Journal Freitag, 10. März 2017 – Münchnerisches

Samstag, 11. März 2017 um 8:49

Diese Arbeitswoche zog sich derart hin, dass ich mich schon fast nicht mehr über den Freitag freute.

In der Mittagspause las ich im Lokalteil der Süddeutschen eine große Abschiedsgeschichte über meine Lieblingswäschehändlerin.

So gut ich Frau Elmpaks Gründe nachvollziehen kann (und sie hatte mir bei meinem letzten Einkauf noch einige Aspekte erzählt, die im Artikel nicht genannt werden): Jetzt muss ich mich dahinterklemmen, noch das eine oder andere helle Set für den Sommer bei ihr zu bekommen. Hat eine von Ihnen Erfahrungen mit dem MCL-Shop in der Klenzestraße? Der sieht zumindest beim Vorbeigehen aus, als könnte er den verschwindenden Treml ersetzen. (Gerne als E-Mail an die Adresse links oben in der Seitenleiste.)

Auf dem Heimweg (bunter Himmel, zapfige Temperaturen, schneidender Wind) nachgesehen, ob die Bavaria nach ihrem Auftritt am Nockherberg wieder gut heim gekommen ist.

Vielleicht sollte Luise Kinseher das nächste Mal den Löwen mitbringen, damit die Diskussion über zu viel oder zu wenig Bissigkeit ihrer Ansprache erst gar nicht aufkommt. (Mir hatte sie gefallen – auch wenn die eigentliche Show das großartige Singspiel war. Hier in der BR-Mediathek zum Nachgucken.)

Herr Kaltmamsell hatte seinen Ehrgeiz daran gesetzt, möglichst viele vorhandene Lebensmittel für das Abendessen aufzubrauchen: Es wurde ein köstliches Chili von carne, Quesadillas hatte er auch dazu gemacht.

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Wegen dieses Tweets über Influencertum im Web nachgedacht: Ja, so funktioniert das tatsächlich.
Giardino bloggt über Kuchen mit Trockenpflaumen drin – kommt auf den Backplan fürs Wochenende.
– Alle paar Jahre kaufe auch ich Nagellack – da ich keine Ahnung habe und keine Lust mir eine anzulesen, erinnere ich mich an die Begeisterung von Vielnagellacklerin Frau Brüllen und gehe im Drogeriemarkt schnurstracks auf die Essie-Palette zu.
– In den vergangenen Wochen schmerzen mich beim gewohnten Seitenschlafen meine Schultern und es schlafen meine Arme ein – das Neue ist, dass das auf beiden Seiten so ist, bislang musste ich nur links aufpassen. Da mein linker Arm auch wach derzeit regelmäßig kribbelt, nehme ich an, dass wieder der Knochensporn im Wirbelkanal eines Halswirbels den Nerv reizt. Vielleicht doch ein anderes Kopfkissen? Und ZACK! fällt mir als Erstes dieses Eva-Kissen ein, dass 2016 quer durch die Blogs meines Internets gesponsert getestet und für gut befunden wurde. In diesem Fall ist mir allerdings das Risiko zu groß und teuer, bei Nichtfunktionieren Müll zu erzeugen, ich würde dann doch ins Fachgeschäft gehen und mich beraten lassen.

Influencertum? Das funktioniert halt wie im Kontakt mit Arbeitskolleginnen, Nachbarn, der Obsthändlerin: Wenn ich jemandes Einschätzung vertraue, nehme ich Tipps an.

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Gefahren des Homeoffice: Man sieht, wie eklig Papa wirklich ist.
(Interessanterweise war im englischsprachigen Raum die Annahme verbreitet, die Retterin sei das Kindermädchen.)

