Journal Mittwoch, 19. April 2023 – Galette und Beifang aus dem Internetz

Donnerstag, 20. April 2023 um 6:34

Wieder unruhig und leicht geschlafen, bin sofort bereit, das Arbeitsleben als Ursache anzuführen.

Die gute Nachricht des Morgens: Herr Kaltmamsell kehrte zum einstrichigen Corona-Test zurück.

Noch ein grauer Tag, zumindest kam ich trocken ins Büro.

Münchner April 2023.

Am dritten Arbeitstag nach Urlaub war mir wieder ein Rhythmus möglich, der mir Mittagscappuccino erlaubte.

Die Gollierstraße lieferte Frühling.

Ich testete die neuen Inhaber des einstigen Beaver Coffee, jetzt Stray.

Guter Cappuccino, ich komme wieder.

Mittagessen am Schreibtisch: Granatapfelkerne mit Hüttenkäse und Joghurt.

Um die Hilfe eines kleinen Fingers gebeten, die ganze starke Hand bekommen – schön, dass das durchaus auch vorkommt.

Nachmittags regnete es immer wieder, auch heftig, das hielt bis zum Abend ab.

Für meinen Heimweg brauchte ich also Schirm. Ich holte geänderte Sommerkleidung vom Schneider, kaufte im Vollcorner Lebensmittel ein.

Zu Hause eine weitere Folge Yoga, wieder überraschend anstrengend (war ich beim ersten Durchturnen von “Move” Mitte 2022 fitter?), auch diese werde ich wiederholen.

Zum Abendessen machte Herr Kaltmamsell Galette, wir hatten ja noch Buchweizenmehl.

Wie bei allen Pfannkuchen war das erste Exemplar Opfer für die Götter. Die weiteren Exemplare schmeckten ganz hervorragend, meine bisher liebste Anwendung von Buchweizenmehl. Dazu hatte ich aus Portulak vom Süpermarket Verdi (sieht ganz anders aus als unser Portulak vom Kartoffelkombinat, den man mit Stumpf und Stiel esssen kann, duftet auch anders) und Joghurt angelehnt an ein türkisches Rezept Salat gemacht, eine rote Paprika freestyle reingeschnippelt.

Nachtisch mazapán und Osterschokolade.

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Den individuell flexiblen Umgang mit Wissenschaft habe ich in vielen Gesprächen erlebt: Von “Die Wissenschaft weiß halt auch nicht alles!” (Ja, Schatz, das definiert Wissenschaft und Forschung sogar.) bis zu “Aber das ist wissenschaftlich erwiesen!” (Ja, Schatz, dieses Detail ist wissenschaftlich abgesichert, aber nicht die Schlüsse, die du ganz unwissenschaftlich daraus ziehst.)

Florian Aigner fasst gut zusammen:
“Wissenschaft wird überschätzt – und unterschätzt”.

Es ist paradox: Wir leben in einer Zeit, in der man der Wissenschaft entweder alles zutraut oder überhaupt nichts zutraut. In der man sich von der Forschung einerseits sagenhafte Wunderdinge erwartet und sie andererseits lächerlich macht – je nachdem, was gerade besser ins eigene weltanschauliche Konzept passt. Beide Extreme sind selbstverständlich falsch. Wir brauchen dringend ein realistischeres Bild davon, was Wissenschaft und Technik leisten können und was nicht.

via hmbl

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Womit sich Herr Kaltmamsell in seinen sehr, sehr, sehr vielfältigen Interessen auch beschäftigt:
“The Painting
A weird space story”.

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Never underestimate the Niedlichkeit (von 1994).

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/a8RFignlzaM

via @kid37

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Bestes Amselfoto.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 18. April 2023 – Viel Arbeit, neue Urlaubspläne

Mittwoch, 19. April 2023 um 6:14

Ein wenig unruhige Nacht, weil ich einen undurchsichtigen Posten Arbeit auf Dienstag geschoben hatte und mein Hirn bereits nach Lösungsansätzen suchte.

Auf dem Weg in die Arbeit wurde es fast ein wenig hell.

Frühlingsfest ist bereits aufgebaut, hiermit die Terminerinnerung:
Am Samstag, 22. April, findet der riesige Flohmarkt auf der Theresienwiese statt.

In der Arbeit gleich mal hohe Schlagzahl, aber mir fielen Lösungen ein.

Mittags marschierte ich unter grauem Himmel zum KVR, holte neuen Personalausweis und neuen Reisepass ab. Auf dem erzwungenen neuen Foto mag mich vielleicht eine Maschine erkennen, ein Mensch wahrscheinlich nicht. Fußmarsch zurück, die Bewegung tat mir mal wieder besonders gut.

