Journal Samstag, 9. Juli 2022 – Isarlauf auf selteneren Wegen

Sonntag, 10. Juli 2022 um 7:53

Eine miserable Nacht, unter anderem war sehr wahrscheinlich der abschließende Espresso eine schlechte Idee. Außerdem Kater-Kopfweh, als hätte ich deutlich mehr als einen Aperitif und zwei Gläser Wein getrunken. (Immer das Damoklesschwert, die Migräne könnte nach fast zwei Jahren zurückkommen.)

Nach Morgenkaffee und Bloggen (für Balkon war es deutlich zu kalt) fühlte ich mich immer noch elend: Ich legte mich nochmal hin. Anderthalb Stunden später war ich fit und schmerzfrei. Außerdem war die Sonne herausgekommen und wechselte sich mit Wolken ab, ich freute mich sehr auf einen Isarlauf – in neuer Hose und mit neuem Lauf-BH.

Dazu radelte ich nach Thalkirchen zum Tierpark und lief von dort nach Pullach – allerdings nicht meine übliche Strecke, sondern auf schon lang nicht mehr genutzten Wegen.

Gefräßige Insekten oder Hagel?

Ich lief anderthalb Stunden ohne Schmerzen und freute mich an der Sonne, die neue Sportkleidung erfüllte ihren Zweck hervorragend – auf den letzten paar hundert Metern schlüfte ich sogar aus dem Shirt und ließ die Sonne auf meinen nackten alten Bauch scheinen, Mutprobe! Die ursprünglich angepeilte und interessantere Strecke über kleine Pfade durch die Bäume und über Stock und Stein musste ich allerdings meiden: Sie war deutlich hörbar von Geländeradlern belegt.

Kurzes Dehnen am Tierpark, dann radelte ich zurück. Semmel-Stopp bei einem Bäcker Wimmer.

Zum Frühstück gab’s eine Käsesemmel und reichlich Käsekuchen.

Ich machte mich auf eine Einkaufsrunde in der Innenstadt für eine Ergänzung unserer Hausbar: Im Kaufhaus am Marienplatz (in dem gerade heftig umgebaut wird) erstand ich endlich anständige Tumbler (gab es in diesem Haushalt der eigentlich passenden Gläser für alles noch nie) und Longdrink-Gläser im selben Design (der Bestand war über die Jahre weggebrochen). Wenn ich schon mal in der Gegend war, sah ich nach gutem Obst beim Eataly: Es wurden Pfirsiche.

Gemütlicher Nachmittag daheim mit Zeitunglesen. Für Sitzen auf dem Balkon war es aber wieder zu kühl.

Abendessen Rote-Bete-Risotto (Ernteanteil, von Herrn Kaltmamsell selbst erfunden).

Nachtisch Käsekuchen.

§

Die politischen Analysen von Fintan O’Toole finde ich immer interessant, diesmal nimmt er (mal wieder) Boris Johnson auseinander:
“Boris Johnson has vandalised the political architecture of Britain, Ireland and Europe”.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 8. Juli 2022 – Wochenendfeiern vorm Romans

Samstag, 9. Juli 2022 um 8:30

Wieder gut geschlafen, hätte gerne länger sein dürfen.

Draußen war es kalt, Jacke-Socken-Schnürschuhe-kalt. Und düster, ich musste schon sehr auf die Wettervorhersage und ihre sonnigen 24 Grad am Nachmittag vertrauen, um mich weiter auf den reservierten Draußentisch fürs Abendessen zu freuen.

In der Arbeit viel Korrekturlesen wenig spannender Texte.

Als Mittagessen Gurke, Pumpernickel mit Käse, Kefir.

Am Nachmittag fiel mir das Korrekturlesen immer schwerer, ich verschob den Rest auf einen konzentrierteren Vormittag und arbeitete anderes weg.

Pünktlicher Feierabend, um das Wochenende ausführlich beginnen zu können.

