu fragen, was ich falsch gemacht hatte, doch sie fing meinen Blick nicht auf. Nach kurzer Sammlung schwamm ich weiter, war aber verunsichert, als ich sie wieder überholen musste: Ich verlegte mich auf Turbotempo, um möglichst schnell vorbeizuziehen. So schaffte ich meine angezielten 3.000 Meter, und das sogar komplett ohne Krampf.

Nach Hause nahm ich die Tram, und jetzt begann der Himmel dunkel zuzuziehen.

Nachtmahl serviert von Herrn Kaltmamsell: Gnocchi (selbstgemacht, aber aus der Gefriere) mit Salbei und Butter. Nachtisch die letzten beiden Portionen Flan, dann Schokolade. Jetzt erst machte das Gewitter ernst, doch Blitz und Donner bekamen wir nur fern mit, bei uns regnete es lediglich.

Früh ins Bett zum Lesen. Fürs Schlafen schloss ich wieder das Fenster, um nicht von Draußengeräuschen geweckt zu werden. Doch schnell stellte sich heraus, dass diesmal ein Drinnengeräusch Schlaf verhinderte: Eine sommerliche Brummfliege wollte sich einfach nicht Schlafen setzen. Vergebliche Umsiedlungsversuche in die beleuchtete Diele, vergebliches Fangenjagen. Dann griff ich halt wieder zu Ohropax, konnte im Gegenzug mal wieder mit offenem Fenster schlafen.

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Seit Wochen kämpfe ich immer wieder mit aufsteigender Panik (nicht im medizinischen Sinn) vor meiner Mallorca-An- und Abreise.

Hin: Bahnhofswechsel in Paris, nachts in Barcelona vom Bahnhof ins Hotel, am nächsten Tag Gepäckaufbewahrung in Barcelona, Tag rumbringen, am Abend auf die Fähre nach Mallorca, in den ganz frühen nächsten Morgenstunden vom Hafen Palma de Mallorca zum Örtchen im Norden, von dem meine Wanderung startet.

Rück: Transfer vom Ziel meiner Wanderung nach Alcúdia im Osten von Mallorca, zum Hotel navigieren (ich bleibe ein paar Tage). Dort am Abreisemorgen auf die Fähre nach Barcelona, vom Hafen in Barcelona zum Hotel, am nächsten Morgen vom Hotel zum Bahnhof Barcelona, Bahnhofswechsel in Paris.

Für Sie mag sich das alles easypeasy lesen, mich macht das halt in seiner gefühlten Komplexheit fertig. Mittlerweile bin ich die Schritte einmal im mittelgroben Detail durchgegangen und weiß, wie viele Fragen jeder im feinen Detail aufwirft (wo Ticket? welches Verkehrsmittel? wo Haltestelle? wie zahlen? was mache ich um 6 Uhr früh in Palma?). Die meisten habe ich bereits durch Recherchen geklärt, aber es ist noch einiges durchzudenken und zu recherchieren in den Tagen bis Aufbruch.

Wirklich lachen musste ich über das Marketing-Sprech der Agentur, die meine Wanderung auf Mallorca organisiert und mir ein Update schickte mit dem Betreff: “Sind Sie bereit für Ihr Abenteuer?” Die Wanderung wird der Entspannungsteil dieses Urlaubs sein.

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Eine Einordnung aus Österreich:
“Über den Wählerwillen
Ist es undemokratisch, eine demokratisch gewählte, aber rechtsextreme Partei auszuschließen?”

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Warum echte Schmetterlingswiesen nicht so aussehen. (tl;dr Brennnesseln und Brombeersträucher stehen lassen):
“Über Schmetterlingsmörder”.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 3. September 2024 – Aumeisterabend in perfektem Sommerwetter

Mittwoch, 4. September 2024 um 6:30

Recht guter, aber leichter Schlaf. Impffolgen weiterhin auf leicht schmerzenden Oberarm beschränkt. Morgenkaffee wieder auf dem Balkon.