Zurück am Schreibtisch hastig runtergeschlungenes Mittagessen: Scheibe Brot und zwei Orangen.

Dann weiteres Wegackern vieler, vieler kleiner Dinge. Leichtsinnig im Vorbeigehen Hilfe angeboten, beim Griff nach der ganzen Hand aber ganz schnell den kleinen Finger wieder weggezogen.

Diesmal war ich erst kurz nach vier fix und fertig, doch auch diesmal war noch viel Arbeit für den Tag übrig, tse.

ABER! (Wie ich in jeder Lage immer noch ein ABER! finde.) I can haz 49-Euro-Deutschlandticket als Jobticket, und zwar ab Juni. 25,72 Euro pro Monat für allen Nahverkehr und Öffis? Aber ja, da ist mir wirklich die Amortisierung im Einzelmonat wurscht, we call it Mischkalkulation.

Auf dem Heimweg Einkäufe nach Langem mal wieder beim Süpermarket Verdi, unter anderem Salat für die nächsten beiden Abendessen.

Zu Hause nochmal die Yoga-Folge 2 aus Adrienes “Move”, wie anstrengend so ein lange gehaltener Ausfallschritt sein kann.

Hübsches Nachtmahl, trotz immer noch sichtbarem zweiten Strich bei Herrn Kaltmamsell am selben Tisch gegessen (alles andere wäre bei diesem Gericht auch ausgesprochen umständlich gewesen).

Nein, das sind keine Kartoffeln: Herr Kaltmamsell hatte Tomatensemmelchen mit Ofenkäse gebacken. Dieses Genre ging vor vielen Jahren mal durch die Foodblogs, jetzt hatten auch wir das Gericht. Frischer Hefeteig ist immer gut, als Käse hätte ich mir allerdings einen würzigeren gewünscht. Auf den Tellern dazu Ruccola mit roter Paprika.

Nachtisch wieder allein: Osterschokolade. Nur ein bisschen zu viel.

Schon im vergangenen Urlaub hatten Herr Kaltmamsell und ich beschlossen, dass wir sein Sabbatjahr für eine weitere dreiwöchige Reise außerhalb der bayerischen Sommerferien nutzen wollen (das war ja mein geheimer Zweck der ganzen Aktion). Ich fand in meinem Kalender Ende Juni / Anfang Juli drei Wochen ohne Schöffinnenverpflichtung und andere Herzenstermine, bekam sie als Urlaub genehmigt, dann verdrängten wir einstweilen unseren Brexit-Groll und begannen die Planung einer zehntägigen Wanderung in den Cotswolds mit anschließender Woche in Brighton. Vorfreude setzte umgehend und heftig ein.
(Ob wir uns das finanziell leisten können, fragen wir uns übrigens gar nicht. Gehen halt Ersparnisse drauf, bleibt weniger fürs Alter, aber wer kann schon sagen, ob wir in der Rente noch fit genug für solche Vergnügen sind.)

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Mal wieder alte Fotos.

Vor zehn Jahren. Den Wildledermantel und das Halstuch trage ich immer noch.

Vor 20 Jahren auf der Queen Elizabeth 2 bei der Überfahrt von Southampton nach New York.

Von vor 30 Jahren habe ich diesmal kein Foto gefunden.

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Den Küchenumbau von @katha hatte ich damals über Monate live (also über Twitter und instagram) mitverfolgt. Mir war allerdings nicht klar, dass ihre gesamte Wohnung in Wien umgebaut wurde. Das erfuhr ich aus einem Artikel im Standard:
“Wohngespräch
Seiser und Lamnek: ‘Für die Kochbücher brauchten wir ein statisches Gutachten'”.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 17. April 2023 – Kommunikationserfolg

Dienstag, 18. April 2023 um 6:14

Das mit dem Vorarbeiten für Nachtschlaf funktionierte: Nicht mal nach dem Klogang setzte ein Sorgenkarusell ein.

Zeitung war im Briefkasten und auf dem Zettel daran eine Antwort:

Das ist dann wohl auch künftig unsere Kommunikationsform für temporäre Abbestellungen.

Der Morgen war hochneblig grau und kalt, laut Vorhersage keine Aussicht auf Besserung vor Freitag.

Im Büro erwartete mich das Erwartete mit nur wenig Unerwartetem. Am Vormittag verarbeitbarer Wahnsinn, die Korridore der Abteilung wegen einiger aktueller Messen ohnehin leer. Neben heftigem Wegarbeiten war Tag der Bizarro-Anrufe.