Wie angekündigt war das Wetter heiter geworden, auch ein wenig milder. Ich spazierte über einen Umweg durch den Westpark nach Hause.

Westpark Blick auf Lokal Gans am Wasser

Auf dem noch unverbauten Teil der Theresienwiese war ein Rettungshubschrauber gelandet, wie wir sie in unseren ersten Jahren in München auf der Kreuzung vorm Balkon niedergehen hatten. Wie viele andere blieb ich stehen und sah ihm beim Abheben zu.

Zu Hause stellte ich den Käsekuchen nach Buddenbohm fertig, während der Backzeit gab’s eine Runde Yoga.

Der Käsekuchen erwies sich als ausgesprochen überambitioniert.

Fürs Abendessen hatte ich im Romans mit seinem wunderschönen Außenbereich reserviert, den Aperitiv nahmen wir noch daheim:

Calvados-Tonic (nach einem Tipp auf Twitter): Sehr gut, und das Tonic Water Aqua Monaco erwies sich als perfekte Kombi.

Mit Herrn Kaltmamsell nahm ich eine U-Bahn zum Rotkreuzplatz, im Garten des Romans saß es sich wie immer wunderschön – mit Jacke war es auch nicht zu kalt.

Als Vorspeisen gab es gegenüber gegrillten Oktopus auf Kurkuma-Kartoffelpüree mit schwarzen Oliven und Kirschtomaten, bei mir Bresaola-Röllchen mit Ziegenkäse und Walnüssen auf Rucola und marinierten Pfifferlingen (gut, aber sehr mächtig). Das Kärtchen mit QR-Code auf dem Tisch führte zu den Speisen- und Getränkekarten, Gedrucktes gab’s nicht – funktionierte wunderbar.

Als Wein hatten wir uns dazu eine Flasche Soave Classico Ca’ Visco Coffele empfehlen lassen, der sich besonders gut mit meinem Hauptgang verstand:

Seeteufel mit Steinpilzen und Tomaten auf Kartoffel-Rösti und Safransauce. Gut, aber insgesamt zu viel – vielleicht lerne ich in diesem Leben noch, einfach einen Teil übrig zu lassen.

Herr Kaltmamsell hatte Orecchiette mit Lammragout, Steinpilzen und Pecorino Romano.

Endlich kamen wir mal wieder zu einem längeren Austausch: Erlebnisse der Woche, aktuelle und abgeschlossene Lektüren. Statt Dessert gab’s Espresso.

U-Bahn nach Hause (Corona-Inzidenzen steigen, in München derzeit bei über 700 und das bei hoher Dunkelziffer, weil viele Erkrankte keinen PCR-Test mehr machen lassen – gleichzeitig sinkt die Maskendisziplin). Der Käsekuchen hatte sich wieder eingekriegt – das nächste Mal aber vielleicht doch eine 28-cm-Springform (diese hatte 26 cm Durchmesser).

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 7. Juli 2022 – Tofu-Gelüste

Freitag, 8. Juli 2022 um 6:21

Nach zehn Tagen ohne Blutdrucksenker hat mein Blutdruck sich von deutlich zu niedrig auf optimal eingependelt, immer noch unter normal.

Es war deutlich kühler geworden, aber bei bewölktem Himmel immer noch angenehm.

In der Arbeit eine Runde Haarsträubendes, aber die Sträubung ist zu diesem Thema Dauerzustand.

Leider Kreuzweh in den vergangenen Tagen, das beide Hüften mitnimmt, im Grunde den ganzen Unterleib. Keine krankengymnastischen Übungen aus dreieinhalb Jahrzehnten LWS-Geschichte helfen, kein Yoga hilft. (Gibt Schlimmeres.)

Mittags gab es Sahnequark mit Kefir und riesige, wunderbar aromatische dunkelrote Pflaumen.

