Journal Samstag, 24. Dezember 2022 – Sonniger Heilig Abend

Sonntag, 25. Dezember 2022 um 9:08

Mild und schneefrei: So mag ich mein Weihnachten.

Nach erstem Aufwachen kurz nach fünf schlief ich nochmal ein und genoss es sehr. Das Draußen zeigte sich bewölkt und mild, es sah nicht nach Regen aus.

Vor meiner Laufrunde stellte ich den Kartoffelsalat für abends fertig: “Norddeutscher Kartoffelsalat” nach diesem Rezept von Stevan Paul.

Mit der auffallend leeren U-Bahn zum Odeonsplatz, von dort über Hofgarten Richtung Isar.

Beim Passieren des Milchhäusls hörte ich aus der tiermedizinischen Fakultät energisches Hähnekrähen.

Ich weiß, es ist Weihnachten, aber ich möchte bitte einen Fluch aussprechen: Verflucht sei der Reißverschluss meiner rechten Laufwestentasche, der gestern klemmte, als ich sofort an mein dahinterliegendes Handy ranwollte, um von unten zu fotografieren, wie gerade zwei Polizeipferde oben um den Monopteros geritten wurden, eines braun, eines schwarz. Es wäre mein Münchenfoto des Jahres geworden. Zefix.
(Der beste Fotoapparat ist immer der, den man im richtigen Moment zur Hand hat.)

Hier sieht man das schwarze, wenn man’s weiß, gerade noch rechts hinterm Monopteros verschwinden.

Blick über München vom Monopteros aus.

Der Chinesische Turm mit neuem Dach.

Ich genoss das Laufen, und so wenigen Menschen war ich an einem unverregeneten Tag schon sehr lange nicht mehr an der Isar begegnet. Der Himmel riss sogar auf, auf dem allerletzten Stück schien mir die Sonne ins Gesicht. Auf die Tram nach Hause musste ich ein wenig warten, ich nutzte die Zeit für gründliches Durchdehnen.

Vor der benachbarten Matthäus-Kirche stand schon seit Freitag ein Großaufgebot an Wagen und Lastern des Bayerischen Rundfunks. Ich wage einen Tipp abzugeben, welche evangelische Christmette dieses Jahr übertragen wurde.

Nach dem Duschen kochte ich uns zum Frühstück Porridge, wegen Verfügbarkeit zum ersten Mal mit kernigen Großblatt-Haferflocken statt mit den kleinen, zarten.

Mit Tarocco-Orangen, Joghurt, Ahornsirup, Quittengelee. Es stellte sich heraus, dass ich das Porridge so sogar lieber mochte.

Herr Kaltmamsell bereitete den veganen nut roast für das Festmahl am zweiten Weihnachtsfeiertag bei meinen Eltern in Ingolstadt vor, ich kochte das Blaukraut für den ersten Weihnachtsfeiertag bei Schwiegers in Augsburg.

Gegen vier brachen wir zu unserem Wir-suchen-das-Christkind-Spaziergang auf. Diesmal freute ich mich besonders auf den Start am Alten Südfriedhof: Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause spielten wieder Blechbläser vor dem Stephanskirchlein Weihnachtslieder. Ich hörte sie schon von Ferne, *zack* – warm ums Herz.

Es waren wieder reichlich Anwohnende da, mit Kind und Kegel. Wir sangen mit, wo’s ging (Einmerker für 2023: Liedtexte mitbringen).

Nach ein paar Stücken spazierten wir zur Isar und das Ufer auf der Rodenstock-Seite hoch zur Brudermühlbrücke, auf der anderen Seite zurück. Ich fand es genau richtig kalt: Deutlich über Null, aber es brauchte Mütze und Handschuhe. Im letzten Tageslicht sahen wir riesige Krähenschwärme, die ihre Schlafbäume an der Isar anflogen, aus den Bäumen war viel Krahens.

Das Foto täuscht und verbessert die Ansicht: Kirchen und Gebäude wie das Deutsche Museum sind derzeit zum Stromsparen nicht angestrahlt, in Wirklichkeit war die Museumsinsel ganz duster.

Daheim Umziehen und Tischdecken. Zum Glück hatte die Post auf den letzten Drücker geschafft, uns gestern ein paar liebe Weihnachtsgrüße zu bringen: Ich hatte schon befürchtet, die Wohnung müsse zu Heilig Abend komplett ohne festliche Deko auskommen.

Das Heilig-Abend-Menü: Eggnogg, selbst gebeizter Lachs mit norddeutschen Kartoffelsalat, dazu Luxemburger Crémant Alice Hartmann, zum Nachtisch Christmas Pudding mit Brandy-Butter.

