Journal Donnerstag, 2. März 2017 – Tierbabys in Hellabrunn

Freitag, 3. März 2017 um 8:35

Ein Zoobesuch gehörte zu den Plänen der Ferienwoche: Da im Münchner Tierpark Hellabrunn gerade ein Eisbärbaby zu bestaunen ist, sehe ich an den Wochenenden beim Vorbeijoggen Schlangen an den Kassen – ein Wochentag sollte einen ruhigeren Besuch ermöglichen. Und so war es dann auch.

Der Tag war gemischtwolkig und windig, angenehmerweise überwog am Nachmittag die Sonne.

Wir sagten den Giraffen hallo, sahen den Wölfen zu. Als wir bereits weitergegangen waren und meinen speziellen Freund, den Ameisenbären besucht hatten (aus der Tierbestandsliste weiß ich, dass es derzeit nur einen gibt), hörten wir hinter uns Wolfsgeheul – wie ich es aus Filmen kenne. Und tatsächlich: Die drei Wölfe des Geheges sangen ein minutenlanges Ständchen. Zum einen im phänotypischen Geheul:

Abschließend aber auch in lustigem Koloratur-Wechselgesang, wie ich es in Filmen noch nie gehört habe.

Wir sahen nach, ob bei den Lemuren noch alles in Ordnung ist: kein Grund zur Sorge.

Sehr gespannt war ich aufs renovierte und umgebaute Elephantenhaus. Schon in Kindertagen war es ein zentraler Anziehungspunkt meiner Tierparkbesuche gewesen, dort hatte ich bei Vorführungen eine Menge über Elephanten gelernt. Sechs Jahre lang war es wegen Bauarbeiten geschlossen, erst im Oktober 2016 wieder eröffnet.

Bei dem dann doch schönen Wetter genossen Löwen und der Rote Panda die Sonne.

Überraschung im Pinguinhaus: Auch hier gab es Nachwuchs.

Der Zugang zum kleinen Eisbären war perfekt organisiert, mit Einlass und Auslass sowie Sicherheitspersonal, das die Besucher und Besucherinnen lenkte. Tatsächlich war die Eisbärin gerade mit ihrem Jungen im Außenbereich, wir bekamen ein paar Minuten große Niedlichkeit. (Fotos gibt es hier auf der Tierpark-Website.)

Pflichtprogrammpunkt eines Zoobesuchs:

Genau so leicht trocken und suboptimal gehören Pommes im Zoo und im Freibad.

Abschied mit Pelikanen.

UND ich bekam endlich auch Krokanten zu sehen, in Gelb und in Lila, die heilige Trias der Frühlingsboten ist komplett.

Es war noch genug vom Tag übrig, dass ich ausführlich lesen und das Abendbrot zubereiten konnte.

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Ein kleiner Hinweis, warum es anstrengend sein kann, sowohl polnische als auch spanische Vorfahren zu haben: Eine Szene aus dem EU-Parlament.

Diese Beobachtung des polnischen Abgeordneten ging dem Austausch voran.

(Ich sehe bereits Gehalt-Battles vor mir: Wenn ich entdecke, dass ein männlicher Kollege für dieselbe Tätigkeit mehr verdient, muss ich ihn nur zum Wettrennen und zu einer Schachpartie herausfordern. Gewinne ich beides, muss der Arbeitgeber mir genauso viel zahlen wie ihm.)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 1. März 2017 – Gibt es korrekte und falsche Sprache?

Donnerstag, 2. März 2017 um 8:23

Ausgeschlafen, in Armen aufgewacht.

Vor meiner Frühstücksverabredung hatte ich noch Zeit für ein Stündchen Sport (Crosstrainer, Upper Body and Core Workout). Ich hatte fürs Treffen mit einer weltberühmten Foodbloggerin im Café Glockenspiel reserviert – zum Glück, ich hätte nicht so viele Leute erwartet.