Ein milder, leicht bewölkter Morgen, im Verlauf des Vormittags verschwanden die Wolken.

Kleinteilige Büroarbeit, Komplikationen durch das kompromisslose Raum-Zeit-Kontinuum (ein Präsenztermin, dessen Anschlusstermin in Präsenz 6 Bahnstunden entfernt lag) – aber: Ich muss als Assistenz ja nur planen und organisieren, nicht die Termine und Reisen wahrnehmen.

Mittagscappuccino im Westend, jetzt herrschte herrliche Sommerferienende-Stimmung: Im Straßenbild entspannte Menschen in Sommerkleidung, die meisten Urlaubs- oder Badesee-gebräunt.

Mittags gab es Apfel, Orange, Pumpernickel mit Butter.

Den Nachmittag durchgeackert, erschöpft zu Feierabend fertig gewesen. Aber ich freute mich auf den Feierabend, denn ich war mit Herrn Kaltmamsell zum Biergarteln verabredet: Jetzt zum Abschied ist das Sommerwetter in München endlich halbwegs stabil, man kann damit planen.

Daheim wechselte ich nur kurz die Taschen, dann radelten wir die Isar entlang Richtung Norden zum Aumeister. Im nördlichen Englischen Garten, der sehr viel weitläufiger und vielfältiger ist als der touristische Südteil mit Chinesischem Turm und Kleinhesseloher See, wurde noch in den zahlreichen Bachausläufern gebadet, lagen Menschen auf Wiesen, wurde geradelt und spaziert. Ich navigierte uns mit nur einer kleinen Extraschleife wegen Verfahrens in den Biergarten Aumeister.

Es gab je eine Radlerhalbe für uns beide, für Herrn Kaltmamsell Riesenbreze und Obatzten, für mich eine kleine Schweinshaxe, die durchaus passabel war.

Helle Bierbänke, locker besetzt von Menschen, dahinter Bäume, hinter denen man ein altes Haus erahnt

Wir tranken gemächlich unsere Radler, redeten und guckten.

Das Zurückradeln war besonders schön. Im Parkteil des Wegs war es bereits frisch, wir sahen kaum noch Menschen auf den Wiesen.

Parklandschaft mit hellem Sonnenuntergang

Wiesenausschnitt mit schmalen lila Blüten

Schon auf dem Hinweg hatte ich viele Herbstzeitlose gesehen, die Sommer-Verräterinnen.

Wir radelten diesmal quer durch den Südteil des Englischen Gartens. Hier war noch richtig was los, die Luft außerdem spürbar wärmer. Über Odeonsplatz, Viktualienmarkt nach Hause, zwischen den von der Sonne aufgeheizten Häusermauern nochmal höhere Temperaturen. Daheim zum Nachtisch Flan und Süßigkeiten.

Als es abgekühlt genug für Durchlüften war, schreckte ich beim Öffnen der Balkontür eine Taube auf, die sich hier wohl zum Übernachten niedergelassen hatte. Und die dann schlaftrunken von außen gegen die Wohnzimmerfenster flog, erst auf der einen Seite, dann auf der anderen, mit Schmackes – sehr verstörend.

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Ich habe beruflich wenig mit KI-generierten Texten und Bildern zu tun, damit ergeben sich leider auch wenige Anlässe, entsprechende Programme auszuprobieren. Aber auf der Meta-Ebene fällt das Thema in meinen Beritt: Wie müssen solche Inhalte gekennzeichnet werden? Auf einer Info-Veranstaltung griff ich gestern diesen Leitfaden ab, den ich verständlich und gut finde (auch wenn ihm ein menschliches Endkorrektorat gut getan hätte zwinkizwonki):
“Leitfaden zur Kennzeichnung von KI-generierten Texten und Bildern”.

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Es war nur eine Frage der Zeit:
“Spanische Urlauber im Schwarzwald
‘Wir fliehen vor der Hitze'”.