Ich aß von allem zu viel, weil es so gut schmeckte.

Ein Geschenkpaket gab es auch auszupackeln, die Bruderfamilie hatte uns sportlich auf den neues Stand gebracht (erstaunlich, wie schwer ein Paket ist, das zwei Drei-Kilo-Hanteln enthält). Telefonat mit meinem Bruder, dort Fröhlichkeit im Hintergrund, dann kippten wir zu nahezu üblicher Zeit in unsere Betten.

§

In der Wochenend-Süddeutsche ein lesenswerter Artikel über ein Pflegeheim, das beweist, wie Alter und Pflege menschenfreundlich sein können. Das nicht die letzte Station vor Sterben ist, sondern immer wieder alte Menschen wieder fit fürs Leben in der eigenen Wohnung macht. Und das zeigt, dass sich dieses Konzept sogar rechnet (nur gegen €, aber hier lohnt sich mal wieder ein Tagespass – dass man ohne bereits eingeloggt zu sein allerdings nur auf eine Fehlerseite trifft, der Artikel ohne bezahlten Login nicht mal zu finden ist, das nehme ich der Süddeutschen wirklich übel):
“Raus aus den Betten”.

Unter anderem erinnerte mich der Artikel daran, dass früher Menschen oft aus eigener Überlegung und durchaus gelassen ins Altenheim wechselten:

Menschen, die heute ins Pflegeheim kommen, seien oft 80, 90 Jahre alt, sagt Christoph Happe, der seit 25 Jahren in der Evangelischen Altenhilfe arbeitet. Bei ihm melden sich Angehörige, wenn sie einen Platz für ihre betagten Verwandten suchen. Vor zwei Jahrzehnten, sagt er, seien viele Menschen eher schon mit 70 Jahren ins Heim gekommen – und zwar nicht, weil sie pflegebedürftig gewesen seien, sondern weil sie sich nicht mehr um alles im Leben kümmern wollten.

Das tun heute nur noch Menschen, die sich ein Zimmer oder eine Wohnung in einer “Residenz” leisten können.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 23. Dezember 2022 – Das neue Sofa

Samstag, 24. Dezember 2022 um 8:43

Wecker gestellt, weil zwischen sieben und elf das Sofa geliefert werden sollte. Doch ich wachte eh früh auf, ausgeschlafen und frisch.

Der Vormittagsablauf war also eng verzahnt mit dem von Herrn Kaltmamsell, damit immer jemand daheim war. Erst ging er Laufen, schon vor acht, dann Einkaufen. Noch bevor er zurück kam, wurde die Sofa-Lieferung für in einer halben Stunde angekündigt und fast auf die Minute gebracht. Ich freute mich, dass ich daran gedacht hatte, reichlich Trinkgeld für die beiden Herren parat zu haben.

Die weiteren geplanten Erledigungen mussten also nicht mehr abgestimmt werden. So holte ich zum ersten Mal Semmeln im kürzlich eröffneten zweiten Laden beim Sendlinger Tor des derzeit am lautesten gefeierten Bäckers Münchens, Julius Brantner. Zuvor war in diesem Räumen an der Ecke Kreuz- und Brunnstraße viele Jahre ein Blumenladen betrieben worden, jetzt sah ich durch die Fenster eine Backstube mit Bäckerinnen und Bäckern, vielen Gärkörbchen voll Teiglingen, jemand zählte Backwaren in Tüten.

Dass die Auswahl im Laden selbst klein sein würde, wusste ich: Es wird wirklich nur in den beiden Backstuben und von Grund auf gebacken.

Ich brachte mit: Handsemmeln, Krusti, Brezen. Und zwar schon so früh gekauft, weil ich später nicht mehr von Verfügbarkeit ausgehen konnte.

Durch die sehr milde Luft, aber unter dunklen Wolken radelte ich zum Olympiabad. Schönes Schwimmen; da ich erst nach 2.000 Metern fröstelte, konnte ich bis zu meinen gewünschten 3.000 durchkraulen. Ein Mitschwimmer auf der Bahn erheiterte mich: Er schien an sich zu testen, wie viel Schwimmspielzeug an eine Person passen – gleichzeitig Fußflossen, Handpaddel, Kissen zwischen den Beinen, Zählwerkzeug am Handgelenk (das er regelmäßig überprüfte). Vielleicht liegt unterm Weihnachtsbaum ein zwei-schlauchiger Schwimmschnorchel, mit dem man nicht mal mehr den Kopf zum Luftholen drehen muss? (Nutzte gestern ein anderer Schwimmer auf der Bahn.)

