Journal Mittwoch, 26. April 2023 – Abendessen auf dem Frühlingsfest

Donnerstag, 27. April 2023 um 6:17

Zu wenig Schlaf bekommen, weil ich nach Aufwachen um vier nicht mehr richtig einschlief.

Die Bäume tun ihr Ding und grünen wie bescheuert.

Das Draußen dunkelgrau mit ständiger Regendrohung, zudem unangenehm kalt: Auf dem Weg in die Arbeit vermisste ich Mütze und Handschuhe (für die gute halbe Stunde Fußweg drehte ich aber nicht nochmal um).

Emsiger Vormittag, ich merkte den fehlenden Schlaf an Grundmüdigkeit.

Mittagessen: Pumpernickel mit Butter, Banane mit Dickmilch.

Der Nachmittag war dann turbo-emsig, darunter aber auch eine überraschende – und durchaus herzliche – Begegnung mit meiner beruflichen Vergangenheit.

Zu einem nicht zu späten Feierabend musste ich mich zwingen, doch ich wollte vor den Abendessensplänen sehr gern noch eine Runde Yoga (Wiederholung der Folge vom Dienstag) einschieben.

So marschierte ich direkt heim, turnte meine Yoga-Gymnastik – und ging dann mit Herrn Kaltmamsell zum Abendessen aufs Frühlingsfest. Für einen grauen, kühlen Mittwochabend war das übersichtliche Volksfest im nördlichen Eck der Theresienwiese sogar ganz gut besucht, selbst dafür holten junge Leute ihre Dirndl- oder Lederhosen-Verkleidung aus dem Kleiderschrank (überm Dirndl trägt man in dieser Saison Step-Anorak). Die Fahrgeschäfte und Attraktionen wurden durchaus genutzt, die Geisterbahn-Deko mittlerweile klar von zeitnenössischer Fantasy beeinflusst, doch an den Karusells wummert weiterhin “Wahnsinn” und “Tausendmal berührt”. Unter den Fressbuden fielen mir zahlreiche Crêpes-Angebote auf, ein Churros-Stand (ohne chocolate) – noch sah ich keinen “Vegan!”-Stand, noch sind die dem Tollwood vorbehalten.

Falls Sie sich immer schon fragten.

Wir stiegen in die Abgründe der Volksfestkulinarik:
– Bratwurst: auf die ich mich seit Wochen freute, die dann allerdings nur lauwarm war und nicht sehr braun gebraten
– Pommes mit Majo: gut, von einem anderen Stand
– halben Langos mit Sauerrahm und Käse: hatte ich noch nie probiert, hätte es vielleicht auch nie, wenn nicht Herr Kaltmamsell erwähnte, dass es ihn immer enttäuscht habe und ich mich genauer erkundigte, worum es sich eigentlich handelte. Der frittierte, saftige Hefeteigfladen schmeckte mir ganz ausgezeichnet.

Nach diesem Abendessen war mir nicht mal schlecht. Trotzdem daheim noch ordentlich Konter-Schokolade nachgeschoben.

Abendunterhaltung: Die aktuelle Folge Die Anstalt zur Verkehrspolitik.

Traurig gut, diesmal besonders schön visualisiert.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 25. April 2023 – Arbeitstagsroutine

Mittwoch, 26. April 2023 um 6:39

An sich guter Nachtschlaf gestört durch Party im Park vorm Schlafzimmer (um 4! München erschien mir schlagartig weltstädtisch).

Am Vorabend war mir ein neues Styling für den Tag eingefallen, das mich erfreute.

Zumindest die ganz dicken Pullis gehören hoffentlich vorerst der Vergangenheit an.

Auf dem Weg in die Arbeit wurde ich ordentlich durchgetröpfelt, ich hatte der Regenvorhersage zu sehr vertraut. Über den Tag immer wieder Regen- und Graupelschauer, aber oft genug Sonnenschein, dass ich das Rollo runterlassen musste.

Auf dem (trockenen!) Weg zum Mittagscappuccino einen Restauranttisch für Freitagabend reserviert, wir werden Menü bei einem sehr vertrauenserweckenden Westend-Italiener essen.

Der “große Cappuccino” wurde im Glas serviert, wieder was gelernt. (Noch mehr aus dem Trompeten-lauten Telefonat des Barista, post privacy in natürlichem Habitat.)

Mittagessen am Schreibtisch: Pumpernickel mit Butter, Banane.