Nachtrag: Und schon gibt es eine gründliche und lustige Fachanalyse der Szene.
“Breaking Down the Father on BBC Being Interrupted by His Children”.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 9. März 2017 – Bezauberndes Westend

Freitag, 10. März 2017 um 6:52

Eine halbe Stunde früher aufgestanden, um Zeit für eine Runde Krafttraining im Wohnzimmer zu haben (nochmal das Programm vom Sonntag) – die ich kurz unterbrach, weil auf dem Balkon die Amsel energisch glucksend nach ihren Rosinen verlangte. Wenn man sie schon erzieht, muss man auch konsequent sein, nicht wahr?

Vielleicht habe ich ein Mittel gefunden gegen die Lästigkeit der PMS-Brustschmerzen: Erzeugung eines so heftigen Brustmuskelkaters (viele Liegestütze, ausführliches Bankdrücken mit 20 Kilo auf der Langhantel), dass nicht unterscheidbar ist, ob der Muskel oder das Bindegewebe weh tut. Clever or what?

Auf dem Fußweg in die Arbeit wurde der Nieselregen immer dichter, ich brauchte meinen Schirm.

Meinen Heimweg in der letzten Abenddämmerung ging ich in durchgehendem Amselgelärme: Anscheinend werden gerade die Reviere aufgeteilt.

Im Westend machte ich einen Abstecher in einen Tengelmann – und hatte das Gefühl, bei einer Familie ins Wohnzimmer zu platzen. In den Gängen halfen die jugendlichen Kunden den ganz alten, man lächelte einander an. Die emsige und sorgfältig hergerichtete Dame an der Kasse kannte wohl jeden: Mit dem etwas abgelebten Herrn diskutierte sie Partnerschaftsprobleme, mit dem Mann in Arbeitskleidung wechselte sie Grüße auf Griechisch, lobte gleich beim nächsten Kunden dessen überraschend gute Griechischkenntnisse, warf der Kollegin an der Nebenkasse Scherzworte zu. Das alles, ohne dass sie ihre Arbeit verzögerte.
Das Westend ist mir schon arg sympathisch. Schaun sie sich die Gegend zwischen Augustiner-Brauerei, Heimeranstraße, Theresienhöhe und Trappentreustraße an, bevor auch hier die Änderungsschneidereien, kleinen Metzger und vielsprachigen Obst- und Gemüseläden durch Cupcake-Cafés und Kinderklamottenboutiquen ersetzt werden. (Mittagessen bei Marietta!)

Gekauft hatte ich Abendessen: Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aushäusig, ich musste mich selbst versorgen. Lange überlegte ich, worauf ich Lust hatte: Nicht auf die ursprünglich vage geplanten Nudeln, weil ich mittags zwei dicke Scheiben Brot mit Avocadomatsch gegessen hatte. Auch nicht recht auf ein Eiergericht oder die Karotten aus Ernteanteil (von denen ich mittags zwei zum Brot gegessen hatte). Dann kam ich drauf: Erbseneintopf aus der Dose. Aß ich zu Studienzeiten gerne, ist bis heute eine Speise, die gerne aus der Dose kommen darf und so klassisch kommt, dass praktisch kein Mist drin ist. Gutes Abendessen.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 8. März 2017 – Beifang aus dem Internetz

Donnerstag, 9. März 2017 um 6:00

Bis 4 Uhr durchgeschlafen, das war schön. Aus einem Traum aufgewacht, in dem ich ein junger Dustin Hoffman in einem Schwarz-Weiß-Film war. Ich war ziemlich beeindruckt von diesem kreativen Ansatz, mein Unterbewusstsein scheint sich beim Sundance Festival Ideen zu holen.

Kalter Tag, dazwischen auch regnerisch.
Kung Pao schmeckt auch kalt zu Mittag.

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Wieder ein ausgezeichneter Artikel im evangelischen Kundenmagazin chrismon:
“Sterben tut weh: Ein Palliativmediziner redet Klartext”.

Wobei die Überschrift genau das Gegenteil aussagt wie Palliativmediziner Sven Gottschling, Chefarzt des Zentrums für Palliativmedizin und Kinder- Schmerztherapie am Univer­sitätsklinikum des Saarlandes: Sterben muss eben nicht weh tun, muss eben nicht schrecklich sein.