Zu Mittag gab es selbst gebackenes Brot und Birnen.

Auch am Nachmittag emsiges Wegarbeiten. Eigentlich war ich schon um halb drei erledigt für den Tag. Aber die Arbeit halt nicht.

Gegen Feierabend sah ich sogar kurz mal die Sonne, doch beim Verlassen des Bürohauses erwischte mich ein Regenschauer. Als daraus schmerzhafter Graupel wurde, stellte ich mich erst mal unter und guckte meditativ in Pfützen.

Lebensmitteleinkäufe auf dem Heimweg, Herr Kaltmamsell fällt weiterhin mit zwei Strichen aus. Diese hinderten ihn aber nicht daran unser Abendessen zuzubereiten: Spaghetti mit frischen Champignons in Rahm – köstlich. Während seines Kochens hatte ich eine Folge Yoga geturnt, bei aller scheinbaren Einfachheit ganz schön anstrengend – mache ich nochmal.

Nachtisch spanisches Marzipan und Ostersüßigkeiten.
Ich holte mir online beim Bürgeramt einen Termin zum Abholen meines Personalausweises und Reisepasses gleich Dienstagmittag, meldete mich außerdem auf eine Erinnerungs-Mail hin als Wahlhelferin für die bayerische Landtagswahl. Eigentlich fehlt mir nach Wahlhilfe bei jeder Art von Wahl noch der Einblick ins Briefwahl-Auszählen in großer Halle, doch das verschob ich nochmal.

Auch hierfür Werbung: Ich empfehle sehr, mindestens einmal im Leben bei einer Wahl geholfen zu haben, um einen persönlichen Eindruck von Sorgfalt und Aufwand bei dieser Grundlage unserer parlamentarischen Dekomkratie zu bekommen. Münchner*innen können sich hier beim Wahlamt anmelden; dort finden Sie auch weitere Informationen zu den verschiedenen Ämtern und zum Ablauf. Aus Erfahrung weiß ich, dass die Wahlhilfeschulung in München sehr gut ist. (Und dass man beim Wahlhelfen meist interessante Menschen im Team kennenlernt, unter anderem Leute, die bei der Stadt arbeiten.)

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 16. April 2023 – Mehr graue Kälte, Abschied vom Urlaub

Montag, 17. April 2023 um 6:19

Geweckt vom Wecker, damit ich vor Isarlauf noch Brotbacken unterbrachte. Es wurde dieses Dunkle Bauernbrot, allerdings mit Kneten (Eigennotiz von vorherigem Backen), und da ich meinem Sauerteig-Ansatz trotz Auffrischens nicht ganz traute, mit einer Prise Trockenhefe im Endteig.

Beim Falten mal wieder Kampf mit Klebrigkeit – vielleicht sollte ich wirklich mal einen Kurs zu Stretch&Fold machen.

Draußen war es grau und regnerisch. Ich bin froh um die zwölf Tage Frühlings-Vorschuss in Spanien, hier hätten meine drei Wochen Urlaub nur aus Schnee, Regen und Grau bestanden.

Damit ich noch vor zwölf zu meinem Isarlauf kam, übernahm Herr Kaltmamsell die Beaufsichtigung des eigentlichen Brotbackens, ich sprang hinaus über den Alten Südfriedhof an die Wittelsbacherbrücke, der Regen hatte aufgehört.

In Thalkirchen sah ich die ersten Schwalben der Saison, an der Holzbrücke sogar in großen Mengen.

Paradies für Bärlauchfreundinnen (zu denen ich nicht gehöre, ich finde den Nachgeschmack und -atem grässlich).

Der Körper machte gut mit, mein Hirn überraschte mich mal wieder: Statt wie erwartet die Unmengen Urlaubseindrücke zu verarbeiten, plante es den ersten Arbeitstag vor und strukturierte den Vormittag kleinschrittig (es sind zwei startende Menschen zu organisieren). Holte dann aber auch Bilder aus dem Harz hervor, die Tage dort sind auch noch nicht ganz verarbeitet.

Das frische Brot wurde mein Frühstück nach einem Apfel. Es war ein wohlschmeckendes Brot geworden, nur mit seiner wilden Porung und der dicken Kruste nicht das vom Rezept angepeilte Ergebnis. Ich fasste den Vorsatz, wieder öfter Brot zu backen und den Sauerteig öfter aufzufrischen, um mehr Routine und Kontrolle übers Ergebnis zu bekommen.

Ein Stündchen Bügeln, um möglichst wenig Lasten in die Arbeitswoche mitzunehmen.