Duschen in der schönsten Schwimmbaddusche überhaupt. Und dann sah ich beim Aufsteigen auf mein Radl zwischen den vielen grasenden Gänsen an der kleinen Olympiahalle auch noch ein Kaninchen!

Auf dem Heimweg tröpfelte es, ich wurde aber nur leicht feucht. Glück gehabt, im weiteren Verlauf des Nachmittags regnete es energisch.

Beim Heimkommen kümmerte ich mich erst mal mit Herrn Kaltmamsell ums Sofa.

Skandinavisches Design ist einfach unverkennbar.

Allerdings mussten halt unten noch die Füße angeschraubt werden. Und das erwies sich erst als schwierig, in einem Fall sogar als unmöglich: Die zwei Füße für vorne und die zwei für hinten (deutlich unterschiedlich) wurden mit einer langen Schraube von innen und zwei kurzen von unten durch den Sofaboden befestigt; in diesem einen Fall waren die jeweils anderen Löcher mit Gewinde um mehrere Zentimeter unerreichbar, wenn die einen angeschraubt waren. Wir fanden keine abschließende Lösung und werden Hilfe benötigen.

Selbst die drei anderen Füße kosteten uns anderthalb Stunden (in der Montageanleitung waren 20 Minuten für zwei Personen angekündigt gewesen). Zum Glück ist Herr Kaltmamsell nicht nur die personifizierte Geduld (sonst hätte er vermutlich längst den Lehrerberuf hingeworfen – und würde nicht einen einzigen Tag Leben mit mir aushalten), sondern sagte immer wieder im richtigen Moment: “Erst mal Pause.”

In der ersten dieser Pausen aß ich zum Frühstück zwei Brantner-Semmeln (gut!) und eine -Breze: Diese zwar ehrlich als “schwäbisch” deklariert, aber halt für meinen bayrischen Geschmack einfach zu trocken. Zudem hatte ich für 1,50 Euro das Stück erwartet, dass diese Breze zumindest ein einfaches Weihnachtslied spielte.

Ich las Zeitung, machte die ersten Handgriffe fürs Heilig-Abend-Essen (Kartoffeln gekocht) und fürs Weihnachtsmahl am Sonntag (Blaukraut schneiden und marinieren, wieder nach diesem Rezept).

Nachtmahl wurde klassisch freitäglich Kuh auf Wiese: Wir teilten uns ein Entrecôte, ich machte den Ernteanteil-Feldsalat mit Walnüssen, Mandarinen und Kürbiskernöl an.

Davor hatte es als Aperó einen Calvados Tonic gegeben, mit ein paar spanischen Pfahlmuscheln aus der Dose. Zum Essen gab es den baskischen (na ja, Navarra) Emilio Valerio, von dem ich ein Gläschen fürs Blaukraut abgezweigt hatte. Nachtisch Schokolade.

§

In meinem Internet häufen sich die schlimmen Geschichten über alte, kranke Angehörige in Krankenhäusern, die derzeit und in den vergangenen Corona-Jahren vernachlässigt wurden – und denen die Familien wegen strenger lokaler Hygiene-Vorschriften nicht helfen durften. Croco erzählt ihre:
“Unter Corona”.

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Auf Netzpolitik berichten Redakteur*innen und Aktivist*innen von ihrem langjährigen Kampf für Grundrechte im Internet. Hier zum Beispiel (Legende) Constanze Kurz über das Thema anlasslose Massenüberwachung:
“‘Wenn sie das durchkriegen, ist der Damm gebrochen.'”

Der Kampf gegen Massenüberwachung darf nicht als Gegnerschaft von Kriminalitätsbekämpfung oder von individuellen Überwachungsmaßnahmen umdefiniert werden. Tatsächlich ist es ein Kampf gegen anlassloses milliardenfaches Wegspeichern von Daten über Menschen.

Manche Leute scheinen zu denken: Ja, was habt ihr denn gegen Verbrechensbekämpfung? Die Antwort ist einfach: nichts, im Gegenteil. Denn oft ist die Idee, sich technisch von einer Massenüberwachung zu verabschieden, damit verbunden, qualitativ bessere Verfahren einzuleiten, die individualisiert überwachen und wirklich was nutzen. Alternativvorschläge, gerade auch bei der Vorratsdatenspeicherung, gehen genau in diese Richtung: nicht alle und jeden überwachen, sondern sich darauf konzentrieren, wie man mit technischen Mitteln Verbrechensbekämpfung sinnvoll betreiben kann.