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Wenn Sie regelmäßig in München radeln, möchten Sie vielleicht an einer Umfrage des Polizeipräsidiums München teilnehmen: Es sammelt anonym Kreuzungen, an denen geradeaus fahrende Radlerinnen und Radler durch rechtsabbiegende Pkw besonders gefährdet sind – da fallen doch jeder gleich ein paar ein.
“Gscheid radln – aufeinander achten!”

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Ein Twitter-Flirt zwischen dem Los Angeles County Museum of Art und dem Merriam-Webster – herzallerliebst:
“LACMA And Merriam-Webster Are Now Officially BFF On Twitter”.

(Nein, Kommunikationsprofis, sowas könnt ihr nicht in euer nächstes Konzept basteln. Dazu braucht es echte Menschen hinter den Twitter-Accounts, die wie echte Menschen agieren dürfen.)

die Kaltmamsell

Journal Montag/Dienstag, 6./7. März 2017 – Wie komme ich zu mehr Sport?

Mittwoch, 8. März 2017 um 6:43

Das Montagswetter war dann doch nicht so greislich wie angekündigt, ich kam trocken in die Arbeit und wieder heim.
Früh ins Bett, weil ich von der unruhigen Nacht (das wird in der Nacht vor ersten Arbeitstag nach Urlaub in diesem Leben wohl nicht mehr anders werden) erschöpft war.
Zum Abendbrot gab’s Bestell-Sushi, viel davon.

Dienstagmorgen zum Langhanteltraining. Es belastet mich, dass ich während der Arbeitswoche so wenig Bewegung bekomme. Zwar hoffe ich auf das abends längere Licht zur Sommerzeit, aber leider lässt mich mein Körper (Achillessehnen, Lws) nicht so oft dauerlaufen, wie es mein Geist bräuchte – mehr als einmal die Woche zahle ich mit bösen Schmerzen. Nach Feierabend auf den heimischen Crosstrainer? Dazu müsste ich mich mit so viel Energie zwingen, dass es den Spaß nicht aufwöge.

Überraschenden Anruf erhalten, berufliche Alternative könnte sich auftun (mehr in einer Woche).

Bei eisigen Temperaturen nach Hause. Über den Anblick dieses Hauses freue ich mich jedes Mal.

Ich wurde mit köstlichem Garnelen-Kung Pao empfangen.

§

Nach der Erklärung von Frau Brüllen, warum Honig und Obst sicher nicht zuckerfrei sind (mein Zucker ist ja zu 100 Prozent aus Rüben, rein pflanzlich), erklärt Frau Rabe ebenso tief, aber verständlich, was der menschliche Stoffwechsel mit den verschiedenen Zuckern macht:
“Zucker macht Spaß”.

Mit dem wichtigen Fazit:

Glauben sie nix, was ihnen irgendwer als allein selig machend verkaufen will. Der Körper ist komplex.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 5. März 2017 – WMDEDGT

Montag, 6. März 2017 um 6:59

“Was machst du eigentlich den ganzen Tag?” fragt Frau Brüllen immer am 5. des Monats. Und sammelt die Antworten hier.

Ausgeschlafen bis nach sieben. Nickianzug angezogen, Cafetera gefüllt (hatte ich am Vorabend beim späten Heimkommen – nach! halb zwölf! – vergessen. Und hätte es vermutlich auch bei Erinnern nicht gemacht, weil Herr Kaltmamsell neben der Küche in meinem Bett schlief und ich ihn aufgeweckt hätte.)

Zu Milchkaffee Lebenslauf und Zeugnisdatei aktualisiert. Über den Samstag gebloggt.

Als ich der Amsel Rosinen auf die Balkonbrüstung legte (ich kann die Amseldamen nicht wirklich auseinander halten, aber wenn eine auf der Lehne des innersten Balkonstuhls sitzt und fragend ins Wohnzimmer schaut, frisst sie immer begeistert die Rosinen, die ich auslege – gerne schon die erste Rosine, bevor ich die letzte hingelegt habe), sah ich ein dunkelbraunes Eichhörnchen auf dem Geräteschuppen des Nachbargrundstücks herumlaufen.