Einen Strandabschnitt am Titisee nennen Einheimische schon “Klein-Barcelona”, überall hört man hier Spanisch statt Badisch.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 2. September 2024 – COVID-19-Impfung aufgefrischt

Dienstag, 3. September 2024 um 6:26

Recht gute Nacht, auf die Arbeitswoche hatte ich aber überhaupt keine Lust.

Sehr dunkle Dämmerung, schemenhaft eine Balkonbrüstung, ein Balkontisch, darauf eine weiße Tasse

Zum Balkonkaffee im fast völlig Dunklen machte ich einen Corona-Test: Nach der wackligen Fitness am Sonntag wollte ich vor der mittäglichen COVID-19-Impfung ganz sicher gehen (und natürlich um mich bei Infektion zu quarantänisieren).

Zu meiner Überraschung zeigte sich der Himmel auf meinem Weg in die Arbeit Regenwolken-dunkel. Ich kam aber trocken und warm im Büro an (erst dort brauchte ich wieder eine Jacke).

Turbulenter Arbeitsvormittag mit vielerlei gleichzeitigen Anliegen. Kurz vor Mittag riss ich mich los: Mein Impftermin beim Odeonsplatz wartete auf mich, ich ließ mich von einer U-Bahn hinfahren. Das Wetter hatte sich mittlerweile ein wenig gebessert, ich brauchte draußen keine Jacke.

Die impfende Praxis eines Teams für Allgemeinmedizin, Reise- und Tropenmedizin war schick, weitläufig und professionell organisiert. Mir fiel diesmal rechtzeitig meine Zugehörigkeit zur Risikogruppe ein, wie die STIKO sie definiert: Sonst zahlt die Krankenkasse nicht, sagte der Arzt. Nun, ich hätte auch selbst gezahlt (habe ca. 30 Euro im Hinterkopf), anderthalb Jahre nach der vorherigen bekam ich meine fünfte COVID-19-Auffrisch-Impfung. Ich habe weiterhin vor, sie zur jährlichen Routine zu machen wie die Grippe-Impfung.

U-Bahn zurück, 45 Minuten nach Verlassen meines Büros saß ich wieder am Arbeitsplatz.

Nackter Arm mit Pflasterchen an Frau in rosa Trägershirt vor grauer Wand

Wir wissen ja alle: Corona-Impfung wirkt nur mit gepostetem Impfarm-Foto.

Später gab es zu Mittag Pumpernickel mit Butter, Honigmelone (gut!). Weiterhin fühlte ich mich nicht ganz fit.

Etwas ruhigerer Arbeitsnachmittag, draußen wurde es schön spätsommersonnig. Mein Impf-Oberarm schmerzte ordnungsgemäß. Auf dem Heimweg (sonnig und mild, perfektes Sommerwetter) besorgte ich bei Aldi Nachschub für unsere Süßigkeitenkiste, beim Vollcorner Lebensmittel, die gemeinhin als “gesünder” gelten.

Daheim Yoga-Gymnastik, tat gut. Herr Kaltmamsell sorgte fürs Nachtmahl: Lauch und Kartoffeln aus Ernteanteil ergaben mit zwischengefrorenem gekochten Stockfisch baskischen Eintopf. Eher ein Wintergericht, aber immer wieder überraschend schmackhaft. Zum Nachtisch hatte er Flan de queso gemacht, für dessen Zubereitung ich Sonntagabend zu faul gewesen war. Nach dem gab es noch schlimme Aldi-Süßigkeiten.

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Spannender Artikel über technische Details der Restaurierung von Schloss Neuschwanstein:
“Die Restaurierung von Schloss Neuschwanstein hatte es in sich − Ein Interview über besondere Herausforderungen”.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 1. September 2024 – Nicht ganz fit, aber köstliche Torte

Montag, 2. September 2024 um 6:28

Von vielen Aufwachen zerstückelte Nacht, aber nicht eigentlich unangenehm, lang geschlafen.

