Journal Freitag, 9. Dezember 2022 – Von Schnee bis Rakija

Samstag, 10. Dezember 2022 um 7:58

Start in den Tag mit Freude auf den Freitagabend, der Donnerstag hatte sich bis zum Schlafengehen gehetzt angefühlt – und ins Bett war ich (für meine Verhältnisse) so spät gekommen, dass ich nicht mehr so viel Romanlesen konnte, wie ich gerne hätte.

Allerdickster Pullover und dicke Socken in Stiefeln: Im Büro war mir immer wieder warm inkl. warme Hände, doch es handelte sich jedesmal um eine vorübergehende Entspannung. Vorm Bürofenster Dezember-düsterer Himmel, am frühen Nachmittag die ersten ernsthaften Schneeflocken dieses Winters, klein und beharrlich. Erst gegen (frühen, freitäglichen) Feierabend blieb der Schnee ein wenig auf Bäumen und Dächern liegen.
Doch jeder Blick in diese scheinhelle Dunkelheit erinnert mich lediglich daran, dass das jetzt die nächsten vier Monate so bleibt.

Mittags gab es Apfel, Orangen, Dickmilch, Banane.

Ein wenig misstrauisch macht mich, dass mich der Dezember noch nicht würgt. Ja, hin und wieder kommen Erinnerungen, doch keine runterziehenden. Gestern dachte ich bei einem bestimmten Geruch an die Küche meiner polnischen Oma. Wenn ich als Kind bei ihr zur Übernachtung abgegeben wurde, z.B. weil meine Eltern zu einem Fest eingeladen waren, selbst eine Party veranstalteten oder zum Tanzen in die Ingolstädter Hochalm gingen, gab es in meiner Erinnerung abends Schinkenwurst-Semmel: Eine glatte Semmel (die hieß so, hier ein Beispielfoto), die so hoch war, dass sie zweimal durchgeschnitten wurde, darauf jeweils dick Butter und Schinkenwurst. Klassisch dazu Schwarztee, polnisch mit Zitrone, doch da muss meine Erinnerung trügen: Man hätte doch einem Kind nicht abends schwarzen Tee gegeben? (Andererseits holte sich mein sechs Jahre jüngerer Bruder als Kind seinen ersten Rausch, weil er von dieser Oma Cognacbohnen bekam – die sie als ganz normale Süßigkeiten eingestuft hatte, “was zu Lecke”. Meine Mutter bekam einen sehr blassen, kodderigen Buben zurück.)

Heim ging ich in mitteldichtem Schneefall über ein paar Besorgungen: Abendessen und Weihnachtliches.

Zu Hause erst mal Yoga, eine 15-Minuten-Folge ohne Längen, die gefiel mir.

Erste Handgriffe fürs Brotbacken am Samstag (Sauerteig, Vorteig). Das Abendessen bereitete ich zusammen mit Herrn Kaltmamsell zu: Er kochte syrische Linsensuppe, von mir kamen Artischocken mit Knoblauchmajo. Die restlichen Orangen aus der Crowdfarming-Kiste (10 Kilo sind echt viel) wurden ausgepresst die Basis des Aperitifs Tequila Sunrise.

Köstliche Suppe, aber mei: Linsensuppe, auch aus roten Linsen, sieht halt so aus, ich habe nicht extra fürs Foto noch ein dekoratives Gewürzchen oder Kräutlein drübergestreut, wir sind ja hier nicht bei instagram.

Eine herrlich fleischige Artischocke, sie machte richtig satt. Dazu hatte ich uns eine Flasche toskanischen Vermentino aufgemacht.

Zum Nachtisch schnitten wir einen Panettone vom Eataly an, einen mit Orange und Schokolade. Wir waren uns einig, dass die Schokoladenstücke zu sehr den Geschmack dominierten, der nächste wird wieder ein klassischer (nach dem ich beim jüngsten Einkauf den ganzen Laden absuchen musste, angeboten wurden vor allem Sondersorten).

Und dann gab’s noch ein Schnapserl. Ich hatte schon mal von einer kroatischen Kollegin Selbstgebrannten aus ihrer Familie geschenkt bekommen, der mir ausgezeichnet schmeckte. Als kürzlich die Kolumne “Getränkemarkt” des SZ-Magazins Rakija behandelte (“Befehl vom Drink-Sergeant”), legte ich ihr den Artikel auf den Schreibtisch. Und bekam daraufhin wieder eine Flasche, versehen mit einer für mich als Korrekturleserin der Abteilung zentralen Korrektur des Artikels.

Wir heulten einander etwas zu schiefen Eindeutschungen vor, ich steuerte Chorizo (DER) und Gazpacho (DER) bei. Diese Rakija schmeckte ganz hervorragend. Und dann mussten wir schnell ins Bett.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 8. Dezember 2022 – Wachs-Glück

Freitag, 9. Dezember 2022 um 6:32

Auf Twitter gibt es den schönen Foto-Account U-Bahn Berlin, der Bilder aus Berliner U-Bahnhöfen zeigt, immer wieder interessant.