Wir hatte ganz entzückende Profi-Bedienungen: Davon leite ich ja inzwischen anständige Bezahlung und arbeitnehmerfreundliche Arbeitsbedingungen ab, ich weiß, wie gesucht in München gutes Gastropersonal ist. Stundenlanges bereicherndes Gespräch, allerdings auch diesmal die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit nicht gelöst.

Da Herr Kaltmamsell verabredet war, holte ich spätnachmittags die Kiste mit Ernteanteil des Kartoffelkombinats.

Aus Kartoffeln der Vorwoche und Quark mit Schnittlauch dieser Woche wurde mein Abendbrot.

§

Ein kleines Juwel aus der Lexikografie, mal wieder bei Merriam Webster:
“How to Be a Reasonable Prescriptivist”.

Something that really burns my proverbial biscuits is the musty insistence that dictionaries are the guardians and gatekeepers of the language, and when we enter a word into the Most Sacred Tomes of Webster, we lend it legitimacy. We’re putting our Seal of Approval on its unchecked use, which will eventually kill English.

(…)

Most modern usage dictionaries will give you a little historical overview of a contested use, and then will offer advice on how (or whether) to use it. You will be surprised to discover that many thinking prescriptivists disagree in their advice, or pass judgment on uses that are so common, no one knows they are not supposed to be using that word that way (e.g., “above” as a noun, as in “all of the above”).

Das funktioniert fürs Deutsche nicht, weil es nicht das deutsche Wörterbuch gibt. Am ehesten Bibelcharakter wird noch dem Duden zugeschrieben (das Grimm’sche Wörterbuch kennen praktisch nur Fachleute, es ist keine allgemeine Referenz), der bis zur Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 maßgebend für die amtliche Rechtschreibung in Deutschland war. 2013 findet man die explizite Aussage einer Duden-Sprecherin, dass die Aufgabe des Dudens deskriptiv ist: “Wir machen die Sprache nicht, wir bilden sie objektiv ab.”

Weswegen man heutzutage auch den Apostroph-Genitiv darin findet (wirft sich schluchzend über ihre Tastatur). Und dann gibt es halt die launigen (und komplett unreflektiert präskriptiven) Dativ ist dem Genitiv sein Tod-Kolumnen. Doch Sprache
– lebt
– ist nicht logisch
– verändert sich kontinuierlich.
Selbstverständlich macht es dennoch (deswegen?) Spaß, sich über besseren vs. weniger guten Stil zu streiten. Was etwas anderes ist als Zank über korrekt vs. falsch.

Im Englischen bin ich Tochter des DCE, und in den jüngsten Ausgaben schätzte ich sehr die Statistiken zur Verbreitung bestimmter Wörter. Für mich als Nicht-Muttersprachlerin war es sehr nützlich nachlesen zu können, welche Bezeichnung für dieselbe Erscheinung üblicher war. So was wünsche ich mir schon sehr fürs Deutsche. (Und ich bin sicher, Deutschlernerinnen tun das auch.)

§

Hochspannender Hintergrundbericht im New Yorker von der Oscarverleihung, nämlich aus dem Presseraum:
“Scenes from the Oscar-night implosion”.

Beste Passage:

In the back corner was my favorite part of the press room: the librarians’ table, where the Academy librarians are on hand to answer questions. Under a sign that said “reference,” a librarian named Lucia Schultz had a thick binder of Oscar history and another of credits for the nominated films.

Es gibt sowas wie Academy librarians!

via @ankegroener

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 28. Februar 2017 – Brot und Siglo de oro

Mittwoch, 1. März 2017 um 8:33

Trotz des Konzertbesuchs am Vorabend und immer noch Schlafmangel gar nicht so lange geschlafen. Pläne für den Tag waren lediglich Brotbacken und ein Ausstellungsbesuch, das passte hervorragend zu dem greislichen Sauwetter, in dem sich Regen und Schneeregen abwechselten.

Das Brot wurde ein 7-Pfünder, der wie immer problemlos gelang. Leider ist es mittlerweile so, dass mir kein Roggenbrot aus Bäckereien so gut schmeckt wie das selbst gebackene – vielleicht aber habe ich lediglich eine sehr spezielle Vorliebe entwickelt.