Balkonkaffee in milder Luft an Bloggen. Nachdenken über Übung in Geduld, weil manche Menschen die Kommentarbereiche von Blogger*innen jahrelang fürs eigene Bloggen verwenden, statt selbst ein Blog zu schreiben, dabei immer wieder mit leichter Übergriffigkeit und knapp danebenem bis falschem Schmarrn nerven – der aber durch Korrektur/Geraderücken erst an Gewicht gewönne.

Gestriges Sonntagsprogramm: Isarlauf, Familie.

Fürs Radeln raus nach Thalkirchen pumpte ich die Reifen ordentlich auf (große Dankbarkeit für die Nachbar*innen, die ihre mächtigen Standpumpen einfach im Radlkeller zur allgemeinen Nutzung stehenlassen) – und erlebte auf dem Weg mal wieder das Beschleunigungswunder aufgepumpter Radlreifen.

Ich stellte mein Rad am Tierpark ab. Gleich beim Loslaufen isaraufwärts in angenehmer Sommerluft merkte ich, dass ich gar nicht fit war. Das konnte ich mir nicht recht erklären, denn es war jetzt kurz nach halb elf keineswegs heiß, so schlecht war der Nachtschlaf nun auch nicht gewesen, und ich hatte reichlich Wasser getrunken. Während der ersten halben Stunde verhandelte ich mit mir, ob ich nicht vielleicht abbrechen sollte. Doch dazu hätte es mir noch schlechter gehen müssen. Ich lief locker weiter, bewunderte das Licht und die Farben. Aber ich nahm bei allen Wahlmöglichkeiten die kürzere, blieb im Schatten und bei knapp anderthalb Stunden.

Sonnenlicht durch Laubbäume auf einen unasphaltierten Weg, lins Anschnitt eines Flusses

Gewässer unter Laubzweigen, darauf mehrere Schwäne

Wohnstraße mit Gartenmauer, davor ein Straßenschild "An der Isar"

Spazierweg in Laubwald

Blick von einer hohen Brücke auf zwei parallele Flussläufe, dazwischen Fußwege, drumrum grüne Bäume

Herr Kaltmamsell war schon zum Familientreffen vorgefahren, ich frühstückte kurz nach eins Apfel, Tomate, Körnersemmel. Zur Verabredung in Augsburg musste ich einen ICE nehmen: Gestern gab es Regionalbahnen dorthin nur vereinzelt, wie schon am Samstag.

Spannend war das letzte Stück Anreise vom Augsburger Hauptbahnhof zu den lieben Schwiegers nach Haunstetten: Ich musste herausfinden, wo die Tram abfuhr, fragte sogar MENSCHEN danach, fand es aber letztendlich durch Zufall beim Weg woandershin heraus (direkt gegenüber am Häusereck).

Bei Schwiegers viel liebe Familie, unter anderem die vom Vorabend aus USA, außerdem richtig viel TORTE (aus Olching).

Auf einer gedeckten Kaffeetafel eine Servierplatte mit vielen verschiedenen Tortenstücken

Ein kleiner Ausschnitt. Darauf hatte ich mich sehr gefreut, ich hatte schon sehr lange nicht mehr so große Lust auf Torte gehabt. Wir teilten die Stücke, damit alle möglichst viel probieren konnten, ich aß Keylime Pie, Spanische Vanille, Schokomousse – durchwegs ausgezeichnet. Dazu gute Stimmung, fröhliche Gespräche. Der Besuch aus USA wird am Montag weiterziehen, ich vermisse ihn jetzt schon.

Abends fuhr ein passender Regionalzug zurück nach München, kein weiteres ICE-Ticket nötig, allerdings mit Umsteigen in Pasing. Ich fühlte mich völlig erledigt und müde, passend zum Formtief beim Isarlauf.