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Das Flussbett der Themse in London birgt Zeugnisse vieler Jahrhunderte menschlicher Anwohnerschaft. “Mudlarker” sind Menschen, die danach suchen, hier eine wunderschöne Reportage mit Filmchen über eine davon.
“Mudlarking on the Thames: A Treasure Trove of History Washes Ashore Every Low Tide”.

via @kid37

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Zu meinem Lieblingskanälen auf instagram gehört womeninstreet, wo immer wieder andere Fotografinnen ihre oder thematisch gesammelte Bilder vorstellen. Die Kuratorin der vergangenen Woche, @luxtasia, präsentierte ihre Fotos aus Nizza – zum Beispiel eine bezaubernde Reihe Aufnahmen der Metallstühle an der Promenade.

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Croco erfreute mich jüngst nicht nur mit dieser nachvollziehbaren Beschreibung:

Zum einen mag ich die etwas schäbigen Dörfer. Sie sehen immer aus, als ob man irgendwo etwas zusammengefegt hätte und das zu einem Dorf verklebt. Jedes Teil wehrt sich ein bißchen.

Sondern sie verlinkte auch dieses wundervolle Tiktok:
Weihnachtswecken wie bei den Kardashians

Unbedingt bis zum Ende gucken.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 22. Dezember 2022 – Letzter Arbeitstag des Jahres

Freitag, 23. Dezember 2022 um 7:02

Schon um fünf aufgewacht, nicht mehr eingeschlafen. Aber es war ja das letzte Mal Schlafen vor Weihnachtsferien.

Draußen Milde, für den Weg in die Arbeit reichten leichte Mütze, wollene Fingerhandschuhe.

Selbst gebackene Bethmännchen aus Chefkollegenhand bekommen.

Vormittags ein Anruf der Spedition: Freitagmorgen wird unser neues Sofa geliefert, also tatsächlich innerhalb der angekündigten 6-8 Wochen Lieferzeit. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet, freute mich aber.

Erleichterndes Telefonat mit meinen Eltern: Ernsthafte Genesung zeichnet sich ab.

Zu Mittag gab es Sahnequark mit Joghurt und Maracuja.

Im Büro Jahresendablage digital und auf Papier, ich finde großartig, wie wenig Letzteres geworden ist. Die Lösung von sich neu eröffnenden Problemen verschob ich aufs nächste Jahr.

Ich machte in der Abenddämmerung Feierabend, packte meinen Laptop für alle Fälle ein, ich wusste ja nicht, wie die Welt am 3. Januar aussehen würden. Die Bürogänge waren bereits still geworden, gestern war dort der letzte offizielle Arbeitstag des Jahres. Auf dem Heimweg ging ich für Einkäufe beim Vollcorner vorbei. Straßen und Wege waren jetzt so gut wie schneefrei, große Teile sogar schon trocken, so mochte ich das.

Daheim eine weitere Runde Yoga mit Jessica Richburg, diese 25 Minuten “Yoga Flow For Mobility” so interessant, dass ich sie wiederholen werde.

Herr Kaltmamsell hatte den Ernteanteil abgeholt. Da er Sauerkraut und Kartoffeln enthielt, hatten wir als Nachtmahl Himmel & Äd vereinbart, die erforderlichen Äpfel hielt die Gefriere in Form von eingekochten Ernteanteil-Äpfeln bereit.

Herr Kaltmamsell hatte in den vergangenen Jahren Blut- und Leberwurst bei den verschiedensten Metzgereien gekauft, die meisten waren nicht nach unserem (meinem) Geschmack gewesen, zum Beispiel weisen die wenigsten zeitgenössischen Blutwürste die notwendigen Speckwürfel auf, und die Würzung der Würste ist mir oft zu fad. Da wir aber immer wieder vergaßen, welche von welchem Metzger stammte, hatte er jetzt Buch geführt: Diese Exemplare vom Eisenreich am Viktualienmarkt mögen wir.

Früh müde ins Bett zum Lesen; ich begann als neue Lektüre Alena Schröder, Junge Frau am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid, von Menschen in meinem Internet rauf und runter empfohlen, und war von der ersten Seite an interessiert.

§

Die BBC hat eine Guideline für die Inklusion von Behinderten, die sich wirklich vorbildlich liest.
“The 5 As: our standards for disability inclusion”.

via @christiane

We avoid assuming anything, of anybody. So, sensitively, and as standard, we will regularly approach every team member – whether they have a condition or impairment that is immediately apparent or not – to invite them to discuss any adjustment needs or access requirements they have in order to fulfil their role.

(Unvergesslich die abwehrende Reaktion des nicht-behinderten Verantwortlichen, als ich meinen damaligen Arbeitgeber auf die fehlende Barrierefreiheit einer Ausstellung hinwies: “Ich komm auch nicht überall hin.”)