Den Tag über kämpfte ich mit dem Chlorschnupfen, der seit dem Vortag sogar schlimmer geworden war. Vielleicht sollte ich zum Schwimmen doch mal wieder meine Nasenklammer rauskramen.

Ausstellungsbesuch: Ich sah mir mit Herrn Kaltmamsell in der Hypo Kunsthalle “Spaniens Goldene Zeit” an, die Ausstellung zum Siglo de Oro. Ich wusste, dass ich viele der Bilder kennen würde, sei es aus dem Prado oder der Alten Pinakothek, doch zum einen mag ich die spanischem Maler dieser Zeit ganz besonders, zum anderen war nachmittags eine Führung der VHS angekündigt. Erklärungen und Ausstellung gefielen mir gut (auch wenn ich oft lange um ein Gemälde pendeln musste, bis ich eine Perspektive ohne blendende Reflexion der Beleuchtung fand).

Verwundert war ich, wie wenig Raum die Literatur des Siglo de oro einnahm: Cervantes kam in den Erklärungen zwar vor, doch zum Beispiel die Blüte des spanischen Dramas durch Lope de Vega wurde mit keinem Wort erwähnt. (Erwähnen hätte die Ausstellung auf ihrer Website auch können, dass sie gestern schon um 17 Uhr schloss statt der offiziellen “täglich bis 20 Uhr”, so konnte ich mich nach der Führung nicht weiter umsehen.)

Auf dem Hin- und Rückweg in Kälte und Regen entdeckte ich zu meiner Überraschung, dass auf dem Marienplatz und in der Kaufinger Straße reges Faschingstreiben herrschte. Es freut mich ja schon, dass diese atavistischen Bräuche weiterleben.

Abends gab es Pralinen von der Schokoladengalerie zum Nachtisch (in der Oscarnacht war uns beide nicht danach gewesen). Ich hatte dort ja fast schon Pipi-Langstumpf-mäßig geordert: “Von allen zwei, außer von den vier da hinten.” (Ganz authentisch wäre es gewesen, wenn ich noch mehr gekauft hätte und an Passanten verteilt. Und mit einem Goldstück gezahlt.) Geistesgegenwärtig hatte ich die Auslage samt Beschilderung gründlich fotografiert, um die Pralinen später zuordnen zu können – davon profitierte ich gestern Abend.

§

Ich mag ja abseitige Sportlichkeitsgeschichten. Hier eine über das Training, das die 83-jährige US Supreme Court-Richterin Ruth Bader Ginsburg fit hält. (Sowas finde ich deutlich spannender und motivierender fürs eigene Training als Übungen, die eine schöne Hollywood-Schauspielerin absolviert.)
“I Did Ruth Bader Ginsburg’s Workout. It Nearly Broke Me.”

Der Autor lässt sich von Ginsburgs Trainer Johnson durch das Workout leiten, das die Richterin zweimal die Woche macht – auch das Filmchen ist sehenswert.

Word of Johnson’s prowess spread in Washington’s legal circles, and in 1999, after she recovered from colon cancer, Ginsburg began working with him at the urging of her late husband, Marty.

(…)

When Johnson informed Ginsburg he would be leading me through her workout, she told him, “I hope he makes it through.”

(…)

I was able to match Ginsburg’s pushups feat with only a little grunting, though Ginsburg never grunts, as Johnson felt compelled to tell me at one point.

(…)

After catching my breath, I asked Johnson whether he recommended that older people do a workout like the one we just went through or do Trump’s self-professed regimen: playing golf and giving stemwinder campaign speeches. “Do something. If you’re not doing anything then I advise you do something,” Johnson advised diplomatically. “It doesn’t matter what you do. You find out what is your niche and do something. Your body is made to move.”

Ich würde ja auch hier beim Seitstütz kneifen: Dabei schmerzen meine LWS und meine Schultern auf eine ungesunde Weise, ich weiche immer auf die harmlosere Version aus, die auf angewinkelten Knien aufstützt (und lege eine 2-Kilo-Hantel auf die Hüfte).