Auf dem Heimweg vom Münchner Hauptbahnof Abstimmung mit Herrn Kaltmamsell über die Nachrichtenaufnahme des Abends: Wahlergebnisse Thüringen und Sachsen in der Tagesschau ja, sonstige Berichterstattung zum Schutz der mentalen Gesundheit nein.

Wir hatten noch Hunger auf Abendessen: Es gab Honigmelone (über Crowdfarming aus Italien) mit geräuchertem Schinken, sehr gut. Und noch ein wenig Haselnusseis. Dazu die befürchteten Wahlergebnisse mit Durchbruch des Rechtsextremismus – sogar die ARD konstatierte jetzt, dass es sich nicht um Protestwähler handle, sondern genau das gewollt sei.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 31. August 2024 – Zur Familie hinter den sieben Bergen

Sonntag, 1. September 2024 um 8:38

Gut geschlafen, mittelfrüh erfrischt aufgewacht, nur wenig verkatert. Wie angekündigt empfing mich ein weiterer Sommermorgen, auf dem Balkon war es aber vor sieben noch sehr frisch.

Sommersamstag mit Sommersamstagprogramm: Schwimmen, Familie.

Nach dem Bloggen packte ich meine Schwimmsachen und radelte ins Dantebad durch noch angenehme Temperaturen. Zu meiner erfreuten Überraschung war das Schwimmbecken trotz Freibadwetter wenig beschwommen, ich zog meine Bahnen bis 3.000 Meter ungehindert, mit nur gelegentlichen Zwischenspurts für Überholungen, kräftig, geschmeidig und ohne sich manchmal durch leichtes Zwicken ankündigende Krämpfe. Das Ergebnis war eine neue Rekordzeit – oder ich hatte mich mit den Bahnen verzählt.

Drei Schwimmer*innen erkannte ich auf meiner Bahn von den Vorsamstagen im Dantebad wieder – da scheinen Leute einen ähnlichen Sportrhytmus zu haben wie ich. Dadurch konnte ich sofort ihr Tempo einschätzen: 1 x langsamer als ich und zügig zu überholen, 1 x schneller als ich, aber immer nur zwei Bahnen, dann ausruhen, muss also nicht vorgelassen werden, 1 x extrem viel langsamer als ich, also Gefahr des Reindotzens, besser mal beim Wenden die Bahn vor mir abchecken.

Der Himmel war leicht diesig, die Luft leicht schwül. Ich legte mich mit Musik in die Sonne, genoss immer wieder die leichte Brise. Bis zu meinem Aufbruch kurz nach eins hatte sich die Wiese immer noch nicht mit Familien gefüllt, die ich an solch einem Freibadwettersamstag erwartet hatte.

Beim Heimradeln besorgte ich Frühstückssemmeln, unterwegs zwei Verkehrsgeschichten: Zum einen drei offensichtlich betrunkene Männer in Bawaro-Lederhosen auf E-Rollern, die lachend und rufend kreuz und quer über mehrspurige und viel befahrene Kreuzungen schlingerten (gestern schien es wieder irgend ein Trachten-Ereignis in der Innenstadt zu geben). Das war gruslig, die anderen Verkehrsteilnehmenden machten einen großen Bogen. Zum anderen einer der zeitgenössischen Monster-Pkw, der an einer mehrspurigen Ampel-Kreuzung einen U-Turn versuchte – und beim ersten Abbiegen mit seinem riesigen Wendekreis nicht ganz rum kam, zurücksetzen musste. Das war lustig.