Nachmittags wurde aus Düsternis immer wieder Regen. Nach Feierabend nahm ich zum Einkaufen eine U-Bahn zum Odeonsplatz und spazierte zum Kaufhof am Marienplatz. Kaufhaus ist super, oben bekam ich Briefumschläge, im Keller Lebensmittel.

Zu Hause gab’s erst mal Yoga, dann bereitete ich den Teig für den fluffigen Buddenbohm-Käsekuchen zu, den ich am Freitag backen werde (Planung ist alles), dann machte ich den Ernteanteil-Salat fürs Abendessen an, mit Ernteanteil-Gurke und zugekaufter Tomate.

Dazu servierte Herr Kaltmamsell Seidentofu nach Immer schon vegan: Katha Seiser hatte mir mit ihrem Tofu-Beitrag im ORF (heute noch in der Mediathek) sehr Lust darauf gemacht.

Ich hatte wieder Vergnügen an der Textur, Eigengeschmack hatte dieser Tofu leider keinen. Sehr gerne nähme ich mal an einer Tofu-Verkostung (unaromatisierte) teil. Das Angebot im Vollcorner ist sehr klein, gibt es in München eine Quelle für verschiedene, handwerklich hergestellte Tofus, am liebsten aus Deutschland oder Österreich? Dafür schmeckte der Salat hervorragend, schon ohne Dressing. Nachtisch viel Schokolade.

Aus England die Nachricht, dass Boris Johnson seinen Rücktritt als Premierminister angekündigt hat, sein Kabinett hatte das durch den Rücktritt zahlreicher Minister*innen erzwungen. Ich wüsste gern, was die Torys und diese Regierungsmitglieder zum Umdenken gebracht hat, denn Johnson hat sich nie verstellt, hat seit Jahrzehnten eine Geschichte von Skandalen und nachgewiesenen Lügen, scherte sich nie um Regeln und Gesetze, unterhöhlte systematisch die demokratischen Fundamente des Vereinigten Königreichs. Er wurde trotzdem unterstützt und gewählt, von Wähler*innen wie von der eigenen Partei. Noch vor wenigen Wochen überstand er ein Misstrauensvorum im Parlament. Was mag wohl vorgefallen sein, dass seine eigene Partei sich jetzt mehr davon verspricht, sich gegen ihn zu stellen als ihn zu unterstützen?

Leider halte ich die UK-Politik für bereits viel zu kaputt, als dass ein Johnson-Rücktritt wirklich hülfe.

§

Camp Catanonia fängt mal wieder die Zeit in einem Text über eigentlich etwas ganz anderes ein:
“Im Restaurant”.

Der Rest des Abends verlief angenehm, auch wenn die Unterhaltungen zurzeit immer in Unangenehmes führen, führen müssen, denn irgendwo lauert zwischen den Diskussionen über die Gründungsdaten nepalesischer Tempel oder die Zuverlässigkeit chinesischer Pilgerberichte über das alte Indien immer eine Infektion, eine Quarantäne, eine Geschichte über Lockdowns, diesmal in Indien (zwei Monate Lockwodn) oder im Gebäude einer Police Academy in Japan (durfte nicht einmal den Balkon betreten in der Quarantäne, wie ein Gefängnis), über Cluster bei Veranstaltungen (diesmal in Frankreich), die dann ihre Spuren über Kontinente ziehen, über die, die an der Pandemie verstorben sind oder an etwas anderem, seit wir uns zuletzt gesehen hatten, und das war eben noch vor der Pandemie (der Sturm in London im Februar 2020, wegen dem du nicht nach Oxford fahren konntest, weißt du noch?); die Pandemie ist immer der Referenzrahmen, bis dann das Nächste kommt, was der Referenzrahmen sein wird.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 6. Juli 2022 – Ruhiger Sommermittwoch

Donnerstag, 7. Juli 2022 um 6:18

Wie sehr ich es genieße, dass meine Nächte keine Nachricht mehr wert sind. So muss das.

Wieder den Falken auf der Straßenlaterne gesehen, aber erst beim zweiten Gucken. Er flog bald weiter.