§

Sie erinnern sich an die hessischen Steinkäuze? Athenes Haustiere? Hier die Reportage nochmal vom Hessischen Rundfunk als kleine Fernseh-Geschichte.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/nXJQJQuFGLM

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Diesmal zum Abschluss eine erschütternd schlechte Nachricht: Thomy schafft das Senf-Trinkglas ab.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 21. Dezember 2022 – Beifang aus dem Internetz

Donnerstag, 22. Dezember 2022 um 6:28

Das Wetter war regnerisch mild, aber noch blieb auf den Wegen genug festgetretener Schnee, der beim Schmelzen höllisch rutschig war. Ich ging also wieder besonders vorsichtig ins Büro.

Nachricht von einem Corona-Fall, mit dem ich am Montag näher zu tun hatte (“bloß ein bisschen erkältet”). Zefix!
Also wieder täglich testen – und bei auch nur geringsten Symptomen gibt’s zum dritten Mal in Folge kein Familienweihnachten.

Die stade Zeit macht sich in der Arbeit nur langsam breit, es gab viel zu tun.

Mittagessen Apfel sowie Birchermuesli mit Joghurt.

Wirklich pünktlicher Feierabend, es war noch nicht dunkel.

Ich hatte nämlich eine Aperó-Verabredung: Ein Berufskontakt von vor über zehn Jahren war in der Stadt. Es war ein schönes Wiedersehen – allerdings mit Ingolstadt-Geschichten, die zu dem Bild passten, das ich dieses Jahr wiederbeleben musste.

Zu Hause hatte Herr Kaltmamsell fürs Abendessen eine Pastasauce aus restlichem Ernteanteil-Gemüse mit Sojahack vorbereitet.

Seien Sie gefälligst beeindruckt von dem Deko-Basilikumblattl. Schmeckte alles sehr gut. Nachtisch Plätzchen und Schokolade.

Stand der Verlagerung von Microblogging zu Mastodon: Ich schalte immer mehr Accounts, die parallel posten, auf Twitter stumm. Sonst komme ich beim Gesamtlesen durcheinander, wo ich schon war.
(Andere haben sehr viel größere Probleme mit der Situation: “Desinformation: Wie die Fanboys von Elon Musk versuchen, Mastodon zu diskreditieren”.)

Ein Werbeblock:

Unser Kartoffelkombinat hat wieder Platz für neue Genossenschaftler*innen, die nächste Testphase beginnt Anfang Januar. Hier sind die wichtigsten Infos gesammelt. Der Ernteanteil des Kartoffelkombinats wird zu Verteilpunkten geliefert, von denen man ihn selbst abholt, deshalb ist sicher auch interessant, wo es Verteilpunkte gibt. Ich bin ja seit vielen Jahren und immer noch begeisterte Genossenschaftlerin. Es ist unglaublich, was ich über Gemüseanbau gelernt habe, ich freue mich jede Woche über jahreszeitliches Gemüse, das gerade mal 35 Kilometer von meiner Küche entfernt gewachsen ist, wo ich es sogar besuchen kann, an vielen Wochenenden mitgärntern. Und bin ich weiterhin überzeugt, dass diese Form der Lebensmittelerzeugung zwar nicht das Allheilmittel ist, aber die Welt ein bisschen besser macht.

§

Mich treiben die Todesfälle im Freundeskreis meiner Eltern um, diese Woche berichtete meine Mutter von der Trauerfeier für einen Freund, dessen Abschied sich seit einem halben Jahr abzeichnete (mein Vater war zu krank dafür, selbst meine Mutter noch so Infektions-geschwächt, dass ihr der Leichenschmaus zu viel war); ebenfalls dieses Jahr war sehr unerwartet ausgerechnet die Jüngste in der “Clique” gestorben, wie sich dieser Freundeskreis seit vielen Jahren nannte. Diese Freunde und Freundinnen sind ja Teil auch meiner Vergangenheit; gemeinsame Ausflüge in meiner späten Kindheit (aus denen ich mich aber schon mit 16, 17 zurückzog), vor allem aber wirklich fröhliche Feiern der Geburtstage meiner Eltern.

Auch ein Verlust eines lieben Menschen:
“Heute vor neunundzwanzig Jahren war das Wetter schlecht.”

§

Einerseits bin ich immer noch nicht über meine Wut hinweg, dass ich über die Wechseljahre so wenig wusste, weil halt nicht über sie geredet wird. Andererseits sollte nicht ausgerechnet Geldscheffeln die beste Motivation sein.
“Welcome to the Menopause Gold Rush”.

via @hotelmama

Women have been going through menopause (named by a French physician in 1821) and its assorted difficulties since forever. Only recently, however, did this fact of life become a lucrative consumer category.

