Journal Donnerstag, 9. November 2017 – Neues aus der Bürgerversammlung
Freitag, 10. November 2017 um 7:01Den 9. November sollte man irgendwie begehen. Dieses Jahr bot sich an, etwas Staatsbürgerliches, Rechtsstaat-Erhaltendes zu tun: Ich nahm wieder an der Bürgerversammlung teil. Vergangenes Jahr beim ersten Mal fühlte ich mich ja so bereichert, dass mir eine Wiederholung vorgenommen hatte.
Dieselbe Schulturnhalle war noch besser gefüllt als vergangenes Jahr, die Versammlunsleiterin, Bürgermeisterin Christine Strobl, äußerte auch die Beobachtung, dass das Interesse über die Jahre steige. Und ich freute mich, meine Bürgermeisterin mal live und in Farbe zu erleben.
Den Ausführungen von ihr und des Vorsitzenden des Bezirksausschusses, Alexander Miklosy, entnahm ich unter anderem, dass München weiterhin sehr reich ist (Einnahmen steigen, Verschuldung sinkt), dass die Investitionen zum deutlich größten Teil in Schulen und Kinderbetreuung gehen, dass die Kita-Abdeckung (also für 1-3-jährige) in unserem Bezirk nur bei 48 Prozent liegt (städtischer Durchschnitt 64 Prozent), dass wir in der Ludwigvorstadt-Isarvorstadt ein besonders junges Viertel sind, in den nächsten Jahren vermutlich sogar das jüngste der Stadt werden. Interessante Bauprojekte aktuell: Viehhof-Gelände, Berufsschulzentrum Ruppertstraße (wir durften als erste Öffentlichkeit den Entwurf der Gebäude-hohen Skulptur daneben sehen), Neubau der medizinischen Fakultät an der ThalkirchnerPettenkofer zwischen Schiller- und Goethestraße.
Der Leiter der zuständigen Polizeiinspektion 14, Hans Reisbeck, gab wieder den Sicherheitsbericht ab – erstmals in blauer Galauniform, die Polizeiinspektion ist eine der ersten, die von Grün auf Blau gewechselt hat (sitzt auch nicht besser als die grüne). Aus Überblick und Statistik folgerte er: “Da können Sie sicher leben.” Wieder wies er auf Twitter und Facebook als wichtigste Informationsquellen zu aktuellen Ereignissen hin.
Anfragen und Anträge der Bewohnerinnen und Bewohner gab es diesmal viele, gefühlt doppelt so viele wie vergangenes Jahr. Besonders häufig tauchten Probleme im Fahrradverkehr auf, auch im Fußgängerverkehr (Anträge auf Ampelphasenverlängerung, Einrichtung von Fußgängerüberwegen), zudem Lärmbelästigung (Anträge auf Einführung Tempo 30, Einbahnstraße, weniger Veranstaltungen, mehr Polizeipräsenz – je nach Lärmquelle), zweimal waren auch Sicherheitsbedenken Anlass (u.a. von meiner Nachbarin zum Nußbaumpark) – interessanterweise verwies Polizeidirektor Reisbeck darauf hin, dass “nicht nur Repression” die Lösung sei. Veränderungen des Viertels durch Luxussanierungen (befürchtete oder bereits geschehene) waren ebenfalls Anlässe für Anfragen und Anträge. Wenn möglich, nahmen gleich Stadtangestellte Stellung zum Thema, dadurch zeigten sich einige der vorgetragenen Probleme als bereits gelöst. Abschließend stimmten wir als Versammlung darüber ab, ob die Anträge in den Stadtrat getragen (und dort wie jeder Stadtratsantrag behandelt) werden.
Ich kann Ihnen wieder nur raten: Gehen Sie in Ihre Bürgerversammlung.
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Vielleicht wäre der 9. November aber besser ein Tag der Stille:
“Blanke Steine”.
Ich wünschte an jedem 9. November wäre es still, ich wünschte einmal nur wären wir mit unseren Toten allein, ich wünschte es gäbe keine Stolpersteinputzkolonnen, keine Spruchbänder, keine Aufrufe, keine Bilder der Namen mit den Namen der Toten, die sich nicht weigern können, die blank sein sollen, denn jetzt wird ihrer gedacht und das ist auch leichter, denn die Fragen nach dem Ring mit dem blauen Stein am Finger einer anderen Frau sind schwieriger.
An keinem Tag wie am 9. November wünschte ich mir, ich könnte die Steine mit Laub bedecken, sie davor bewahren wieder Ziel deutscher Sauberkeit und Gründlichkeit zu werden, aber ich habe schon vor vielen Jahren gelernt, dass die Enkel und Kinder der Toten nur stören im unbedingten Willen zu gedenken.
Ich wünschte es wäre einmal still und wenn es nur still genug wäre, so still, dass die Trauer einmal Platz hätte, meine Trauer nicht Ihre