Richterin Ginsburg sollte definitiv ein Fitnessvideo veröffentlichen.

via @fxneumann

§

Ich vermisse Jon Stewart!

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/cmdFne7LnuA

via @Sandra Wiegard

die Kaltmamsell

Lieblingstweets Februar 2017

Dienstag, 28. Februar 2017 um 20:45

Nachtrag: Jetzt gibt’s auch wieder die Sammlung anderer Leut’ Lieblingstweets bei Anne Schüßler.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag/Montag, 26./27. Februar 2017 – Georgische Versuche und Frühling

Dienstag, 28. Februar 2017 um 8:37

Sonntag und Montag gab es nicht nur Oscarverleihung.

Sonntagmorgen radelte ich zum Sport an den Ostbahnhof, hatte mittelviel Spaß (unverständliche oder mangelhafte Erklärungen von Kraftübungen ärgern mich leider), beim Heimradeln war es angenehm mild geworden.

Zum Mittagessen probierte Herr Kaltmamsell georgische Chatschapuri aus, wir hatten die verfügbaren, allesamt eher vagen Rezepte zusammengewürfelt.

Erkenntnisse:
1. Für die Füllung nur Mozzarella und Feta verwenden, der zugegebene Hüttenkäse verflüssigt sie zu sehr.
2. Salz in den Teig mischen; Herr Kaltmamsell hatte ihn anweisungsgemäß ohne jedes Salz geknetet, das schmeckt nicht.
3. Anleitung zum Ausrollen/Falten suchen: Wie kriegt man die Dinger rund und flach?

Selbst buk ich nachmittags Marmorkuchen als Oscarnachtverköstigung.

Ich ging vor zehn ins Bett um vorzuschlafen, hatte auf arte noch ein Stück des Filmklassiker Rebecca angeguckt: Vor allem, weil ich während des Studiums gelernt hatte, dass in Spanien eine leichte Strickjacke für Frauen wegen dieses Films “rebeca” heißt – ich kenne keine vergleichbare Wortentstehung/Umbenennung auf der Basis eines Films (“blitzdingsen” etabliert sich zwar, doch bezeichnet das nichts schon vorher Dagewesenes). Wie würde man den Vorgang sprachwissenschaftlich benennen? Eponym auf der Basis eines Films? (Peliculonym?)

Debido al éxito que tuvo la película, en España se empezó a llamar rebeca al tipo de chaqueta que luce Joan Fontaine a lo largo de toda la película, aunque ella no fuera Rebeca. El Diccionario de la Real Academia Española ha incluso recogido el término para denominar a este tipo de prenda.

Quelle

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Montag nach der Oscarverleihung (das Durcheinander der Gewinnerbekanntgabe hat wohl PriceWarerhouseCooper verursacht, ausgerechnet) noch zwei Stunden geschlafen, danach fühlte ich mich munter. Nach einem Morgenkaffee ins Olympiabad geradelt. Erst erschrak ich über die vollen Bahnen, aber das waren die Frühschwimmer, die wohl gleich um 10 Uhr losgelegt hatten (es wird ja immer noch gebaut) und bald nach meinem Beginn fertig waren. Gemütlich und von Sonnenglitzern begleitet meine 3.000 Meter geschwommen.

Es schien weiter die Sonne und wurde immer wärmer, ich konnte ohne Mütze und Handschuhe ins Baader-Café zum Frühstücken radeln.

Gärtnerplatz. Der Münchner ist halt doch heliotrop.

Abends Konzert des Ukulele Orchestra of Great Britain im Prinzregententheater: Viel Freude an neuen und vertrauten Stücken.

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Auch wer sich nicht für die Roben auf dem roten Oscar-Teppich interessiert, interessiert sich vielleicht für die Ingenieurskunst, die menschliche Körper damit kompatibel macht.
“What Celebrities Wear Under Those Red Carpet Dresses”.

Making the girls look great takes a bit of MacGyvering

(Bestärkt mich in dem Plan, zu einer – unwahrscheinlichen, zugegebenen – Oscar-Show-Einladung Frack zu tragen.)