Dabei dieser Ausblick auf den Park.

Herr Kaltmamsell isolierte sich weiter in seinem Zimmer, weiterhin mit nur etwas Husten.

Und dann halt doch: Arbeitsrechner hochfahren, E-Mails sichten und sortieren. Ich wusste sehr genau, was am Montag ohnehin auf mich zukommen würde, für das Sichten von drei Wochen E-Mails würde keine Zeit sein. (Und für die Software-Updates samt mehreren Neustarts, die der Rechner mir gestern auch gleich aufzwang.) Nach zwei Stunden war ich durch. Beim letzten Urlaub konnte ich mir so guten Nachtschlaf vor erstem Arbeitstag verschaffen und die Stunden Anfangspanik umgehen – TFU TFU TFU.

Zur Erholung turnte ich Yoga, nochmal die erste Folge von Adrienes “Move” (minus die ersten vier Minuten Besinnlichkeit, ahem).

Das Nachtmahl bestand aus Resten: Empanada, Brot mit Majo und eingelegten roten Paprika, spanische Kekse, Osterschokolade.

Zettel an den Briefkasten geklebt: “Süddeutsche Zeitung JA!” Mit Smiley. Vielleicht hilft auch diesmal die direkte Kommunikation mit dem Austräger.

§

Lea Scholz hat für Krautreporter recherchiert (unter anderem bei den Bettelnden selbst):
“Geld oder Brot: Wie helfe ich bettelnden Menschen am besten?”

Westerholt [leitet den Bereich Integration und Beratung der Caritas in Köln] warnt aber davor, organisiertes Betteln mit Einwanderung zu verwechseln: „Auf unseren Straßen betteln viele Menschen, die aus anderen EU-Ländern kommen. Sie gehören deshalb nicht gleich zu einer Betrugsmafia – auch nicht, wenn sie untereinander vernetzt sind.“ Wer in einem fremden Land ist, nicht arbeitet, keine Unterbringung hat und wenig Deutsch spricht, tut sich mit seinen Landsleuten zusammen – etwa um aufeinander aufzupassen. „Auf der Straße kann das überlebenswichtig sein.“

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 15. April 2023 – Schwimmen, Empanada-Fail

Sonntag, 16. April 2023 um 8:14

Ausgeschlafen, ins Grau aufgewacht, zumindest regnete es nicht.

Leider hatte jetzt auch in diesem Haushalt der zweite Strich des Corona-Tests zugeschlagen: Das letzte Urlaubswochenende muss ich separiert von Herrn Kaltmamsell verbringen. Noch hustete er lediglich ein wenig, fühlte sich ansonsten gesund. (Vorgriff auf Sonntag: Ich bin weiterhin negativ – was in vielerlei Hinsicht ein Glück ist, für meinen Arbeitswiedereinstieg muss ich wirklich dringend persönlich im Büro sein.)

Mit Bloggen und Tändelei (u.a. Vorteig für Brotbacken am Sonntag angesetzt) wurde es dann aber doch elf, bis ich zum Schwimmen loskam. Fürs Radeln brauchte ich Mütze und Handschuhe.

Schon als ich am Olympiabad schier keinen Parkplatz für mein Fahrrad bekam, ahnte ich es: Die Schwimmbahnen waren sehr voll. (Mag an der Sperrung des Übungsbeckens nebenan gelegen haben.)

Dennoch schwamm ich gut, erschrak nur hin und wieder bis zum Juchzer, wenn mich ein Schnellschwimmer beim Wenden scheinbar aus dem Nichts überholte. Sogar mein vorher zwickendes Kreuz rechts entspannte sich schon nach wenigen Bahnen. Ich dachte weiter über den Roman Alte Sorten nach; unter anderem fiel mir ein, dass die Figuren äußerlich fast nicht beschrieben werden (gut!) – von der einen erfahren wir nicht viel mehr, als dass sie besonders groß ist, von der anderen, dass sie besonders dünn ist.

Beim Heimradeln tröpfelte es, aber nicht zu schlimm. Semmeln beim Bäcker Wimmer geholt.

Zu Hause als Allererstes direkt Nasendusche: Es hatte beim Schwimmen gleich wieder gebitzelt, und nochmal drei Tage Chlorschnupfen wie beim letzten Mal wollte ich wirklich nicht.

Zum Frühstück gab es zwei Körnersemmeln. Anschließend ging ich nochmal raus: Einkaufen fürs Abendessen. Erst auf dem Heimweg fiel mir ein, dass es vielleicht schlau gewesen wäre, Vorräte für den Fall mitzunehmen, dass auch mich COVID-19 erwischt. Ich hatte keine Lust umzukehren, dann halt volles Risiko.