Kühler, heller Morgen, unverschwitzter Fußmarsch in die Arbeit.

Vormittags Online-Kurzinfoveranstaltung, Vorbereitung einer Besprechung, die Besprechung selbst, Nachbereitung. Dann Online-Schulung, neben der ich aber arbeitete: Die Inhalte waren so wichtig, dass ich mir lieber später die Aufzeichnung vornahm, Stück für Stück ansah und gleich am echten System mit echten Jobs ausprobierte.

Mittags ein Glas Texas-Gemüse, ein Becher Buttermilch. Scheint keine ideale Kombi zu sein, mein Bauch fühlte sich anschließend und bis zum Abend komisch an.

Nachmittags ruhig und ungestört gearbeitet.

Auf dem Heimweg durch wunderschönes Sommerwetter ging ich endlich mal am Fotoautomaten unterm Hauptbahhof vorbei, um ein Foto für mein Projekt (ahem, dochdoch, so sagt man heute) zu machen.

Einer der beiden Fotoautomaten war defekt, dieser produzierte nicht ganz so gute Bilder wie schon mal.

Zu Hause Yoga mit anstrengenden Balance-Teilen, während Herr Kaltmamsell das Nachtmahl zubereitete: Patranque (eine auvergnische Schweinerei aus altem Brot und sehr viel Käse samt Butter aus der Pfanne), Bratkäse und frischen Tomaten.

Nachtisch reichlich Süßigkeiten.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag. 5. Juli 2022 – Griechischer Draußenabend

Mittwoch, 6. Juli 2022 um 6:22

Ein wenig unruhige Nacht mit Träumen von Mauersegler mit gebrochenem Flügel, der im Regen hilflos zwischen Büschen liegt – Natur-ferne Sentimentalitäten.

Nach dem Weckerklingeln goss ich erst mal die Pflanzen, sah dabei wieder den Falken auf der Straßenlaterne sitzen.

Auch dieses Jahr lassen wir am Küchenbalkon Bohnen klettern.

Es war kühl geworden, für den Weg in die Arbeit brauchte ich trotzdem keine Jacke (außerhalb von Wasser friere ich keineswegs mehr als mit zwei Konfektionsgrößen mehr).

Emsiges Arbeiten mit Jonglage von vielen Dingen gleichzeitig (funktionierte gestern gut – das hängt bei mir ja sehr von innerer Befindlichkeit ab).

Mittags gab es Apfel, Pumpernickel mit Cheddar, einen Flachpfirsich.

Nachmittags vor allem Datenbank-Prokeleien.

Nach der Arbeit Einkäufe beim Vollcorner, in erster Linie Brotzeiten für die nächsten Tage. Das am Montag verhinderte Geldabheben in meiner Bank nachgeholt.

Zu Hause eine Runde Yoga, bis ich mit Herrn Kaltmamsell zu unserem reservierten Tisch vorm Melina aufbrach. Nach ausführlichem Studium der interessanten Speisekarte (Artischocke! Frittura mista!) – wurden es doch wieder die gemischten Vorspeisen für zwei.

Geröstete, mit Käse gefüllte Paprika – Auberginen-Chips – Tsatsiki – (verdeckt) Zucchinipuffer – Couscous-Salat – frittierte Calamari – Tamara – Schafskäsecreme mit Chili – Pita mit Knoblauch. Alles ganz ausgezeichnet und frisch. Dazu ein Pils für den Herrn (und alle angereichten Ouzos), für mich ein alkohofreies Weißbier.

Es war ein wundervoller Sommerabend, wir besprachen, welche Draußenessen wir in diesem Sommer noch unterbringen möchten.

Daheim schaffte ich noch Schokolade als Nachtisch. Und buchte für Freitagabend das nächste Draußenessen.