We’re in the middle of a menopause gold rush. The market is flooding with high-profile, well-funded menopause-related beauty products and telemedicine start-ups, as well as a growing roster of celebrities willing to admit it’s happening to them. There’s the potential not only for a big cultural shift to happen, but for some number of people to profit off it.

(…)

When Ms. Jackson first started looking into the menopause landscape, she said, she was shocked at how little information and support was available for this huge category of human beings. “I live in Silicon Valley,” she said, “and there are all these male billionaires figuring out how to live forever. It’s like, are you kidding me? Every woman who goes through menopause says it’s like she’s the first person on earth who has ever done it because no one knows how to help. If men went through menopause. …” Her voice trailed off.

Ms. Jackson said her first call after having the idea for a telemedicine company focused exclusively on treating menopause was to a friend at a Silicon Valley venture capital fund, to ask whether he thought it was worth pursuing. He listened for an hour or so, she said, and then wrote her a check for $1 million dollars on the spot.

§

Nein, auch ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass Gina Lollobrigida eine hervorragende Fotografin ist. Da ihr Werk wohl fast ausschließlich in Buchform vorliegt, lohnt sich diese acht-minütige Video-Doku über die Lollobrigida als Fotografin, darin sind viele ihrer Fotos aus den Fotobänden abgefilmt. (Es wird in der Vergangenheitsform von ihr gesprochen, aber Gina Lollobrigda lebt noch mit ihren 94 Jahren.)

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/baEugddLaFc

Selbst habe ich sie unvergesslicherweise als Kind kennengelernt: Als hinreißende blauhaarige Fee in der Pinocchio-Verfilmung als TV-Serie von 1972.

via @goncourt

§

Mehr gute Nachrichten, diese von Mozilla, selbst eine Non-profit-Organisation:
“Twitter-Alternative: Mozilla will frei zugängliche Mastodon-Instanz einrichten”.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 20. Dezember 2022 – Friseurkriterien und Rollwende beim #Lindwurmessen im Öeins

Mittwoch, 21. Dezember 2022 um 6:33

Schon am Vorabend die Erschütterung: Moment – es ist erst MONTAG?! Der Tag war wohl sehr voll gewesen.

Gestern aufgewacht aus einem mittelinteressanten Wohnungstraum: Ich hatte mit Herrn Kaltmamsell einen Wohnungsbesichtigungstermin vereinbart, und zwar in einem kürzlich kernsanierten großen Brownstone-Haus in New York (Brooklyn?). Bis in die zu besichtigende Wohnung kam der Traum aber gar nicht, wir lernten erst mal die anderen Bewohner des Hauses kennen: Wir spazierten durch die Wohnung einer weißen Familie mit drei Kindern (alles sehr bunt eingerichtet, interessanter Gegensatz zu den blanken Betonwänden), aber es stellte sich heraus, dass das Treppenhaus in der Wohnung lag, alle in die oberen Etagen durchlaufen mussten; wir trafen auf ein älteres weißes Frauenpaar, auf ein weißes Männerpaar mittleren Alters, das sich, und das war das Interessanteste an dem Traum, mit nur einem Namen vorstellte (Happybubbly oder so ähnlich), denn “we are an item”. Wir scherzten, dass vermutlich bald andere die Teile des Namens dem einen und dem anderen zuordnen würden, und sie gaben zu, dass sie damit rechneten.

Der Arbeitsweg war nicht mehr klirrend kalt wie in den Tagen davor, aber ich lernte durch ein leichtes Ausrutschen, dass es auf den Straßen und vor allen Fußwegen sehr glatte Stellen gab.

Ordentlich viel Arbeit in der Arbeit, aber alles strukturierbar.

Mittagessen Ernteanteil-Äpfel, Pumpernickel mit Butter.

Die Wochentags-Verwirrung drehte weiter: Gestern war für mich innerlich Freitag (an dem ich diese Woche gar nicht arbeite). Und das so überzeugend, dass ich Team-Anwesenheiten durcheinanderbrachte und unnötigen Deadline-Druck machte.

Nach pünktlichem Feierabend ein besonders ersehnter Friseurtermin: Der Abstecher zu einem Friseursalon ums Büro-Eck vor acht Wochen war ein Fehler gewesen, kein schlimmer, aber doch. Ich bitte Sie: Rundbürste! In den Wochen nach dem Besuch dort fiel mir ein, wie ich seinerzeit beim endgültigen Abschied aus Augsburg von meinem sehr geschätzten Haarschneider dort Tipps bekam, woran ich einen vertrauenswürdigen Friseurladen (für meine Bedürfnisse) erkennen konnte: Keine Pokale, keine Uniformen, keine Rundbürsten.