Abstimmung des Tagesablaufs mit Herrn Kaltmamsell: Ich hatte beschlossen, keinen aushäusigen Sport zu treiben, wir entschieden uns auch gegen eine kleine Wandertour (Wetter war vormittags eh kalt und trüb), heute Häuslichkeiten.

Nach einer Katzenwäsche (Zähneputzen, Gesicht und Achseln entschweißen), zog ich hässliche Sportkleidung an (die, mit der ich nicht im Sportstudio auftauchen möchte) und strampelte 30 Minuten auf dem Crosstrainer. Danach 35 Minuten Krafttraining im Wohnzimmer vor dem Fernseher, ich probierte ein neues Programm bei Fitness Blender. Es brachte mich ganz schön ins Schnaufen und Schwitzen: Während mir bei manchen Fitness Blender-Programmen inzwischen 3-Kilo-Hanteln lieber wären, waren hier die 2 Kilo völlig ausreichend. Statt Dehnen rollte ich danach eine Runde auf der Blackroll (erwünschtes Weihnachtsgeschenk meines Bruders) – aua!

Duschen, die Haare wusch ich mir wie immer ca. einmal die Woche mit meinem teuren Lilashampoo vom Friseur, das ein Gilben meiner weißen Haare verhindern soll (und lila Verheerungen auf dem Duschvorhang anrichtet). Cremen, desodorieren, schminken, Haare trockenföhnen, anziehen.
Der Chlorschnupfen vom Freitag war wohl überwunden: Freitagabend hatte Herr Kaltmamsell noch gefragt: “Heute gar kein Chlorschnupfen?”, als meine Nase schlagartig komplett zuschwoll. Acht Stunden nach Kontakt kann das doch keine Überempfindlichkeit aufs Chlor mehr sein, sondern reine Renitenz des Körpers?

Frühstück um halb eins: Bagelsemmel mit Frischkäse und Gorgonzola (am Vortag hatte ich dick Butter und Gorgonzola kombiniert – das war dann selbst mir zu viel Fett auf einen Schlag), Bananenquark. Obwohl ich den Quark gesüßt hatte, schmeckte die noch harte Banane in dem ganzen am süßesten – das gefielt mir nicht, also goss ich noch ordentlich Ahornsirup darüber – und dachte dabei sehr an die wunderbaren Ausführungen von Frau Dr. Chemikerin Brüllen, warum es chemisch gesehen Blödsinn ist, Obst, Apfelkraut oder Trockenfrüchte als Alternativen zu Zucker einzuordnen:
“Sweet talkin woman”.

Erste Runde Korrekturlesen einer kunstgeschichtlichen Hausarbeit.

Ich verließ das Haus zu einem Schaufensterbummel durch die Altstadt. Es war sonnig geworden, aber kühl geblieben.

Mit den Schaufenstern hatte ich Pech: Sehr viele davon wurden gerade (für die Frühjahrsware?) umdekoriert und zeigten keine Produkte. Ich schlenderte die Sendlinger Straße über den Marienplatz bis zum Odeonsplatz, guckte mir bei Nymphenburger Porzellan schlichte Kuchenteller fur 360 Euro das Stück an. (Ein Nymphenburger Service kauft man doch nicht neu – das erbt man doch?) Über Oper und Dallmayr spazierte ich zurück zur Sendlinger Straße, über die Hackenstraße zurück nach Hause.

Dort Basteln an beruflicher Alternative.
Zweite Runde Korrekturlesen, Absenden an Autorin.

Ich öffnete fürs Abendbrot eine Flasche Weißwein (spanischen Verdejo), goss mir gleich mal ein Glas ein. Herr Kaltmamsell hatte den abgegessenen Jamón-Knochen ausgekocht (Brühe für Cocido und andere spanische Eintöpfe), ich fieselte das restliche Fleisch von den Knochen.