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Zwei erfolgreiche Literaturübersetzer und eine -Übersetzerin sprechen über ihre Arbeit:
“Warum mache ich das?”

via (eh klar) isabo

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Absolut großartig: Künstler, Illustratorinnen gestalten Kinderzeichnungen nach:
“The 2016 Monster Gallery”.

via Katharina Borchert

die Kaltmamsell

Oscarnacht 2017

Montag, 27. Februar 2017 um 2:19

Zur Selbsterinnerung: Die eigentliche Show beginnt um 5.30 pm PST, das ist 2.30 Uhr Münchner Zeit, Wecker also auf 2 Uhr.

Moin!

Und gleich mal die Strafe fürs frühe Zuschalten: Ich muss erst deutsche Moderatorinnen und Moderatoren ertragen. Nostalgie für Zeiten, als wir uns bei dem einen Menschen im Freundeskreis trafen, der die Oscarverleihung per Satellitenfernsehen direkt aus USA reinbekam, weil es keine Übertragung im deutschen Fernsehen gab.

Oh, Dakota Johnson goes Ferrero Rocher. Sehr 30er, das Kleid – aber das haben wir doch schon in der US-Politik.

Emma Stone und Nicole Kidman glitzern auf dem roten Teppich Richtung nude, akzeptabel, Emma sogar mit Fransen, nett.

Justin Timberlake kommt für die Eingangsnummer von hinten durchs Publikum, grovende Superstars in Nahaufnahme – Partystimmung! Ungewöhnliche Bilder zum Einstieg. Shirley Maclaine, wie großartig!

Bühnenbild very Great Gatsby. Meryl Streep in großartigem Petrol.

“I got a sitting ovation!”, Jimmy Kimmel mit sympatischem Auftritt. Witze über “uniting this country” mit Seitenhieb auf Mel Gibson “there is only one Braveheart, and he’s not going to unite us either”. Dank an Donald Trump: “Remember when the Oscars seemed racist?”

Scherze mit Anspielungen auf Moonlight und Elle – mageres Gelächter: “You didn’t see them, did you?” (Keiner der nominierten Filme war ein Kassenschlager.)

Meryl Streeps 20. Oscarnominierung bekommt stehende Ovationen (und ihr petrolfarbenes Glitzerkleid ist großartig).

Kimmel verspricht: “One of you will give a speech the president will tweet about!”

Alicia Vikander in brathendlfarbener Haut, ahem? Actor in a supporting role (Dev Patel ist NEBENdarsteller?): Mahershala Ali – stehende Ovationen. Er dankt teachers and professors, das ist ungewöhnlich. Erste Tränen auf der Bühne – und er erzählt, dass er vor vier Tagen eine Tochter bekommen hat.

Slipeinlagenwerbung bei den Oscars, wundervoll! (Letztes Jahr war’s Dallmayr glaube ich, Luxus ist so offensichtlich passend, pah.)

Kate Mckinnon! Der Make up-Oscar geht an Suicide Squad.
Warum haben wir den nochmal nicht gesehen, Herr Kaltmamsell?
“Weil er DC ist? Und richtig schlechte Kritiken bekommen hat?”
Italienischer Akzent auf der Bühne, muss sein. “This is for the immigrants.”
Und genau: Diesmal gucke ich zu zweit! Auch ein Lehrer hat morgen frei (Faschingsferien).

Costume Design geht an Fantastic Beasts – es ist Coleen Atwoods dritter, wow! Sehr gefasste Dankesrede.
(Bissken enttäuscht von Mckinnon, durfte sie nicht mehr?)

Ich serviere Marmorkuchen – sogar mit Schokoüberzug! (Will heißen, wir haben uns das Anschneiden lange genug verkniffen.)

Drei Hidden Figures-Darstellerin auf der Bühne, um die Nominierung für Best Documentary zu präsentieren. *KRAHAISCH* – Katherine Johnson wird rausgerollt, in bezauberndem Blau! Oscar für O.J.: Made in America – gewidmet “victims of police violence”.