Ich stellte allerdings fest, dass ich auch bei Beachten dieser Kriterien nicht so leicht einfach einen Haarschnitt bekam. Ohne Kundinnenverwöhnung mit Prosecco-Angebot und -bindung (zumindest weiß ich jetzt, dass ich wirklich keine “Kopfmassage” mag, bitte einfach kurz Haarewaschen) sowie freundlich gemeinte Aufmerksamkeiten. Im Gesamtpaket dauerte das nämlich so lange, dass ich vor meiner Abendessensverabredung weder zum Einkaufen noch nach Hause kam, sondern Herrn Kaltmamsell bat, mich für unser nächstes #Lindwurmessen gleich beim Lokal zu treffen:1 Wir waren an der Rollwende unseres Projekt angekommen, nahmen in Kauf, dass das Lokal nicht die Adresse Lindwurmstraße trug und aßen im Öeins Stemmerhof. Ich ging zu Fuß vom Westend die westliche Theresienwiese entlang hin (die Fußgänger-Abkürzung zum Harras über Lipowskystraße hatte ich mal beim Spazierengehen entdeckt).

Ich war etwas misstrauisch, denn die vielen Sonderaktionen auf der Website sowie die dicke Schnaps- und Cocktailkarte sahen nach Party-Location aus.

Mein Misstrauen war unbegründet: Von der Herbstkarte hatte ich den Wildschweinbraten (mürbe, mager und saftig) mit Blaukraut und Semmelknödel (beides sehr gut), dazu ein Glas Wien 2 vom Weingut Pfaffl. Herr Kaltmamsell bestellte Wiener Schnitzel vom Kalb mit Petersilienkartoffeln und war sehr zufrieden damit, trank ein Viertel Mischsatz von Holger Hagen. Die Bedienung war freundlich und aufmerksam, wir glaubten sogar einen kuk-passenden ungarischen Akzent zu hören (ein richtig ungarisches Restaurant hätte ich sogar noch spannender gefunden).

Sehr satt spazierten wir zur U-Bahn-Station Poccistraße und nahmen die U-Bahn nach Hause.
Dort passte noch Schokolade zum Nachtisch rein.

§

Mir fiel auf: Altwerden ist auch deshalb anstrengend, weil mir zu so vielen Themen immer mehr Vergangenheit einfällt, die aber größtenteils komplett irrelevant ist. @giardino hatte dazu den passenden Calvin-und-Hobbes-Cartoon.

§

Danica Salazar ist Lexikografin, im Guardian schreibt sie über die Vokabel-“Geschenke” von Nicht-Muttersprachlern ans Englische:
“English is picking up brilliant new words from around the world – and that’s a gift”.

§

Gogglen Sie mal Dinner for One und klicken dann auf den Tiger. Bitteschön.

  1. Wir futtern uns nacheinander durch alle Lokale an der Südseite der Lindwurmstraße von Sendlinger Tor westwärts bis Stemmerhof, dann an der Nordseite wieder zurück. []
die Kaltmamsell

Journal Montag, 19. Dezember 2022 – Styling gegen Düsternis

Dienstag, 20. Dezember 2022 um 6:15

Endlich Anlass für das Styling, das Harry Styles mit dieser Aufnahme inspirierte – oder genauer: Stylist Ibrahim Kamara (gleich mal merken, sollte ich jemals professionelles Styling brauchen).

Mittlerweile weiß ich, dass Harrys wunderschöner grüner Riesenpulli in diesem Winter keineswegs zu warm fürs Büro wäre, sondern genau richtig; unter dem orangen (orangenen?) Pulli oben trage ich zusätzlich ein wärmendes Shirt. Und Herr Styles hat die schöneren Schuhe dazu.

Für den Weg in die Arbeit, immer noch knackig frostig und streckenweise sehr glatt, schlüpfte ich aber in die dicken Schneestiefel.

Heftiger Arbeitsvormittag mit Abstimmungen, Besprechungen, Info-Veranstaltungen in fast lückenloser Reihe. Kein Vormittags-Hafermilchkaffe möglich.

Als Mittagessen hatte ich das Punjab-Kichererbsen-Curry dabei, das Herr Kaltmamsell mir am Freitag gekocht hatte. Zeit zum Aufwärmen war allerdings nicht, es schmeckte auch kalt wunderbar aromatisch, gleichzeitig scharf und ingwerfrisch.

Nachmittags beim Dunkelwerden (15 Uhr) schneller Hofgang für etwas frische Luft: Es war bereits deutlich wärmer geworden. Ab 15.30 Uhr gab es dieses Jahr wieder in Präsenz eine Jahresendfeier, es waren viele Kolleginnen und Kollegen aus dem Homeoffice reingekommen. Ich freute mich für die Geselligkeitsfreund*innen.