Vielen Dank für Ihre zahlreichen Meldungen zum Frieren beim Schwimmen. Warum ist es bislang komplett an mir vorbeigegangen, wie schnell man ohne Biopren (wundervolle Bezeichnung) im Wasser friert, selbst bei Bewegung? Habe ich mal wieder nicht zugehört, wenn Dünne mangelndes Interesse an Wassersport mit Frieren begründet haben? Redet man einfach nicht drüber? Beim Schwimmen bin ich schon immer, also seit Jugend, deutlich mehr Nicht-Dünnen begegnet als Dünnen und Nicht-Dünnen beim Laufen, erklärte mir das aber immer damit, dass Schwimmen halt durch den Auftrieb des Wassers auch mit mehr Volumen attraktiv ist. Dass ich weniger Dünne sah, weil denen Bahnenziehen im Becken durch frühes Frieren einfach weniger Spaß machte – auf die Idee war ich nie gekommen.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 4. Juli 2022 – Ein Mauersegler in der Hand

Dienstag, 5. Juli 2022 um 6:31

Ein trüber Morgen, aber mild genug für Balkonkaffee.

Ich hab eine echt schöne Aussicht, erwähnte ich das?

Auf dem Weg in die Arbeit tröpfelte es immer wieder, ich spannte vorsichtshalber den kleinen Schirm auf.

Weitere Recherchen zum Frieren beim Schwimmen (das wohl wirklich ungesund ist, Zähne zusammenbeißen keine gute Idee). Eine Fährte führt zur Ursache geringer Körperfettanteil. Meiner ist laut Mammographie wohl wirklich sehr niedrig – dabei war er eh nie so hoch, wie ich aussah (viel Sport halt). Bei der Klinikaufnahme für die Hüft-OP vor knapp zwei Jahren und mit zwei Konfektionsgrößen mehr wurde er gemessen: Die Angestellte, die mich gerade noch informierte hatte, mein BMI liege leicht im “Übergewicht”, stutzte beim Ergebnis sichtbar, denn auf ihrem Bildschirm war jeder Bereich meines Körpers grün für “wenig Fettanteil”.

Anekdotische Verifizierung durch Nachfrage bei einer dünnen Intensivschwimmerin in meinem Bekanntenkreis: Richtig, sie schwimmt nur in geheiztem Wasser (teilweise so warm, dass “Bikram Yoga”), sonst friert sie und hält es nicht länger als 30 Minuten im Becken aus. Lesen hier dünne Schwimmer*innen mit? Können Sie die Erfahrung bestätigen?

Am End’ werde ich mich noch mit Neopren befassen müssen. Wobei mir einfällt, dass ich im Schyrenbad immer wieder Schwimmer in Neopren gesehen habe, vor allem an bewölkten Vormitttagen (das waren gerne mal die, die mich auf drei Bahnen zweimal überholten). Bislang ging ich von Neopren-Gewöhnung fürs Freiwasser aus, aber vielleicht war es Kälteschutz.
(Und wer mit “dann iss halt mehr” kommt, dem/der haue ich Jahrzehnte Dicken-Aktivismus gegen “dann iss halt weniger” um die Ohren. Ja, es fühlt sich seltsam an, über diese Seiten des gesellschaftlich idealisierten Dünnseins zu schreiben – das in meinem Fall ja eh nur eine vorübergehende Folge von Appetitstörungen ist.)

Mittagessen: Gurke aus Ernteanteil, Pumpernickel mit Butter, Kirschen.

Emsiger Nachmittag inklusive denkwürdigem Telefonat mit einem IT-Support.