Am Nachmittag ein belastender Termin, den ich natürlich auch rumbrachte – ich könnte aber nicht sagen, ob ich dabei erfolgreich war.

Ich versuche derzeit, nicht allzu lang im Büro zu bleiben und auch dann zu gehen, wenn möglicherweise noch was reinkommen könnte (gestern zum Beispiel etwas, was um 11 Uhr für diesen Tag angekündigt war, aber um 17 Uhr immer noch nicht vorlag).

Auf dem Heimweg Einkäufe in der Drogerie und beim Vollcorner.

Zu Hause malte ich nach Yoga (viel Hüftöffnung) meine Zehennägel mit einem eben erworbenen Lack an.

Mein Sommerlack 2023 ist gefunden! (Mit neuem Bild, das mir besser gefällt.)

Herr Kaltmamsell hatte die in Spanien gekaufte Tintenfischtinte für ein Risotto genutzt.

Schmeckte – nicht nach Anwärter auf Lieblingsrisotto. Es war mir ein wenig zu sauer, weil ohne Parmesan oder Butter auch nicht Risotto-cremig genug.

§

Immer noch und immer wieder fett Respekt dem Team, das die Goldenen Blogger seit 2007 organisiert und durchführt. Montagabend veranstalteten sie die Gala zu den Goldenen Bloggern 2023, hier die Gewinnerinnen und Gewinner.

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Harry Belafonte ist gestorben, er hinterlässt eine große Lücke.
Hier ein sehr persönliches Portrait des Schauspielers (seine eigentliche Traumkarriere), Sängers und Aktivisten von Henry Louis Gates, Jr. aus dem New Yorker August 1996:
“Belafonte’s Balancing Act”.

Hier als dream team mit Nana Mouskouri and Danny Kaye.

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https://youtu.be/mGRDD5PJXsc

Und dann natürlich der Humor, der einen der schönsten Menschen auf Erden singen ließ: “Or is it the fact that I’m ugly?”

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https://youtu.be/a3yM-i3lw60

die Kaltmamsell

Journal Montag, 24. April 2023 – Grauer Wochenstart

Dienstag, 25. April 2023 um 6:20

Ich war zu energischem Regenrauschen eingeschlafen, ich wachte zu energischem Regenrauschen aus. Bis zum Antritt meines Arbeitswegs hatte der Regen zwar aufgehört, doch uns stehen weitere kühle Tage in Grau bevor, ich griff wieder zu mehreren Schichten Kleidung inklusive Wolljacke fürs Büro.

Das Gute an diesem grauen und nassen Wetter (neben Wasser für Boden und Landwirtschaft): Ich überklicke recht ungerührt all die Werbung für Kleidung, die sich nur im Sommer tragen lässt. Netto sind das ja höchstens zwei Monate im Jahr, und für die bin ich mehr als ausreichend mit Sommerkleidung ausgestattet. Zudem weiß ich mittlerweile, wie traurig es mich macht, schöne neue Sommerkleidung im Schrank hängen zu haben und monatelang auf ihren Einsatz warten zu müssen.

Die Arbeit ließ sich diese Woche strukturiert an. Mittags gab es Pumpernickel mit Butter, außerdem eine Birne und Clementinen.

Der Nachmittag enthielt genauso wenig Aufregendes zu erzählen. Draußen gemischtes Aprilwetter mit vor allem Wolken, manchmal Regen, manchmal Sonne.

Vor meinem Bürofenster wuchs ein Gerüst. Dieser Tage werde ich auf demselben Stockwerk umziehen, aus praktischen Gründen zurück zu dem Arbeitsplatz, auf dem ich die ersten Jahre hier saß. Diese Art von Veränderungen mag ich ja, sie halten mich gelenkig.

Nach Feierabend Heimweg über Schokoladen-Einkauf, Bargeldholen bei der Bank (das immer seltener nötig ist: Bargeld brauche ich mittlerweile nur noch für Orte wie Marktstände, denn Corona hat selbst bei Bäckereien Kartenzahlung eingeführt, und Kleinbeträge wie für Mittagscappuccino zahle ich mittlerweile mit Handy-App – ich begrüße das), Körpercreme-Kauf im BodyShop unterm Stachus (jedesmal bange Annäherung, ob es ihn wohl noch gibt).

Daheim Yoga (nochmal die Flow-Folge vom Freitag), Blumengießen, Pediküre.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell das restliche Szegediner Gulasch vom Samstag, zum Nachtisch standen wieder reichlich Süßigkeiten zur Verfügung.