Während Herr Kaltmamsell das Nachtmahl zubereitete (Gerstotto mit Karotten, Pastinaken, Tomatensugo – alles aus Ernteanteil, außerdem Waldorfsalat, ebenfalls hauptsächlich aus Ernteanteil), entwickelte ich Pokémon: 1. Durchgehen des Bestands mit Auflisten der zu entwickelnden, 2. Zünden eines Glückseis und Entwickeln, 3. Aufräumen (= zum Professor schicken) der überzähligen Pokémon.

Nachtmahl zu Tagesschau, Internetlesen zum Schweizer Tatort, hier stand ich aber bereits immer wieder auf, um die Wohnung für den Putzmann aufzuräumen und meinen ersten Arbeitstag nach den Ferien vorzubereiten.

Zähneputzen und -seideln, ins Bett gegen dreiviertel zehn. Dort Beißschiene eingeschoben und noch eine halbe Stunde Hare with the Amber Eyes gelesen.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 4. März 2017 – Bagelfail und Moonlight

Sonntag, 5. März 2017 um 9:43

Gestern gab’s ordentlich Frühlingsvorschuss: Über den Tag wurde es immer wärmer, in der letzten Abenddämmerung spazierte ich zu meiner Kinoverabredung in lauer Luft.

Morgens hatte ich Bagels gebacken – oder sowas Ähnliches. Sie waren zu stark gegangen und fielen beim Kochen zusammen:

Wahrscheinlich war die erste Gehzeit am Vortag zu lang gewesen, zwei Stunden hätten gereicht (ich war zu spät von der Mühlenführung heim gekommen). Die zweite Charge kochte ich lieber nicht, wurden halt Bagelsemmeln.

Nach einer Einkaufsrunde radelte ich zum Friedensengel für eine Laufrunde.

Mal wieder in der Streetart Gallery unterm Friedensengel vorbeigeschaut.

§

Abends im Cinema Moonlight. Gefiel mir gut, überraschend leise und langsam gefilmt. Auch hier viel Kammerspiel (basiert ja auch auf einem Theaterstück, In Moonlight Black Boys Look Blue von Tarell Alvin McCraney), inklusive Verfremdungseffekten unter anderem durch unrealistische Filter und Kamerfahrten im ersten Drittel, durch den Einsatz der Musik und die Besetzung der Hauptfigur in den drei Episoden – nur durch die Handlung wird klar, dass es sich um denselben jungen Mann handeln soll. Die Coming of age-Geschichte der Hauptperson (es tauchen auch weiterhin fast nur Buben in dieser Lebensphase in Filmen auf) kann vor allem deswegen so neu wirken, weil sie gegen die über Jahrzehnte gefestigten Stereotypen dieser Gesellschaftsschicht arbeitet. A. O. Scott drückt es in der New York Times so aus: (It) “evokes clichés of African-American masculinity in order to shatter them”.

Auch hier erleichternderweise kein Happy End, es bleibt halt schwierig.

(Dass der Oscar-prämierte Mahershala Ali sowie Janelle Monáe sowohl im Oscar-nominierten Hidden Figures als auch in Moonlight zentrale Figuren spielen, fand ich seltsam: Ich kann nicht glauben, dass es so wenige herausragende schwarze Schauspielerinnen und Schauspieler gibt. Nennen wir es den Tatort-Effekt: Auch dort scheint immer dasselbe Personal engagiert zu werden, als gäbe es nur eine kleine Auswahl.)

§

Da schau her: Es geht überall so zu. Jo Lendle über das heikle Thema Bürokaffee:
„’Ohne meine zimtfarbene Crema kann ich nicht leben’.“

(Mir fehlte ja die Stimme des Betriebsrat bei der ganzen Sache. Und die der Compliance-Abteilung.)