An den dachte ich, als ich morgens auf dem Weg zur Arbeit die Abkürzung durch den U-Bahnhof Heimeranplatz nahm.

(Jaja, gibt auch schöne U-Bahnhöfe in München.)

Das Wetter bemühte sich um Freundlichkeit, das rechnete ich ihm hoch an. Zumal immer wieder ein paar Sonnenstrahlen mein Büro wärmten. Gestern hatte ich bereits vormittags mehrfach warme Hände (dickster Norwegerpulli mit Shirt drunter, dickste Wollsocken – die waren wohl ein wichtiger Faktor).

Hochspannung vor 11 Uhr: Würde die Testwarnung des bundesweiten Warntags auf meinem Handy erscheinen? Ich hatte bei nicht-amtlichen Stellen gelesen, dass man dafür möglicherweise erst die Testwarnmöglichkeit freischalten müsse, die als Voreinstellung aus ist.

Da mir das gesamte Warnsystem unsinnig erschien, wenn es Voreinstellungen nicht überstimmen kann, ließ ich sie extra aus. Ergebnis: Ich erhielt keine Testwarnung. Die Info zu notwendigen Einstellungen hätte also dringend Teil der Kampagne sein müssen. (War aber sehr niedlich, wie es aus allen Büros ums Atrium und in allen Stockwerken brummte und rasselte.)
Dass es nicht laut werden würde, wusste ich: In München gibt es schon lange keine Sirenen mehr. Wenn Sie als Feedback an der Umfrage zum Warntag teilnehmen wollen, hier der Link.

Mittags hatte ich große Lust auf Bewegung in fast richtig Hellem und ging auf einen guten Cappuccino zum Emilo.

Schönes Hausnummernschild unterwegs.

Diesmal nahm ich für Herrn Kaltmamsell auch eine der dort hergestellten Nusseckerln mit, auf die sie besonders stolz sind (sein Urteil abends: besonders fein).

Zurück im Büro gab’s als Mittagessen Orange, Hüttenkäse, Banane.

Arbeitsdruck gestern sehr hoch, doch einige Dinge gingen nach einigem Hin und Her endlich voran, und ich hatte Unterstützung.

Gestern lernte ich zudem, dass wir in einer Welt leben, die Büroklammern in Schweineform enthält. Ich finde, Sie sollten das wissen.

Nach Feierabend hatte ich wieder einen Termin zum Wachsenthaaren meiner Beine. Diesmal hatte ich ihn in einem kleinen Laden vereinbart, an dem ich regelmäßig vorbeikomme und den ich erst mal angesehen hatte: Sympathische Menschen, es wurde Italienisch gesprochen, und die Website wies darauf hin, dass nur mit Wachs gearbeitet werde, ohne Vliesstreifen – so hatte ich es in Spanien einst kennengelernt.

Die Entscheidung stellte sich als goldrichtig heraus: Es wurde sehr sorgfältig gearbeitet, inklusive Pinzette, abschließend blieb nahezu kein Wachs an den Beinen (das blau eingefärbt und deshalb leicht zu entdecken war). Und ich lernte eine herzerfrischende Frau kennen, erfuhr in der halben Stunde auf der Liege ihre gesamte Familiengeschichte, angefangen in Sardinien, sie holte parallel meine gesamte Familiengeschichte über mehrere Generationen aus mir heraus, inklusive Sternzeichen und Weihnachtsplänen. Jetzt sind meine Beine so gründlich enthaart, dass die sardische Münchnerin prognostizierte, ich würde fürs nächste Mal erst im Mai einen Termin brauchen, zwinkerzwinker. Wenn Sie eine Empfehlung möchten: Schicke ich Ihnen gerne per E-Mail.

Ein paar Einkäufe im Vollcorner, daheim erst mal Yoga. Leider genau die falsche Folge für meine gestrige Stimmung nach zwei Abenden ohne: Die 20 Minuten starteten mit 8 Minuten Stehen und Schnaufen – ja, ich fing irgendwann an nachzusehen, weil ich es nicht fassen konnte. Rumstehen und Schnaufen war mir dann doch zu nah dran an so manchem MS-Teams-Meeting (ich habe einen höhenverstellbaren Tisch und stehe dabei gern).

Herr Kaltmamsell war aushäusig, ich machte mir als Nachtmahl den Portulak aus Ernteanteil mit Orangensaft-Olivenöl-Dressing an, außerdem kochte ich mir den Rosenkohl aus Ernteanteil, schwenkte ihn in Butter. Nachtisch Weihnachtsplätzchen.