Frühstückssemmel gab es gegen zwei mit Tomate und Ricotta salata, außerdem Honigmelone und Trauben. Herr Kaltmamsell hatte währenddessen die komplexe Anreise zur Familienverabredung geplant: Sein Lieblingscousin aus USA ist mit seinem Mann im Lande, wir waren alle bei einem der beiden Brüder von Herr Kaltmamsell zum Grillen eingeladen, der hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen wohnt; die Regionalbahnen in seine Richtung waren zudem gestern mit einigen Zugausfällen und Bauarbeiten auf Alternativverbindungen stark ausgedünnt. Wir nahmen schließlich unsere Fahrräder mit in einen Zug bis Kaufering, der verspätet und sehr voll vom Münchner Hauptbahnhof abfuhr. Eine etwa zehnköpfige Jungmännergruppe in ähnlichen Bawaro-Lederhosen und deutlich angetrunken hielt es für eine besonders schlaue Idee, den Fahrradbereich des Waggons zum Gruppenabteil umzudeklarieren, weil es da so schön viele gegenüberliegende Sitze gab. Zumindest waren sie friedlich und gutmütig genug, ein wenig Platz für unsere beiden Räder zu machen, allerdings nicht genug für Befestigung. Hielten wir sie halt die dreiviertel Stunde Fahrt im Stehen fest.

Das letzte Stück bis zum Grillfest radelten wir über Felder, durch Haine und kleine Ortschaften in doch deutlicher Sommerhitze. Freudiges Treffen mit Verwandtschaft, Austausch von Neuigkeiten, Befinden, Plänen, Schlemmen mit Grillfleisch, Salat, Kartoffeln, mir schmeckten zwei Halbe alkoholfreies Weißbier (das von Franziskaner mag ich besonders gern). In der Dämmerung bekam ich reichlich Fledermäuse zu sehen.

Zurück radelten wir wieder zum Bahnhof, brachen so rechtzeit auf, dass wir gemütlich fuhren und die deutlich abgekühlte Sommernacht genossen. Ich erinnerte mich an den Sommer nach meinem Abitur, als ich immer wieder von einer der vielen privaten Abiturfeiern nachts nach Hause radelte.

Unter letztem Abendrot schwarze Silhouette einer Landschaft mit Bäumen

Der Zug zurück war ebenfalls sehr voll (klar, wenn nur halb so viele Züge auf der Strecke fahren wie sonst). Wir mussten uns von einem Mann wegen unserer Fahrräder anpöbeln lassen; dass wir damit am exakt dafür vorgesehen Platz im Wagen standen, wollte er nicht einsehen. Wieder standen wir unabgesichert irgendwo im Gang. Zum Glück beruhigte sich die Stimmung schnell.

Zurück in der Wohnung noch ein Stück Schokolade, Fenster und Türen in die Nachtluft geöffnet.

Im Bett startete ich neue Lektüre: Meine Bibliotheks-Vormerkung Zora del Buono, Seinetwegen hatte pünktlich zur Verfügung gestanden – wieder eine Recherche zu einem gewaltsamen Tod, diesmal aber als “Roman” verkauft.

§

Zu meiner derzeitigen Verzweiflung trägt die Regierungspolitik durchaus bei. Aber ja braucht es dringend eine Überarbeitung der Einwanderungspolitik (es gibt eine Einwanderungspolitik?), die nicht kurzfristige Aufreger löst, sondern die langfristigen und längst absehbaren Entwicklungen verarbeitet, mit gründlicher und fundierter Abwägung der Auswirkungen von Maßnahmen. Doch derzeit beobachte ich das Gegenteil: Wilden Aktionismus der Regierungskoalition, abzielend auf positiven Schein, deren Details uns allen noch böse um die Ohren fliegen könnten. netzpolitik.org-Co-Chefredakteurin Anna Biselli bringt meine Befürchtungen auf den Punkt:
“Autoritäre Zeitenwende, schlüsselfertig”.

Während die Rechtsradikalen nach der Macht greifen, üben sich die verbliebenen Demokraten darin, den Staat für sie schlüsselfertig vorzubereiten. Es ist noch rund ein Jahr bis zur Bundestagswahl und die einst angetretene Fortschrittskoalition für eine „moderne, freie Gesellschaft“ trägt mit dem Presslufthammer Freiheitsrechte ab, als gäbe es einen Wettlauf zu gewinnen.

die Kaltmamsell

Lieblings-Microblogging-Posts August 2024

Samstag, 31. August 2024 um 15:46

Sollte mir diesmal zu viel Tiefgang oder gar Ernst reingeruscht sein, bitte ich um Nachsicht.