Nachtmahl bereitete ich zu: Empanada mit Hühnchen nach Simone und Inés Ortega, 1080 Rezepte. In der Füllung führte das Rezept wie so viele andere “1 EL frisch gehackte Petersilie” auf. Ich hatte diesmal keine eingekauft, weil ich in den nächsten Tagen keine Verwendung für den Rest habe. Solche Angaben gehen vermutlich davon aus, dass man nur kurz in den eigenen Garten geht? Auch dieser Hefeteig erwies sich als sehr unkooperativ.

TADAA! Empanada “Freddy Krüger”. Schmeckte so lala: Zu viel Teig für zu wenig Füllung, und diese (u.a. Hähnchenfleisch, Zwiebel, Chorizo, rote gegrillte Spitzpaprika) zu wenig würzig und saftig.

Also zurück auf Null. Sie haben nicht etwa ein erprobtes (!) Rezept für spanische Empanada?

Nachtisch wieder zu viel Osterschokolade.

Allein machte mir Nebenbei-Fernsehen überhaupt keinen Spaß, ich las statt dessen eine Geschichte, von der mir Herr Kaltmamsell bei Gelegenheit erzählt und die er auf meine Bitte gleich rausgekramt hatte: “Endspiel im Prosastadion” von Bill Pronzini & Barry N. Malzberg, Übers. Rüdiger Hipp, in Wolfgang Jeschke (Hrsg.), Die besten Stories aus The Magazine of Fantasy and Science Fiction 58, Grenz-Streifzüge, München 1981. Das ist das alte Zeug, das bei Herrn Kaltmamsell meterweise rumsteht – und bei dem ich völlig verstehe, warum er es als gedruckte Bücher behält.

Er hatte die Geschichte erwähnt, als ich mal den Wunsch nach einem literarischen Wettschreiben äußerte, live und vor Publikum. Genau solch eines beschreibt diese Geschichte nämlich, sie heißt im Original “Prose Bowl” und ist aus der Perspektive eines der beiden Duellanten im Finale geschrieben. Er kann nach Münzwurf als erster aus zwei Vorgaben wählen, “Futuristisches Liebesabenteuer” oder “Krimi Mitte Zwanzigstes Jahrhundert”, beide schreiben nach Startschuss los – auf Papier und mit Schreibmaschine, ist ja schon 40 Jahre her. Alles wird in Echtzeit auf die Anzeigetafel des Stadions übertragen. Ziel des Wettkampfes ist es, als Erster 10.000 Wörter geschrieben zu haben. Es gibt Spielpausen, in denen ein Helferteam für Erholung sorgt, Fans mit Sprechchören, Strafpausen für “unannehmbare Ausdrucksweise” oder “Personenverwechslung”.

Geschrieben ist die Geschichte nicht besonders gut, doch mir gefiel, dass die Grundidee mal durchgespielt wurde.

Im Bett begann ich einen weiteren Roman von Ewald Arenz: Der Duft von Schokolade. Er nahm mich sofort mit ins Wien Ende des 19. Jahrhunderts, Arenz kann wirklich schreiben.

Chlorschnupfen nicht ganz vermieden.

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Mary Quant ist mit 93 Jahren gestorben. Ein fachlicher Nachruf im Atlantic:
“The Not-So-Sexy Origins of the Miniskirt”.

Ihr zu Ehren nochmal das Foto von meinem einen Mary-Quant-Kleidungsstück.

§

Das Techniktagebuch stellt die elektronische Blockflöte vor – und schon finde ich die Welt und zahlreiche Menschen darin wieder großartig!

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 14. April 2023 – Langsame Heimkehr, Ewald Arenz, Alte Sorten

Samstag, 15. April 2023 um 9:04

Ausgeschlafen. Draußen war es kalt und grau, es regnete den so nützlichen, aber durch und durch greislichen Landregen.

Plan für den Tag war schon seit Wochen eine Schwimmrunde gewesen. Doch nach Morgenkaffee, Bloggen mit Zusatzrecherchen, zwei Tassen Tee Lapsang Souchong (frischer Wasserfilter) war mir sowas von gar nicht nach Aktivität, dass ich auf Urlaub und Gemütlichkeit umschaltete – ich nahm mir Zeit für innerliche Heimkehr und las erst mal Internet.

In dieser Muße stellten sich Ideen für kleinere Geschäftigkeiten ein, zum Beispiel Sauerteig-Aufrischen für wochenendliches Brotbacken, Bügeln einer noch feuchten, eben gewaschenen Hose, um spätere Bügelprobleme zu vermeiden, außerdem Rezeptrecherche für Samstagabendessen (Empanada).