§

Lassen Sie uns weiterdiskutieren, diesmal anlässlich der Verleihung des “Goldenen Zaunpfahls” für das bescheuertste gegenderte Produkt. Antje Schrupp:
“Gegen den Geschlechterblödsinn”.

Viele meinen, da könnten wir doch ironisch zwinkernd drüberstehen. Ist doch witzig gemeint! Lach mal, du Feministin, mach dich locker!

Diese Gleichgültigkeit ist unangebracht. Wer so argumentiert, überschätzt nämlich grandios die Fähigkeit des menschlichen Bewusstseins, sich gegen ständige subtile Beeinflussung abzuschotten.

(…)

Oder stellen Sie sich mal das vor: Sie stehen vor einem Regal und haben die Auswahl zwischen verschiedenen Tütensuppen, nämlich Brokkolisuppe für Menschen mit Englischkenntnissen und Erbsensuppe für Menschen ohne Englischkenntnisse. Was tun Sie? Sie überlegen unwillkürlich, ob Sie eigentlich Englisch können. Anstatt, wie es vernünftig wäre, darüber nachzudenken, ob Sie lieber Brokkoli oder lieber Erbsen mögen. Und genauso geht es einem Kind, das zwischen einem blauen Handwerkskasten für Jungen und einer rosa Puppenküche für Mädchen wählen soll: Es denkt nicht darüber nach, ob es lieber mit einem Handwerkskasten oder mit einer Puppenküche spielen möchte. Sondern darüber, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.

Das ist für die anstehende Entscheidung aber genauso egal wie der Umstand, ob man Englisch spricht oder nicht für die Auswahl einer Suppe.

Dazu passt auch der Aufsatz von dasnuf:
“Alle sollen Prinzessin sein dürfen”.

Wenn man das Hashtag #goldenerZaunpfahl auf Twitter filtert, stößt man immer wieder auf Frauen, die sinngemäß sagen: „Na und? Ich liebe Prinzessinnen! Ich möchte eben Prinzessin sein. Warum könnt ihr mir das nicht lassen?“

Diese Frauen möchte ich gerne ein bisschen zärtlich schütteln und ich frage mich: Wann werden sie es verstehen?
Wann werden sie verstehen, dass niemand ihnen das Prinzessinsein nehmen will (also ich zumindest nicht) – sondern, dass eine bestimmtes Prinzessinnen-Stereotyp erst dann ein Problem ist, wenn es die einzige Wahl, die einzige Phantasie, das einzige Vorbild für aufwachsende Mädchen ist.

Und hier zum Mitsingen:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/uxuIIKILhgc

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 3. Februar 2017 – Eskalapatie

Samstag, 4. März 2017 um 8:50

Wer Eskalapatie1 nicht kennt, kennt wahrscheinlich auch weder Othelloweit2 noch Esamusawasa3. Hat also nie Volkslieder und/oder Chor gesungen.4
Egal.5

Gestern konnte Herr Kaltmamsell endlich den Punkt “Mühlenführung” von seiner Erinnerungsliste löschen, den ich ihn vor Jahren darauf zu setzen gebeten hatte. (Es hat sich in diesem Hause eingebürgert, dass er sich aufschreibt, was ich ihm mit “Erinnere mich doch, dass ich…” zurufe. Vor Jahren war das “… dass ich an einem freien Tag die freitägliche Führung durch die Hofbräuhaus Kunstmühle mitmachen will.”)

Er kam sogar mit.
Wir waren eine 15-köpfige Gruppe inklusive vier Kindern, auf die besonders eingegangen wurde.

Am längsten verweilten wir im Walzboden, in dem die acht alten Walzmaschinen aus dem Jahr 1921 (ich hätte sie “Mühlen” genannt) mit je vier Metallwalzen für die insgesamt 16 Mühlgänge standen. Wie zu Krabats Zeiten muss der Müller sie selbst reparieren können.
Im Hintergrund sieht man den Mehl-Paternoster für den Abtransport zum Sieben.

Verarbeitet wird hier nur Weizen.