Das kommende, lange Woche mit Maifeiertag wird geplant, es gibt voraussichtlich ein Treffen mit Bloggeria aus Hamburg auf München-Besuch.

Früh ins Bett, um Almudena Grandes, Kleine Helden weiterzulesen, viele kleine Madrider Leben.

§

Johannes Franzen nimmt für die Zeit gründlich auseinander:
“Giftige Genies”.

Der Geniemythos hält sich hartnäckig in der Populärkultur unserer Gegenwart – auch in Medienfiguren wie Elon Musk. Aber warum bloß?

An der grundsätzlichen Idee des Genies und am Kult darum ist ja die Romantik schuld. Die aktuellen Auswüchse sind aber nochmal eine andere Größenordnung – zumal damit fast alles gerechtfertigt scheint:

Der Leiter einer Currywurstbude, der seine Mitarbeiter tyrannisiert, ist ein Arschloch, der Chef eines Dreisternerestaurants, der sich wie ein Berserker aufführt, wird als ein komplexes Genie gehandelt.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 23. April 2023 – Neue Isarwege, Schwiegerbesuch

Montag, 24. April 2023 um 6:20

Gut und tief geschlafen, das auch noch neun Stunden lang – welch Wohltat.

Draußen regnete es müde, ich hatte trotzdem Lust auf einen Isarlauf. Mit dem Bayernticket für später am Tag nahm ich eine Tram an die Isar bis hinters Bayerische Nationalmuseum. Tatsächlich hatte der Regen jetzt fast aufgehört, ich wurde lediglich angetröpfelt.

Zum Start sah ich zwei Buntspechte, später über der Isar einen abhebenden Jungschwan (was mit diesem langen Hals ähnlich wider die Physik aussah wie der Flug einer Hummel wegen Verhältnis Flügel:Körper), unter anderem Rotkehlchen.

Auf der Ostseite der Isar hatte ein Kahlschlag von Bäumen und Büschen (Ausbau von Straßen) den Blick auf einen Pfad direkt am Fluss freigelegt; nach dem Queren suchte, fand und lief ich ihn – und bekam nach vielen Jahren auf dieser Strecke nochmal ganz andere An- und Einblicke.

Im letzten Abschnitt sogar Ahnung von Sonnenschein.

An der Tram-Haltestelle Tivoli fühlte ich mich nach anderthalb Stunden noch nicht ausgelaufen, obwohl die unteren Waden etwas zwickten. Ich lief also noch über den Englischen Garten und Hofgarten zum Odeonsplatz, nahm von dort die U-Bahn zurück.

Welch ein Unterschied zur selben Perspektive am Samstag.

Nach dem Duschen war sogar noch Zeit für einen weiteren Milchkaffee, bevor ich mit Herrn Kaltmamsell einen Zug nach Augsburg nahm: Er hatte einen baskischen Käsekuchen gebacken (ein eigenes Rezept dafür ausprobiert), den nahmen wir zu KaffeeundKuchen (mein Frühstück) bei seinen Eltern mit.

Der Kuchen schmeckte ok, meinen finde ich besser. Vor allem aber verbrachten wir Zeit mit den lieben Schwiegers, ließen uns Leben, Situation, Neuigkeiten erzählen. Draußen war es noch mal recht mild geworden (16 Grad), ich spazierte vom Münchner Bahnhof nach Hause mit offenem Mantel.

Nachtmahl war Brotzeit. Es gab spanischen Käse, unter anderem von meinem Crowdfarming-Schaf, dazu hatten wir am Hauptbahnhof Brot besorgt, öffneten eine Dose spanisches saures Gemüse, ich rührte eine Frischkäsecreme. Vor allem aber nutzten wir den Abend, Zeit mit unserem Übernachtungsgast zu verbringen, der Montagmorgen sehr früh abreisen würde.

Nachtisch restliche Osterschokolade.

§

Mehr Vorbildliches von Dame Edna, bless:

“I’ve never been conventionally attractive.”
Pause, Pause.
“But who wants to be conventionally attractive…?”

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/v7m3uHV5SNU

(Viele wollen das, ich weiß. Und vielen bleibt auch aus den verschiedensten Gründen nichts anderes übrig.)

“I’m comfortable in my own skin. I am.
And you’re comfortable in someone else’s.”

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 22. April 2023 – Touristengucken im Englischen Garten

Sonntag, 23. April 2023 um 7:58

Mir waren Ausschlafen (mittelgut, zu viel Alkohol am Vorabend) und Schwimmen wichtiger, der Theresienwiesenflohmarkt 2023 musste auf mich verzichten.