§

Katharina Seiser erzählt in ihrem Blog, wie dieses Jahr die so prägenden Gewürz- und Kräuterhandlungen ihrer Mutter aufgelöst wurden – und welche Folgen das hat.
“der letzte safran meiner mama”.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 7. Dezember 2022 – #Lindwurmessen bei der freundlichen Nachbarschafts-Vietnamesin

Donnerstag, 8. Dezember 2022 um 6:14

Morgens kehrte das Wetter zurück zu Dunkelgrau, allerdings mit etwas bunterem Himmel in verschiedenen Grautönen. Kurz vor Mittag aber bekam ich echten Sonnenschein – den ich vor allem begrüßte, weil er mein Büro wärmte.

Mittags gab’s ein wenig Kimchi, Pumpernickel mit Butter (war ja noch vom Dienstag übrig), Orange, Banane.

Den ganzen Tag mitteleng getaktete Arbeit, viel davon Recherche und Sortieren. Ich hatte kein einziges Mal warme Hände, muss also weiter umdenken: Dickere Pullover, und die Schneestiefel für den Arbeitsweg lasse ich einfach im Büro an, nehme kein zweites Paar Drinnen-Schuhe mit.

Nach Feierabend stieg ich in eine U-Bahn zum Ostbahnhof: Einkauf spanischer Spezereien im MitteMeer. Daheim nur kurzes Kruschen, dann brach ich mit Herrn Kaltmamsell zu unserem nächsten #Lindwurmessen auf,1 dem vietnamesischen Restaurant Jasmin.

Ich hatte sicherheitshalber reserviert: Im Dezember wird viel Essen gegangen. Und da ich eh eine MVV-Tageskarte hatte, fuhren wir zwei Stationen mit der U-Bahn hin.

Wir gehörten zu den ersten Gästen, ich fühlte mich sofort sehr wohl: Das kleine Lokal (laut Website 2003 eröffnet und ein Familienbetrieb) wirkte wohnlich und war liebevoll dekoriert, unter anderem mit offensichtlich viel benutzten Kochbüchern vietnamesischer Küche – aber eben nicht durchgestylt. Aufmerksam war auch der Service, sehr angenehm.

Zu trinken bestellten wir den alkoholfreien Cocktail Yuzu Sprizz: Ganz ausgezeichnet; zunächst war ich überraschte, weil er fast nicht süß war, doch dadurch kam das Aroma dieser besonderen Zitrusfrucht richtig gut zum Tragen.

Herr Kaltmamsell aß Tintenfisch mit Gemüse und Reis, ich hatte Reisbandnudeln mit Garnelen, Knoblauch, Erdnüssen und Gemüse – ganz besonders fein gewürzt, frisch und köstlich.

Auch zurück nahmen wir die U-Bahn, daheim gab’s zum Nachtisch Süßigkeiten.

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Auf Mastodon von @wondi geteilt mit dem Hinweis: “Falls ihr heute Morgen ungewollt gute Laune habt, kann ich diesen Beitrag über rumänische Bauarbeiter in Frankfurt nur empfehlen.”
“Ganz unten im System”.

Länder, in denen migrantische Arbeiter auf Baustellen prekär beschäftigt werden, müssen boykottiert werden? Am besten fängt man mit Deutschland an.

(…)

Im deutschen Baugewerbe ist ein krakenartiges Geflecht aus teils kriminellen Firmen entstanden; eine Schattenwelt, in der die Grenze zwischen Legalität und Illegalität verschwimmt. Die taz hat für diesen Artikel mit Gewerkschaftsvertretern, Sozialarbeitern, Arbeitgebern und mehreren osteuropäischen Arbeitern gesprochen. Sie geben Einblicke in ein System, das über Abhängigkeit und Angst funktioniert; ein System, bei dem die Leidtragenden ganz unten stehen.

§

Ein weiteres Schlaglicht auf die wissenschaftliche Seite von Intersexualität – aber mit Bezug zu gesellschaftlichen Gefühlen.
“Trans athletes in women’s sports: Is this fair?”

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/cZ9YAFYIBOU

via @afelia

Mit ein paar für mich unerwarteten Argumenten.

  1. Wir futtern uns nacheinander durch alle Lokale an der Südseite der Lindwurmstraße von Sendlinger Tor westwärts bis Stemmerhof, dann an der Nordseite wieder zurück. []
die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 6. Dezember 2022 – Meine Nikolaus-Geschenke

Mittwoch, 7. Dezember 2022 um 6:11

1. Geschenk
Als ich Herrn Kaltmamsell am Montagmorgen bei Verlassen der Wohnung darauf hinwies, dass am Dienstag FEI Nikolaus sei, nannte er das “geradezu beleidigend”. Ich wollte lediglich ganz sicher gehen, dass sich gestern Morgen niemand würde grämen müssen, weil er vergessen hatte, mir einen Schokoladennikolaus vor die Tür zu stellen. Komplett grämungsfreier Morgen, zwei Schokoladennikoläuse hatten vor den respektiven Türen pünktlich ihren Auftritt.