Herr Kaltmamsell hatte bereits am Donnerstag bei seinen Einkäufen gesehen, dass es im Kaufhof am Marienplatz noch Osterschokolade gab. Als ich um die Mittagszeit zu einer ersten Einkaufsrunde unterm Regenschirm loszog (dicker Janker, Mütze, Handschuhe), steuerte ich also die Süßigkeitenabteilung im Untergeschoß an.

Osterschokoladen-Paradoxon: Wenn es aussieht, als habe man übertrieben, war es genau richtig.

Außerdem ging ich für Mehle zum Hofbräuhausmühlenladen – und fand ihn schier nicht.

Nächster Stopp Eataly für ein großes Stück Grana Padano. Auch dort Preisreduktion von Venchi-Osterschokolade, allerdings nur um 20 und 30 Prozent – beim Kaufhof hatte es die riesigen italienischen Schoko-Ostereier um die Hälfte gegeben.

Unterwegs erreichte mich die Nachricht, dass ich in den Tagen zuvor Kontakt mit Corona-Infizierten gehabt hatte. Beim Ablade-Stopp daheim also erst mal getestet: negativ. Weitere Tests auf die Einkaufsliste gesetzt, ich teste jetzt lieber vorerst täglich.

Die nächste Einkaufsrunde führte ich mich zur Drogerie und in den Vollcorner. Ich brauchte keinen Schirm mehr, freute mich, dass ich doch noch Magnolienblüte erlebte.

Frühstück kurz vor drei Apfel, etwas Joghurt, spanisches Brot mit Nocilla – ich bin zurück im normalen Essrhythmus freier Tage. Das pan candeal hatte sich gut gehalten (über Nacht in Plastiktüte). Wie wenig Wasser der Teig enthält, merkt man auch daran, dass der Laib leicht ist. Was wiederum darauf hinweist, warum dieses traditionelle Brot aus der alten Weizensorte unattraktiv für Großherstellung ist: Moderne Weizensorten wurden darauf gezüchtet, dass ihr Mehl möglichst viel Wasser aufnehmen kann, denn Wasser ist billig, und je höher der Anteil in einem Kilo-Laib Brot, desto höher der Gewinn für die Bäckerei.

Nachmittags las ich Alte Sorten von Ewald Arenz aus und war sehr angetan (siehe unten).

Endlich wieder Yoga, ich begann nochmal das 30-Tage-Programm von 2022 “Move” von Adriene, merkte, wie sehr ich das Dehnen vermisst hatte.

Währenddessen hatte Herr Kaltmamsell das Nachtmahl zubereitet: Vollkorn-Lasagne mit Grünkernschrot-Chili. Ich verwendete die zweiten Hälfte spanische Zwiebel für eine Schüssel Salat, dazu gab es einen feinen Côtes du Rhône Elisabeth Chambellan.

Zum Nachtisch: Süßes Gebäck vom Panadero, Osterschokolade (zu viel, das hat mir der Urlaub leider nicht abgewöhnt).

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Nach dem anstrengenden und langen Roman über das Ende des Vietnam-Kriegs und seine Grausamkeiten ließ ich mich im Flugzeug von Madrid nach München in Alte Sorten von Ewald Arenz fallen – und war innerhalb weniger Seiten (… Bildschirme? ich las das Bibliotheks-eBook auf meinem Smartphone) in fränkischen Feldern und Weinbergen. Ich lernte zwei Frauen kennen, die sich zufällig begegnen, aus deren personaler Perspektive abwechselnd erzählt wird. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Sicht der 17-jährigen Sally, die am Anfang der Geschichte offensichtlich von irgendwo ausgebüchst ist, wohin sie auf keinen Fall zurück will. Sie gerät an die Landwirtin Liss, und es wird schnell klar, dass diese Frau mittleren Alters eine mindestens ebenso sperrige Persönlichkeit ist. Die Erzählkunst und die einer gelungenen Informationsvermittlung entfalten sich aus diesem Set-up: Die beiden Hauptfiguren reden nicht viel, sind verschlossen und kämpfen mit sich – wir erfahren vor allem äußere Handlung und Eindrücke, immer wieder der Verarbeitung der Protagonistinnen gegenübergestellt. Es ist Anfang September, und die ländliche Umgebung liefert Unmengen Farben, Gerüche, sonstige Sinneswahrnehmungen. Besonders gefielen mir die wenigen Dialoge, die glaubwürdig einfangen, wie die beiden Frauen in solch einer Situation miteinander umgehen. Auch schön: Es wird mal nicht das Klischee bedient, dass Leute aus der Stadt, gerade besonders schlaue Leute, sich in landwirtschaftlichen Dingen besonders blöd anstellen.