Das Wetter strahlte sensationell, als ich vormittags mit dem Radl zum Schwimmen im Olympiabad aufbrach, roch ich herrlichste Frühlingsdüfte.

Im Olympiabad war bei Weitem nicht so viel los wie vor einer Woche, ich schwamm nahezu ungestört (nur beim Wenden immer wieder behindert von Menschen, die das Schwimmbad zum Am-Rand-Stehen besuchen), und da das gestern sehr wenig Kraft kostete und keine Mühe bereitete, gleich mal 3.300 Meter.

Das Dantebad wird leider erst Mitte Mai wieder öffnen, ich freue mich schon ungeheuer auf Bahnenziehen unter freiem Himmel. Bis dahin halt Olympiabad, ist ja auch sehr schön. (Aber ohne Sonne, vor einem Jahr sah man auf meinem Rücken bereits deutliche Bikinistreifen vom Draußenschwimmen.)

Auf dem Heimweg (keine Jacke mehr nötig) besorgte ich Frühstückssemmeln beim Wimmer, kurz vor zwei aß ich bei offener Balkontür zwei Körnersemmeln mit Butter und Marmelade, ein Stück kastilischen Käse, außerdem Mandarinen mit Dickmilch.

Das herrliche Draußen verdiente Beachtung, mit Herrn Kaltmamsell ging ich Touristengucken im Englischen Garten.

Sehr viele Menschen bereits auf dem Weg zum Hofgarten.

Im Englischen Garten ging es dann erwartungsgemäß zu wie im Madrider Retiro, er wuselte von einem bunten Gemisch aus Müncher*innen und Besuchsvolk.

Es war aber auch zu schön dort.

Nach zwei Stunden Spaziergang wanderten wir wieder über den Marienplatz heim, darauf gerade dicht viele Touristen, die in die gleiche Richtung guckten: Es war fünf, das Glockenspiel am Rathaus drehte sich und klingklongte.

Herr Kaltmamsell machte sich umgehend an die Zubereitung des Nachtmahls: Der Ernteanteil hatte wieder Sauerkraut enthalten, ich wünschte mir eine Wiederholung des köstlichen Szegediner Gulaschs.

Ich wiederum tätigte abschließende Handgriffe des Großfamilienurlaubs: Sortieren der Fotos. Herr Kaltmamsell hatte eine Online-Lösung recherchiert, mit der alle ihre Bilddateien an einem Ort hoch- und runterladen können, ohne Konto- oder Anmeldezwang. Es wurde Nextcloud, ich stellte eine Auswahl meiner Aufnahmen zusammen und lud sie hoch.

Köstliches Szegediner Gulasch war wieder köstlich. Reichlich Osterschokolade zum Nachtisch. Draußen bewölkte sich der Himmel wieder, Schluss mit sonnigem Frühling.

Früh ins Bett, weil ich zum einen richtig müde war, zum anderen einen neuen Roman angefangen hatte, diesmal wieder aus der Onleihe der Münchner Stadtbibliothek: Almudena Grandes, Roberto de Hollanda (Übers.), Kleine Helden. Er nahm mich mit ins heutige Madrid und zu den ganz durchschnittlichen Bewohnerinnen und Bewohnern eines Stadtviertels, die gerade aus ihren Sommerferien zurückkommen. Ins fast heutige Madrid, denn der Roman spielt in der Mitte der Zehnerjahre, damit vor Corona und noch mitten in den Folgen der Finanzkrise.

§

Ein großes Vorbild hat sich verabschiedet.

“Barry Humphries (Dame Edna to You, Possums) Is Dead at 89”.

A stiletto-heeled, stiletto-tongued persona who might well have been the spawn of a ménage à quatre involving Oscar Wilde, Salvador Dalí, Auntie Mame and Miss Piggy, Dame Edna was not so much a character as a cultural phenomenon, a force of nature trafficking in wicked, sequined commentary on the nature of fame.

(…)

In her stage and TV shows, written largely by Mr. Humphries, Dame Edna typically made her entrance tottering down a grand staircase (Mr. Humphries was more than six feet tall) in a tsunami of sequins, her hair a bouffant violet cloud (she was “a natural wisteria,” she liked to say), her evening gown slit to the thigh to reveal Mr. Humphries’s surprisingly good legs, her body awash in jewels, her eyes agape behind sprawling rhinestone glasses (“face furniture,” she called them).