2. Geschenk
Einen seltenen Auftritt hatten Sterne am Himmel: Die Wolkendecke lichtete sich genug, dass ich beim Fensterschließen ihr Funkeln am morgentlichen Nachthimmel sah.

3. Geschenk
Mir selbst diesen irischen Tweedrock geschenkt:

Er ist eine Größe zu groß – weil ich besonders sorgfältig war: Da ich den Hersteller noch nicht kannte, verließ ich mich nicht auf die vertraute Konfektionsgröße, sondern maß meine Taille aus und glich das Ergebnis mit der Tabelle des Anbieters ab. Sie ergab eine Konfektionsgröße höher als sonst, sogar am oberen Ende. Leider passte das aus Irland gelieferte edle Stück trotzdem nicht (wozu dann diese Maßtabelle bitte?), meine gewohnte Größe wäre richtig gewesen. Da es genau dieses Modell in dieser aber nicht mehr gibt und mir zudem der Umstand der Rücksendung zu groß ist, behalte ich ihn. So kann ich halt auch einen dicken Wollpulli reinstecken. Und vielleicht lasse ich ihn ja irgendwann vom Schneider enger machen.

4. Geschenk
Auf dem Weg in die Arbeit hatte ich einem Radler zu danken: Er rutsche gleich in der ersten Kurve meiner Route weg und legte sich flach: So musste ich nicht selbst durch einen Sturz herausfinden, dass es eisglatt war und trippelte vorsichtig ins Büro.

Beim Auspacken merkte ich dort: Ich hatte statt meinem Butterbrot versehentlich das Reststück spanischen Schafskäse als Brotzeit aus dem Kühlschrank gegriffen. Und mich beim Öffnen meines Rucksacks ein wenig über den Stallgeruch gewundert.

Der Morgenhimmel entwickelte sich zu Sonnenschein, der bis fast halb zehn erfreute. Dann Rückkehr zu Bleihimmel. (Um fair zu sein, blieb den ganzen Tag ein heller Streifen am Horizont – den die Sonne für einen schüchternen Untergangs-Auftritt nutzte.)

Zu Mittag also kein Pumpernickel, sondern zwei Brezen aus der Cafeteria, vorgeschnittene Orangen.

Nachmittags schaffte ich sogar warme Hände. Irgendwann lerne ich auch noch, dass “ah, dann kann ich die Heizung ja runterdrehen” keine gewinnbringende Reaktion darauf ist.

5. Geschenk
Auf dem Heimweg (kalt) sah ich auf der Theresienhöhe vorm Tor der Villa Wagner ein Mäuschen huschen. Ich blieb still stehen, da traute es sich vor. Und dann sah ich ein paar Minuten im Licht der Straßenlaterne diesem ultraniedlichen Tierchen zu: ganz rund und höchstens vier Zentimeter lang, mit großen, zarten Öhrchen, großen Knopfaugen, langem, dünnen Schwanz tat es Mäuschendinge – schnupperte, huschte, guckte. Hachz.

6. Geschenk
Und DANN sah ich beim Kreuzen des Kaiser-Ludwig-Platzes auch noch einen Nikolaus: In Weiß, mit Bischofsmütze, halb gefüllten Sack über der Schulter – vielleicht der mietbare Pfarrei-Nikolaus?

Herrn Kaltmamsell holte ich nur ab: Wir gingen zum Abendessen auf den (wegen Baustelle reduzierten) Christkindlmarkt am Sendlinger Tor, es gab Regensburger spezial (gut – für die Chronik: 5 Euro) und dann Pommes (mittelgut – 4 Euro). Daheim zum Nachtisch Früchtebrot und Schokolade.

Am Montag waren meine Schöffinnentermine für 2023 eingetroffen: Ich hatte es nicht geschafft, beide für das Jahr geplante Urlaube bereits zu buchen, um bei eventuellen Kollisionen meine Verhinderung belegen zu können. Glück gehabt (noch ein Geschenk): Der Großfamilienurlaub über die Osterferien ist nicht betroffen.

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Nach der Lektüre eines Artikel im Guardian über geraubte Kunstschätze aus der Antike gibt ein Mann 19 Antiquitäten, die er – ohne Nachweis rechtmäßigen Erwerbs – von seiner Großmutter geerbt hat, an die Ursprungsländer zurück.
“Man repatriates 19 antiquities after reading Guardian article”.

Gelernt: Dazu muss man erst mal jemanden finden, der die Ursprungsländer benennen kann, und dann geht man damit zur jeweiligen Botschaft.