Erstmal mein Zuhause Mastodon:

Die Ernte von Bluesky:

Und auf Threads gab’s auch Schönes:

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 30. August 2024 – Anja Reich, Simone

Samstag, 31. August 2024 um 8:05

Recht gut geschlafen, ich hörte Herrn Kaltmamsell irgendwann heimkommen.

Ein klarer Morgen, sehr frisch. Ich setzte mich dennoch für meinen Morgenkaffee auf den Balkon.

Blick durchs Glas des Balkonfensters auf den Balon, auf dem Tisch mit Tasse, Laptop, Wasserglas stehen, im Glas spiegelt sich eine Stehlampe, vor dem Balkon wir der Himmel gerade ein wenig hell

Irgendwann setzte sich Herr Kaltmamsell zu mir (sehr ungewöhnlich am Morgen) und begann: “Änderungen der Pläne. Alles gut, aber schlechte Nachrichten, aber alles gut.” Die schlechte Nachricht war die von einem häuslichen Unfall seiner Mutter; zum Glück in seiner Anwesenheit, er konnte sich kümmern, ins Krankenhaus mitfahren etc.

Marsch in die Arbeit durch Morgenfrische, im Büro schlüpfte ich gleich mal in meine Wolljacke. Beim Sortieren der gestrigen Süddeutschen das erst Highlight des Tages.

Titelseite SZ-Magazin: Eine alte dicke Frau in Blumen-Bikini sitzt auf einem Korbstuhl und blickt keck selbstbewusst in die Kamera

Ich feier das Foto und diesen Blick SO!
Ja, meine Herrschaften, so sieht der Körper einer alten Frau aus. Die genauso ein Anrecht auf Strand mit Sonne und Wind auf der Haut hat wie alle anderen. Und die sich genauso wenig Ihre Gedanken und Urteile dazu anhören muss wie eine junge.

Der Artikel dazu ist gut, aber auch ein wenig traurig. Gut, weil Autorin Barbara Bachmann nicht auf Teufel komm raus etwas Besonderes reinzuspitzt, keine kuschlige Dorfgemeinschaft auf Capri konstruiert, sondern die Frauen halt so normal und individuell darstellt, wie sie wahrscheinlich sind. Traurig, weil klar wird: Altsein ist nicht wirklich die ultimative Party, einsam kann man auch in kleinen Communitys sein.

Meine bezahlte Geschäftigkeit begann mit Erleichterung, weil sich das Arbeits-Problem des Vorabends gelöst hatte (durch mein Anschieben), ging weiter mit Freude, weil ich das nächste Problem, das mir telefonisch durchgestellt wurde, auch lösen konnte.

Im Büro war es weiterhin Strickjacken-kalt, ich wärmte mich auf dem Weg zu meinem Mittagscappuccino im Westend auf.

Auf einer tiefen, niedrigen Fensterbank eine Cappuccinotasse, ein ausgestrecktes Bein mit dunkelblau-weißem Rock und roter Sandale, darin Fuß mit rot lackierten Zehennägeln, vorm Fenster deckt jemand Tische ein, im Hintergrund sonnige Altbauten

(Ich sitze nur so komisch da, um meine gestrige Kleidung und Schuhe mit aufs Foto zu bekommen.)

Brotzeit zu Mittag: Restliche Kartoffeln vom Vorabend, Melone, Trauben. Wie befürchtet: Ich fühlte mich sehr voll (schaffte das Pumpernickelbrot mit Butter nicht, dass noch im Kühlschrank lag), doch zweieinhalb Stunden später knurrte mir schon wieder der Magen. Jetzt ging Pumpernickel nicht mehr, wenn er mir beim Yoga nicht hochkommen sollte. Blöderweise war mir auch noch schwindelig, das nahm mir einiges von der Freude auf den Feierabend.