§

Wenn Sie sich nicht zum Joggen aufraffen können, liegt das nur daran, dass Ihre Freunde sich nicht genug angestrengt haben.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 21. April 2023 – Frühlingseinbruch und Grie Soß

Samstag, 22. April 2023 um 8:07

Bereits das erste Licht des Tages kündigte Wetterverbesserung an.

Allerdings nur für zwei Tage, dann geht’s zurück zu grau und kalt. Ich versuchte gestern also so viel Frühling wie möglich einzufangen.

Der Weg in die Arbeit ließ mich dann kurz zweifeln, ob das Weglassen von Pulli unterm Winterkleid klug gewesen war.

Doch schon beim Aufbrühen meiner Kanne Verbene-Tees kam sie, die Büro-wärmende Sonne. Allerdings schaffte ich nach sehr Langem, mir einen Spreißl in einen Finger zu rammen, aus dem Bambusspießchen, das mir als Teebeutelhalter dient. Also erst mal fieseliger Pinzetteneinsatz.

Zum Mittagscappuccino spazierte ich ins Café Colombo, das Herz voller HACHZ.

Auf dem Rückweg kam mir eine sehr wahrscheinlich fürs Zuckerfest aufgebrezelte Familie entgegen, Damen wie Herren außerordentlich fesch, Teile sahen aus wie Tracht aus Herkunftsländern. Und sie hatte eine bockig in Jeans schlurfende, ungekämmte Teenagerin im Schlepptau, was mich erheiterte. (Leitkultur Pubertät?)

Selbst erzeugte ich Double Takes durch mein gestriges Styling.

Mittagessen zurück am Schreibtisch (Fenster gekippt!): Apfel, Pumpernickel mit Butter, Birne.

Ich machte sehr pünktlich Feierabend, um hinaus in den Frühling zu kommen.

Kurzer Einkauf im Edeka Schwanthaler Forum, eine der wenigen verbliebenen Quellen für Dickmilch – die fürs Nachtmahl benötigt wurde.

Mehr aufgebrezelte Bayram-Spaziergruppen um die Theresienwiese, auf der das Frühlingsfest ausgebrochen war, mit viel Cosplay-Volk drumrum.

Zu Hause ein wenig Räumen, eine Folge Yoga-Gymnastik, dann stieß ich mit Herrn Kaltmamsell aufs Wochenende an.

GinTonic aus Gin, der mit Kakaobohnen und Vanille aromatisiert war, drüber beigelegte Kakaobohnen-Splitter. Schmeckte ungewohnt und gut, die vom Hersteller empfohlenen frischen Himbeeren kann ich mir ausgezeichnet dazu vorstellen.

Bald gesellte sich der Übernachtungsbesuch zu uns und stieß mit an.

Nachtmahl war Grie Soß, lang schon für diesen Freitagabend geplant, jetzt passend zum Frühlingseinbruch, klassisch nach einem Rezept des Übernachtungsgastes mit frisch gekochten Eiern und Kartoffeln aus Ernteanteil. Wieder eine ganz besondere Köstlichkeit, ganz oben auf meiner ewigen Lieblingsessensliste. Im Glas ein feiner Riesling: Deidesheimer Herrgottsacker 2017 Reichsrat von Buhl.

Der Gast erzählte von seiner abenteuerlichen Anreise (weil gestern Bahnpersonal streikte, war er schon am Donnerstag gestartet), Herr Kaltmamsell und ich erzählten vom Großfamilienurlaub in Spanien.

Zum Nachtisch gab es Stracciatella-Eis mit Eierlikör, abschließend noch uralten spanischen Brandy.

§

Wie sollen Klimaaktivist*innen denn protestieren? Kritische Stimmen antworten dann gern: Gezielt sachbezogen, kreativ, schadlos.

Stellt sich heraus: Wenn sie genau das tun, zum Beispiel mit einer riesigen Aktion in Göttingen – berichtet niemand. Aktivist*innen hatten ein halbes Jahr lang eine Ausstellung konzipiert, mit 35 Leuten das Museum Forum Wissen gekapert und alles aufgebaut. Das Museum war überrumpelt, ließ sie aber gewähren, schrieb darüber sogar im eigenen Blog.
“‘Forum Handeln’ – konstruktiver Klimaprotest im Forum Wissen”.