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Swissmiss hat handgemalte Plakate fotografiert, die am Rand des New-York-Marathons hochgehalten wurden.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 5. Dezember 2022 – Janker-Schnäppchen

Dienstag, 6. Dezember 2022 um 6:34

Eine weitere Nacht mit gutem Schlaf, ich hätte ihn gern noch länger gehabt.

Das nebelig trübe Wetter hielt an, keine Aussicht auf einen Sonnenstrahl diese Woche – vielleicht gibt es wenigstens ein paar Flocken Schnee.

Arbeitsweg im fast komplett Dunklen, auch das bleibt noch für ein paar Wochen so. Aber hey! Im Büro konnte ich um die Mittagszeit fast zwei Stunden lang auf künstliches Deckenlicht verzichten!

Mittagessen Pumpernickel mit Butter, zwei Orangen.

Emsiger Nachmittag, manches musste ich nochmal von vorn anfangen, weil moving target.

Nach Feierabend zog ich zu ein paar Einkäufen los: Ich genoss den Marsch, auch wenn es beim Verlassen des Bürohauses zu regnen begann, erst mal nicht mehr aufhörte und ich langsam durchfeuchtete.

Besorgungen beim Vollcorner, dann marschierte ich zum Kaufhof am Stachus, also zur verbliebenen Hälfte des Hertie am Bahnhof, das andere Kaufhaus direkt an der Sonnenstraße wurde mittlerweile komplett geschlossen (nur der große Asia-Supermarkt im Keller ist weiter in Betrieb). Ich brauchte Strumpfhosen und weiß erstmal nicht, wo ich die außerhalb der Socken- und Strumpfabteilung eines Kaufhauses offline bekomme; das immer glaubwürdiger angekündigte Aussterben von Kaufhäusern stellt mich vor echte Probleme.

Daheim freute ich mich sehr auf eine Runde Yoga; sie war ok, ohne Adrienes Geschnatter hätte sie mir noch besser getan. In der Post eine herzerwärmende Postkarte: Ich hatte mir eine von diesem Foto gewünscht – und der bezaubernde Wiener Fotograf hatte tatsächlich eine gedruckt und geschickt.

Herr Kaltmamsell servierte wieder das Nachtmahl.

Im Zentrum Kimchi (inzwischen sauer fermentiert und weiterhin köstlich) mit Udon – die fleischreiche Woche hatte somit ein Ende. Ich möchte jetzt bitte eine Weile kein Fleisch mehr, aus Umweltgründen, aber auch aus Gemüse-Gelüsten. (Was problemlos mit dem Wunsch nach einer Bratwurst vom Christkindlmarkt zusammengeht.) Auf dem Teller gestern zudem gebratener Seidentofu und Gyoza.

Und Herr Kaltmamsell hatte eine gemeinsame Idee umgesetzt:

Wackelpudding aus selbstgemachtem Waldmeistersirup, Gelatine und Lebensmittelfarbe. Schmeckte halt nach echtem Waldmeister und nicht nach künstlichem, aber gut! (Mit flüssiger Schlagsahne.) Danach noch reichlich Weihnachtsplätzchen.

Am Nachmittag war ein Paket eingetroffen:

(Die Bluse habe ich extra fürs Foto angezogen.)

EINMAL hatte die Online-Werbung exakt meinen Bedarf getroffen und einen schlichten, grauen Giesswein-Janker in gewünschter Größe angeboten, noch dazu von Best Secret und damit für die Hälfte des Original-Preises.

Echt ist für mich ein Janker, wenn er in Grau- oder Brauntönen kommt, aus Walk gemacht ist, mit Knöpfen geschlossen wird, kragen- und kapuzenlos. Außerdem muss es ein Herren-Modell sein, denn in dem Moment, in dem jemand versucht, Abnäher für Brüste einzunähen, verfärbt sich der Stoff in Pastell-Töne, die Einfassungen bekommen neckische Muster und/oder es erscheinen Stickblümchen auf dem Walkstoff. In Extremfällen formieren sich sogar Schößchen an der Rückseite. Der Zusammenhang ist noch nicht abschließend wissenschaftlich geklärt.

Mein neuer auf dem Foto ist ein eher leichter, nicht so richtig wintertauglich.

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Lesenswerte Gedanken von Katharina Riehl in der Süddeutschen zur Frage, ob der Aktivismus von “Letzte Generation” der Klimabewegung nutzt (€):
“Der Ärger gehört dazu”.

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Endlich eine inhaltlich-feministische Auseinandersetzung mit Alice Schwarzer zu ihrem 80. Geburtstag und zwar von Antje Schrupp.
“Zum 80. Geburtstag von Alice Schwarzer”.