Dwayne Johnson sieht gut aus in dunkelblauem Samt. Er präsentiert Best Song aus Moana. Ist ja eine Kategorie, die ich für extrem überholt halte. Statt dessen den Technikoscar in die Hauptshow holen?
Allerdings sehe ich die Funktion der Auflockerung ein, die Choreografie mit blauen Fahnen im Hintergrund ist schon auch nett.

Uff, Dallmayr-Werbung UND Rolex, jetzt sieht’s nach Luxus aus.

President of the Academy Cheryl Boone Isaacs – die war ja schon letztes Jahr interessant: Beschwört die steigende Diversity der Academy: “Art has no borders.”

Jimmy Kimmel lässt Bonbons an Schirmchen aufs Publikum regnen: “Movies need candy.”

Sofia Boutella und Chris Evans präsentieren Sound Editing, der bekanntlich damit eingeleitet werden muss, dass das ganz ganz wichtig ist: Arrival – gebt dem Film alles, was ihr habt. Wird mit französischem Akzent entgegen genommen, haben wird das also auch.
Jetzt Sound Mixing (viel Bumm, Krach unter den Nominierungen): Hacksaw Ridge, wieder einer, den La la Land nicht gekriegt hat (bleiben zwölf mögliche). Große Mütterbedankung.

Erinnerungswürdige Roben habe ich bislang noch nicht auf der Bühne gesehen, weder im Guten noch im Schlechten.

In der Werbepause Trailer für Nocturnal Animals – sieht gut aus. Und mit Amy Adams.

Vince Vaughn erzählt vom Governor’s Award: Jacky Chan als einziger ganz unbescheiden. Publikum steht schon wieder – trying to work off those candy calories?

Mark Rylance präsentiert Actress in a supporting role (“opposing role”?): Viola Davis, jawoll! Ich verstehe die Zuordnung “supporting” auch hier nicht, aber whatever worked. Weitere stehende Ovationen. Sehr bewegte und leidenschaftliche Rede für all diejenigen, die ihr Potenzial nicht umsetzen konnten, deren Geschichten erzählt werden sollten. Tränen beim Dank.

Kimmel kündigt an: Sie haben einen Touristenbus ins Dolby-Theater umgeleitet und behauptet, sie würden hier eine Ausstellung sehen.

Charlize Theron erzählt von ihrer Inspiration durch Shirley Maclaine – und da sind sie schon beide auf der Bühne! Best Foreign Language Film: The Salesman, keine Überraschung hier. Iranischer Regisseur ist nicht gekommen aus Protest gegen den Muslim Ban, seine Dankesrede wird vorgelesen: Appell, das Leid auf der Welt zu zeigen.

Dev Patel führt den nächsten Song ein: Sting. Joah, Heisereien zu Gitarre.

Hailee Steinfeld und jemand mit García im langen Namen präsentieren Best animated short film (einen habe ich sogar gesehen!): Piper, ein niedliches Vögelchen. Kalendersprüche zum Dank, Facebook schreibt mit.
Es geht weiter mit dem Presenter-Paar, es wird politisch: Gegen jede “wall”. Best animated feature film: Zootopia, wenigstens ein Kassenschlager unter den ausgezeichneten.

Das Kleid von Dakota Johnson ist wirklich schlimm. Sie präsentiert Production Design: La La Land, es geht los. Die Preisträgerin trägt das wahrscheinlich bequemste Kleid des Abends (schwarzer Kaftan mit Knopfleiste vorne).

Touristenbusgruppe kommt in den Zuschauerraum, Kimmel stellt sie den Stars in der ersten Reihe vor. Händegeschüttel, Gequietsche, Kimmel hat ein bisschen Schwierigkeiten, sie wieder rauszukriegen. (Große Filmfans werden sie ja nicht erwischt haben, wenn sie während der Oscarverleihung nicht Fernseh schauen, sondern eine Bustour machen.)