Die Überraschungen in der Handlung resultieren aus der Sprunghaftigkeit der beiden Frauen und waren für mich durch und durch nachvollziehbar, das versöhnliche Ende entgeht allzu großer Harmonie durch genug offene Fäden. Leseempfehlung – und Erleichterung, dass der Roman der Einsortierung in “Jugendbuch”/young adult fiction entgangen ist, obwohl eine 17-Jährige im Mittelpunkt steht.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 13. April 2023 – Großfamilienurlaub 12: Pan candeal, zusammengefasstes Schwärmen von Sepúlveda

Freitag, 14. April 2023 um 9:59

Direkt zum Reisetipp.

Gut und tief geschlafen (kein Schnarcher im selben Zimmer), ich war bereits am Wachwerden, als ich den Aufbruch der Bruderfamilie hörte.

Gleich früh ging ich nochmal zum Panadero, um das für die Gegend typische pan candeal zum Heimnehmen zu besorgen. Es war zapfig kalt (Thermometer im Innenhof der Posada zeigte 6 Grad an – Vorbereitung für München) – so sollten die Temperaturen hier oben im April eigentlich sein.

Doch erst mal verließ ich die Panadería mit leeren Händen: Diese Brotsorte war noch nicht fertig, der freundliche Panadero vertröstete mich auf in 20 Minuten. Aber er gab mir gleich mal Auskunft zu Details dieses Brots.

Das pan candeal ist besonders feinporig mit mürber Kruste, im Grunde das Gegenteil einer französischen Baguette oder italienischen Ciabatta. Die verwendete Weizensorte ist trigo candeal (Triticum turgidum), einst in Spanien dominierend und, wenn ich das richtig verstehe, ein Verwandter des Kamut. Der sehr feste Teig mit wenig Wasser (40 Prozent) wird mit Walzen geknetet (oder Nudelholz). Getrieben wird er mit Weizensauerteig, doch der Panadero meinte, im Winter brauche er ein bisschen Hilfe von Bio-Hefe. Idealerweise gehe er 24 Stunden bei 28 Grad.

Bei meinem zweiten Besuch lag das pan candeal in einigen Form-Varianten im Regal, ich nahm diejenige, die mir aus meiner Kindheit vertraut war.

Anschnitt vom Abend.

Da wir nur noch zu dritt waren, hatte Wirt Millán für uns im Comedor gedeckt, wir trafen auf andere Gäste. Unseren Gastgeber fragten wir noch ein wenig zum Haus aus und zu dem einen oder anderen Detail, das uns bei unseren Spaziergängen in und um Sepúlveda aufgefallen war. Er erzählte unter anderem, dass es für das verfallende Elektrizitätswerk fábrica de la luz Pläne zum Umbau in ein Hotel, dann in ein Infozentrum über die Hoces del Duratón gegeben habe, für die Umsetzung aber keine Genehmigung.

Abschiede erleichtern mich eigentlich immer. Der von Kastilien löste diesmal überraschendes Ziehen aus – ich werde doch nicht in der wundervollen Posada frische Wurzeln geschlagen haben?

Mit meinen Eltern fuhr ich zurück nach Madrid.

Letzter Blick auf El Olmo. Die Bergrücken der Sierra de Guadarrama waren weiß überfrostet.

Hinunter zur Meseta.

Die Rückgabe des Mietautos wurde ein Abenteuer, da wir für die Navigation nur Google Maps zur Verfügung hatten und das uns nicht zu der Europcar-Station bringen konnte, an der wir das Auto abgeholt hatten (der angezeigte Weg existierte nicht). Nach einigen Runden mit wachsender Verzweiflung, denn ich kannte mich hier wirklich nicht aus, fuhren wir eine andere Station an. Hier glückte die Abgabe, ein Schaden an einer Felge wurde festgestellt. Zwar hatte ich beim Empfang das Auto außen genau mit der Schadensliste abgeglichen, doch auf die Felgen hatte ich nicht geachtet (fehlende Auto-Vertrautheit), musste diesen massiven Kratzer also als von uns verursacht hinnehmen.

Ab dann verlief die Rückreise aber glatt. Ich frühstückte am Flughafen noch ein boquadillo de jamón y queso sowie einen großen Schokoladenkeks.