Sie hat nicht verstanden, dass die Gleichberechtigung im Westen die weißen bürgerlichen, einheimischen cis Frauen zu einem stärkenden Faktor der weißen bürgerlichen antimigrantischen symbolischen Ordnung macht und damit die Grenzen, die das Patriarchat zwischen Männern und Frauen zieht, einfach nur anderswo hin verlagert. Sie hat nicht verstanden, dass die eurozentrischste patriarchale koloniale Norm durch die Emanzipation der Frauen nicht etwa untergraben wird, sondern glaubwürdiger! Und dass aus genau diesem Grund sie NIEMALS von einer Kritik anderer Diskriminierungsformen getrennt werden darf.

In den späten 80ern und frühen 90ern holte ich Schwarzers Feminismus nach, indem ich mehrere Jahrgänge Emma hinterherlas, die es bei Zweitausendeins billig als Sammelbände gab – hochinteressant und lehrreich. Doch eine wirkliche Identifikationsmöglichkeit bot mir der third wave feminism, den ich um die Jahrtausendwende zunächst in US-amerikanischen Blogs entdeckte, allen voran Jessica Valenti und das mittlerweile eingestellte Blog feministing.com (das aber weiterhin zum Nachlesen online steht).

Gleichzeitig kam ich immer weniger mit Alice Schwarzers Dogmatik zurecht, mit ihrem absoluten Anspruch auf die einzig wahre und akzeptable Haltung: Sie beteiligte sich nicht am feministischen Diskurs, verkündete lediglich weiterhin ihre apodiktischen Aussagen, alles war und ist in Stein gemeißelt. Ich kann mich an keinen einzigen Aspekt erinnern, in dem sie ihre Haltung weiterentwickelt hätte – im Gegenteil: Ihr Tonfall wurde immer menschenfeindlicher und ausgrenzender. Und das, wo ich den Feminismus in den vergangenen 30 Jahren gerade wegen seiner Veränderungen und Weiterentwicklungen so spannend fand, wo ich immer weitere unterschiedliche Perspektiven kennenlernte und nachvollziehen konnte.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 4. Dezember 2022 – Neblig trüb

Montag, 5. Dezember 2022 um 6:21

“Neblig trüb” – der Standard-Wettervorhersagenausdruck wurde genau für das gestrige Münchenwetter geprägt.

Erfrischt und munter früh aufgewacht. Nach Morgenkaffee und noch vor Veröffentlichung des Blogposts arbeitete ich an der nächsten Runde Thüringer Weihnachtsstollen weiter.

Um halb elf war ich damit fertig und konnte raus zu meiner Laufrunde. Diesmal war ich wirklich überrascht, wie gut das lockere Traben tat: Bei diesem Wetter hatte ich keine Wirkung erwartet und freute mich umso mehr, dass sich schon nach zehn Minuten die Düsternis über meinem Gemüt lichtete, dass ich leicht und gelassen wurde.

Und das trotz der ärgerlichen Anfahrt per U-Bahn. Da ich die wochenendlichen Behinderung wegen des Umbaus Sendlinger Tor inzwischen kenne, guckte ich extra in der MVG-App nach, wie sie heute aussehen würden: Kaum, es wurden Verbindungen nach Thalkirchen ohne Umsteigen angezeigt – zwar nur alle 20 Minuten, aber das konnte ich ja einrichten. Doch als ich mit abgestempelter Streifenkarte pünktlich am U-Bahn-Gleis stand, lautete die Anzeige: “Pendelverkehr zwischen Odeonsplatz und Goetheplatz alle 15 Minuten”. Statt ungewiss lange zu warten, joggte ich, bereits leicht vergnatzt, zum Goetheplatz.

Auf die Rückfahrt musste ich 15 Minuten warten, auch hier stimmten die Abfahrtzeiten der App nicht, ich begann vom Sport verschwitzt zu frösteln. Hätte ich diese Informationen vorher gehabt, wäre meine Wahl sicher auf eine andere Laufstrecke gefallen. Eine, bei der nicht 1:40 Stunden Lauf netto einen Ausflug von fast drei Stunden brutto nach sich zogen.

Denn das ist mittlerweile der Hauptgrund, aus dem ich so lange Strecken laufe. In San Sebastián merkte ich, wie viel besser es mir tut, öfter, dafür aber nur eine gute Stunde zu laufen: Ich hatte danach praktisch keine Beschwerden – konnte aber halt fast gleich von der Haustür aus loslaufen. Doch wenn zu meiner Strecke eine halbe Stunde Anreise gehört, soll sie sich auch lohnen: Ich laufe mindestens anderthalb Stunden, bezahle dafür mit ein bis zwei Tagen (mittleren bis leichten) Schmerzen in der Achillessehne und/oder Oberschenkelrückseite und im Kreuz.

Zum Frühstück um halb drei (Semmeln hatte ich in Thalkirchen gekauft) musste ich bereits wieder das Licht anschalten: Es gab zwei Semmeln mit Marmelade, zwei Orangen.