Auf dem Heimweg, es war stechend schwül geworden, wollte ich bei meiner Bankfiliale Geld holen. Kurz davor wurde ich aufgehalten: Auf einer großen Straßenkreuzung hatte eine Passantin einen Mauersegler sitzen sehen und ihn in eine Grasfläche daneben gesetzt. Davon, so viel weiß ich über Mauersegler, wäre er niemals hochgekommen. Ich nahm ihn also vorsichtig auf die Hand und hielt ihn weg von mir – doch er krallte sich nur fest. Drei Menschen um mich herum (ich musste erklären, dass das ein “Mau-er-seg-ler” war und dass die immer fliegen, auch beim Schlafen) telefonierten mit Tierrettungen, Tiernothilfen, der Mauersegler-Hotline, doch – für mich nachvollziehbar – erklärte sich am anderen Ende niemand bereit, den Vogel abzuholen, und wir waren alle mit Rad oder zu Fuß unterwegs. Er hatte sich mittlerweile beruhigt, hatte den Schnabel geschlossen. Am Mauersegler-Telefon war empfohlen worden, den Vogel heimzunehmen und ihn zu beobachten. Eine Umstehende recherchierte auf ihrem Smartphone Details zur Betreuung, niemand sonst erklärte sich bereit – dann nahm halt ich ihn mit. Begleitet von regelmäßigem “Awww!” von Passanten ging ich mit ihm auf der Hand im Schatten nach Hause.

Foto: Herr Kaltmamsell

Eigentlich hatte ich mich gestern Abend vor allem mit dem nun genesenen Herrn Kaltmamsell beschäftigen wollen, jetzt überraschte ich ihn mit einem Mauersegler. Ich setzte den Vogel in eine flache, mit Küchentüchern gepolsterte Schachtel mit einem Schälchen Wasser auf den Balkon in den Schatten. Nach meiner Runde Yoga machte er immer noch keine Anstalten wegzufliegen. Ich setzte ihn auf das Balkonsims: Ein flugunfähiger Mauersegler ist lebensunfähig, und der rechte Flügel stand komisch weg. Wasser (seitlich an den Schnabel) oder gefangene Inspekten nahm er nicht an.

Doch als ich nach einer Stunde nochmal nach ihm sah, war er weggeflogen (Glück gehabt).

Nachtmahl jetzt wieder von Herrn Kaltmamsell: Den Spitzkohl aus Ernteanteil geviertelt und gegrillt mit Sesamsauce, dazu gebratenen Quietschekäse.

Nachtisch reichlich Süßigkeiten.

Zu Regen und Gewitter ins Bett.

§

Christian Stöcker erklärt die eigentliche Weltverschwörung zum Auslöschen der Menschheit:
“Supreme-Court-Urteil zum Klimaschutz
Im Würgegriff der Feinde der Menschheit”.

§

Wir WUSSTEN es! Es GIBT einen Dessertmagen!

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https://youtube.com/shorts/2yG4wWeRMBA?feature=share

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 3. Juli 2022 – Frieren im Freibad

Montag, 4. Juli 2022 um 6:31

Wieder gut geschlafen. Draußen war es frisch, aber nicht zu frisch für Balkonkaffee.

Ausgiebiges Bloggen, Zubereitung von Tsatsiki fürs Abendessen, um zehn brach ich auf ins Freibad: Endlich mal wieder Schwumm und Sonnen im nächstgelegenen Schyrenbad.

Ziemssenstraße.

An der Kasse stand bereits eine lange Schlange, doch vor dem Drehkreuz für Leute mit Bäderkarte musste ich nur zwei Menschen vor mir abwarten.

Meine Decke breitete ich aus am Ort von immer (eher Wiesenrand), die beckennahen Plätze waren bereits dicht belegt.

Kalte Dusche, doch schon als ich mich ins (eigentlich ja angenehm) kühle Schwimmbecken gleiten ließ, ahnte ich: Heute wird gefroren. Es ging los nach 700 Metern, nach weiteren 700 Metern spürte ich meine Füße und Hände nicht mehr, biss aber die Zähne zusammen, schwamm so schnell wie möglich, wer sagt denn, dass Sport Spaß machen muss. Meine 3.000 Meter auf der angenehm licht beschwommenen Bahn schaffte ich vor lauter Frieren trotzdem nicht, nach 2.800 brach ich ab. Auf dem Weg zur Decke und dann mit trockenem Bikini und Handtuch zur Umkleide unterdrückte ich das Zittern, doch nackt und trocken in der Kabine ließ ich das Schlottern raus. Selbst beim Sonnencremen schüttelte es mich ein paar Mal. WAS IST DAS?! Angefangen hat das Frieren beim Schwimmen vor einem Jahr hier im Schyrenbad, ich habe immer noch keinen Erklärungsansatz gefunden. Und muss wohl doch beim Dantebad und seinem ein paar Grad wärmeren Wasser bleiben.