Heimweg über Sulzschnee und erste Pfützen, ich genieße jedes zusätzliche Grad Temperatur.

Daheim erkundigte ich mich nochmal nach meinem kranken Vater, er wartete immer noch auf Besserung.

Ich probierte neues Yoga aus, die empfohlene Jessica Richburg und ihre halbe Stunde Beginner Yoga waren gestern genau das Richtige: Ruhige Dehungen, gut angeleitet.

Herr Kaltmamsell verarbeitete den Ernteanteil-Lauch und Fleischbrühe aus der Gefriere zu einem köstlichen Risotto.

Nachtisch Schokolade.

Beim Browsen im Fernseher stieß Herr Kaltmamsell auf eine spanische TV-Serie in Schwarz-Weiß von 2018: Arde Madrid – spielt im Spanien von 1961, dreht sich um die US-amerikanische Hollywood-Diva Ava Gardner und ihre Zeit in Madrid, die dort ein ausschweifendes Leben führt. Das ist dem Franco-Regime ein Dorn im Auge, die linientreue Ana Marí wird bei ihr als Haushälterin und Spionin platziert. Herr Kaltmamsell fand den Schalter für die unsynchronisierte Originalversion, hier die acht Teile in der Mediathek.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 18. Dezember 2022 – Adventspaziergang 2022 nach Böhming

Montag, 19. Dezember 2022 um 6:23

Ausgeschlafen, die Augen aufgeschlagen zu einem hochneblig grauen Tag. Was schade war, denn gestern fuhren wir zum alljährlichen Adventsspaziergang mit meinen Eltern und mit Bruderfamilie (deshalb bereits gepackte Weihnachtsgeschenke, die nahmen wir bei dieser Gelegenheit mit).

In Ingolstadt ließen wir uns am Hauptbahnhof abholen, gestern endete die Bahnverbindung von München nach Nürnberg hier bis zum Nachmittag, von dort Schienenersatzverkehr (aber mit Ankündigung). Im abholenden Auto saß nur meine Mutter: Mein Vater war krank, einer der derzeit grassierenden Atemwegsinfekte hatte ihn so böse erwischt, dass er ins Bett musste – das ist sehr ungewöhnlich bei ihm. Erster Adventspaziergang ohne meinen Vater, und meine Mutter, die den Infekt bereits hinter sich hatte, war auch noch recht gebeutelt und ungewöhnlich still.

Wir fuhren erst zur Bruderfamilie. Dort stand bereits der Christbaum geschmückt im Wohnzimmer: Wir konnten ihn also lauthals loben (-> Christbaumloben), “a so a scheena Chrisbamm!”, und bekamen dafür den entsprechenden Schnaps. Willi vor zwölf auf nüchternen Magen, kann man mal machen.

Zu acht und mit zwei Autos fuhren wir ins Altmühltal. Wie immer hatte meine Mutter erst jetzt das Ziel des Ausflugs verraten: Wir stellten die Autos in Kipfenberg ab und spazierten nach Böhming, um dort im Wirtshaus Römercastell zu Mittag zu essen.

Auf dem gut halbstündigen Weg unter grauem Himmel aber mit hellem Schnee sahen wir Reiher fliegen und Kormorane hoch in einem Baum über der Altmühl sitzen.

Böhming.

Im Römercastell war es schön warm. Wir wurden freundlich umsorgt, bekamen gutes Essen. Ein Knaller:

Beste Kinderkarte jemals.

Ich aß eine Forelle aus Regelmannsbrunn, dazu ein alkoholfreies Weizen.

Rückweg nach Kipfenberg, oben Schloss Kipfenberg.

Wie immer fuhren wir anschließend zu meinen Eltern. Mein Vater schlief, wir sorgten uns. Es gab Plätzchen, frischen Mohnstollen, Tee, Kaffee, weißen Glühwein – ich hielt mich an den Tee. Geplauder und Austausch von Informationen, leider sind nun im langjährigen und so lebensfrohen und feierfreudigen Freundeskreis meiner Eltern Krankheit und Tod eingekehrt. Gefeiert wird dennoch.

Die Rückfahrt im Zug war ruhig – ein wenig zu ruhig, wir kamen recht verspätet an.

Nur wenig Abendessen: Eine übrige Semmel vom Samstag mit Butter und ordentlich Ernteanteil-Kresse, Süßigkeiten.

§

Was Männer wirklich geschenkt haben wollen (nein ernsthaft, auf Twitter hat sie jemand mal selbst gefragt).

die Kaltmamsell