Kristine Bilkau, Nebenan ausgelesen. Das Buch gefiel mir anfangs erleichternd gut, mich interessierte das norddeutsche Einfamilienhausleben, die Personen darin kamen mir nah. Dann allerdings dominierte das Thema Fortpflanzungswunsch immer mehr, entwickelte sich zum Thema unerfüllter Fortpflanzungswunsch – und ich musste wieder an die vielen Menschen denken, die sich nicht für Essen interessieren und wie sie sich anstrengen müssen, die ständigen Fotos von Mahlzeiten und Lebensmitteln aus ihren Internet-Kanälen zu filtern, weil sie mit diesen halt wirklich, wirklich, wirklich nichts anfangen können. Im letzten Viertel kriegte mich der Roman aber wieder, die Autorin merke ich mir. Unter anderem begrüßte ich sehr, dass fast alle angefangenen Erzählfäden (verschwundene Nachbarsfamilie, Fortpflanzung, immer gebrechlichere alte Tante, anonyme Drohbriefe) offen blieben.

Ich hätte Lust auf eine Runde Yoga gehabt, doch einige Stellen meines Körpers (siehe oben) signalisierten mir: Besser nicht. (Vielleicht verstehe ich meinen Körper irgendwann doch noch.)

Zum Nachtmahl wurde ich wieder luxusverwöhnt: Herr Kaltmamsell servierte Boeuf Bourguignon nach dem durch und durch durchdachten Rezept von Astrid Paul (das ich ihm unauffällig über Twitter-DM zugesteckt hatte). Der Herr hatte sich nahezu sklavisch an die Vorgaben gehalten, ich durfte den burgundischen Kochwein probieren – Pinot noir mag ich wirklich.

Das Ergebnis schmeckte mir ausgezeichnet. Dazu gab es ein Glas Lemberger, Nachtisch Schokolade. Dann stolperten wir im Fernsehen auch noch über den Film Last Christmas, sehr schön zum Nebenher-Laufenlassen.

§

Ellen Barry in der New York Times zu neuer Forschung über zwanghaftes Lügen. Mit einem Protagonisten, der die Flucht nach vorn angetreten hat, um nicht im Suizid zu enden.
“Can This Man Stop Lying?”

Psychiatry, they argue, has long misidentified this subset of patients. Rather than “dark, exploitative, calculating monsters,” they argue, pathological liars are “often suffering from their own behavior and unable to change on their own.”

(…)

These liars were, as a whole, needy and eager for social approval. When their lies were discovered, they lost friends or jobs, which was painful. One thing they did not have, for the most part, was criminal history or legal problems. On the contrary, many were plagued by guilt and remorse. “I know my lying is toxic, and I am trying to get help,” one said.

(…)

This was a common observation among researchers who have spent time with prolific liars: That it was difficult to build functioning relationships.

“You can’t trust them, but you find yourself getting sucked into trusting them because, otherwise, you can’t talk to them,” said Timothy R. Levine, a professor at the University of Alabama Birmingham who has published widely on deception.

“Once you can’t take people at their word, communication loses all its functionality, and you get stuck in this horrible place,” he said. “It puts you in this untenable situation.”

(…)

This fall, Mr. Massimine made his first tentative re-entry into the public eye, publishing a column in Newsweek that attempted to explain his lying.

“As part of my diagnosis, when I am in mental distress, I create fabrications to help build myself up, since that self-esteem by itself doesn’t exist,” he wrote. “I compensated in the only way I knew how to: I created my own reality, and eventually that spilled into my work.”

(…)

The diagnosis will not resolve this problem. For much of recorded history, lying has been counted among the gravest of human acts.

This is not because of the damage done by particular lies, but because of what lying does to relationships. To depend on a liar sets you on queasy, uncertain ground, like putting weight on an ankle you know is broken.

via @katzentratschen

§

Praxishilfe von den Öffentlich Rechtlichen:
“Klatschen im klassischen Konzert – so geht’s”.

via @Croco

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 3. Dezember 2022 – Augsburg-Ausflug zu Familien-Mittag

Sonntag, 4. Dezember 2022 um 8:36

Nach gutem Schlaf um sechs aufgewacht, nach Klogang energisch wieder ins Bett gelegt. Doch statt Schlaf kamen Sorgen und Ängste, ich stand lieber ins Wache auf.

Gemütlicher Morgen, doch erst um neun wurde es langsam hell genug für Lichtausschalten. Vor dem Ausflug zur Augsburger Familie wäre noch Zeit für eine Laufrunde gewesen, doch das Draußen lockte mich nicht. Statt dessen sportelte ich eine inzwischen seltene Runde Hanteltraining, Rumpfstärkung mit Fitnessblender. Ich kam ganz schön ins Schwitzen: Auch wenn ich kein Problem mit Durchhalten hatte, war das schon eine andere Nummer als Yoga – diese Einheit war mir in der Vergangenheit schon mal einfacher gefallen.