Äußerst frustrierend ist aus Sicht der Aktivist*innen allerdings, dass die Medien kaum berichtet haben. Tatsächlich waren auf ihre Initiative zwei Fernsehteams vor Ort. Als diese jedoch feststellten, dass die Aktion komplett friedlich verlief, zogen sie unverrichteter Dinge ab.

Klebt weiter, Leute, klebt weiter!

§

Katatonik erzählt von einem Theaterabend:
“Ophelia’s Got Talent (Holzinger, Volkstheater, 19.4.2023)”.

An dieser Passage bleibe ich hängen:

Selbstermächtigung durch körperliche Arbeit und Selbstkontrolle, eine Macht, die aber auch an Selbstzerstörung grenzt, in Selbstzerstörung kippen kann.

Eine mögliche Wurzel meines Vergnügens an sportlicher Bewegung mag die Selbstermächtigung in einem System sein, das mir nie eine Chance auf unbefangenen Umgang mit der eigenen Körperlichkeit einräumte. Sei es durch “du könntest so eine schöne Figur haben, wenn du abnehmen würdest” in der Kindheit mit Dauerdiät, sei es durch die Körper-, Leistungs- und Schönheitsideale der Gesellschaft, omnipräsent in Medien und Köpfen. Das würde erklären, warum es mich damals existenziell traf, als die kaputte Hüfte mir Sport unmöglich machte.

Man könnte sagen, dass für Frauen immer ein Publikum bleibt, eine Beobachtungsinstanz, die der Kraftausübung Grenzen setzt, im produktiven wie im destruktiven.

§

Apropos Ermächtigung. Die British Vogue-Ausgabe Mai 2023 hebt Menschen aufs Cover, die man im Modezirkus sehr selten als Models sieht.
“‘Nothing Is More Fashionable Than Inclusivity’: Sinéad Burke Introduces British Vogue’s May 2023 Cover Stars”.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 20. April 2023 – Die Schönheit des Kopfsalats

Freitag, 21. April 2023 um 6:34

Jetzt wäre mal wieder eine Nacht mit tiefem Schlaf recht, ich merke an wachsender Erschöpfung, dass ich derzeit nur leicht schlafe und immer wieder fast aufwache.

Noch ein kalter, regnerischer und grauer Tag, auf dem Weg ins Büro wurde ich angeregnet. Mit Blick auf die angekündigten 9 Grad Höchsttemperatur hatte ich unters Winterkleid ein warmes Shirt und dicke Strumpfhosen angezogen, doch die Heizung im Büro tat gar nichts: Ich saß bereits vormittags wieder im Woll-Janker am Schreibtisch. (Und hätte fast wieder den Fehler begangen, als ich nach zusätzlichem heißen Vormittags-Cappuccino erstmals warme Hände hatte, den Janker abzulegen.)

Zu Mittag gab es Apfel, Mango mit Joghurt, Orange.

Nachmittags gab es Emsigkeit und Kopfschütteln.

Auf dem jetzt trockenen Heimweg ein paar Brotzeiteinkäufe, ich gönne mir wieder eine Phase mit Pumpernickel.

Yoga-Einheit war wieder Adriene “Move”, Folge 3 vom Vortag, diesmal fühlte sie sich nicht ganz so anstrengend an. (Dass ich mir von Chaturanga Dandasana, der Stabhaltung, anscheinend leichten Muskelkater im Trizeps geholt hatte, obwohl das für mich eine Routine-Haltung geworden ist, ist schon arg seltsam.)

Zum Nachtmahl gab es nach drei Wochen Pause wieder Ernteanteil: Herr Kaltmamsell machte Spinat mit Kichererbsen und Rauchpaprika.

Und das ist der wunderschöne erste Kopfsalat des Frühlings vom genossenschaftlich eigenen Acker – eine Pracht. Ich machte ihn zusammen mit der Hand voll Ruccola aus Ernteanteil mit Zitronensaft-Vinaigrette an, köstlich. Wer glaubt, Kopfsalat schmecke nach nichts, hatte noch nie einen guten.

Räumen und Machen in der Wohnung, am Freitag kommt ein Übernachtungsgast.

Früh ins Bett (aus Organisationsgründen bereits Herrn Kaltmamsells), dort las ich Der Duft von Schokolade von Ewald Arenz aus – das Ende nicht ganz so geglückt wie der Rest des Romans.

§

Wenn du einen so prägnanten Filmstil hast, dass Menschen ihren Alltag damit aufzeichnen können. Ein Twitter-Thread mit Tiktoks im Stil von Wes Anderson.

die Kaltmamsell