Nach pünktlichem Arbeitsende gemütliches Spazieren zu Einkäufen in Drogeriemarkt und Vollcorner, daheim Yoga-Gymnastik, eine ruhige Folge – die mich allerdings weiterhin die Folgen des Unterschenkelkrampfs rechts beim Schwimmen am Mittwochnachmittag spüren ließ, auf den letzten 100 Metern hatte mich diese Veranlagung doch noch eingeholt. Auf den Alkohol zur Wochenend-Entspannung freute ich mich sehr, ich mischte uns den ersehnten Aperol Spritz.

Auf einem Balkontisch zwei große Stilgläser mit hell-oranger Flüssigkeit und Strohalmen, orange Markise herabgelassen, auf der die Sonne Schatten zeichnet

Und er hatte sofort die medikamentöse Wirkung, die ich erhofft hatte. (Lebensverkürzung kann mich ja nicht schrecken.) Auf dem Balkon saß es sich wunderbar in warmer Luft. Die kürzeren Tage verhindern auch heiße Nächte, ich öffnete schon bald nach Sonnenuntergang die Fenster.

Früheres Abendessen, weil ich jetzt echt Hunger hatte: Herr Kaltmamsell verwandelte die Ernteanteil-Aubergine in wunderbare Spaghetti Norma. Zum Nachtisch gab es Haselnusseis.

Besonders früh ins Bett zum Lesen (zum einen wegen Alkohol-Müdigkeit, zum anderen darf man ja am Wochenende so früh ins Bett, wie man will). Dort Anja Reich, Simone ausgelesen. Ich fand das Buch bis zuletzt sehr gut, auch wenn es mich in meinem jetzigen Zustand eher runterzog.

Kein Roman, sondern eine reale Geschichte, persönliche Erinnerung, journalistische Recherche: 25 Jahre nach deren Suizid forscht Anja Reich ihrer Freundin Simone nach, die sie Mitte der 1980er noch im DDR-Berlin als Schwester ihres Freunds André kennenlernte. Reich ist erfahrene Journalistin und wendet ihr Handwerkszeug an, doch sie reflektiert sich auch persönlich und ihre Verbindung zu Simone. Basis ihrer Recherche ist Simones Nachlass: Sie hat von Jugend an Tagebuch geführt, Simones Eltern überlassen Anja Reich alle Unterlagen, die sie ohnehin gerade entsorgen wollten. Reich spricht mit Simones damaligen Freunden, Liebhabern, mit ihrer Familie in Tschechien und Deutschland, zitiert aus Simones Aufzeichnungen. Doch sie geht auch ihren eigenen Schuldgefühlen und ihrer eigenen Trauer nach, spricht mit Expert*innen für psychische Erkrankungen und Suizid, recherchiert aber auch Hintergründe der gesellschaftlichen Dynamik nach dem Mauerfall in Ostdeutschland.

Das Ergebnis ist ein Geschichtsbuch, das an konkreten Beispielen, auch dem ihres eigenen Lebens, ein klein wenig nachvollziehbar macht, welche existenzielle Erschütterung das Verschwinden der DDR für fast alle ihre Bewohnenden war: Keine der bisherigen Regeln, Verlässlichkeiten und Aussichten galten mehr, hart erkämpfte Errungenschaften waren nichts mehr wert, vielleicht sogar man selbst nicht. Das macht Reich gleichzeitig journalistisch professionell und persönlich nahbar; sie zielt nicht auf Effekte, sondern auf Erkenntnis. Und transportiert sehr viel weitere Information, unter anderem Strukturen der Kinderbetreuung in der DDR (-> Wochenkrippen), am Beispiel von Simones Mutter Dana und ihrer Familie die Lebensläufe von tschechischen Einwanderern in die DDR oder den Ausnahme-Alltag in Berlin nach dem Mauerfall.

die Kaltmamsell