Felicity Jones und schon wieder jemand, den ich nicht kenne. Visual Effects geht an Jungle Book – soll ja ganz erfolgreich gewesen sein, war aber derart schnell aus meinem Sichtfeld verschwunden, dass ich auch den verpasst habe. Der erste Preisträger im doppelreihigen Anzug, hmja. Seth Rogen schwärmt von Back to the future als Inspiration, kann ich total nachvollziehen. Kommt auf die Bühne mit Michael J. Fox, yay! Film editing: Hacksaw Ridge. Interessiert mich weiter nicht.

Mehr Bonbons von der Decke.

Salma Hayek sieht weiterhin großartig aus, selbst wenn das Oberteil an ein Negligee gehört. Documentary short subject: The White Helmets (schon zweite Nominierung). Diesmal darf auch die Dame auf der Bühne danken. Dank appelliert, an den Krieg in Syrien zu denken.
Live action short film: Sing. Dankesrede widmet den Preis Kindern.

Kimmel twittert Trump an, weil der noch nicht auf die Oscars reagiert hat – sein Telefonbildschirm auf die Leinwand projiziert.

John Cho und Leslie Mann stellen sich blöd, dass sie den Scientific Award zwar verliehen, aber nicht kapiert haben – tut den Wissenschaften keinen Gefallen. Aber lustig, “science so specific that none of you were invited”.

Javier Bardem schwärmt von Bridges of Madison Counry, kommt mit Meryl Streep auf die Bühne, sie zu seinen Komplimenten “Thank you, I felt underappreciated.” Cinematography: La La Land, ochja, war schön gefilmt.
Kann es sein, dass die Bärte zumindest kürzer werden?

Oscar edition of mean tweets! Nette Idee.

Emma Stone und Ryan Gosling präsentieren die beiden nominierten Songs aus La La Land (die wirklich schön sind).

Orchester wird gezeigt und vorgestellt, wieder halb unter der Bühne.
Samuel L. Jackson präsentiert Original Score: La La Land, ja, wahrscheinlich die Filmmusik des Jahres, die man am längsten hören wird.

Scarlett Johansson – oh Gott, was hat sie an?! Rosa Frischhaltefolie? Best original song: “City of stars”, echter Ear Catcher. Zum dritten Mal wird “teachers” gedankt, nett.

Jennifer Aniston kündigt die Verstorbenen an – immer mein Highlight.

Kimmel verarscht die Inspiration-Sache, indem er einen Matt-Damon-FLop zeigt, mit sensationell schlechten Dialogen.

Ben Affleck und Matt Damn präsentieren Screen play (Orchester versucht Damon von der Bühne zu spielen – dirigiert von Kimmel): Manchester by the Sea – das freut mich sehr, super Drehbuch von Kenneth Lonergan.

Amy Adams (in gravity defying Ausschnitt) präsentiert Adapted screenplay: Moonlight. Schön, dass die Oscar-Bühne diesmal nicht rein weiß ist.

Kimmel lässt jetzt “cookies and doughnuts” von der Decke regnen. Dann ruft er nach Kaffee.

Halle Berry lenkt durch was Riesiges auf dem Kopf von ihrem Kleid ab. Dabei ist das Kleid echt ok. Director: La La Land – das ist ja wohl symbolisch und nicht ernsthaft. Die Verlierer halten sich auch nicht besonders gut. Vielleicht ist der Film ja Lyrik? Die verstehe ich auch nicht.

Brie Larson präsentiert Actor in a leading role: Casey Affleck, halleluja. Wenn sie den Oscar in diesem Line-up Gosling gegeben hätte, wäre es lächerlich gewesen. Er erwähnt seinen Bruder Ben sehr nicht beim Danken (der ihn in Interviews lächerlich machte, als der Film Manchester by the Sea Furore zu machen begann).

Leonardo Dicaprio präsentiert Actress in a leading role: Emma Stone – sie war das Brillianteste an La La Land, insofern ok. Sie würdigt erst mal die anderen Nominierten. Gibt zu, dass das nur durch die Kombination von “luck and opportunity” möglich war, sie strahlt wirkliche Bescheidenheit aus.