Corona-Selbsttest wie vor allen Geselligkeiten – ich möchte der Verwandtschaft nichts unfreiwillig anhängen.

Ein Zug um halb zwölf brachte uns nach Augsburg – wo die Dezember-Düsternis auch noch neblig war. Die lieben Schwiegers luden Herrn Kaltmamsell und mich zum Mittagessen ins Traditionsgasthaus Settele.

Ich hatte die Entenbrust mit Wintergemüse und Serviettenknödel, war sehr zufrieden.

Bei Schwiegers daheim gab es noch Espresso und Plätzchen, wir wurden zudem mit einer Kiste Weihnachtsplätzchen und dem legendären Quittengelee ausgestattet. Außerdem Austausch von Neuigkeiten und bislang unbekannten Details zu alten Geschichten.

Auf den Zug nach Hause warteten wir am Bahnhof Augsburg Haunstetter Straße ungeplant deutlich länger als eine halbe Stunde: Streckensperrung wegen “Personen im Gleis”, gegen Idioten hilft keine noch so gute Organisiertheit.

Daheim in München hatte ich Lust auf noch ein wenig Yoga. Das weniger anstrengend ausgefallen wäre, hätte diese Runde nicht ausgerechnet die anstrengenden Übungen für die seitlichen Bauchmuskeln wiederholt (Seitstütz, Bankstütz mit abwechselndem Knie-Anziehen), aus denen die Kraftrunde am Morgen bestanden hatte.

Zum Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell nochmal richtig auf: Es gab die Sellerie-Knolle aus Ernteanteil mit asiatischer Barbecue-Kruste, dazu Pakchoi aus Ernteanteil mit Scharf aus der Pfanne. Beides sehr gut. Als Nachtisch eine Orange und nochmal ordentlich Plätzchen.

Aus dem Maschinenraum: Ich habe das Blog-Heinzelmännchen gebeten, die Schrift der Blogposts ein wenig zu vergrößern. Als ich mich dabei ertappte, wie ich die Schrift beim Lesen des eigenen Blogs im Browser vergrößerte (bei gedrückter Mouse-Taste über Scroll-Rädchen), nahm ich an, dass nicht nur ich dieses Bedürfnis haben würde.

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Kurt Kister schreibt in seinem Abonnenten-Newsletter, der seit zwei Wochen auch in der Süddeutschen erscheint, über die aktuelle und doch ewig gleiche Diskussion zur Einbürgerung von Nicht-Deutschen (€):
“In diesem mühsamen Nirgends”.

Ich denke mir, dass es nicht schlecht wäre, wieder einmal, immer wieder darüber nachzusinnen, was „Staatsangehörigkeit“ heute bedeutet. Ja, Deutschland ist ein Einwanderungsland. Und nein, das Blut bestimmt nicht, wer oder was deutsch ist. Aber bei der Innenministerin und dem Kanzler klingt es so, als gehe es eigentlich um kaum viel mehr als um die Zugehörigkeit zur Firma Deutschland, weil man ja Arbeitskräfte braucht und die sich, sagt Scholz, am besten über die Arbeit integrieren. Ist Deutschland also eigentlich nur so etwas wie ein noch größerer Siemens-Konzern und sind Deutsche, vielleicht ein paar Ebenen höher oder seitwärts, so was wie Siemensianer?

§

Stephan Noller wiederum macht sich nachvollziehenswerte Gedanken über die politische Vermittlung von Realität, vor allem wenn sie unangenehm oder unsicher ist.
“Der Deal stimmt nicht mehr”.

Warum sind die Leute so fasziniert von Habeck? Weil er einen fundamental neuen Politik-Stil probiert, der vor allem durch eines geprägt ist: das Bemühen um Wahrhaftigkeit. Will damit nicht sagen, dass PolitikerInnen lügen – keinesfalls. Aber es ist schon so, dass sich in den letzten 50 Jahren da auch so eine Art Deal etabliert hat, der sich bis ins Reden der PolitikerInnen reingezogen hat. Bestimmte Dinge sagen wir nicht, machen wir aber trotzdem. Andere Dinge sagen wir, machen wir aber eh nicht. Und überhaupt ist vieles, was wir tun zu komplex für Euch, da simulieren wir vielleicht ein bisschen Diskurs aber dann ist auch gut. Zu den Dingen, die z.B. nicht gesagt wurden gehörte die unglaubliche Abhängigkeit unseres wundersamen Wohlstands-Wachstums von ein paar dreckigen Faktoren wie billiges russisches Gas, gnadenloses Ausschlachten von Absatzmärkten, ekelhafter Niedriglohnsektor usw. – wir haben alle heimlich unserer Frieden damit gemacht, weil es war ja alles irgendwie gut.

die Kaltmamsell