Als ich mich in die Sonne zum Aufwärmen legte, schlief ich sofort ein, wachte erst nach einer halben Stunde tiefem Schlaf auf. Bin bereit, das als Symptom zum Frieren zu packen.

Nicole Diekmann schrieb einen schönen Freibadtext:
“Im Freibad – eine Menschenbetrachtung”.

Gestern fiel mir auf, wie viele wunderschöne Bikinimodelle es gibt dieses Jahr, in allen Größen. Und ich profitierte wieder vom Reality Check echter Körperformen – wie wundervoll unterschiedlich die menschliche Art daherkommt.

Spaziergang nach Hause, es war heiß. Daheim erst mal Frühstück kurz vor drei: Eine Scheibe Polentabrot mit Butter, Flachpfirsiche mit Dickmilch.

Duschen mit ausgiebiger Körperpflege, mit beiderseitiger FFP2-Maske ließ ich mir von Herrn Kaltmamsell den Rücken eincremen – wie schon morgens mit Sonnencreme. Er war mittlerweile symptomfrei, wartete aber die 48 Stunden Symptomfreiheit ab, bis er seine Isolation beendet.

Es hatte sich eine Stunde Bügeln angesammelt, die arbeitete ich ab (schön übersichtlich: ein isolierter Partner macht wenig Bügelwäsche).

Lesen auf dem Balkon, vor allem liegengebliebene Zeitungen.

Ich turnte nochmal die Runde Yoga vom Vortag, bei der ich im ersten Durchgang nicht alles mitbekommen hatte (ich glaube, ab der Hälfte werden die Adriene-Programme immer richtig interessant). Als Abendessen gab es neben Tsatsiki ein wenig Wurstsalat und den Rest Polentabrot, hoffentlich zum letzten Mal in getrennten Zimmern. Zum Nachtisch holte ich uns Eis von der Eisdiele, die Hitze war bereits verschwunden: In vorgekühlten Schälchen gab es Spaghettieis (Herr Kaltmamsell) und Amarenabecher (für mich). Ich wäre durchaus im Stande gewesen, danach noch die Süßigkeitenkiste zu holen – und mich zu überfressen. Doch ich trickste mich erfolgreich aus, indem ich das auf Montagabend verschob. (Zumindest noch ein bisschen Fruchtgummi? Morgen Abend, ist ja noch reichlich da. Oder ein bis zwei Schokonüsse? Morgen Abend.)

Wenn ich mir die Entwicklung der Corona-Infektionszahlen ansehe und die Entwicklung der Maßnahmen daneben: Es läuft auf einen Umgang mit hoher Krankheitsquote samt Langzeitfolgen hinaus, schon lang nicht mehr auf Eindämmung/Verhinderung. Und ja: Die gesellschaftliche Isolation von Risikogruppen wird dabei in Kauf genommen.

Künftig und bis auf Weiteres müssen wir also einkalkulieren, dass die medizinische Versorgung (hier der Status einer kinderärztlichen Praxis), schulischer Unterricht oder das Reisen deutlich unwägbarer als vor der Pandemie funktionieren, weil jederzeit das ohnehin knappe Personal durch Krankheit dezimiert wird. Künftig und bis auf Weiteres wird jede Menschenansammlung ein Infektionsrisiko darstellen, das abgewogen sein will. Das bleibt jetzt erst mal so.

die Kaltmamsell