Kontrollanzeigen alt und hochmodern – letztere hinter der Steinmühle für Spezialschrot:

Mitarbeiterin Heidi – ja, sie ist für die Mäuse zuständig.

Zum nächsten Mahlgang führen Rohre in andere Stockwerke.

Die Mehltüten werden mit einer Handmaschine zugenäht (und ich öffne sie immer erst mal an der falschen Seite, von der aus ich sie nicht mit einem Zug aufribbeln kann).

Besonders stolz ist die Mühle auf ihr Farina Tipo OO: Nach eigenen Aussagen backen 70 Münchner Pizzerien mit der Mischung aus drei Weichweizensorten. Auch sonst ist Müller Blum wohl dahinter, die letzten Münchner Kleinbäcker als Kunden zu halten oder zu gewinnen. Der Weizen wird eigenen Angaben zufolge von Landwirten aus dem Umland geliefert.

Aufregend: Die Rutsche, auf der die Mehlsäcke zur Verladung transportiert werden.

Freude zum Abschluss: Lutz Geißlers Brotbackbücher in der Auslage des Mühlenladens.

Die Roggenmehle im Mühlenladen sind zwar zugekauft (außer dem in der Steinmühle gemahlenen Roggenvollkornmehl, das so grob ist, dass ich es als Roggenschrot einsetze), aber wenigstens kriege ich hier fast alle Typen, die ich zum Brotbacken brauche.

Fall es noch nicht implizit klar geworden ist: Große Empfehlung dieser Mühlenführung – so mitten in einer Großstadt und mit dieser Geschichte ist der Betrieb wirklich etwas ganz Besonderes. Auch als Tipp für Münchenurlauber: Wenn Sie mal Freitagnachmittag in München sind, schaun Sie sich das an.

Als der freundliche Führer erklärte, dass es auf dem Walzboden bei laufenden Maschinen viel zu laut wäre, um ihn zu verstehen, fiel mir ein, dass ich vor 30 Jahren als Volontärin einen Radiobeitrag über die damals letzte Mühle in Ingolstadt gemacht habe, über die Schaumühle. Vielleicht mögen Sie sich die zwei Minuten ja anhören – tut mir leid, lauter habe ich’s nicht (und seien Sie gnädig mit den vielen Anfängerfehlern).

§

Schon davor war der gestrige ein sehr schöner Tag gewesen: Ich war morgens zum Schwimmen ins Olympiabad geradelt, hatte mich anschließend mit Herrn Kaltmamsell zum Mittagessen bei Marietta getroffen.

§

Sehr schöne Geschichte als Dokufilm auf Facebook:
“How one woman is fighting food waste in Denmark.”

Es sollte mehr Kochbücher zur Verwendung von Resten oder nicht mehr frischen Zutaten geben. Wer kochen kann, wirft sicher viel weniger weg als Leute, die auf Vorproduziertes angewiesen sind. Doch auch diesen Umgang mit Lebensmitteln kann man doch lernen.

§

Füttert die Wildvögel! Vor allem wenn ihr ländlich wohnt!
“‘Die kleinen Vögel verhungern'”.

§

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr ist Arrival mein Filmfavorit des vergangenen Jahres.

Hier ein ausführlicher und ganz großartiger Überblick über den wissenschaftlichen Hintergrund des Films, inklusive zahlreichen Interviews. (Achtung Spoiler!)
“The Science of ARRIVAL”.

via @alexmazkeit

  1. Die ersten drei Wörter des Volkslieds “Es klappert die Mühle”. []
  2. Anfang von “Oh Täler weit, oh Höhen. []
  3. Nicht ganz Volkslied: Aus Das weiße Rössl das Lied “Es muss was Wunderbares sein…” []
  4. Falls Sie sich schon immer gefragt haben, woher die Leute kommen, die “zum Bleistift” lustig finden. []
  5. Ich bin sicher, ohne Auerhaus hätte ich das nicht geschrieben. []
die Kaltmamsell