Warren Beatty und Fay Dunaway präsentieren besten Film. Erstmal Plädoyer für “freedom and diversity”. Die Nominierungen wurden dieses Mal nicht über die Show verteilt, sondern werden erst jetzt gezeigt.
La La Land, pft.

Während der Dankesrede stellt sich heraus: War ein Irrtum, Oscar geht an Moonlight; der Zettel wird gezeigt.
Warren Beatty erklärt die Verwechslung: Offensichtlich hatte er den Zettel für Best Actress bekommen, “Emma Stone, La La Land“, deshalb habe er so lange mit dem Vorlesen gebraucht.
Durcheinander auf der Bühne, es ist sehr voll, Produzentin versucht irgendwie eine Dankesrede zu halten.

Ok, Moonlight muss ich noch sehen, will ich auch wirklich. Dieses Jahr hatte ich wirklich viele der nominierten Filme gesehen, den noch nicht.

Aufräumen, noch ein bisschen schlafen, bevor der Putzmann spätestens um 10 Uhr kommt.
Vertipper und Fehler besser ich noch aus.

Bis auf das Durcheiander am Ende (Kimmel: “I knew I would screw up.”) durchschnittliche Show, aber eine weitere.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 25. Februar 2017 – Manchester by the Sea

Sonntag, 26. Februar 2017 um 8:16

Ein sonniger, kalter Tag. Ich war mit Kopfweh aufgewacht und sah meine Laufpläne bereits durchkreuzt, doch über den Vormittag ging es mir besser. Ich spazierte in Laufkleidung an die Isar, um dort zu entscheiden, ob ich lieber weiter spazierte oder doch losjoggte.

Am Westermühlbach sah ich endlich reichlich Winterlinge, jetzt glaube ich, dass Frühling werden könnte.

Meine Taktik funktionierte: An der Wittelbacherbrücke fühlte ich mich fit genug für einen Dauerlauf.

§

Nachmittags in die Museumslichtspiele geradelt, um Manchester by the Sea zu sehen, eine weitere Oscar-Nominierung. Wieder ein anstrengender Film, doch einer, der klein, harmlos und leise daher kommt, sich ganz auf der Hintergrundebene entfaltet. Und dort sind entsetzliche Erlebnisse und große Schmerzen. Mir gefiel der Realismus der Charakterzeichnungen und des zwischenmenschlichen Umgangs. Es geht um normale Leute, im Mittelpunkt der völlig gebrochene Lee. Und die sprechen halt nicht über ihre inneren Vorgänge und ihr Gefühle, auch wenn sie einander zugewandt sind, einander sehen. Als sein Bruder stirbt, soll Lee die Vormundschaft seines 16-jährigen Neffen übernehmen. In unmarkierten, daher oft angenehm verwirrenden Rückblenden wird erzählt, warum Lee aus dem Ostküstenort Manchester by the Sea fortgezogen ist, warum das Testament seines Bruders ihn überfordert. Und Casey Affleck spielt ihn ohne Schauspiel, mit nahezu unbewegtem Gesicht.

Auch den 16-jährige Patrick erkannte ich (ideal besetzt mit Lucas Hedges), der eben nicht niedlich ist, sondern zwischen kindlicher Egozentrik und Autarkiebestreben schwankt. Mich rührte, wie Lee einerseits hilflos ist im Umgang mit diesem Verhalten, dem Neffen aber dennoch beharrlich und ungelenk voll Liebe beisteht – ich fühlte mich an meinen Vater erinnert.

Und das Filmende liefert weder Erlösung noch menschlichen Wandel. Sondern halt das Finden einer Lösung, mit der sich irgendwie leben lässt.

(Matthew Broderick taucht auch kurz auf – creepy Spießertypen scheinen ihm Spaß zu machen.)

Die Rezension von Tobias Kniebe in der SZ gefällt mir sehr gut:
“In eine Seele schauen, in der nichts mehr ist”.

§

Schmunzeln am Sonntagmorgen:
“10+ Animals That Look Like They’re About To Drop The Hottest Albums Of The Year”.

via Felix M

die Kaltmamsell