Im kalten (9 Grad), regnerischen München landeten wir mit nur 15 Minuten Verspätung, meine Eltern bogen zum Flughafen-Bus nach Hause ab. In der S-Bahn in die Innenstadt verlängerte eine spanisch sprechende Gruppe mein Spanien-Gefühl angenehm. Kurz nach acht nahm ich daheim Herrn Kaltmamsell in die Arme.

Nachtmahl mit Ziegen- und Schafskäse aus Boceguillas, Herr Kaltmamsell hatte zur mitgebrachten Zwiebel bereits Salat und Tomaten besorgt, mir war sehr nach Wein.

Für mein Gemüt war die Rückreise viel zu schnell und plötzlich verlaufen, ich war innerlich noch ganz in Sepúlveda und wollte überhaupt nicht zurück in München sein.

§

Hier möchte ich zusammengefasst von der Provinz Segóvia und darin vor allem von Sepúlveda als Reiseziel schwärmen.

Kastilien ist eine schroffe Gegend Europas mit sehr viel Geschichte inklusive im 20. Jahrhundert und bis heute – davon erzählen Besiedlung und Landschaft. Es kann viel Spaß machen beides zu erkunden, im zurecht berühmten kastilischen Licht durch (wieder) lebendige Dörfer zu fahren oder zu gehen, Wanderungen durch Naturschutzgebiete zu machen (auch Mountainbike-Strecken werden hier empfohlen), durch eine karstige Gebirgslandschaft, die sich auf den Klimawandel einstellt.

Idyllenhausen aber ist das hier echt nicht, keine Provence-Romantik. Sondern nur echt. Mit industrieller Landwirtschaft außerhalb der Naturparks (und römischen Brücken sowie römischen Inschriften in und um Duratón), mit Schweinefabriken (aber garantiert Paella-freien Speisekarten), mit Spielautomaten in den Bares von Sepúlveda (aber dort immer noch zwei Panaderías, zwei Carnicerías, sogar wieder einer Pescadería).

Das meiste davon ist wenig touristisch erschlossen: Man muss es wissen und dann selber hinfinden – wie so Reisende in den 1950er Jahren, mich erinnert es an englischsprachige Romane dieser Zeit. Von den zahlreichen Spuren der Römerzeit erfuhr ich übrigens in meinem ersten Semester Geschichtsstudium (Nebenfach), als ich Epigrafie der römischen Kaiserzeit belegte und der Professor mir eine Inschrift aus Duratón als Untersuchungsgegenstand meiner Hausarbeit zuwies, die er selbst fotografiert hatte (das Foto stimmte nicht mit ihrer Erstveröffentlichung über 100 Jahre zuvor überein, ich plumpste gleich im ersten Semester in echte Forschung – die Geschichte muss ich mal erzählen).

Spanien und Kastilien haben halt mit Bürgerkrieg, Franco-Diktatur und zackigem Nachholen von Modernisierung eine durch und durch andere Geschichte im 20. Jahrhundert als Frankreich und die Filmkulisse Provence – schmerzhaft und sicher nicht weniger spannend.

Was mir persönlich besonders entgegen kommt: Die Instagramabilität der meisten Ansichten wird durch Details gestört, sei es durch einen weggeworfenen Autoreifen, durch eine Schweinefabrik in der Landschaft, durch eine Hochspannungsleitung oder durch Plastikstühle unter der Hausfassade aus dem 13. Jahrhundert – ich mag sowas sehr, es bedeutet für mich Leben.

Und in Madrid ist man von Sepúlveda aus in einer guten Stunde mit dem Auto.

Anreise: Entweder ganz mit dem Auto und unterwegs ein bisschen Frankreich angucken, oder Flug nach Madrid Barajas, Weiterfahrt mit Mietauto von dort – leider erreichen öffentliche Verkehrsmittel, gar Schienen, diese Gegend nicht.

Unterkunft: Posada de San Millán, eines der ältesten Häuser von Sepúlveda mit Teilen aus dem 11. Jahrhundert, in seinen acht wunderschönen und liebevoll eingerichteten Zimmern dennoch mit jedem Komfort. Ganz besonders herzliche Gastfreundschaft der alteingesessenen Sepulvedaner Familie Bonilla, die zu jedem Stein der Stadt und Umgebung etwas zu erzählen weiß.

Ideale Reisezeit: April bis Oktober. Selbst der Hochsommer kann hier angenehm sein, denn die Nächte kühlen stark ab, in Sepúlveda gibt es ein Freibad, und im August finden die erlebenswerten fiestas statt.

Mehr Infos auf der gut gepflegten Fremdenverkehrs-Website.

die Kaltmamsell